DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT PEKUDE
Nr. 398
4. Adar II 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 38,21-40,38):
Genaue Materialliste des Heiligtums, Details der Dienstkleidung
der Kohanim und des Hohepriesters; Abnahme und Aufstellung
des Heiligtums durch Moscheh und Einweihung.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Exil und Erlösung

Rav Jakov Halevi Filber
Rabbiner an der Jeschiwa
"Merkas HaRav", Jerusalem

Rabbiner Moscheh ben Nachman ("Nachmanides", einer der
führenden Torakommentatoren der Periode der Rischonim vor
etwa 800 Jahren) nannte zu Beginn seines Kommentares zum
2. Buch Moscheh (Schemot, Exodus) diesen Teil des
Pentateuch das "Buch des ersten Exils und der Erlösung
daraus". War die Erlösung aus Ägypten ein einmaliges Ereignis,
das zur Vorgeschichte unseres Volkes gehört und außer
geschichtlicher Erinnerung keine praktische Bedeutung für die
fernere Zukunft hat? Ist sie für unsere heutige Zeit irrelevant? In
diesem Zusammenhang lesen wir beim Propheten Micha (7,15):
"Wie in den Tagen deines Auszuges aus dem Lande Ägypten
werde ich es [das Volk Israel] Wunder sehen lassen", d.h., die
Erlösung aus dem ägyptischen Exil war kein einmaliges
Ereignis, sondern Muster für die zukünftige Erlösung. Die
Botschaft des Propheten enthält auch eine bedeutende
Mitteilung für unsere Generation: er fordert uns auf, die
Geschehnisse beim Auszug aus Ägypten genau zu studieren,
um dadurch Erscheinungen und Ereignisse der Vergangenheit
besser zu verstehen, die sich im Laufe der zukünftigen Erlösung
wiederholen werden.

Die Worte des Propheten Micha sind jedoch sehr allgemein
gehalten, und er schildert nicht die genauen Einzelheiten, worin
die Wunder der Zukunft dem Auszug aus Ägypten gleichen
werden. Die gewünschte Ergänzung zur Prophezeiung Michas
finden wir beim Propheten Jecheskel (Kapitel 36), der vor uns
eine detailliertere Beschreibung mit parallelen Bezugspunkten
zwischen der Erlösung aus Ägypten und der zukünftigen
Erlösung ausbreitet, und sogar bei den Ursachen des Exils gibt
es Ähnlichkeiten bei beiden Exilen. Die Ursache für unser bis
auf den heutigen Tag andauerndes Exil war "grundloser Haß",
den es auch im ägyptischen Exil gab, über das göttliche Dekret
des "Bundes zwischen den Teilstücken" (siehe Gen. 15. Kap.)
hinaus, wie wir den Worten unseres Lehrers Moscheh
entnehmen: "Fürwahr, die Sache ist bekannt geworden!" (Ex.
2,14), und dem Raschikommentar dazu (der einen Midrasch
zitiert): "er war besorgt, weil er in Israel Bösewichter, nämlich
Angeber (Denunzianten und üble Nachrede Verbreitende) sah,
da dachte er, wenn das ist, sind sie vielleicht nicht würdig, erlöst
zu werden... Fürwahr, die Sache ist bekannt - jetzt ist mir die
Sache klar, über die ich mich gewundert habe, was hat Israel
mehr gesündigt als alle 70 Völker der Welt, daß es durch harten
Dienst unterdrückt wird; aber ich sehe, daß sie es verdienen".

