DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MISCHPATIM
Nr. 393
29. Schwat 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 21,1 - 24,18):
Gesetze vom Umgang mit Sklaven, von den Schädigungen
durch Mensch, Tier und Feuer, Diebstahl, Leihe, Hütung, Leihe,
Wucher, Gerichtsbarkeit, Schabbat u.v.a.m. G~tt verspricht
Segnungen und Hilfe bei der Eroberung des Landes Israel,
wenn die Gebote eingehalten werden; das Volk verspricht die
Einhaltung der Gebote, und sie zu erlernen; Moscheh steigt auf
den Berg Sinai, um die Gesetzestafeln zu erhalten.
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Auf den Hund gekommen

Rav Jakov Halevi Filber

"..vor den Hund sollt ihr es werfen" (Ex. 22,30). Der Hund wird
in der Schrift 29mal erwähnt, meistens in negativem
Zusammenhang. Z.B. sagte Goliat zu David: "Bin ich ein Hund,
daß du zu mir kommst mit Stöcken?" (Schmu'el I, 17,43), oder
David im Psalm: "Denn mich umringen Hunde, der Bösewichter
Rotte umkreist mich" (22,17), und Schlomos Worte in den
"Sprüchen": "Wie ein Hund zurückkehrt zu seinem Auswurf"
(26,11). Auch die talmudischen Weisen bedenken den Hund
nicht gerade mit Komplimenten; als sie eine verkommene
Generation beschreiben wollen, bedienen sie sich des Hundes
als Beispiel: "Das Antlitz der Generation wie das Antlitz des
Hundes" (Sanhedrin 97a). Oder die Worte Rabbis im Talmud
jeruschalmi: "'läßt er auch seine Feinde mit ihm Frieden
machen' - damit ist der Hund gemeint" (Trumot 8,3; nach
"Sprüche" 16,7). Auch Amalek, der gegen Israel zu kämpfen
kam, wurde mit dem Hund verglichen: "Als Israel anfing, zu
zweifeln: 'Ist wohl der Ewige in unserer Mitte' (Ex. 17,7), sprach
G~tt zu ihnen: Ihr habt an mir gezweifelt - bei euerm Leben,
hiermit verkünde ich euch, der Hund kommt und beißt euch, und
wer ist das? Das ist Amalek, wie es [anschließend] heißt: 'da
kam Amalek' (Ex. 17,8)" (Midrasch Jalkut Schimoni).
Andererseits können wir in den Schriften auch gute Worte über
den Hund finden. Beim Auszug aus Ägypten wird der Hund zum
ersten Mal lobend erwähnt: "Aber gegen alle Kinder Israel wird
kein Hund seine Zunge spitzen" (Ex. 11,7). In den Worten der
Weisen finden wir den Hund an noch früherer Stelle erwähnt,
bei Kain, als guten Freund des Menschen. "Und es setzte der
Ewige dem Kain ein Zeichen" (Gen. 4,15) - "Rav sagte: Er gab
ihm einen Hund" (Midrasch Bereschit raba). Der Hund besitzt
zwei wesentliche Eigenschaften: einerseits Reißzähne wie ein
Raubtier und einen ausgeprägten Geruchs- und Gehörsinn,
doch andererseits wurde er vom Menschen domestiziert, zum
Haustier gemacht, woraus vielleicht die unterschiedlichen
Lehrmeinungen von Rabbi Meir und den Weisen in der Tosefta
herrühren: die Weisen zählen den Hund zu den Wildtieren,
Rabbi Meir zu den Haustieren (Kilajim 5,5). Anhand dieser
Aufteilung können wir in den Worten der Weisen eventuell zwei
Arten Hunde identifizieren, die eine das Haustier, dessen
Ernährung dem Eigentümer obliegt, wie wir im Traktat Schabbat
(S.155b) finden: "Man darf [am Schabbat] einem Hund Futter
geben, nicht aber einem Schweine. Welchen Unterschied gibt
es zwischen ihnen? Zur Ernährung des einen bist du
verpflichtet, und zur Ernährung des anderen bist du nicht
verpflichtet". Weiter finden wir dort: "Man darf Aasfleisch für die
Hunde zerteilen" (S. 156b). Die andere Art heißt bei den Weisen
"ein böser Hund": "Wer einen bösen Hund in seinem Haus
großzieht, hält Barmherzigkeit von seinem Hause zurück"
(Schabbat 63a). Rabenu Jona schrieb in seinem Buch
"Scha'arej Tschuwa": "'lasse kein Blut kommen auf dein Haus'
(Dt. 22,8) - eine Warnung, keinen bösen Hund in seinem Haus
zu halten".

