DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHOFTIM
Nr. 423
2. Elul 5763
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 11,26-16,17):
Segen und Fluch - abhängig von freier Entscheidung;
Vorschriften bezügl. des Opferdienstes, falsche Propheten,
koschere Tiere, Erlaßjahr, Pessach-, Sukkotopfer.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Die Königs-Torarolle

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Für den König von Israel gilt ein zusätzliches Gebot. Während
jedem einzelnen Juden geboten ist, sich eine Torarolle zu
schreiben (allerdings stützen wir uns heutzutage auf die Ansicht,
daß man dieses Gebot durch Erwerb von gedruckten fünf
Büchern Moscheh und weiteren religiösen Schriften erfüllt), muß
sich der König eine weitere Torarolle schreiben. "Und es soll
geschehen, sobald er auf dem Throne seines Königreiches sitzt,
so soll er sich die Wiederholung dieser Lehre in ein Buch
schreiben" (Dt. 17,18). Die Königs-Tora unterscheidet sich von
der Torarolle eines jeden Einzelnen, indem der Einzelne seine
Torarolle aufbewahren kann, wo er will, der König aber muß
seine besondere Torarolle überall und jederzeit dabei haben, wo
er auch hingeht: "Zieht er in den Krieg, so führe er sie bei sich;
kehrt er heim, so führe er sie bei sich; sitzt er zu Gericht, so
halte er sie bei sich; sitzt er bei Tafel, so befinde sie sich ihm
gegenüber; denn es heißt: er soll sie bei sich haben und sein
Leben lang darin lesen" (Mischna, Sanhedrin 21b/Dt. 17,19).

Sollte dieses Gebot den König lediglich veranlassen, jede freie
(oder auch nicht so freie) Minute mit dem Torastudium zu
verbringen, würde seine private Torarolle dazu vollkommen
ausreichen.

Das Schreiben einer zweiten Torarolle, die den König überallhin
begleitet, scheint also einen tieferen Sinn zu haben als den rein
technischen Nutzen, dem König zwecks Studium allzeit zur
Verfügung zu stehen. Entsprechend schrieb Rabbiner A.J.Kuk:
"Die Tora und die Regierungsmacht in Israel sind untrennbar
miteinander verbunden. Während der König auf seinem
Regierungsthrone sitzt, schreibt er sich seine besondere
Torarolle, die Mischne Tora [das 5. Buch Moscheh], ein
besonderes Schreiben, in seiner Eigenschaft als über das Volk
herrschender König und Lenker des öffentlichen Lebens der
Allgemeinheit, außer der üblichen Torarolle, die ein jeder Jude
für sich schreibt, in Erfüllung seiner Pflicht 'und nun denn,
schreibet euch diesen Gesang auf' (Dt. 31,19)". Und weiter:
"Was lernen wir von dieser regierungsherrschaftlichen Pflicht?
Daß der Erhalt der Tora durch das jüdische Volk ein doppeltes
Erhalten ist, ein Erhalt der Pflicht des Einzelnen in seiner
Eigenschaft als ein dem der Allgemeinheit angehörenden
Individuums, der Allgemeinheit der Nation in ihrer Heiligkeit, und
der Erhalt der Tora als ein Erhalt der Nation, die ihr
gesellschaftliches Leben führt, als nationale Eigenschaft"
(Ma'amarej HaRa'aja).

Demnach soll jede dieser beiden Torarollen einem anderen
Bereich des Lebens die Richtung weisen. Die private Torarolle
lenkt das private Leben, und die königliche Torarolle das
öffentliche Leben.

