DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906 Fax +972 2 6514820 http://www.machonmeir.org.il |
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
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-Archiv der
"Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag'
den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MEZORA
Nr. 403
10. Nissan 5763
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Lev. 14,1-15,33):
Behandlung eines vom Aussatz befallenen
Hauses; Aussatz-,
Ausflußleidende und Monatsblutung,
deren Bedeutung auf den
Reinheitsstatus des Befallenen, die Begutachtung
durch den
Priester und die Behandlung; Reinigungsprozedur
und
zugehörige Opfer.
| Am
Schabbes-Tisch...
Von Körnern und Glauben Rav Asri'el Ari'el
|
Das Pessachfest ist das Fest des Glaubens. Das fing mit "und
das Volk glaubte" (Ex. 4,31) an und endete mit "und sie
glaubten an den Ewigen und an Moscheh, seinen Diener" (Ex.
14,31). In der aramäischen Übersetzung wird die Matza darum
"Nahrung des Glaubens" genannt.
Wir lernen ein großes Prinzip des Glaubens von der Matza. Man
kann nicht aus jedem Grundstoff Matza machen. Matza wird nur
die genannt, die aus einer der fünf Getreidearten (Weizen,
Gerste, Roggen, Hafer, Dinkel), die säuern können, gebacken
wurde. Wenn keine Möglichkeit der Säuerung besteht, handelt
es sich nicht um koschere Matza. Hülsenfrüchte z.B. können
nicht säuern, darum sind sie für Matza nicht zulässig.
Der Reis
befindet sich auf halbem Wege dazwischen. Bei ihm gibt es
einen der Säuerung ähnlichen Vorgang, der allerdings als
"Gärung" (wörtl. "Gestank") bezeichnet wird, nicht als Säuerung.
Diese Eigenschaften lassen sich mit dem Glauben vergleichen.
Es gibt eine Art Glauben, der auf Gewohnheit und ständigem
Wiederholen beruht, und eine andere Art Glauben, des
selbständigen Denkens und des gründlichen Studiums. Der
"Gewohnheits-Glauben" hat zwei Gesichter: "Hülsenfrucht-
Glauben" und "Reis-Glauben". Einen Glauben ohne jegliche
Denkanstrengung und ohne Gefühl, sondern nur aus
Gewohnheit nennen wir "Hülsenfrucht-Glauben". Dabei besteht
keine Gefahr des Irrtums oder des Widerspruches gegen die
Religion, doch hat dieser Glauben auch keinerlei Tiefgang. Auf
höherer Ebene können wir eine andere Art Glauben erkennen:
Glauben mit Nachdenklichkeit, wenn auch oberflächlicher,
"Reis-Glauben". Dabei besteht zwar nicht die Gefahr der
Auflehnung, die Oberflächlichkeit kann jedoch zu seichtem
Glauben führen, und von da ist der Weg nicht mehr weit zum
Glauben an falsche Götter. Dieser Glauben gleicht dem Reis,
der zwar nicht zur Säuerung gelangt, wohl aber zum Gestank...
Beim eigenen, persönlichen Nachdenken besteht allerdings eine
Gefahr. Man kann im voraus keine Garantie für das Resultat
übernehmen. Der denkende Mensch kann genausogut zur
Auflehnung wie zum Glauben gelangen. Doch gerade die
Möglichkeit des Widerspruches gibt dem Glauben die nötige
Tiefe. Gerade die offene Auseinandersetzung mit allen anderen
Möglichkeiten ist es, die den Glauben auf ein festes, gesundes
Fundament stellen kann. Das ist der "Getreide-Glauben". Das
Getreide symbolisiert Weisheit. Im Talmudtraktat Brachot
(S.40a) heißt es, daß "das Kleinkind erst Vater und Mutter
rufen
kann, wenn es den Geschmack von Getreide gekostet hat".
Gerade die Möglichkeit der Säuerung gibt dem Getreide die
Voraussetzung, daraus Matza zu machen.
Auch beim "Getreide-Glauben" gibt es zwei verschiedene Arten:
"Weizen-Glauben" und "Gersten-Glauben". In den talmudischen
Quellen wird der Weizen als Menschennahrung bezeichnet.
Dem "Weizen-Glauben" steht das gesamte Spektrum
menschlichen Intellekts zur Verfügung. Der Mensch denkt
so
vor sich hin, überlegt und philosophiert, beweist und widerlegt,
baut Gedankentürme und zerstört sie, nur um wieder neue
aufzubauen. Die Gerste hingegen wird Tierfutter genannt. Sie
zeichnet eine natürliche Einfachheit aus. Sie enthält keine
schlaue Philosophie. Der "Gersten-Glauben" kommt direkt aus
der Tiefe des jüdischen Herzens.