Dem Hund wurde besondere Aufmerksamkeit zuteil, als die
Tora gebot, Aasfleisch vor den Hund zu werfen; womit verdiente
der Hund diese Bevorzugung vor allen anderen Tieren? Dazu
wurden zwei Gründe genannt: "Dich zu lehren, daß der Heilige,
gelobt sei er, den Lohn keines Geschöpfes unvergolten läßt,
wie es heißt: 'aber gegen alle Kinder Israel wird kein Hund seine
Zunge spitzen'; da sprach G~tt: gib ihm seinen Lohn" (Mechilta).
Darüber schrieb der Torakommentator Malbim: "Obwohl Tiere
im allgemeinen weder Lohn noch Strafe erhalten, weil sie von
ihrer Natur aus handeln, sagte G~tt: gib ihm seinen Lohn, damit
der Mensch davon seine Lehre über die Wege G~ttes zieht,
daß erst recht der Mensch Lohn und Strafe erhält, da er
Entscheidungsfreiheit besitzt". Im Kommentar des Rabbi
Awraham ibn-Esra lesen wir eine andere Deutung: "weil er (der
Hund) deinen Ochsen und dein Kleinvieh hütet". Sefer
Chassidim führt dazu aus: "Nachdem der Hütehund sein Leben
einsetzt, das Reißen deines Viehs durch den Wolf zu
verhindern, zeige dich nicht undankbar, und wenn doch mal ein
Vieh gerissen wird, so werfe es als Lohn vor ihn, dafür, daß er
es bis jetzt vor dem Reißen geschützt hat, und dafür, daß er die
anderen Tiere weiterhin schützt". Das Verhalten der Hunde, "die
ihre Zunge nicht spitzten", dient dem Chatam Sofer zur
Erklärung einer Talmudstelle im Traktat Baba Batra (S.8a)
"Rabbi öffnete seine Speicher in den Jahren der Hungersnot
und sprach: Mögen Schrift-, Mischna-, Talmud-, Halacha- und
Agadakundige eintreten, Leute aus dem gemeinen Volke aber
sollen nicht eintreten. Da drängte sich Rabbi Jonatan ben
Amram vor und trat ein, indem er zu ihm sprach: Meister, speise
mich. Jener fragte: Hast du die Schrift gelesen? - Nein. - Hast
du Mischna gelernt? - Nein. - Wenn dem so ist, woraufhin soll
ich dich speisen?! - Speise mich wie einen Hund oder wie einen
Raben". Dazu fragte der Chatam Sofer: Warum verglich er sich
ausgerechnet mit Hund und Rabe? Und antwortete: Rabbi
wollte keine ungehobelten Leute unterstützen, weil sie keinen
Anteil an der Tora haben, in Wirklichkeit haben aber auch
einfache Leute Verdienst durch die Tora, indem sie den
Gelehrten das Studium ermöglichen, und "ein Baum des Lebens
ist sie den an ihr Festhaltenden" ("Sprüche" 3,18), und auch
diejenigen, die Niemandem das Studium ermöglichen, haben
ein Verdienst durch ihr Schweigen, weil sie nicht ihre Zunge
spitzen, um arrogant und abfällig über die Gelehrten zu reden.
Die Raben brachten dem Propheten Elijahu Brot und Fleisch
(Könige I, 17,6), und die Hunde spitzten ihre Zunge nicht gegen
die Kinder Israels. Das wurde ihnen als Verdienst angerechnet,
was ihnen mit dem Aasfleisch vergolten wird, und das wollte
Rabbi Jonatan ben Amram andeuten...
 
