DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
SUKKOT 5763
Nr. 374
15. Tischri 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 
 

Der Stand der Dinge...
Wir und die Vorväter in der Sukka
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Die Geschichte des Volkes Israel begann mit unserem Vorvater
Awraham und endet mit dem König Maschiach ("Messias") aus
dem Hause David. Awraham war für uns das Samenkorn, aus
dem das jüdische Volk erwuchs, blüht und gedeit, wie ihm
gesagt wurde: "Und der Ewige sprach zu Awram: Gehe aus
deinem Lande... in das Land, das ich dir zeigen werde, und ich
werde dich zu einem großen Volke machen, und dich segnen,
und groß machen deinen Ruf; und du sollst ein Segen sein"
(Gen. 12,1-2). König Maschiach stellt die süße Frucht dar, in
dessen Zeitalter das Volk Israel die Awraham zu Anbeginn
seines Weges gemachten Versprechungen Wirklichkeit werden
läßt, "..und es werden sich segnen mit dir alle Geschlechter des
Erdbodens" (ebda. 3) - Licht den Völkern. In der Sukka
begrüßen wir jeden Abend einen anderen der Größen unserer
Nation (aramäisch: "Uschpisin"). Nicht nur, daß wir den Vätern
der Nation und ihren Hirten begegnen und ihre jeweiligen
Vorzüge, Ruhm und besonderen Aufgaben erwähnen - auch die
Väter der Nation sehen und betrachten uns, ebenso wie alle
ihre Nachkommen jeder Generation, ihre Lebensumstände und
Taten im Laufe der Geschichte im Sinne von "Und er wird
zurückführen das Herz der Väter zu den Kindern, und das Herz
der Kinder zu ihren Vätern" (Maleachi 3,24).

Nach dem Stand der Dinge können die Väter in uns die
Generation der nationalen Wiedererstehung und der
Einsammlung der Verstreuten erkennen, einen besonderen,
wunderbaren Abschnitt in der Geschichte unserer Nation und
der ganzen Welt. Einerseits gibt es kein deutlicheres Zeichen
für das Ende [der Verstreuung] als die Einsammlung der
Verstreuten und das Erblühen des Landes (Sanhedrin 98a),
andererseits wurden für dieses Zeitalter Kriege prophezeit. In
den Worten der talmudischen Weisen: "Im Siebtjahr Kriege,
beim Ausgange des Siebtjahres kommt der Sohn Davids"
(ebda. 97a).

Der Widerstand gegen die Rückkehr des jüdischen Volkes in
das Land Israel seitens der Völker der Welt ist kein Zufall; er
wurde von allen Propheten und Weisen vorausgesehen, wie
König David es ausdrückte: "Warum lärmen die Völker und
sinnen die Nationen Eitles? ...wider den Ewigen und wider
seinen Gesalbten" (Psalm 2,1-2). Auch das Endergebnis steht
bereits fest: "Du zerschellst sie mit eisernem Stabe, wie
Töpfergeschirr zerschlägst du sie" (ebda.9). Wie glücklich unser
Los: unsere Vorväter und Hirten Awraham, Jizchak und Jakov,
Josef, Moscheh, Aharon und David schauen auf unsere
Generation und sehen, wie sich die "verfallene Sukka Davids"
(Amos 9,11) wieder aufrichtet, wie es heißt: "Der
Barmherzige,... und er führe uns aufrecht in unser Land"
(Tischgebet).

Mit den besten Segenswünschen für ein freudiges Sukkot, und
in Erwartung der vollkommenen Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Frage und Antwort

Ehre deine Mutter

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich habe einige Schwierigkeiten mit meinen Kindern
hinsichtlich des Gebotes der Ehrung der Eltern. Es will mir nicht
in den Kopf, daß sich "ehre deinen Vater und deine Mutter" (Ex.
20,12) auf "er speise ihn, tränke ihn, kleide ihn, hülle ihn, führe
ihn ein und aus" (Kiduschin 31b) beschränkt, und andere
Behandlungen, die das Greisenalter betreffen, oder Dinge wie
"sitze nicht auf dem Platze [des Vaters oder der Mutter]"
(Kiduschin ebda.). Neulich hielt ich ihnen einen kleinen Vortrag
zu einem religiösen Thema und hätte wenigstens von den
Großen hinterher ein anerkennendes Wort erwartet. Sie hielten
das nicht für nötig. Ich war sehr gekränkt. Sie sagten bloß: Dein
Vortrag hat uns nicht interessiert und uns nichts gegeben. Wir
wollten dir nichts vormachen. - Ein Sohn ging sogar mittendrin
hinaus!

Antwort: Es gibt normale, einfache Dinge, von denen es heißt:
"Anständigkeit ging der Tora voran". Um zu wissen, daß man
sich seinen Eltern gegenüber anständig verhalten muß, braucht
man keine Tora, denn das versteht sich von selbst. Gegenüber
allen Menschen muß man sich anständig verhalten, darum erst
recht den Eltern gegenüber. Selbst Eßaw ehrte seinen Vater,
obwohl er Nichtjude war. Einige unserer großen Rabbiner
erklärten, daß alle logisch begründbaren Dinge auch für "Bnej
Noach" [Noachsöhne, Nichtjuden] gelten.