An Pessach bringen wir das Gersten-Opfer dar (Minchat
Ha'Omer). Von den Kindern Israels in Ägypten bezeugte der
Ewige, ihr G~tt, daß sie "Gläubige, Kinder von Gläubigen",
d.h.
in natürlichem Glauben waren (Schabbat 97a). Erst am
Wochenfest, Schawu'ot, dem Fest der Übergabe der Tora, der
Entgegennahme und des Lernens, bringen wir das
Weizenopfer, das unseren Glauben auf die Ebene des
analytischen Verstandes überführt. Zu Pessach allerdings
gilt
für uns in dieser Hinsicht, was unsere talmudischen Weisen
sagten: "'Mensch und Vieh hilfst du, Herr'... darunter seien
Menschen zu verstehen, die nackt an Erkenntnis sind und sich
als Vieh betrachten" (Chulin 5b).
Möge es G~ttes Wille sein, daß sich an uns erfüllt:
"Und das
Volk fürchtete den Ewigen und sie glaubten an den Ewigen und
an Moscheh, seinen Diener" (Ex. 14,31).
| Kinder,
Kinder...
Rotkäppchen
Rav Elischa Aviner
|
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Frage: Mir ist zu Ohren gekommen, daß Rabbiner und Erzieher
gegen das Vorlesen von "Rotkäppchen und der Wolf" vor
Kindern eintreten. Das scheint mir ein weiterer Beweis für die
zunehmende religiöse Radikalität zu sein. Vor dem Kinde muß
man weite Ströme des Wissens öffnen und ihm von dem
Geistesgut der Menschheit kosten lassen, und es nicht in einer
Schmalspurwelt einengen!
Antwort: Ihre pädagogische Grundeinstellung ist durchaus
korrekt. Das Kind ähnelt einem Kern, der in sich eine große
Macht birgt, der Wurzeln schlagen und seine Zweige in die
Ferne wachsen lassen kann. Ein Kind kann die ganze Welt
verschlingen, und darum muß man seine Neugier aufs Wissen
anreizen, um sie dann zu befriedigen. Gleichfalls muß man
seine Vorstellungskraft anreizen und sie dann entwickeln,
ebenso seine Gefühle aufrütteln und sie dann vertiefen. Die
Kinderliteratur wird an ihrem Beitrag zu einem der folgenden
drei Bereiche gemessen: dem Wissen, der Vorstellungskraft
und dem Gefühl. Manche Bücher bereichern den
Wissensschatz des Kindes, und mit ihrer Hilfe wird es zu einem
"kleinen Wissenschaftler", der sich für seine Umwelt
interessiert. Manche Bücher regen die Vorstellungskraft des
Kindes an, sie erzeugen in ihm eine Phantasiewelt, und das
Kind lernt, von seiner Phantasie beflügelt die Grenzen der
Realität zu durchbrechen. Damit wird seine Kreativität erhöht.
Andere Bücher entwickeln die Sensibilität des Kindes. Es
lernt,
seine Umgebung zu erfühlen und nicht nur zu wissen, es lernt,
ein Teil von ihr zu sein und nicht nur von der Seite
zuzuschauen, es lernt, zu verinnerlichen, und nicht nur zu
erkennen.
Zurück zu "Rotkäppchen". Dieses Märchen ist mehrere hundert
Jahre alt (erschien in einer Märchensammlung vor 250 Jahren
und wurde von den Gebrüdern Grimm in der Sammlung "Kinder-
und Hausmärchen" 1812-1815 herausgegeben). Das Anhören
von volkstümlichen Geschichten war eine beliebte
Freizeitbeschäftigung der Erwachsenen zu einer Zeit, als der
größte Teil der Menschheit ungebildet war. Zu einem
bestimmten Zeitpunkt wurden diese Geschichten dem Niveau
der Kinder angepaßt (wozu die Brüder Grimm viel beitrugen).
Die Inhalte wurden nicht verändert, nur der Stil. Obwohl
"Rotkäppchen" ein sehr altes Märchen ist und viele Dienstjahre
vorweisen kann, muß man dennoch seinen Nutzen für das Kind
prüfen. Schon eine oberflächliche Betrachtung ergibt, daß
diese
Geschichte in den Bereich der Phantasie gehört. Es ist sehr zu
bezweifeln, ob seine spezifische Botschaft (falls eine solche
existiert) von Kindern entdeckt werden kann. Worin besteht also
der Beitrag von "Rotkäppchen" in der Entwicklung der
Vorstellungskraft des Kindes? Das simple Ergebnis lautet: gar
keinen.
