DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NEZAWIM-WAJELECH
Nr. 426
23. Elul 5763
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der ehemaligen Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 29,9-31,30):
Das ganze Volk am Bund mit G~tt beteiligt, nochmalige
Ermahnung zur Einhaltung der Gebote, göttliches Versprechen,
auch nach schwerer Strafung zu G~tt und Land
zurückzukehren. Moschehs 120. Geburtstag, moralische
Unterstützung für seinen Nachfolger, Jehoschua, Ausblick auf
die Zukunft, Wohlstand wird zur Abwendung von G~tt und
Strafe führen.
 
 

Der Stand der Dinge...
Einheit und Liebe
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Ihr steht heute alle vor dem Ewigen, eurem G~tte" (Dt. 29,9) -
der Raschikommentar zitiert einen Midrasch: "Warum schließt
sich der Abschnitt "Nezawim" an die Verwünschungen [der
vorigen Parscha] an? Weil, als die Kinder Israel die 100
Verwünschungen weniger 2 außer den 49 im Levitikus hörten,
ihre Angesichter erblaßten und sie sagten, wer vermag dabei zu
bestehen; darum fing Moscheh an, sie zu besänftigen: Ihr steht
heute...; d.h. ihr habt viel erzürnt vor dem Ewigen, und er hat
euch doch nicht aufgerieben; und siehe, ihr besteht vor ihm" -
eine unbestreitbare Tatsache, das Volk Israel lebt und besteht
bis auf den heutigen Tag und in Ewigkeit.

Der Torakommentar "Me'or veSchemesch" erklärt, Moscheh
gab dem Volke einen Rat, wie sie sich vor allen Flüchen
schützen könnten: "Der beste Schutzschirm gegen das Unheil
sind Liebe und Einheit. Wenn Liebe und Einheit im jüdischen
Volk herrschen, hat das Unheil keinen Platz, wie unsere Weisen
sagten: 'Gebunden an die Götzenbilder ist Efrajim, sei es sich
selber überlassen!'  (Hoschea 4,17) - selbst wenn sie Götzen
dienen, und sie aber dabei einig, ohne Trennung der Herzen
verbunden sind, genießen sie Ruhe und Stille und entfernen
sich dadurch von den Flüchen und den Leiden (Bereschit raba
38,6), und das bedeutet 'Ihr steht heute alle [vor dem Ewigen,
eurem G~tte]' - dadurch, daß 'eure Häupter, eure Stämme, eure
Ältesten und eure Aufseher, alle Männer Israels' (Dt. 29,9)
geeinten Herzens und in Nächstenliebe seien". Genauso hatten
sich die Kinder Israel am Fuße des Sinaigebirges wie ein Herz
und eine Seele versammelt und erhielten darum, wegen der
Einheit, die Tora (Ba'al Haturim).

Nach dem Stand der Dinge, am Vorabend des Neujahrsfestes,
wenn wir beten: "Beende ein Jahr und seine Flüche, beginne
ein Jahr und seine Segnungen", reichen Segenssprüche nicht
aus, wir müssen auch selber etwas unternehmen, damit die
Flüche und das Unheil von uns weichen und wir in den Genuß
des Segens kommen. Je mehr wir für die Einheit der Nation
aktiv sind und die Nächstenliebe in Israel mehren und in Liebe
zusammenleben, können wir vor unseren Feinden bestehen,
ihnen entgegentreten und sie besiegen, um schließlich Frieden
zu erlangen und voranzukommen auf dem Wege zur
vollständigen Erlösung, wenn unsere Bitte in Erfüllung geht: "Hilf
deinem Volke und segne dein Erbe, und weide und trage sie bis
in Ewigkeit" (Psalm 28,9).

In Erwartung vollkommener Errettung,
Rav Dov Begon
 
 
 
Frage und Antwort

Rabbi Nachman in Uman

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: 1) Ist es erlaubt, oder sogar geboten, zum Grabe Rabbi
Nachmans aus Breszlav zu reisen, obwohl es sich im Ausland
befindet? 2) Hat der Ausspruch "Na, Nach, Nachm, Nachman
Me-Uman" irgendwelche spirituelle Tiefe? 3) Sollte man
überhaupt aus den Schriften Rabbi Nachmans lernen?

