DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TISSA
Nr. 396
20. Adar I 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 30,11 - 34,35):
Volkszählung durch Tempelspende; Wasserbecken für
Priesterwaschung; Salböl; Räucherwerk; 2 Architekten des
Heiligtums; Mahnung zur Schabbathaltung; Sünde des goldenen
Kalbes; Moscheh zerbricht die ersten Gesetzestafeln; Tötung
der Kalbsünder; Moscheh und die göttliche Präsenz im
Versammlungszelt; Moscheh macht neue Gesetzestafeln; G~tt,
verspricht, bei der Eroberung Israels zu helfen; Mahnung, nicht
den Wegen der Bewohner zu folgen; Moscheh strahlt nach 40
Tagen und Nächten auf dem Berg Sinai.
 
 

Der Stand der Dinge...
Herr der Kriege und Wohltaten
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Die talmudischen Weisen schildern das messianische Zeitalter
u.a. mit folgenden Worten: "..im sechsten [Jahre] werden
Stimmen erschallen, im siebenten werden Kriege sein, am
Ausgange des siebten wird der Sohn Davids kommen"
(Sanhedrin 97a). Der Raschikommentar bezieht die "Stimmen"
auf das "große Schofar" und die Einsammlung der Verstreuten
(siehe Schmone-Esre Gebet: "Stoße in das große Schofar zu
unserer Freiheit, erhebe das Panier, unsere Vertriebenen zu
sammeln, und sammle uns zusammen von den vier Seiten der
Erde"), und die Kriege auf die Völker der Erde und Israel. Die
Kriege bilden also einen Bestandteil des Erlösungsprozesses
und bieten auch ein Anzeichen dafür, wie Rabbiner A.J.Kuk
schrieb: "Wenn es einen großen Krieg gibt in der Welt, erwacht
die Kraft des Maschiach... und nach dem quantitativen und
qualitativen Wert des Krieges wächst entsprechend die
Erwartung an die darin enthaltenen messianischen Vorgänge"
(Orot, HaMilchama §1).

Nach dem Stand der Dinge ist unser Zeitalter ein Zeitalter der
Einsammlung der Verstreuten wie auch ein Zeitalter der Kriege:
Erster und zweiter Weltkrieg als Vorbereitung auf unsere
Unabhängigkeit; ferner führen die Araber und ihre Unterstützer
seit der Gründung des Staates Israel Krieg gegen uns.
Sinaifeldzug, Sechstagekrieg, Abnutzungskrieg,
Jomkippurkrieg, Libanon-, Golfkrieg... und der ununterbrochene
Kampf gegen den arabischen Terror, und wieder ein Irak-Krieg -
sie alle gehören zu dem großen, fortgesetzten Krieg, den
unsere Propheten und Weisen voraussahen, an dessem Ende
wir den entscheidenden Sieg davontragen, wie der heilige Poet,
König David schrieb: "Warum lärmen die Völker und sinnen die
Nationen Eitles? Aufstellen sich die Könige der Erde, und
Fürsten beraten sich einmütig wider den Ewigen und wider
seinen Gesalbten... Der im Himmel thronet, lachet, der Herr
spottet ihrer... Du zerschellst sie mit eisernem Stabe, wie
Töpfergeschirr zerschlägst du sie" (Psalm 2). Und möge sich an
uns das Lied erfüllen: "Du führst mit deiner Gnade das Volk, so
du erlöset; du leitest es mit deiner Macht zur Wohnung deines
Heiligtums. Es hören's die Völker, sie beben; Zittern ergreift die
Bewohner Peleschet... Es falle über sie Schrecken und Angst...
bis hinübergezogen dein Volk, Ewiger, bis hinübergezogen das
Volk, das du geeignet. Bis du sie gebracht und eingepflanzt auf
den Berg deines Eigentums" (Ex. Kap.15, "Lied am Meer"),
denn G~tt "ist der Herr der Kriege, ...läßt Wohltuendes
wachsen" (Morgengebet).

In Erwartung der vollkommenen Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
 
Frage und Antwort

Wo bist Du?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich möchte mich an Sie wenden, vielleicht können Sie
mir helfen.

Ich möchte an etwas glauben; ich fühle, wie meine Seele
danach ruft - und auch mein Verstand versteht, daß die
Existenz der Welt ohne ein Ziel keinen Sinn macht. Ich kann nur
keine spirituelle Befriedigung in meiner Religiosität finden.

Ich verstehe z.B. überhaupt nicht alle Gebote. Die Gesetze
verstehe ich, und ich glaube an die Allgegenwart G~ttes, ich
fühle, daß es ein geistiges Wesen über der Welt gibt - ich fühle
aber keine Verbindung zum Geschehen am Berge Sinai oder
irgendetwas anderes, was G~tt mit der Tora verbände. In der
Zwischenzeit erfülle ich weiterhin die Gebote in der Hoffnung,
damit auf dem richtigen Weg zu sein.

Ich finde keine ausreichenden Antworten auf meine Fragen, und
wie ich genau mit ihnen fertigwerden kann. Wenn ich
Glaubensfragen stelle, schickt man mich mit einem Stapel
Bücher ins Meer der Glaubensforschung, und nur selten
versucht man vorher, mir dabei zu helfen.

Bei mir wirkt das "so haben mich meine Eltern erzogen, und
darum tue ich es" nicht, oder "ihr Weg ist der richtige, und das
ist es, was am Ende zählt". Mit so einer Einstellung kann ich
mich nun wirklich nicht abfinden!

Herr Rabbiner - ich möchte wirklich wissen, wie ich von dem
Gedanken abkommen kann, irgendwie angeschmiert worden zu
sein.

