DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT RE'E
Nr. 422
25. Aw 5763
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 11,26-16,17):
Segen und Fluch - abhängig von freier Entscheidung;
Vorschriften bezügl. des Opferdienstes, falsche Propheten,
koschere Tiere, Erlaßjahr, Pessach-, Sukkotopfer.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Recht auf Wohltätigkeit

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Großen Raum nimmt in unserem Wochenabschnitt die Hilfe ein,
die dem Armen und Dürftigen zu leisten ist, und zwischen den
Zeilen der Toraverse wollen wir versuchen, die Grundsätze der
Tora für eine Sozialpolitik herauszufiltern, nach der G~tt uns
handeln sehen möchte.

Zum Ersten wird während des ganzen Wochenabschnittes
deutlich hervorgehoben, daß die Spendengabe an die Armen
eine persönliche Pflicht ist. Nirgendwo in der Tora ist von
regierungsamtlicher Spendenhilfe die Rede. Der Einzelne muß
dem Armen den Armenzehnt geben, ihm mit einer Anleihe
aushelfen, wenn er darum bittet, und ihn mit dem versorgen,
was ihm mangelt. Vom Einzelnen wird verlangt, den Armen an
seinem Friedensopfer teilhaben zu lassen [das zwar im Tempel
geopfert, aber dessen Hauptteil vom Eigentümer verzehrt wird],
wie auch am Zweiten Zehnt und am Tierzehnt, die er nach
Jerusalem bringt, und an seinen Festmahlzeiten. Das ist nicht
die Aufgabe der Behörde (obwohl sie diese Aufgabe freiwillig
übernehmen darf, oder wenn sich die Einzelnen zusammentun,
um ihre Spenden effektiver einzusetzen, usw.). Der Einzelne
trägt persönlich die Verantwortung für "den Konvertiten, die
Waise und die Witwe, die in deinen Toren" (Dt. 14,29), d.h., die
in seiner Gegend und in seiner Stadt wohnen, und er kann sie
nicht auf das Establishment abwälzen.

Für die individuelle Pflicht der Armenhilfe gibt es viele Gründe.
Die bürokratische Sozialhilfe folgt in ihren Kriterien dem
Buchstaben des Gesetzes, wohingegen sich die persönliche
Gabe unmittelbar nach dem subjektiven Bedürfnis des Armen
richtet, so wie er vor uns steht. Nur so läßt sich gebieten, dem
Armen zu geben "hinreichend für seinen Mangel - selbst ein
Pferd zum Reiten und einen Sklaven vor ihm herzulaufen" (Dt.
15,8/Ketubot 67b). Die institutionelle Hilfe, verabreicht von
Sachbearbeitern (oder immer häufiger von Computern) ist
kaltherzig und fremd. Zur persönlichen Spende hingegen läßt
sich eine bestimmte Haltung gebieten, eine freundliche Miene,
Warmherzigkeit und persönliche Beziehung. "Geben sollst du
ihm, und laß nicht leid sein deinem Herzen" (Dt. 15,10). Mit
dieser persönlichen, freundschaftlichen und liebevollen
Einstellung läßt sich das wiederholte Geben an denselben
Menschen gebieten, auch wenn es sich um einen Bedürftigen
handelt, dem wir nicht zur Selbständigkeit verhelfen können. Da
unser Bestreben nicht darauf abzielt, die Armut abzuschaffen,
sondern darauf, unsere Hilfe dem gegenwärtigen Armen
anzubieten, werden wir keine Frustration leiden, wenn wir
wieder und wieder demselben Menschen helfen. "Geben sollst
du ihm - sogar hundertmal" (ebda., Raschikommentar).

Und noch etwas. Die amtliche Armenfürsorge sieht in der Armut
eine Belastung für die Gesellschaft, die so schnell wie möglich
aus der Welt zu schaffen ist. Die private Spendengabe
hingegen hat nichts mit Armutbeseitigung im Sinn, sondern
beschäftigt sich mit der Rettung eines spezifischen Menschen
aus den Klauen der Armut. In diesem Fall bedeutet die
Erscheinung der Armut kein Ärgernis, sondern bietet jedem die
Gelegenheit, sich mit dem Geben, der Mildtätigkeit und der
Wohltätigkeit zu beschäftigen. Eine Gesellschaft, in der es
weder arm noch reich, Helfer oder Geholfene gibt, ist eine
verkommene Gesellschaft, wo ein jeder sein egoistisches Leben
lebt und nicht auf den Nächsten achtet (siehe
Sowjetrussland...).