Darüberhinaus geht aus den Lehren von Rabbiner Kuk hervor,
daß die private Torarolle die für jedermann geltenden Gesetze
lehren soll, wie sie vom ganzen Volk aus dem Munde der
Toragelehrten gelernt werden. Die königliche Torarolle
hingegen wird vom König selbst gelernt und gedeutet. Der
König muß die Tora studieren und von ihr die Kunst des
Königtums lernen. In diesem Sinne schrieb auch der
Talmudkommentator Me'iri (lebte vor etwa 700 Jahren in
Südfrankreich) zur obigen Mischna, warum der König seine
besondere Torarolle dabeihaben müsse, wenn er zu Gericht
sitze. Damit ist nicht gemeint, wenn er nach dem Toragesetz
urteilt, sondern wenn er jemanden richtet, der gegen das
Landesgesetz verstoßen hat. Auf diesem Gebiet besitzt der
König weitreichende Autorität. "Er darf sich Bahn brechen, ohne
daß jemand es ihm wehren kann" (Mischna, Sanhedrin 20b). Er
darf sogar jeden töten lassen, der sich gegen seine Autorität
auflehnt. Man könnte leicht zu der Überzeugung gelangen, daß
er wegen seiner weitreichenden Befugnisse überhaupt nicht den
Toragesetzen unterworfen sei, da er Gesetze ohne jegliche
Basis in der Tora erlassen darf.

Doch hier erkennen wir nun das Hauptziel der königlichen
Torarolle. Man kann darin wohl schwerlich eine formale
Legitimation erkennen, königliche Dekrete und Staatsgesetze
zu verabschieden und danach Gesetzesbrecher im Rahmen des
privaten bzw. öffentlichen Rechtes zu verurteilen. Darum
besteht eine große Gefahr, daß der König nach Belieben
Gesetze erläßt, die seinen ureigenen Überlegungen
entspringen, von kulturfremden oder sogar abwegigen
Prinzipien beeinflußt sind, einzig und allein verankert im
menschlichen Denken und jenseits jeder Göttlichkeit. Damit
auch seine regierungsherrschaftlichen Überlegungen den
Wegen der Tora folgen, geleitet vom Wissen um G~tt, muß er
seine besondere Torarolle überall und jederzeit vor Augen
haben. Damit das Wort G~ttes ihm eine ständige Quelle der
Grundwerte und der Ethik bei all seinen
Regierungsentscheidungen sei, muß er sich alle Tage seines
Lebens damit beschäftigen. Er muß jeden Tag G~ttesfurcht und
die Einhaltung aller Toraworte lernen, damit er seine ständige
Unterworfenheit unter G~ttes Oberhoheit fühlt. Dazu ist die
zweite, die königliche Torarolle bestimmt. "Und er soll sie bei
sich haben und sein Leben lang darin lesen, damit er lerne den
Ewigen seinen G~tt zu fürchten, all die Worte dieser Lehre und
dieser Satzungen zu beobachten, um sie auszuüben" (Dt.
17,19). Durch das Verdienst seiner privaten Torarolle, die er mit
jedem einfachen Bürger gemeinsam hat, wird für ihn gelten:
"daß sich nicht erhebe sein Herz über seine Brüder" (Dt. 17,20),
und durch das Verdienst der herrschaftlichen, ihm besonderen
Torarolle wird sich an ihm erfüllen: "daß er nicht weiche von
dem Gebote rechts noch links" (ebda.). Und durch das
Verdienst beider zusammen wird sich an ihm und am ganzen
Volke erfüllen: "auf daß er lange lebe in seinem Königreiche ...in
Israels Mitte" (ebda.).

Nebenbei bemerkt - wann wird wohl so eine Torarolle für den
israelischen Regierungschef geschrieben werden?
 
 
 
 
HaRav Aviner

MEIN Land!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Wir erleben schwere Zeiten des Kampfes um jeden Zentimeter
des Landes Israel; und das nicht erst seit heute, sondern schon
seit der Staatsgründung, und noch vorher.

Ist es nicht merkwürdig, wie es dem Volk in Zion schwerfällt,
diese Definition über die Lippen zu bringen: "Das ist mein
Land"!? Wo gab es so etwas schon einmal in der
Weltgeschichte: das-ist-mein-Land-und-nicht-mein-Land?

Manche reden zwar von allgemeiner Einmütigkeit darüber, daß
dies unser Land ist - "nur daß wir auch zu Zugeständnissen
bereit seien". Aber was bedeutet diese Bereitschaft in
Wirklichkeit? Daß dies nicht unser Land ist! (g~ttbehüte). Kein
normales Volk verzichtet auf Teile seines Landes. Was würde
man von Jemandem halten, der bereit ist, pro Tag eine halbe
Stunde auf seine Ehefrau zugunsten seines Nachbarn zu
verzichten? Damit erklärt er in aller Öffentlichkeit, daß sie nicht
seine Frau ist, sondern eine Art Dienstmädchen, das ihm seine
diversen Bedürfnisse erfüllt. Genau wie in unserem Fall: ein
Zeichen, daß es nicht unser Land ist, sondern nur diverse
Gebiete zu unserer Benutzung. Jener braucht nicht so viele
Gebiete, genau wie er nicht so viele Stunden sein
Dienstmädchen braucht, das ihm zudem Unkosten verursacht.