Antwort: 1) Reise nach Uman (Ukraine) zum Grab: Es ist
verboten, auch nur kurzfristig das Land Israel zu verlassen,
außer zur Ausführung eines wichtigen Gebotes, wie zum
Beispiel Torastudium, oder um eine Frau zu finden
(Maimonides, Mischne Tora, Gesetze von Königen und Kriegen
5,9), oder, nach dem Tossafotkommentar zum Traktat Awoda
Sara 13a und dem Schulchan Aruch (O.C. 531,4) für jedes
Gebot. Doch gibt es kein Gebot, an den Gräbern der Gerechten
zu beten, weder nach der schriftlichen noch nach der
mündlichen Lehre. Bekanntlich besuchte Kalev ben Jefunneh
wohl das Grab der Vorväter bei der Auskundschaftung des
Landes Kanaan, um von ihnen Hilfe gegen den bösen
Ratschluß der anderen Kundschafter zu erbitten, und im Talmud
gibt es dazu noch weitere Beispiele, doch all dies erreicht nicht
den Rang eines Gebotes, sondern zeugt "nur" von spiritueller
Größe. Also darf man zu diesem Zwecke nicht das Land Israel
verlassen.

Ja, und gibt es denn in Israel einen Mangel an Gräbern?!
[Anspielung auf Ex. 14,11]. Auch unter Anerkennung Rabbi
Nachmans Größe und Heiligkeit - er selber würde sicher
zustimmen, daß Awraham, Jizchak, Jakov, Sara, Riwka und
Lea in der Höhle Machpela in Chevron unendlich viel
bedeutender sind als er, und außer jenen noch zahllose Helden
und Weltgrößen, die ihre letzte Ruhe in heiliger Erde fanden.
Und was Rabbi Nachman Jenen versprach, die an sein Grab
kommen, kann tausendmal besser an den Gräbern der Heiligen
und Reinen in unserem Lande erlangt werden.

Ich habe gehört, daß der geniale Rabbiner Schlomo Salman
Auerbach sel. auf dem Wege von seiner Jerusalemer Wohnung
zu der Jeschiwa, an der er lehrte, am Herzl-Berg neben dem
Armee-Friedhof anhielt und auf dem Fußweg stehend einige
Gebete sprach. Dort seien Soldaten begraben, gab er als Grund
an, die für die Heiligung des göttlichen Namens starben - warum
solle er also solche Gerechte in der Ferne suchen?

Es macht keinen Sinn, zwischen Gräbern der Gerechten
künstliche Unterschiede zu konstruieren. Vielleicht könnte man
glauben, wenn ein Schüler von Rabbi Nachman aus Breszlav,
dessen gesamte geistige Welt auf dessen Lehren beruht und er
sich darum besonders zu ihm hingezogen fühlt, für ihn ein
Besuch am Grabe seines Meisters einen besonderen Wert
habe, obwohl dieser von geringerer Statur war als im Lande
Israel begrabene Rabbiner. Entsprechend wird im Talmud von
einem Toragelehrten erzählt, der zum Grab von Rabbi Chija
reiste, um sich dort niederzuwerfen und Heilung von seiner
Blindheit zu erbitten. Als Grund gab er an: "Ich studiere die
Lehre des Meisters" (Baba Mezia 85b). Unser großer Lehrer,
Rabbiner A.J. Kuk schrieb allerdings, daß aus dieser
Begebenheit keineswegs mit Klarheit eine Erlaubnis für die
Reise ins Ausland herausgelernt werden kann - als ob die Liebe
zu den Vorvätern in Chevron nicht die Verehrung seines Rabbis
übersteige (siehe Responsen Mischpat Kohen, §147).
Zusammengefaßt läßt sich sagen, daß es keine klare Erlaubnis
für die Anhänger Rabbi Nachmans gibt, ins Ausland an sein
Grab zu reisen, und erst recht gibt es keine Erlaubnis für
Andere. Und was die Versprechungen Rabbi Nachmans für die
Juden im Ausland angeht, die sein Grab besuchen kommen, so
werden sie ein Vielfaches für ihren Besuch bei Gräbern der
Gerechten im Lande der real existierenden Heiligkeit erhalten.

2) "Na, Nach, Nachm...": Diesen Ausdruck fand einer seiner
Schüler auf einem Zettel geschrieben, und auch mit dem besten
Willen läßt sich dabei kein geistiger Tiefgang feststellen. Darum
gibt es hier zwei Möglichkeiten: Als gutes Merkzeichen, an
Rabbi Nachman und seine Lehre zu erinnern, wollen wir ihn
gelten lassen. Wenn aber jemand glaubt, mit diesem Spruch
könne die Welt erlöst oder jemand von seinen Privatproblemen
befreit werden, so handelt es sich dabei um einen Irrtum, denn
der Herr der Welt lehrte uns, nicht durch fromme Sprüche,
sondern durch Dienst an G~tt, verbunden mit großer
Anstrengung Verdienst zu erwerben. Und wer etwa glaubt,
diese Formel wirke Wunder, kann damit leicht dem Verbot der
"Wege der Emoriter" anheimfallen, ähnlich wie der im Talmud
(Pessachim 112a) erwähnte Ausspruch "Schabriri-briri-riri-iri-ri",
d.h. Aberglauben. Die genaue Definition für "Wege der
Emoriter": alle Methoden, die nicht auf rationelle Erklärungen
fußen und auch nicht durch Versuche erhärtet werden können.
Sie wurden weder durch den Verstand noch die Erfahrung
bewiesen. Deshalb gelten die "Wege der Emoriter" als
Untergruppe des Verbotes, den der Tora widersprechenden
Gesetzen und Gebräuchen der Nichtjuden zu folgen.
Ausnahme: zur Heilung. Wenn es der medizinischen
Behandlung dient, Leute diese Methode für wirksam halten und
Umstände anführen, in denen sie angeblich geholfen hat,
obwohl es keinen ernsthaften wissenschaftlichen Beweis dafür
gibt, so ist es dennoch erlaubt (siehe "Betrachtungen" Nr. 296).