In diesem Lichte wollen wir nun einen berühmten Widerspruch
zwischen zwei Versen betrachten. Einmal heißt es: "Es sei
denn, daß unter dir kein Dürftiger ist" (Dt. 15,4), und etwas
weiter: "Denn nicht aufhören wird der Dürftige innerhalb des
Landes" (V.11). Dazu erklärte Raschi im Namen der
talmudischen Weisen: "Nur zur Zeit, da ihr den Willen des
Ewigen erfüllt, werden die Dürftigen bei anderen und nicht unter
euch sein; wenn ihr aber den Willen des Ewigen nicht erfüllt,
werden die Dürftigen unter euch sein". Ein vertiefender Blick in
die Worte der Weisen wird unsere Ansicht bestätigen. - Die
Armut erfüllt eine bedeutsame Aufgabe in der moralischen
Festigung der Gesellschaft. Demnach müssen wir wissen, daß
auch nach allen unseren Anstrengungen, einen bestimmten
Armen von seiner Armut zu befreien, die Erscheinung der Armut
nicht aus der Welt verschwinden wird. Wann wird "unter dir kein
Dürftiger" sein? Wenn wir den Willen G~ttes erfüllen. An dem
Tage, an dem der Mensch nicht erst Leid ansehen muß, das ihn
zur Wohltätigkeit aufrüttelt, sondern er sich einfach freut,
seinem Nächsten Gutes zu tun, auch wenn der gar keine Hilfe
benötigt - dann kommt die Welt ohne Armut aus. An dem Tage,
an dem wir alle z.B. uns gegenseitig das wunderbare Geschenk
zu geben wissen - das Geschenk eines Lächelns - ohne das
niemand reich genannt werden kann, und das selbst der Ärmste
geben kann, dann können wir uns des baldigen Sieges über die
Armut gewiß sein.

Mit dieser Einstellung, die die positive Aufgabe des Armen beim
Aufbau der menschlichen Gesellschaft versteht, werden wir den
Armen nicht nur als Geschöpf im Ebenbild G~ttes zu
respektieren wissen, sondern auch als jemanden, der eine
lebenswichtige Aufgabe bei der moralischen Besserung unserer
Gesellschaft erfüllt, wofür er persönlich einen schweren Preis
zahlt, zu seinem und unserem Leidwesen. Darum ißt er gratis
an unserem Tische nicht wegen der Mildtätigkeit, sondern erhält
von uns sein gutes Recht (zedek). Deshalb, betonte einmal
Rabbiner A.J. Kuk, heißt die Gabe an die Armen "zedaka".
 
 
 
Frage und Antwort

Die Qual der (Partner-)Wahl

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Fortsetzung zu den Artikeln "Das Monstrum" (Nr. 337, Schemot 5762)
und "Ratschläge zur Partnersuche" (Nr. 410, Bemidbar 5763)

Heiratsalter
Frage: Muß ich schon mit 18 heiraten? Es heißt doch "mit 18
zur Chuppa", und meine Freundinnen heiraten bereits. Dadurch
fühle ich mich unter Druck gesetzt. Andererseits möchte ich erst
einen Beruf erlernen.
Antwort: Heute wird man erst später "18", etwa zwischen 20
und 25, jeder nach seiner seelischen Reife. Vor 20 ist es noch
zu früh, und nach 25 hat sich die Persönlichkeit schon zu sehr
gefestigt. Darum empfiehlt es sich, eine Verbindung vor diesem
Zeitpunkt aufzubauen. Laß dich also nicht nervös machen und
lerne in Ruhe den Beruf deiner Wahl. Es ist eine große
Belastung, morgens aufzustehen und zu einer ungeliebten
Arbeit zu gehen. Man sollte aber die Pläne für vor der Ehe auf
das Nötigste beschränken. Ein Mädchen sollte keine zwei Jahre
Zivildienst leisten, und auch eine Verbindung von Zivildienst und
religiösem Seminar kann schon zuviel des Guten bedeuten.
Natürlich muß man jeden Fall einzeln beurteilen.