Woher kommt das eigentlich, daß wir so zu unserem Land
stehen?! Und noch schlimmer: Manche brauchen noch nicht
einmal dieses Dienstmädchen, sie wollen gar nicht im Lande
wohnen, sondern viel lieber im Ausland, und sind bereit, den
ganzen Staat Israel dichtzumachen.

Dann ist uns doch derjenige lieber, der sein Land für ein
Dienstmädchen hält, aber auf jeden Fall darin wohnt und sein
Leben in der Armee riskiert. Er ist auch besser als derjenige,
der zwar hier wohnt, aber aus dem Staat eine Föderation
machen will, so eine Art Mehr-Partner-Ehe.

Eigentlich ein Wunder, daß die Führer unseres Staates nicht
lautstark verkünden: Das ist UNSER Land! Unser
Regierungschef behauptet sogar, das Land sei erobert!
"Verzeihung, ich habe Ihr Dienstmädchen benutzt, ich werde es
Ihnen sofort zurückgeben!".

Der Grund für dieses Wunder ist sehr einfach und sehr traurig:
Das furchtbare Exil (Galut), so schrecklich viele Leiden,
Pogrome und Erniedrigungen, bis daß wir nicht genug Mut und
Selbstvertrauen für den Ausruf aufbringen: Das ist UNSER
Land!

Schon Rabbi Awraham ibn-Esra (Torakommentator aus der
Periode der Rischonim) wunderte sich, wie 600.000 bewaffnete
junge Männer am Schilfmeer vor den Ägyptern Angst haben
konnten und nicht gegen sie kämpften. Seiner Ansicht nach
hatte diese Angst keinen praktischen Hintergrund, sondern
seelischen: Wer so lange ein Sklavendasein gefristet hatte, war
einfach nicht fähig, seinem ehemaligen Herrn die Stirn zu
bieten. In ganz Ägypten gab es nur einen einzigen Mann, der
erhobenen Hauptes einherging, ohne Angst, die Wahrheit
auszurufen: Laß mein Volk ziehen! - das war unser Lehrer
Moscheh. Und warum? Weil er nicht als Sklave aufwuchs,
sondern als freier Mensch im Palast des Königs; ohne
Unterwürfigkeit, ungebeugt und furchtlos.

Wir verstehen, wenn ein zweihundert Jahre lang versklavtes
Volk zu einer Ansammlung von Angsthasen wird, und erst recht
ein Volk, das zweitausend Jahre Exil mit Pogromen, Inquisition
und Vertreibungen erlebte, Kreuzritter-Massaker und
Chmelnizki-Kosakenüberfälle, und die Schoa! Wie kann man da
ein Selbstvertrauen entwickeln?!

So schrieb unser Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Hakohen Kuk:
Die Erschütterung, der seelische Schaden durch die Schoa
hindert uns daran, mit der Faust auf den Tisch zu schlagen und
zu rufen: Das ist mein! (Lenetiwot Israel I,94).

Im Ausspruch "Das ist mein!" besitzen wir die Zauberformel, die
alle Probleme löst. - "Wie bitte? Mit all dem Druck von innen
und den Feinden von außen? Sicher ist es unser, man muß
aber doch Realist bleiben?"
Antwort: Genau umgekehrt! Weil du nicht sagst: "Das ist
mein!", gibt es Druck und Terror.

Du redest von deiner Frau, als wäre sie ein Dienstmädchen,
und das ist der Grund für alle deine Eheprobleme. Nur weil ein
Mann für seine Frau zu Allem bereit ist, wagt niemand, sie
anzurühren. Wenn das Volk sagt: Das ist MEIN Land! Wir
werden auf keinen Zentimeter verzichten!, und wir sind dafür zu
Allem bereit - dann braucht man sich schon nicht mehr dafür
aufzuopfern, weil nämlich keiner noch wagt, es anzutasten.