3) Studieren der Schriften Rabbi Nachmans: Als unser großer
Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk als junger Schüler von 15-16
Jahren in der Jeschiwa "Torat Chajim" in der Altstadt von
Jerusalem lernte, versuchten ihn Breszlaver Chassidim von
ihrer Lernweise zu begeistern. Darüber befragte er seinen
Vater, Rabbiner Awraham Jizchak Kuk, der ihm davon abriet:
"Ich bin voller Dank für das Buch 'Gespräche des Rabbi
Nachman', welches du mir geschickt hattest. Ich habe es bereits
durchgelesen. Das innere Wesen dieses großen Mannes bedarf
umfangreichen Studiums, doch braucht man dazu ein gesundes
Herz und eine gesunde Seele und ein gutes hygienisches
Verhalten im Hinblick auf Psyche und Physiologie und eine
angemessene, geradlinig ausgerichtete Verbindung mit den
übrigen Studien für und wider solche Anschauungen - dann
werden diese Dinge erleuchten, wie es ihnen angemessen ist"
(Likutej Hara'aja).

Aus diesen Worten können wir drei Dinge lernen:
a) Rabbi Nachman war ein großer Mensch.
b) Bevor man sich mit seinem Wesen auseinandersetzt, muß
man ein ausgeglichener Mensch von ausgewogenem Charakter
sein, gesund an Körper und Seele.
c) Ebenfalls muß man sich vorher mit anderen Studien
beschäftigen, die es einem ermöglichen, die Lehren Rabbi
Nachmans mit anderen Anschauungen vergleichen zu können.

Zusammengefaßt läßt sich feststellen, daß diese Lehren nicht
für einen Anfänger des Torastudiums geeignet sind, sondern für
Jemanden, der schon viel Tora gelernt und gute Eigenschaften
erworben hat.

Später verfaßte Rabbiner Kuk eine spirituell-poetische
Phantasie über Rabbi Nachman aus Breszlav, wie er einen
heiligen Vortrag in der Nacht von Rosch Haschana hält (Ginsej
Hara'aja).

Im Jahre 5707 (1947) schrieb jemand: "Rabbi Nachman von
Breszlav, der weder Kabbalist noch Philosoph war...". Rabbiner
Zwi Jehuda Kuk sah sich genötigt, darauf zu antworten und
richtigzustellen, daß er ganz sicher ein Kabbalist war, und
zitierte aus verschiedenen Quellen: "Ein großer Mensch von
den Gewaltigen... der verborgene Weisheiten kennt, Blüte der
Geheimnisse, Deuter des Verborgenen und des Mystischen...
mit Worten rationeller Erkenntnis göttlichen Geistes... wie Honig
des heiligen Ari sel. [größter Kabbalist der letzten 500 Jahre,
"Ari" auch Löwe, Anspielung auf Richter 14,8]. Und auch die
Behauptung 'noch Philosoph' ist ihm weder würdig noch
entspricht sie der Wahrheit, und mit dieser allgemeinen
doppelten Verneinung bestreitet er dem so Bezeichneten jede
originelle Denkweise, der in Wahrheit selbst durch Verneinung
der Philosophie und der Betonung des Wertes der
Geradlinigkeit und der Einfachheit eine tiefgehende Denkweise
von heiliger Originalität offenbart; so wie die Philosophie des
Rabbi Jehuda Halevi im Buche 'Kusari' als Philosophie der
Verneinung der Philosophie definiert ist" ("Lenetiwot Israel II,
S.214-215).

Das heißt, die Ablehnung der Philosophie durch Rabbi
Nachman ist nicht einfach Negierung, sondern entspringt
tiefschürfendem Denken, so wie die charakterliche
Geradlinigkeit ein Zeichen spiritueller Tiefe ist.

Kurz gesagt, das Studium der Schriften Rabbi Nachmans -
nachdem der Mensch gute Charaktereigenschaften erwarb, und
nachdem er sein Gehirn mit Talmud und Gesetzen,
Glaubensgrundsätzen und Lehren der Ethik angefüllt hat.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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