Ebenso hat jeder Mensch das Bedürfnis nach einem netten
Wort, ab und zu, erst recht die Eltern. Selbst wenn wir
entscheiden sollten, daß man nach dem Religionsgesetz nicht
zum Anhören eines Vortrags seiner Mutter oder seines Vaters
verpflichtet ist, wenn er einen nicht interessiert, und selbst wenn
wir entscheiden sollten, daß man nicht dazu verpflichtet ist,
ihnen Anerkennung zu zollen, so darf sich dieser
frischgebackene Kämpfer für Wahrheit und Gerechtigkeit
trotzdem so verhalten und damit eine gute Tat tun.

Man tut nicht immer nur das Minimum, wozu man nach dem
Buchstaben des Gesetzes verpflichtet ist. Viele Menschen tun
Gutes ohne irgendwelche Verpflichtung. Allerdings darf sich,
wer will, auf den "Buchstaben des Gesetzes" versteifen, und
kein Stück darüberhinaus. Doch was die Eltern betrifft, ist die
Lage nicht so simpel. Die Eltern tun für ihre Kinder meist
unendlich mehr, als sie nach dem Gesetz verpflichtet sind. Nach
der Tora brauchen Eltern ihr Kind nicht mehr als die ersten
sechs Jahre zu ernähren - dann kann es ja arbeiten gehen.
Trotzdem ernähren sie es weiter. Zwar wurde diese
Altersgrenze vom israelischen Oberrabbinat auf 15 Jahre
hochgesetzt, aber die Eltern kümmern sich um ihre Kinder auch
nach diesem Alter, sogar noch nach deren Hochzeit. Und nicht
nur das: wozu sind die Eltern bis 15 Jahre genau verpflichtet?
Zu Nahrung und Kleidung. Sie brauchen dem Kind keinen
teuren Unterricht zu finanzieren, auch kein Ferienlager,
Flötenkurse, Freizeitkleidung oder Musik-Kassetten.

Gegenüber ihren Kindern erfüllen die Eltern weit mehr als nur
den Buchstaben des Gesetzes und opfern viel für sie. Deine
Eltern opfern sich für dich auf, ohne jedesmal nach den Kosten
zu fragen. Und du fängst mit kleinlicher Aufrechnung an: dazu
bin ich verpflichtet, dazu bin ich nicht verpflichtet?! Das ist
weder anständig noch moralisch. Du mußt zwar nicht jedem
Menschen mehr als nach dem Gesetz erforderlich Gutes tun;
dabei kannst du jeweils individuelle Maßstäbe anlegen. Bei den
Eltern ist das aber etwas anderes.

Bevor man überhaupt von Elternehrung spricht, sollte man die
Dankbarkeit erwähnen. Für Dankbarkeit brauchen wir keine
Gebote der Tora. Sie gehört zu den Grundlagen jeglicher
Moralität. Die in der Tora erwähnte Elternehrung verlangt mehr
als die einfachen und selbstverständlichen Dinge, auf die wir
auch ohne Tora gekommen wären.

Natürlich kann man sich Eltern vorstellen, die keine Dankbarkeit
verdienen, weil sie ihre Kinder nicht großgezogen, sondern auf
die Straße geworfen haben und erst neuerlich zum religiösen
Judentum zurückkehrten, oder denen die Kinder geraubt und
von anderen Leuten großgezogen wurden. Trotzdem sind deren
Kinder nach der Tora zu ihrer Ehrung verpflichtet.

Im Normalfall aber gibt es Dankbarkeit, die das Fundament
jeglicher Moralität bildet, wie es im Buche "Chowot halewawot"
(Herzenspflichten) erklärt wird. Deine Eltern haben dir so
unendlich viel Gutes getan, und du bist ein einziger Geizkragen,
nicht mal ein nettes Wort hast du für deine Mutter für ihren
Vortrag. Auch wenn er nicht so interessant ist und du lieber
rausgehen möchtest, so leidest du doch wirklich nicht so
furchtbar. Was für ein beschämendes Verhalten!

Hat deine Mutter dir nicht immer geduldig zugehört, auch wenn
du Unsinn und Belanglosigkeiten erzählt hast? Hat sie nicht
Stunde um Stunde an deinem Bett gesessen, obwohl viel Arbeit
auf sie wartete?

Um die Frage zu beantworten, braucht man nicht auf die
Gesetze der Tora über Ehrung von Vater und Mutter
zurückzugreifen. Da Ihr Sohn Tora gelernt hat, wird er
versuchen, Ihren diesbezüglichen Argumenten mit
Wortklauberei zu begegnen. Vielmehr sollten Sie es mit
Argumenten einfacher Sittlichkeit versuchen, mit fundamentaler
menschlicher Moralität, die vor der Tora kommt. Hier geht es im
Prinzip um Dankbarkeit.

Wenn es sich bei den Eltern um grausame Verbrecher handelt,
die ihre Kinder jahrelang quälten, werden wir nicht von ihnen
verlangen, bei einem Vortrag ihrer Mutter stillzusitzen und ihr
dazu noch Komplimente zu machen. Wenn es aber um normale
Eltern geht, die sich für ihren Nachwuchs aufopfern - kannst du
ihnen wirklich nicht die kleine Freude machen? Mußt du dich da
plötzlich ausschließlich an das gesetzlich vorgeschriebene
Minimum halten? So ein Geizkragen im Umgang mit den
Geboten, der auf der Goldwaage prüft, wieviel er verpflichtet ist
und wozu schon nicht mehr! Auch wenn deine Mutter die
Neigung hat, sich häufig zu wiederholen, und dir das auf die
Nerven geht, so wird dir schon nichts passieren, und sicher ist
so eine zornige und unangenehme Reaktion vollkommen
unangebracht. Ein bißchen rein menschliche Anständigkeit!
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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