 
HaRav Aviner

Suche nach Brüderlichkeit

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

"Da traf ihn ein Mann, und siehe, er irrte auf dem Felde; und der
Mann fragte ihn also: Was suchst du" (Gen. 37,15). Das Feld ist
weit, verwirrend und bedrohlich. Keine Bäume, die Schatten
spenden, keine Quelle, den Durst zu löschen. Keine Richtung,
kein Wegweiser, Keiner, der sich auskennt. Viele Wege, viele
Schleichpfade, viele Willen und viele Wünsche, viele Gefühle
und viele Gedanken. Der Mensch irrt auf dem Felde, verloren
und bekümmert.

"Da traf ihn ein Mann", Mensch - du bist nicht verloren. Wenn
du den Mann nicht findest, so wird er dich finden. Wo du auch
bist, wird der Bote kommen, der Engel, der Mann, der zu fragen
versteht.

"Und der Mann fragte ihn also", die Frage eines Weisen enthält
bereits die Antwort, "was suchst du", das Feld ist doch so weit,
diese Welt ist doch so voller Farben und Nuancen, - was suchst
du? Vielleicht möchtest du Reichtum oder Glück, Tora und
Gebote oder vielleicht Erlebnisse und Genuß. Oder vielleicht
Frieden oder vielleicht Krieg. Wen wählst du, rechts oder links,
Aschkenasim oder Sefaradim. Lieber ein freier Junggeselle
sein, oder den Bund der Ehe, die Liebe zu den Kindern oder zu
den Eltern. Wonach strebt deine Seele, Gesang oder Wissen,
Natur oder Technik. Sage nur, Menschenwesen, was du willst,
sage sofort, welche Partei du ergreifst, in welche Branche du
fällst, in welche Schublade du gehörst. Was willst du, sage, geh
nicht verloren. Und wenn dir nach Göttlichkeit der Sinn steht, da
gibt es viele Strömungen, viele Religionsschulen, eine gegen
die andere, und manche gegen alle. Sage schnell, was du willst,
Käppchen auf dem Kopf, oder keines, und wenn - welches?
Drücke dich nicht, entscheide dich für eine Seite, für uns oder
unsere Feinde - "was suchst du"?!

"Und er sprach: Meine Brüder suche ich" (Vers 16). Ich suche
Brüderlichkeit, Liebe und Brüderlichkeit. Mich verlangt es nach
meinem Volk, nach meinem ganzen Volk. Mit einem Teil gebe
ich mich nicht zufrieden. Meine Seele verlangt nach dem
ganzen, vollständigem Volke G~ttes. Alle sind meine Brüder, sie
alle liebe ich. Alle zusammen machen meine Nation aus, und ich
halte es nicht mit Jenen, die sagen: Hauet das lebende Kind
entzwei.

"Sage mir doch, wo weiden sie?" (ebda.). Ich flehe dich an,
sage es mir bitte. Es gibt so sehr viele Hirten, und jeder
behauptet von sich: Ich bin der Hirte. Und die Herde irrt umher.
Du hast mich nach meiner Partei gefragt - ich gehöre zur Partei
der Herde. Die Hirten ziehen sie mal hierhin und mal dorthin,
und sie ist zerstreut und zerteilt unter den Hirten. Ich bitte dich
nochmals, bei meiner Seele, "wo weiden sie?", ich möchte sie
herzen und umarmen. Das ist es, was ich möchte, die
Brüderlichkeit, und nichts anderes.