Die Ähnlichkeiten hören jedoch nicht mit dem Exil auf, sondern
finden sich auch beim Ablauf der Erlösung. Genau wie im
Buche Schemot wird es drei Stationen der Erlösung geben:
1. physische Erlösung (Auszug aus Ägypten), 2. spirituelle
Erlösung (Übergabe der Tora), 3. göttliche Präsenz in unserer
Mitte (bei der Fertigstellung des Wüstenheiligtums), wie das
Buch Schemot endet: "Denn die Wolke des Ewigen war über
der Wohnung des Tages, und eine Feuerflamme war darin
Nachts vor den Augen des ganzen Hauses Israel auf all ihren
Zügen" (Ex. 40,38). Entsprechendes steht im Buche Jecheskel.
Nachdem der Prophet das Exil verkündete: "Und ich
versprengte sie unter die Völker, und sie wurden zerstreut in die
Länder" (Vers 19), beschrieb er die drei Stufen der zukünftigen
Erlösung: 1. physische Einsammlung der Verstreuten: "Und ich
werde euch nehmen aus den Völkern, und euch sammeln aus
all den Ländern, und euch nach eurem Lande bringen" (V.24).
2. Phase: spirituelle Erlösung, "und auf euch sprengen reines
Wasser, und ihr werdet rein sein von allen euren Unreinheiten...
Und ich gebe euch ein neues Herz, und einen neuen Geist geb'
ich in eure Brust... und mache, daß ihr nach meinen Satzungen
wandelt und meine Rechte wahret und sie tut" (V.25-27).
3. göttliche Präsenz für Alle sichtbar in ihrer Mitte: "und ihr sollt
mir ein Volk sein, und ich werde euch ein G~tt sein" (V.28).
Schon in der ersten Phase, der physischen Erlösung, finden wir
Parallelen zwischen den beiden Erlösungen. So sagte der
Prophet Jecheskel: "Nicht euretwegen tue ich es, Haus Israel,
sondern meines heiligen Namens wegen" (V.22), und so finden
wir im Midrasch zum Hohelied über den Auszug aus Ägypten:
"'Stimme meines Geliebten! - siehe da kommt er' (Hohelied 2,8)
- das ist Moscheh, als er zu Israel sagte: In diesem Monat
werdet Ihr erlöst! Da sagten sie zu ihm: Unser Lehrer Moscheh,
wie können wir denn erlöst werden, wir haben doch keine guten
Werke vorzuweisen? Da sprach er zu ihnen: Da er [G~tt] eure
Erlösung wünscht, betrachtet er nicht eure bösen Taten,
sondern was betrachtet er? Die Gerechten, die unter euch sind,
und ihre Taten". Das bedeutet, daß beide Erlösungen nicht
durch das Verdienst Israels ausgelöst werden, sondern allein
durch himmlische Gnade.

Auch bei der zweiten Stufe, der spirituellen Erlösung, erkennen
wir Parallelen. Bei der Versammlung am Berge Sinai heißt es:
"und sie stellten sich auf an dem Fuße des Berges" (Ex. 19,17) -
"dies lehre, daß der Heilige, gepriesen sei er, über Israel den
Berg wie einen Kübel stülpte und zu ihnen sprach: Nehmet ihr
die Tora an, so ist es recht, wenn aber nicht, so ist hier euer
Grab" (Awoda sara 2b). So eine Zwangsverpflichtung finden wir
auch in der Prophezeiung Jecheskels: "und mache, daß ihr
nach meinen Satzungen wandelt und meine Rechte wahret und
sie tut" (s.o.). Das stellt keinen Widerspruch zur
Entscheidungsfreiheit des Menschen dar, wie es heißt: "Alles ist
in den Händen des Himmels - außer der Himmelsfurcht"
(Brachot 33b), denn diese Regel gilt nur im Bereich des
Individuums, bei der persönlichen Lebensführung des
Menschen; Vorgänge aber, die die jüdische Allgemeinheit
betreffen, unterliegen nicht der Entscheidungsfreiheit, sondern
werden von der göttlichen Planung für das Volk Israel bestimmt.

Nur in der letzten Stufe finden wir einen Unterschied zwischen
den beiden: Nach der Erlösung aus Ägypten ruhte die göttliche
Präsenz nur auf einem eng umgrenzten Gebiet, nämlich dem
Wüstenheiligtum, während der Rest der Welt von keiner
Änderung betroffen wurde. Bei der zukünftigen Erlösung wird
sich die göttliche Präsenz jedoch über die gesamte Schöpfung
erstrecken, wie Rabbiner A.J.Kuk in seinem Buch Orot
Hakodesch schrieb: "Die Erhebung alles Weltlichen zum
Heiligen - das ist die Eigenschaft der Hervorragenden unter den
Gerechten, und dies ist die Eigenschaft, die der Welt in ihrer
erhabenen Zukunft vorgesehen ist; an jenem Tage wird selbst
das Wiehern der Pferde G~tt geheiligt sein".
 
