DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906 Fax +972 2 6514820 http://www.machonmeir.org.il |
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
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-Archiv der
"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
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als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT LECH LECHA
Nr. 378
13. Marcheschwan 5763
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Gen. 12,1-17,27):
Awra(ha)ms Umzug nach Kana'an, göttliches
Versprechen,
seinen Nachkommen das Land zu geben, ägyptisches
Intermezzo, Trennung von Lot, dessen Rettung
aus der
Gefangenschaft nach den Kriegen mit 4-5
Königen, "Bund der
Opferteile", Geburt Jischma'els durch
die ägyptische Magd
Hagar, Awram>Awraham, Sarai>Sara, Versprechen
der
Fruchtbarkeit, Gebot der Beschneidung
Der
Stand der Dinge...
|
Zwei Weltkriege werden im Tanach erwähnt: der erste in den
Tagen unseres Vorvaters Awraham, der Krieg der 4 Könige
gegen die 5 Könige; zwei Koalitionen von Bösewichten. Auf
der
einen Seite Amrafel, auch Nimrod [von "Auflehnung"] genannt,
der sich gegen G~tt auflehnte, und weitere Könige. Auf der
anderen Seite Bera [=schlecht], König von Sdom, schlecht vor
dem Ewigen und schlecht gegen die Menschen (Raschi zu Gen.
14,2). Und der zweite Weltkrieg, am Ende der Zeiten - der Krieg
von Gog und Magog. Am Anfang werden die Völker der Welt
sich gegenseitig bekriegen, "das Schwert des einen sei wider
den anderen" (Jecheskel 38,21), "und es geschieht, an
selbigem Tage wird eine große Verwirrung vom Ewigen unter
ihnen sein, daß sie fassen Einer des Anderen Hand, und Einer
legt Hand an den Anderen" (Secharja 14,13).
In beiden Weltkriegen, dem zu Beginn der
Menschheitsgeschichte, und dem an deren Ende, trägt Israel
den entscheidenden Sieg davon.
Im ersten Weltkrieg besiegte Awraham den Kedarlaomer und
seine Verbündeten, "und bei seiner Rückkehr zog der König
von
Sdom ihm entgegen... in das Tal Schaweh, das ist das
Königstal. Und Malki-Zedek, König von Schalem... Und er
segnete ihn.." (Gen.14,17-19). Raschi erklärt den Namen
"Schaweh": "das Tal, in dem alle Völker übereinstimmten und
Awraham über sich als göttlichen Fürsten und Herrn
anerkannten". Nicht nur wegen seiner Weisheit und seines
Glaubens, sondern weil sie mit eigenen Augen seine Kraft und
militärische Stärke sahen.
Im letzten Weltkrieg, dem Krieg von Gog und Magog, der von
den Propheten Jecheskel (Kap.38+39) und Secharja (Kap.14)
geschildert wird, bekämpfen sich die Völker zunächst
gegenseitig (siehe oben). In der ersten Stufe führt Ischma'el
(Araber) Krieg gegen Edom (die westliche Welt;
Malbimkommentar), und in der zweiten Stufe kämpfen sie
gemeinsam gegen Israel, um Jerusalem zu erobern, werden
aber eine vernichtende Niederlage hinnehmen müssen, und
Israel wird ein großer Sieg zuteil. "Jeruschalajim wohnt sicher...
an selbigem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name
einzig... alle, die verschont bleiben von all den Völkern, die
gegen Jeruschalajim gezogen, die gehen hinauf Jahr für Jahr,
sich zu bücken vor dem Könige, dem Ewigen der Heerscharen,
und zu feiern das Fest der Hütten" (Secharja Kap.14). "Und ich
erweise mich groß und heilig, und tue mich kund vor den Augen
vieler Völker, und sie erkennen, daß ich der Ewige bin"
(Sech.
14,23).