"Und es sprach der Mann: Sie sind von hier aufgebrochen"
(Vers 17), das wirst du schon nicht mehr finden. "Sie sind von
hier aufgebrochen - sie haben sich von der Bruderliebe entfernt"
(Raschikommentar). Auch du trägst Schuld daran, denn du
erzähltest Schlechtes von ihnen. Du sahst nicht das Licht, nur
die Schattenseiten, du sahst nur auf die Schwächen, nicht auf
die Vorzüge. Du hast dich vorher schon von der Brüderlichkeit
entfernt. "Wie Wasser Angesicht dem Angesicht, so (zeigt) das
Herz einen dem anderen" (Sprüche 27,19). "Wie das Wasser, in
das der Mensch schaut und darin ein Gesicht wie sein Gesicht
sieht; wenn er lächelt, dann lächelt es auch, wenn er seines
verzieht, verzieht es sich auch, so verhalten sich auch die
Herzen der Menschen gegeneinander, wenn er den einen liebt,
so wird auch jener ihn lieben, und wenn er ihn haßt, wird jener
ihn wiederhassen" (Raschi zu Jewamot 117a). Sie haben sich
schon weit von der Brüderlichkeit entfernt.

"Also ging Josef seinen Brüdern nach" (Vers 17). Trotzdem
folge ich meinen Brüdern. Ich kann nicht anders, ohne sie ist
mein Leben nichts wert.

Nein, geh nicht. Du hast sie schon verpaßt. Ein Berg hat sich
zwischen euch aufgetürmt. Es ist zu spät. Sie werden dich
umbringen, sie werden dich in eine Grube werfen mit Schlangen
und Skorpionen, sie werden dich an die Ischma'eliten
verkaufen. - Ich werde dennoch gehen, ich kann nicht anders,
und das ist auch in meines Vaters Sinne: "Gehe doch, sieh nach
dem Wohlbefinden deiner Brüder und nach dem Wohlbefinden
der Herde" (Gen. 37,14). Das ist die Bitte meines Vaters, das ist
die Bitte meines Vaters im Himmel: nach dem Wohlbefinden
meiner Brüder und nach dem Wohlbefinden der Herde zu
sehen. "Meine Brüder suche ich".

"Da erblickten sie ihn von fern" (Vers 18). Sagte ich dir nicht,
daß sie dir fern sind?! Sie sehen dich wie einen Fernen. Um die
Wahrheit zu sagen: Auch du bist ihnen noch fern. Du suchst
deine Brüder, aber im Herzen bist du getrennt von deinen
Brüdern. Zuerst mußt du deine Brüder in deinem Herzen finden.
Erst dann wirst du sie in Fleisch und Blut erkennen, in ihrem
Geiste und in ihrer Seele, in ihrem Leben und in ihren Körpern,
in ihrem Verstand und in ihren Gefühlen, in ihrem Willen und in
ihrer Phantasie. Wenn sie deine Brüder bleiben, auch nachdem
sie dich verkauften, kannst du aus vollem Herzen sagen: "Meine
Brüder suche ich". Doch wisse, der Weg ist lang und
beschwerlich.

"Da sprach Josef zu seinen Brüdern: Tretet näher zu mir! und
sie näherten sich" (Gen. 45,4). Wie furchtbar und fern doch ist
dieser fremde Mensch, der grausame  ägyptische Vizekönig.
"..und er sprach: Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr verkauft
habt nach Ägypten" (ebda.). Seht doch, ihr werdet immer meine
Brüder sein. Obwohl ihr mich verkauft habt, und ich zwölf Jahre
im Gefängnis saß - in meinem Herzen seid ihr meine Brüder
geblieben. Mein einziges Herzensanliegen gab mir die Kraft
dazu: "Meine Brüder suche ich". Euch jetzt zu begegnen ist für
mich der größte Tag meines Lebens, der Tag meiner
Herzensfreude. "Und nun kränket euch nicht und es entbrenne
nicht in euern Augen" (45,5), ich bin doch euer Bruder.

"Und nun fürchtet nichts!" (50,21), fürchtet euch nicht vor mir.
Ich liebe euch. "So tröstete er sie und redete zu ihrem Herzen"
(ebda.). Ich liebe euch.
 
 

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