 
 
Frage und Antwort

Immer gute Taten

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

[Folgender Dialog stammt aus Rabbiner Aviners wöchentlicher
Live-Radiosendung "Fragen und Antworten" der Radiostation
"Aruz schewa", 1. Tewet 5763]

 "Vielleicht können Sie mir helfen."

RA: "Ich würde mich freuen."

 "Bei meiner Geburt stattete mich der liebe G~tt mit der
Eigenschaft aus, immer helfen zu wollen. Nägel mit Köpfen. Ich
halte nichts von halben Sachen. Ich bin im Internat
aufgewachsen, seit der 7. Klasse. Wenn ich im Unterricht etwas
kapiert hatte, konnte ich mich noch am selben Tag hinsetzen
und alles fünfmal wiederholen, um Klassenkameradinnen zu
helfen. Das hat mir sogar Spaß gemacht. Ich lasse mich jetzt
zur Sozialhelferin ausbilden und komme mit vielen Menschen
zusammen, die einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten
wollen. Plötzlich entdecke ich, daß sie alle mit ihrem eigenen
Lebenskampf beschäftigt sind und der Ehre und ihren eigenen
Interessen nachlaufen. Wenn man etwas Gutherzigkeit zeigt,
Allen einen guten Tag wünscht - machen sie sich darüber lustig.
Ihr ganzes Verhalten ist von Zynismus geprägt. Das geht mir
furchtbar gegen den Strich. Ich spüre eine Atmosphäre der
Scheinheiligkeit. Denken Sie auch so? Was sollte ich aus der
ganzen Geschichte machen, um in dieser Welt zu überleben?"

RA: "Ich denke, daß du ein seltenes Geschöpf mit einer
goldenen Seele bist. Unser Vorvater Awraham sandte seinen
Bediensteten Eli'eser aus, um seinem Sohn Jizchak eine
Ehefrau zu suchen. Diese Aufgabe war von höchster
Verantwortung, hing doch davon das Schicksal des Volkes
Israel ab. Awraham heiratete Sara - daraus gingen wir hervor.
Und Hagar - und wer ging daraus hervor...! Sicher überlegte
Eli'eser den ganzen Weg lang, welches Mädchen er wohl
auswählen sollte. Vielleicht ein reiches Mädchen, das viel Geld
in die Ehe einbringt? Nein, das ist nicht so wichtig. Vielleicht ein
hübsches Mädchen? Nein, das ist auch nicht so wichtig.
Vielleicht ein kluges und geistreiches Mädchen? Auch nicht. Da
sprach er: Wenn ich sie um etwas Wasser bitte, und sie gibt mir
- das ist die Richtige. Und so geschah es auch. "Laß mich doch
nippen ein wenig Wasser aus deinem Kruge" (Gen. 24,17), und
sie gab ihm und seinen Kamelen zu trinken. Ein Kamel kann
Unmengen von Wasser trinken, und er hatte mehrere, dazu
noch zehn Leute Begleitung. Riwka lief zigmal vom Brunnen zur
Tränke und wieder retour, und der Mann steht da und krümmt
keinen Finger. Ein anderes Mädchen hätte an ihrer Stelle
gesagt: Bin ich etwa Ihr Dienstmädchen?! Können Sie nicht ein
bißchen mithelfen?! Sie aber dachte, vielleicht leidet er an
Leistenbruch oder Hexenschuß, und machte weiter. Zum
Schluß sagte ihr Eli'eser: Wie ich sehe, läßt du dich wirklich
ausnutzen. Mein Herr Awraham ist der "König der Sich-
ausnutzten-Lassenden". Du paßt also genau in unsere Familie.
Komm mit uns. - Wenn man Awraham um etwas bat, stand er
nicht nur sofort zur Verfügung, sondern lief auch noch den
Leuten entgegen, um ihnen zu helfen, obwohl er gerade erst
seine Brit-Mila hinter sich hatte. Du stammst also aus gutem
Hause."

 "Mit G~ttes Hilfe. Aber Riwka fühlte sich nicht verletzt? Dachte
sie sich nichts dabei, daß er so gar nicht mithalf, wo sie sich so
abrackerte? Tat ihr das nicht weh?"