Bekanntlich muß man beim Kadisch, das die Juden seit
Jahrtausenden sagen, bei den Anfangsworten "erhoben und
geheiligt werde Sein großer Name" auch den Sieg Israels gegen
seine Feinde im Sinn haben, denn dadurch wird der himmlische
Namen in der Welt erhoben und geheiligt.
Nach dem Stand der Dinge ziehen wieder Kriegswolken am
Horizont auf. Der Krieg des Islam einerseits, gegen die
westliche Welt unter Führung der USA andererseits. Im
Hintergrund Israel, das eine nationale Wiedererstehung in
seinem Lande erfährt. Und die Taten der Väter ein Zeichen
für
die Kinder: wie im ersten Weltkrieg in der Geschichte, als die
Völker Awraham als Fürst und Herren über sich setzten
und ihn
wie einen König ehrten, so wird es auch im letzten Weltkrieg
sein, Gog und Magog - nur ein eindeutiger Sieg Israels über
seine Feinde, die es aus seinem Lande vertreiben und
Jerusalem erobern wollen, wie wir heute erleben, wird dazu
führen, daß die Völker Israel ehren werden. "Erkennen
und
einsehen alle Bewohner der Welt... denn das Reich ist dein, und
in allen Ewigkeiten regierst du in Ehre... Und der Ewige wird
zum Könige über die ganze Erde sein, an jenem Tage (des
Sieges) wird der Ewige einzig und sein Name einzig sein"
(Alenu leschabeach, Sech. Kap.14).
In Erwartung der vollkommenen Erlösung,
Rav Dov Begon
| Frage
und Antwort
Ein schwacher Schüler Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Kürzlich wollte sich ein schwacher Schüler in
unserer
Jeschiwa-Mittelschule einschreiben lassen. In seinem letzten
Zeugnis war "problematisches Verhalten" vermerkt. Obendrein
zeugte sein winziges Käppchen nicht gerade von
überschäumender Religiosität. Mir ist bekannt, daß
Sie für
Aufnahme eines gewissen Prozentsatzes schwacher Schüler
eintreten [siehe Nr. 344, "Elitäre Erziehung"]. Leider sind unsere
übrigen Probleme schon kaum zu lösen. Darum haben wir uns
bisher der Aufnahme solcher Schüler enthalten. Vielleicht sollte
ich bei diesem Schüler eine Ausnahme machen, denn sein
Vater leitet jene Jeschiwa-Mittelschule, die ich seinerzeit
besuchte. Zwar hat er sich noch nicht mit mir in Verbindung
gesetzt, aber ich nehme an, daß er von mir ein Zeichen der
Dankbarkeit erwartet, besonders deshalb, weil auch ich ein
ziemlich schwacher Schüler war und obendrein recht wild, wofür
ich häufig Rügen und Strafen erhielt, inklusive kurzfristigen
Hausverbotes. Allerdings warf man mich nicht hinaus und
versuchte es geduldig immer wieder mit mir. Dieser Tatsache
habe ich meine heutige Position zu verdanken. In meinem
Dilemma wandte ich mich schließlich direkt an den Schüler:
"Du
bist doch aus gutem Hause, sicher hast du bloß ein Problem;
wenn du versprichst, dich zu bessern, werden wir dich
aufnehmen". Doch das Kind gab verbittert zurück: "Stell' mir
keine Bedingungen. Anderen habe ich auch nichts versprochen.
Wenn Sie mich wegen meines Vaters aufnehmen - dann ist das
nicht meine Sache". Nun bin ich ganz und gar verwirrt.