Zu dieser Erkenntnis kam Rabbiner Samson Raphael Hirsch
bereits vor 150 Jahren. In einem Artikel über die Inhalte der
häuslichen Erziehung hebt Rabbiner Hirsch die zentrale
Bedeutung der Mutter bei der Erziehung ihres Sohnes hervor
(Grundlagen der Erziehung II,S.71). "In gesellschaftlicher
Hinsicht wird jedes Kind nach seinem Vater benannt, seine
Umgangssprache aber heißt 'Muttersprache', denn die Mutter
entwickelt seine Gedankengänge und sein Sprechen, und sie
bemüht sich, ihm die natürlichen Wissensgrundlagen der
häuslichen Umgebung einzuflößen... Die Mutter muß
die 'Eva'
ihres Kindes sein, d.h. es zum Sprechen zu bringen und mit ihm
zu reden, denn die Kinder mögen von Natur aus hin- und
zuhören, uns sie trinken durstig jedes Wort einer Geschichte
oder einer Lehre. Es wäre schade, diesen Durst mit belanglosen
Märchen zu stillen, denen jeder erzieherische Wert mangelt.
Unserer Ansicht nach gibt es keine belanglosere geistige
Nahrung für den Geist und die Vorstellungskraft des Kindes wie
jene Märchen. Wir verstehen nicht, welcher Nutzen dem Kind
dadurch ersprießen wird, wenn man ihm eine ganze Welt
beschreibt, und diese Beschreibung widerspricht gänzlich jeder
Wirklichkeit. Was nützt dem Kinde eine Geschichte vom Wolf,
der die Großmutter verschlingt, ihre Schlafhaube aufsetzt und
auf die Enkelin wartet. Man erzähle ihm besser Dinge aus der
Wirklichkeit mit moralischen und erzieherischen Inhalten. Der
Mutter wird es am nötigen Material nicht fehlen. Sie bedarf
keiner künstlichen Beschreibungen irgendeiner fernen,
unwirklichen Welt, denn die Welt des Kindes, das
Kinderzimmer, das Haus, der Garten, die Stadt und die ganze
Umgebung des Kindes mit allen seinen kleinen und großen
Ereignissen bieten reiches und vielfältiges Material, das die
Mutter ausnutzen kann, die Eigenschaften des Kindes zu üben
und zu gewöhnen und es auf dem Wege des Guten anzuleiten".
Rabbiner Hirsch kritisiert in seinen Worten den Gebrauch von
"künstlichen Beschreibungen irgendeiner fernen, unwirklichen
Welt". Ist er rundweg gegen phantasievolle Literatur? Nein, er
ist nur gegen Literatur, die eine unserer Wirklichkeit
widersprechende und von ihr abgekapselte Welt beschreibt. Die
Aufgabe phantasievoller Literatur ist die Erweiterung der
Grenzen der Wirklichkeit, und nicht die Beschreibung einer
andersartigen und seltsamen Welt, getrennt vom Leben und der
Seele des Kindes. Die Begegnung mit so einer Welt droht
entweder gefährliche und verwirrend falsche Hoffnungen zu
erwecken, oder Bedrohungen, die die Kinder verängstigen
(böse Zauberer und Wölfe, die Großmütter, Enkel
oder Geißlein
auffressen!). Rabbiner Hirsch betont, daß die Mutter nicht in
fremde Phantasien zu schweifen braucht, um das Kind zu
interessieren. Sie kann spannenden Gesprächsstoff aus der
näheren Umgebung des Kindes schöpfen, und mit ihm über
seine Erlebnisse aus der Begegnung mit seiner Umwelt
sprechen.
Kinderbücher brauchen keine Lehrbücher zu sein, die direkte
pädagogische Inhalte vermitteln. Sie brauchen dem Kind nicht
mit dem erhobenen Zeigefinger oder mit dem Zaunpfahl zu
kommen, sollten das Kind aber auch nicht mit Banalitäten
ablenken, die gar nichts zu seiner Entwicklung beitragen. Sie
sollten vielmehr die erlebnisorientierten Saiten der Seele des
Kindes anschlagen und positives Wissen-Phantasie-Gefühl
erwecken. Darum muß unter dem Mantel der erzählerischen
Verpackung eine erzieherische Botschaft so verborgen sein, um
Raum für eigenes Denken zu lassen, aber auch offensichtlich
genug, um anzuregen und anzureizen. Diese Botschaft muß
durchscheinen, mal sichtbar und mal unsichtbar. Auf diese
Weise erhält das Kind die nötigen Anreize zu seiner
Entwicklung.
Die Geschichte vom Rotkäppchen dient uns hier nur als
Beispiel. Für jede Altersgruppe existieren ähnliche Geschichten,
Phantasieprodukte ohne jeglichen geistigen Nährwert, die nur
die Psyche verwirren. Demgegenüber gibt es auch
Geschichten, die auf positive Weise Gefühl und Phantasie
anregen. Diese bieten der Seele gesunde und belebende Kost.
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