RA: "Das kann schon sein, sie machte aber jedenfalls weiter,
ohne groß Fragen zu stellen. Wie sich Andere verhalten, ist
nicht ihr Problem. 'Vier Dinge benötigen der Stärkung' - und
gute Taten sind eines davon (Brachot 32b). Es kommt häufig
vor, daß jemand für seine guten Taten kein Wort des Dankes
erhält und keine Wertschätzung erfährt, im Gegenteil, er wird
sogar gering geachtet. Manche nehmen es ihm sogar übel.
Unser Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk erzählte von einem
Mann, der jemandem aus der Klemme half. Dieser sagte: Du
hast mir so sehr geholfen, wie kann ich das je gutmachen? Da
antwortete jener: Häufig kommt es vor, daß jemand für seine
guten Werke Undank und Rache erntet. Meine Bitte: Wenn du
dich an mir rächst, sei nicht zu grausam dabei."

 "Er ist aber nicht mit Freude bei der Sache. Er macht zwar mit
seinen guten Werken weiter, auch wenn man ihn verletzt, und
vielleicht fühlte auch Riwka sich verletzt - aber wie kann er
dabei sein ganzes Leben lang froh sein?"

RA: "Sie hat sich nicht wirklich getroffen gefühlt. Sie hatte es
doch überhaupt nicht nötig, ihm zu helfen. Sie hatte einfach
Freude daran, anderen zu helfen, auch wenn sie nichts als
Undank erntete."

 "Was sagte sie also zu sich selber?"

RA: "Du lernst doch Sozialhilfe. Dazu mußt du wissen, daß eine
Sozialhelferin bei ihrer Arbeit manchmal Leuten hilft, die dann
nicht Danke sagen, sondern obendrein noch etwas auszusetzen
haben und sich beschweren gehen, und überhaupt fortwährend
Feindseligkeit ausstrahlen. Um als Sozialarbeiterin Erfolg zu
haben, mußt du dich vorsehen, nicht vollständig von der Arbeit
aufgesogen zu werden, um keinen Schaden zu erleiden. Du
weißt, daß du Gutes tust, und damit ist es genug. Du bist nicht
die Aufpasserin über andere, du nimmst dir die Taten anderer
nicht zu Herzen, sondern tust einfach weiter Gutes, ohne etwas
dafür zu erwarten. Du weißt, daß der Heilige, gelobt sei er, dich
gern hat, dich schätzt, auf dich stolz ist und seinen Engeln sagt:
Kommt, seht wie die da unten anderen Gutes tut."

 "Das also werde ich denken: So verhaltet ihr euch mir
gegenüber, aber G~tt ist mein bester Freund - ist das in
Ordnung?"

RA: "Das ist vollkommen in Ordnung."

 "So werde ich also mit G~ttes Hilfe denken. Vielen Dank, Herr
Rabbiner."

RA: "Alles Gute."

* * *

Wem der Ausdruck "G~tt ist mein bester Freund" ein wenig
radikal erscheint, betrachte folgende Quellen:
"Wenn du gebürgt für deinen Nächsten (re'echa)" (Sprüche 6,1)
- Raschikommentar: "nachdem du ein Bürge wurdest für den
Heiligen, gelobt sei er, der dein Nächster ist, wie es heißt: 'das
ist mein Geliebter, das mein Trauter (re'i)' (Hohelied 5,16)".
"Deinen Freund (re'acha), und den Freund (re'a) deines Vaters
verlasse nicht" (Sprüche 27,10) - "der Heilige, gelobt sei er,
heißt 'Freund Israels'; und 'Freund deines Vaters', der deine
Vorväter hochschätzte" (Raschi).
"..das Haus deines Nächsten (re'echa)" (Sprüche 25,17) - "das
Haus deines Freundes, der Heilige, gelobt sei er, der Israel
'Freunde' nannte, wie es heißt: 'Um meiner Brüder und Freunde
(re'ai) willen' (Psalm 122,8)" (Raschi zu Chagiga 7a).
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel:
http://www.israelnn.com
- auf russisch:
http://www.sedmoykanal.com
 

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