Internet
Frage: Es scheint mir keine gute Idee, seinen Ehepartner über
das Internet zu suchen, denn dort gibt es keine zusätzlichen
Informationen, und vielleicht lügt der Kandidat und legt mich
rein.
Antwort: Richtig. Offenbare darum nicht zuviel von dir selbst.
Das Internet ist nur gut für eine Vorauswahl. Wenn die Sache
interessant zu werden beginnt, tauscht Telefonnummern aus.
Wenn es dann noch ernster wird, nennt eure Namen und
beginnt, Näheres über den Partner herauszufinden. Und erst
dann ist es Zeit für eine persönliche Begegnung. Diese Methode
hat verschiedene Vorteile: ein schüchterner Mensch braucht
nicht sofort so viel von sich offenzulegen, man kann mit
Leichtigkeit suchen und braucht nicht ewig auf ein Angebot zu
warten, geringe Kosten, und wenn es mal nicht klappt, ist die
Enttäuschung nicht so groß. Eignet sich aber nicht für Jeden.

"Speed-Dating"
Frage: Wie kann man bei einer Begegnung von nur 7 Minuten
jemanden kennenlernen?! Das setzt einen doch furchtbar unter
Druck!
Antwort: Richtig, manche Leute fühlen sich dabei unter Druck.
Diese Methode paßt zu einem gelockerten Typus, aber nicht zu
einem angespannten. Auch hierbei handelt es sich nur um eine
Vorauswahl, die weitere Möglichkeiten eröffnet. Nicht für
jedermann geeignet.

Vorabprüfung
Frage: Sie schrieben früher, man solle vor der ersten
Begegnung soviel wie möglich aus objektiven Quellen über den
anderen herausbekommen. Gibt es überhaupt solche Quellen?
Jeder wird doch als Referenzen nur seine Freunde nennen, die
natürlich nur Gutes über ihn sagen. Und wenn ich seinen Feind
erwische, wird er mir nur Schlechtes erzählen. Ein neutraler
Mensch wird ihn zu wenig kennen, um mir nützliche
Informationen geben zu können.
Antwort: Richtig, das ist nicht leicht, darum schrieb ich "soviel
wie möglich". Es gibt aber dennoch viele ehrliche Menschen.

Armut
Frage: Ich habe ein wunderbares Mädchen kennengelernt, nur
fehlen ihren Eltern die Mittel, uns eine Wohnung zu finanzieren.
Soll ich die Verbindung abbrechen?
Antwort: So ein Blödsinn! Zu Rabbiner Arje Levin kam einmal
ein junger Mann und erzählte ihm, daß man ihm ein Mädchen
mit vielen Vorzügen vorgeschlagen habe, nur daß ihre Eltern
arm seien. "Was soll das heißen, 'nur daß ihre Eltern arm
seien'", wunderte sich Reb Arje, "das ist doch ein großer
Vorzug!".

Adoptivkind
Frage: Sollte man dem Mädchen gleich mitteilen, daß der
vorgeschlagene Jüngling ein Adoptivkind ist, da es doch
sowieso früher oder später herauskommt?
Antwort: Das hat keine besondere Bedeutung. Die Hauptsache
ist der junge Mann selber. Darum kann man diese Tatsache
verschweigen. Da sie aber zu einem bestimmten Zeitpunkt
bekanntgemacht wird, sollte man es lieber gleich tun. Das
bedeutet aber nicht, das Verschweigen sei eine Sünde.

Nichtjüdischer Vater
Frage: Sie schrieben früher, daß ein nichtjüdischer Vater des
Mädchens kein Kriterium sei. Das macht aber doch etwas aus,
denn sie darf keinen Kohen heiraten!
Antwort: Stimmt.

Krankheit
Frage: Ich habe erfahren, daß der Verlobte meiner Freundin an
einer schweren physischen oder psychischen Krankheit leidet,
fürchte mich aber, die Verbindung platzen zu lassen.
Antwort: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Lev. 19,18).
Würdest du ihn heiraten?! Manche solche Paare wurden schon
im ersten Jahr geschieden, sogar in der ersten Woche, weil Alle
Bescheid wußten - und schwiegen. Schlag im Buch "Chafez
Chajim" (Gesetze von der üblen Nachrede) nach, und du wirst
sehen, daß so eine Information nicht als üble Nachrede
verboten ist.