Antwort: Mögen Ihre Ohren hören, was Ihr Mund spricht:
Daß
Sie Ihre heutige Position der geduldigen und verständnisvollen
Erziehung verdanken, obwohl Sie ein schwacher und
ungezogener Schüler waren. Das Geheimnis des Erfolges liegt
nicht in der Trennung der Spreu vom Weizen, sondern in
geduldiger und verständnisvoller Erziehung. Im Laufe der
Geschichte gab es Tausende Schüler wie Sie. Dagegen gab es
auch viele Kinder, die ihr Käppchen wegwarfen, weil man sie
immer Versager nannte. Wieder andere gelangten in den
Dunstkreis der Jugendkriminalität, und man kann sich gar nicht
die Schwierigkeit vorstellen, sie wieder dem Judentum
nahezubringen, wenn überhaupt. Vorbeugen ist besser als
Heilen! Manche werden zu Rumtreibern, vergeuden ihre Zeit auf
öffentlichen Plätzen, oder verlieren sogar jeglichen Kontakt
mit
ihrer gewohnten Umgebung. All das hätte mit etwas Liebe und
Verständnis verhindert werden können.
Der von Ihnen genannte Schüler ist kein Einzelfall, sondern
steht für die ganze Kategorie, mit allen ihren Nachteilen.
Versuchen Sie einmal, die Gefühle des ständigen
Abgelehntwerdens und der Beschämung nachzuvollziehen, die
dieses Kind mit sich herumschleppt. Wieviel Leid und Kummer,
welche Enttäuschung!
Manche mögen einwenden, es ist ja selber schuld - wenn es
sich so benimmt; und all diese Leiden sind nichts anderes als
gerechte Strafe. Wie unfair, die ganze Schuld dem Kind
aufzuladen! Es ist doch schließlich nur ein Kind. Auch wenn es
in religionsgesetzlicher Hinsicht schon als erwachsen, Bar
Mitzwa gilt, so ist es auch mit 14 und noch viel später
gefühlsmäßig immer noch ein Kind. Das soll nun wiederum
nicht
heißen, daß man es bei Bedarf nicht strafen soll. Die Hoffnung
aber aufgeben, und ihm dies auch deutlich zu verstehen geben -
das ist am allerschlimmsten. Vielmehr muß man es umwerben.
Sie behaupten, auch nach der elitären Aussiebung ist die
Erziehung immer noch schwer. Wozu sich also noch mehr
Probleme und Schwierigkeiten aufhalsen? Die Integration habe
nicht ihren Wert bewiesen. Vielleicht könne man zwei, drei
problematische Schüler pro Klasse aufnehmen, aber eine
größere Gruppe ist so gut wie unmöglich. - Antwort:
Ich habe
nie gefordert, eine größere Gruppe Problemfälle mit
gleichen
negativen Eigenschaften aufzunehmen, sondern
unterschiedliche Kinder mit unterschiedlichen Problemen.
"Fehlerbehaftete heben einander auf" (Sewachim 81a, Joma
58a), d.h. das Fehlerbehaftete geht im Erlaubten auf und
ermöglicht Aufnahme anderes Fehlerbehafteten. So verhält
es
sich auch in der Gesellschaft und in der Erziehung. Das
ungezogene Kind wird von der disziplinierten Mehrheit
neutralisiert, auch wenn diese Mehrheit nicht so sehr religiöse
Mitglieder enthält. Und ein nicht so sehr religiöses Kind
wird von
der religiösen Mehrheit neutralisiert, auch wenn diese
undisziplinierte Mitglieder enthält. Darum darf man nicht davor
zurückschrecken, Kinder mit unterschiedlichen Problemen
aufzunehmen: das eine wenig religiös, das andere ein Faulpelz
oder ein Frechdachs. Dem schwachen Schüler geben wir mehr
Stütze, dem mit Lernschwierigkeiten geben wir Nachhilfe, dem
mit Konzentrations- und Aufmerksamkeitsproblemen ein
spezielles Programm, dem mit Kontaktproblemen gesellen wir
einen Freund aus der Jugendgruppe zu, hat er
Glaubensprobleme, werden wir uns mit ihm unterhalten, bei
Verhaltensstörungen demonstrieren wir ihm verschiedene
Verhaltensmuster, dem Außenseiter bringen wir Wärme
entgegen, und dann gibt es noch den, dessen schreckliches
Vergehen in mittelmäßigen Zensuren besteht...