Alles Gerede über die Bereitschaft zu territorialen
Zugeständnissen wegen des Terrors ist genau das, was den
Terror begünstigt. Auch der grausamste und dümmste Feind
wird sich nicht in den Kampf werfen, wenn er von vornherein
ohne Hoffnung ist. Ein von Zweifeln geplagtes Volk jedoch
fordert den Terror geradezu heraus, g~ttbehüte.

Viele gute und teure Menschen, die ihr Leben für das Land
Israel und das jüdische Volk zu geben bereit sind, wissen nicht,
in welche Richtung die Dinge laufen: Bereitschaft zu
Zugeständnissen <-> Terror. Es sind keine schlechten
Menschen, sie sind nur verwirrt, unschlüssig. Möge G~tt sie
beschützen und sie auf den Pfad des Lichtes zurückführen.

Ja, das ist die Zauberformel: Das ist mein! Mein, weil der Herr
der Welt es mir gab, weil hier meine Geschichte stattfand und
-findet, weil ich hier geboren und aufgewachsen bin, weil hier
meine Persönlichkeit entstand und weil ich hier baute. Hier
gründete ich mein Königtum, lange bevor es auf der Erde
Christen und Moslems gab. Doch wegen unserer Sünden
wurden wir aus unserem Lande vertrieben, und jene nutzten die
Gelegenheit, unseren Platz wegzunehmen. So eine
Unverschämtheit, welch ein Verbrechen und welche
Grausamkeit! Nicht jene erbauten dieses Land vor vielen
tausend Jahren, sondern wir pflanzten und wuchsen dort.
Womit könnte man die Geschichte vergleichen? Mit zwei
Eheleuten, die jung, aber unreif heirateten, die aber gemeinsam
im Laufe der Zeit reifen. Seit wir in Vorzeiten in unser Land
kamen, reiften wir gemeinsam, erbauten wir es und uns in ihm.

Wir und dieses Land sind ein Paar aus alten Zeiten. Auch wenn
es zwischenzeitlich wie Scheidung oder Witwentum aussah, -
"ich gedenke dir deine jugendliche Huld" (Jirmijahu 2,2).

Das ist mein!, so versprach es G~tt, so steht es in der Tora, so
lautet die Halacha, so verhält es sich nach der Geschichte, so
entspricht es der Ethik, der Gerechtigkeit und sogar dem Willen
der Völker der Welt laut Balfour-Deklaration und Völkerbund-
Entscheidung (San-Remo-Konferenz). Wie man es auch dreht
und wendet - das ist mein!

Du nimmst mir nicht meine Frau, nicht einmal für fünf Minuten -
weil sie meine Frau ist, und ich bin dir dafür keinerlei Erklärung
schuldig. Nur daß ich verstehe, daß sie nicht mein
Dienstmädchen ist, das ich mal für eine halbe Stunde ausleihen
kann. Tausende Jahre lebtest du ohne Land, du hast einfach
vergessen, was das bedeutet.

"Es gibt aber doch Probleme?" Nein, es gibt keine Probleme! Es
gibt ein Eheleben, und da spricht man nicht dauernd von
Scheidung! Der erste Grundsatz: Keine Scheidung! Auf dieser
Basis macht man sich an die Lösung der Probleme, - so wie
jedes Volk in seinem Land Probleme löst. Manchmal gibt es im
Leben unlösbare Probleme, und dann muß man sich in Geduld
fassen. Es ist aber verboten, bei jedem Problem gleich von
Scheidung zu reden, vielmehr ist dies unser Land auf immer
und ewig.

Darauf stützen sich unsere Rechte und unsere Pflichten, so wie
der Ausspruch "das ist meine Frau" gleichzeitig Rechte und
Pflichten mit sich bringt. Ich baue und werde erbaut in diesem
Land, das ist alles ein-und-dasselbe.

Merken wir uns diese Zauberformel: Dies ist MEIN Land!
Wegen der Galut haben wir die einfachsten Dinge vergessen.
Man muß das hunderte und tausende Male wiederholen,
morgens, mittags und abends, bis es ein Teil von uns selbst
wird. Diese Formel wird wahre Wunder wirken!
 

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