Schönheit
Frage: Das mir vorgeschlagene Mädchen hat viele Vorzüge,
nur gehört die Schönheit leider nicht dazu.
Antwort: "Trug ist die Anmut, und eitel die Schönheit; ein Weib,
das den Ewigen fürchtet, das werde gerühmt" (Sprüche 31,30).
Hauptsache, sie ist in deinen Augen schön, wie Maimonides
schrieb.

Charakterähnlichkeit
Frage: Sollte ich ein Mädchen suchen, das mir charakterlich
ähnelt, weil wir dann besser zueinander passen?
Antwort: Das ist nicht so wichtig. Dieser Punkt ist sowieso in
der vorgenannten Antwort enthalten.

Kleidung
Frage: Sie schrieben, wenn das Mädchen kurze Ärmel trägt,
braucht das kein Hinderungsgrund zu sein. Das ist doch aber
verboten?
Antwort: Sicher ist das verboten. Das ist auch bestimmt nicht
ihre einzige Sünde. Auch du begehst Sünden. Ich auch. Du
wirst keinen Engel finden.

Frage: Und wenn sie Hosen trüge?
Antwort: Hast du vor, jetzt mit mir alle Kleidungsstücke einzeln
durchzugehen? Das Prinzip sollte doch wohl klar sein.

Himmlische Vorbestimmtheit
Frage: Wenn einem doch vom Himmel der Ehepartner
vorbestimmt ist, wie kommt es, daß manche trotzdem nie
heiraten?
Antwort: Weil der Betreffende sich nicht genug angestrengt
hat, seinen vorbestimmten Partner ausfindig zu machen, nicht
wie z.B Avigail, die sich aktiv um König David bemühte und ihn
denn auch bekam. Oder sie wiesen den vorbestimmten Partner
wegen Nebensächlichkeiten zurück.

Temperament
Frage: Das Mädchen macht einen Eindruck von G~ttesfurcht
und guten Eigenschaften, scheint aber nicht das richtige
Temperament zu haben.
Antwort: Man sollte mit solchen Definitionen nicht übertreiben.
Wenn die Ehe nur daraus besteht, einander temperamentvoll in
die Augen zu schauen und es dabei an G~ttesfurcht mangelt,
dann wird die Ehe bald zu einem verzehrenden Feuer.

Dauer einer Begegnung
Frage: Sie schrieben früher, daß anderthalb Stunden für eine
Begegnung ausreichten. Ich brauche aber länger, bis ich mich
unbefangen mit jemandem unterhalten kann.
Antwort: Anderthalb Stunden sollten auch für dich ausreichen.
Allerdings ist das eine individuelle Angelegenheit, und wenn du
länger brauchst, so setze die Begegnung so lange wie nötig fort.

Wutausbrüche
Frage: Sie rieten einmal dazu, Pläne überraschend zu ändern,
um zu sehen, wie die andere Seite reagiert und eventuell Wut
zeigt. Die Verbindung zwischen zwei Menschen muß doch auf
der Grundlage von Vertrauen, Ehrlichkeit und gegenseitigem
Respekt gebaut werden.
Antwort: Vertrauen muß erworben werden und gerechtfertigt
sein. Eheunglück durch herrschsüchtigen Ehepartner muß so
weit wie möglich vermieden werden. Nebenbei bemerkt
bedeutet ein Anfall von Zorn noch nicht das Ende der Welt. Die
Frage lautet vielmehr, wie er sich in diesem Zustand verhält.
"Einen Menschen erkennt man... an seinem Zorne" (Eruwin 65b).

Prügelnder Ehemann
Frage: Eine Freundin von mir wurde nach Jahren des Leidens
von ihrem schlagwütigen Ehemann geschieden. Läßt sich so
etwas rechtzeitig vor der Ehe erkennen?
Antwort: Verdeckte Gewalt läßt sich schon bei der ersten
Begegnung ausmachen. Ein Warnzeichen ist z.B. die
Herrschsucht ("Diese Freundin scheint mir kein guter Umgang
für Dich zu sein"), die sich auch scheinbar nett äußern kann
("Ohne Schminke bist Du viel hübscher" - auf den ersten Blick
ein Kompliment), oder als Kritik ("Schminken ist doch blöd"),
jeder Versuch, an dir herumzuändern, dich zu verbessern, zu
kritisieren ("Deine Kleidung ist nicht sittsam"), Arroganz ("Ich
verstehe davon mehr als Du").