Sie behaupten, Problemkinder gefährdeten die anderen. Das
Buch "Der Weg der Frommen" (Messilat Jescharim, Rabbiner
Moscheh Chajim Luzatto) erwähnt im 5. Kapitel die Gefahren
schlechter Gesellschaft. Ist das nicht gefährlich? Sie haben
recht, das ist gefährlich. Alles ist gefährlich. Natürlich
muß man
auf die Kinder aufpassen, man darf es aber nicht übertreiben.
Es gibt keine gute Eigenschaft, der ein Übermaß nicht schadet.
Übertriebene Hygiene zum Beispiel verursacht eine
Schwächung der Abwehrkräfte, weil selbst "gute Bakterien"
am
Eindringen gehindert werden, was zu Asthma, Allergien und
anderen Störungen führen kann. So ist auch in pädagogischer
Hinsicht das Kind zu impfen. Übrigens ist nicht immer die
Umgebung an allem Schuld, auch der eingebaute böse Trieb
hat seinen Anteil. Darum sollte man sich vor übertriebener
pädagogischer Hygiene hüten: Vertrauen Sie auf die Einsicht
des Kindes, auf seine Denkfähigkeit und sein
Unterscheidungsvermögen. Machen Sie keinen Kleingeist aus
ihm.
Ich traue ihnen zu, die Grenzen des Machbaren bezüglich Ort,
Zeit und Realität zu kennen. Ich vertraue Ihrer Fähigkeit,
jedem
Kind die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen und ihm
keine charakterfremden Wege aufzuzwingen. Von hier bis zur
für ein kleines Kind grausamen Selektion ist wirklich ein weiter
Weg.
In Wirklichkeit handelt es sich doch um ein gutes Kind. Seine
einzige "Sünde" ist die Mittelmäßigkeit. Eigentlich
sind doch alle
Kinder wunderbar. Natürlich machen sie auch Dummheiten,
dafür sind sie ja schließlich Kinder, aber beeinflußbar
und zur
Besserung fähig. Wenn Sie ihm in diesem zarten Alter eine
Selektion veranstalten, wird aus dem offenherzigen Kind ein
gebrochenes Kind. Wer weiß, ob man das je wieder in Ordnung
bringen kann.
Man kann sich gar nicht die Gefühle der Eltern vorstellen, die
Verzweiflung, als hätte das Erziehungssystem verraten, was
ihnen am Teuersten ist, ihre Söhne und Töchter. Jenes System,
dem sie ihr Vertrauen schenkten, das sie unterstützten und für
das sie selber häufig als Lehrer, Kindergärtner und Erzieher
arbeiten - verhält sich plötzlich wie ein erfolgsorientiertes
Unternehmen und verrät sie.
Zum Abschluß ein Gedicht von Nathan Altermann:
Weißes Feuer
Ein Knabe im Schein der Lampe
schreibt seine Übung auf ein Stück Papier
sein Kopf weiß nicht besonders schnell zu denken
er fürchtet sich und müht den Geist.
Dampf ihn umnebelt und Feuersgeruch,
die zorn'ge Mutter bitt'rer Seele und des Vaters Grimm,
die Stimmen der Alten und Kindergeplärr
mischen sich mit des Ofens Dunst.
Um ihn herum die Menge steht versammelt
die Häupter rufen: Schwerenot!
des Knaben Kopf - ein dummer Kopf!
nicht haben wir für diesen Knaben
so lange Zeit gebetet!
Der Junge kneift die Augen zu
und sieht die Schrift nicht mehr,
die Buchstaben sprechen:
wären wir nicht mit schwarzem Feuer
auf weißem Feuer geschrieben,
würden wir von Blute triefen;
heut' abend im Schein der Lampe.
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