Zwei Eisen im Feuer
Frage: Sie schrieben einmal, daß ein Junge parallel mit zwei
Mädchen auf Eheanbahnung geht oder ein Mädchen mit zwei
Jungen. Ist das nicht verboten?
Antwort: Es ist erlaubt, zwei Möglichkeiten zu erwägen, um
sich für eine zu entscheiden. Das kann natürlich zu
Gefühlsverwirrung führen, aber das hängt wiederum von der
Persönlichkeit ab. Natürlich darf man nicht verlauten lassen,
daß man mit noch jemandem ausgeht, denn man soll
niemanden kränken. Trotzdem gibt es hier einen Schimmer von
Irreführung, denn der andere glaubt ja, er sei der einzige
Kandidat, weiß nichts von einem Konkurrenten und baut unnötig
eine Gefühlsbeziehung auf. Darum sollte man von dieser
Methode die Finger lassen, außer in Ausnahmefällen, wenn z.B.
das Mädchen schon älter ist, die Beziehung irgendwo ins
Stocken geriet und die einzige Alternative im Abbruch der
Bekanntschaft besteht. In solchen Fällen sollte man einen
Rabbiner um Rat fragen.

Vorschläge machen
Frage: Es tut mir leid um all die Ledigen, die nicht zur Chuppa
finden, aber häufig werde ich abgewiesen, wenn ich mit einem
Vorschlag ankomme. Es ist mir schon nicht mehr angenehm.
Antwort: Nur nicht aufgeben. Mache ihnen weiter Vorschläge.
Glaube mir, ihnen fällt ihr Zustand noch schwerer als dir. Dir
geht es ja gut, du bist schon verheiratet. Ruhe dich also nicht
auf deinen Lorbeeren aus. Wenn du viele Ledige kennst,
überschwemme sie mit Vorschlägen. Sie haben doch keine
andere Möglichkeit. Sie laufen nicht in Diskotheken herum. Hast
du Freundinnen und Freunde, verwende jeden Tag ein paar
Minuten auf Überlegungen, wer zu wem paßt. Laß nicht sie
suchen, sondern suche du für sie. So haben die meisten Paare
zueinander gefunden.

Einmischung
Frage: Manchmal scheint mir ein Paar nicht zusammenzupassen.
Ist es meine Pflicht, sie davon zu überzeugen?
Antwort: Bitte misch dich nicht in einen Schiduch ein. Damit
kannst du großen Schaden anrichten. Sage nicht: Warum mußt
du nur mit einer neuerlich religiös Gewordenen ausgehen, mit
einer Konvertierten, mit einer Sefardin, mit einer Geschiedenen
oder einer Witwe. Das sind alles keine Kriterien. All die
Vorgenannten sind ausgezeichnet. Geschiedene und Witwe
sind sehr gut. Du bist nicht gut.

Seelische Vorbereitung
Frage: G~ttseidank heirate ich demnächst. Wie bereite ich mich
darauf vor?
Antwort: Einst fragte jemand vor seiner Hochzeit Rabbi Arje
Levin, wie er mit seiner Zukünftigen umgehen solle. Dieser
wunderte sich: "Sie ist doch wie dein Körper! Geh mit ihr um,
wie du mit dir selber umgehst". Einmal saß bei ihm ein
zerstrittenes Paar, und in einigen Stunden angestrengter
Seelenmassage gelang es ihm, den Haussegen wieder
geradezuhängen. Am nächsten Tag kam der glückliche
Ehemann mit einer großen Spende für die Jeschiwa. Rabbi
Levin nahm sie jedoch nicht an und schickte den Mann
stattdessen los, von dem Geld schöne Kleider für seine Frau zu
kaufen. "In diesem Fall ist ein Geschenk wichtiger als eine
Spende für wohltätige Zwecke", sagte er ihm.

Dazu noch ein Rat von meiner Wenigkeit: Lernt das Buch
Messilat Jescharim ("Der Weg der Frommen", Rabbiner
Moscheh Chajim Luzatto) mehrmals von A bis Z durch.
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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