Vielleicht hat sich irgendjemand eine Theorie ausgedacht, die
ihm ein ganzes Volk abgekauft hat. Sicher wird jeder, der
diesen letzten Satz liest, erschüttert sein und mir nie mehr ins
Gesicht blicken; ich verstehe diese Reaktion, wenn man mit
Herz und Seele daran glaubt, aber wer weiß, vielleicht ist auch
etwas Wahres an Theorien, die auf den ersten Blick seltsam
aussehen.

Auch wenn es G~tt gibt und wir das auserwählte Volk sind,
müßte er es uns im Prinzip, wenn er das Volk Israel besonders
liebhat, doch ganz allgemein leichter machen, wie z.B. ein
Vater, der einen Sohn besonders gern hat. Er wird sich
vorsehen, ihm das Leben nicht zu schwer zu machen, um keine
Abneigung hervorzurufen, sondern wird ihm leichtere
Grundregeln geben und ihm entgegenkommen. Warum ist die
Geburt als Jude wie, lehavdil, eine katholische Ehe? Nicht im
Sinne von Religionswechsel, sondern weil einen die Geburt als
Jude lebenslang verpflichtet. In dem Moment, wenn er die
Gebote nicht erfüllt, wird er bestraft, selbst wenn er wegen
seiner nichtreligiösen Erziehung gar nichts von den Geboten
wußte.

Was kann einerseits wirklich dem jüdischen Volk diese Kraft
geben, den Kopf zu erheben und all diese Generationen zu
überleben und unter den Völkern das wunderbarste zu sein mit
eigenem Nationalstolz?!

Und andererseits - ist dieser ganze Brief das "andererseits". Die
Seite der verwirrten Jugend, die hier aufwächst.

Einige Dinge habe ich vielleicht etwas übertrieben dargestellt,
um eine vollständige Antwort zu erhalten, und habe nichts
beschönigt, um zu vermeiden, daß die großen Fragen erst
später, auf weniger angenehme Weise hochkommen.

Ich bedanke mich im voraus für baldige Antwort.

Antwort: Du kannst dich glücklich schätzen, daß du dich nach
G~tt sehnst und eine innige Beziehung zu ihm verspürst. Wie
schön für dich, G~tt begegnen zu wollen, und daß dies dein
höchstes Glück im Leben ist. Wie gut für dich, wenn du dich
entfernt fühlst, großen Schmerz verspürst, und wenn du ihn
manchmal sehr weit entfernt glaubst, daß alles für dich in einem
Nebel versinkt und du zu fragen beginnst, ob er überhaupt
existiert. Und wenn er chalila nicht existieren sollte, wonach
suchen wir dann überhaupt, woher kommt dann deine Seele,
woher kommt dann deine Sehnsucht nach G~tt aus den Tiefen
deiner Seele. Wie gut, daß du suchst, denn darum wirst du ihn
finden, "ich habe mich abgemüht und gefunden, so glaube es"
(Megilla 6b).

Auch nachdem du ihn gefunden hast, kann es passieren, daß
das Licht wieder verschwindet, und du wirst erneut suchen
müssen; wie ein Blitz an und aus. Doch dann wirst du G~tt auf
einer höheren Stufe wiedertreffen, auf einem höheren,
glänzenderen, inhaltsvolleren und intensiveren Niveau. - Und
wiederum wird es dich nicht befriedigen, und du wirst
weitersuchen, und so wirst du niemals Ruhe finden, sondern
von Stärke zu Stärke gelangen. Dieser Mangel an Seelenruhe
wird dir die größte Beruhigung verschaffen.

Wir glauben nämlich nicht an den Herrn der Welt wegen
irgendeines äußerlichen Beweises, weder wissenschaftlichen
noch historischen Charakters. Wir glauben an G~tt, weil er uns
nahe ist, weil wir seine Nähe mit unserem Glaubenssinn spüren,
der in der Tiefe unserer Seele wohnt. Wir spüren die
Anwesenheit G~ttes wie ein Kind auf den Schultern des Vaters,
das die Anwesenheit des Vaters spürt. Wie ein Mensch, der
spürt, daß er lebt und existiert und dafür keine anderen Beweise
braucht. Wie jemand, der das Licht sieht und keine Beweise für
die Existenz der Sonne braucht.

Wir glauben nicht wegen irgendwelcher Beweise. Vielmehr, wer
glaubt, sieht die aktive Hand G~ttes überall. Rabbiner A.J.Kuk
sagte einmal, wenn ein Ketzer bei der Erschaffung der Welt
dabeigewesen wäre, "es werde Licht" gehört hätte und sähe,
wie sich die ganze Welt mit Licht füllte - würde er weiter an
seiner Ketzerei festhalten. Nicht wegen der Wunder glaubt der
Mensch, sondern weil er glaubt, sieht er überall Wunder, und
dankt "für deine Wundertaten und Wohltaten zu jeder Zeit,
abends, morgens und mittags. Allgütiger, dein Erbarmen ist nie
zu Ende, Allbarmherziger, deine Gnade hört nie auf, von je
hoffen wir auf dich" (Schmone-Esre Gebet). Weil du an G~tt
glaubst, spürst du seine Existenz bei jedem Atemzug, bei jedem
Lächeln, bei jedem Lied, das du singst, mit jedem Sonnenstrahl
auf deiner Haut, bei jedem Wort der Tora, bei jeder gutherzigen
Tat, bei jedem Geschichtsabschnitt unseres großen Volkes.

Am Berge Sinai entstand der Glauben nicht aus dem Nichts,
sondern er existierte schon vorher, schon seit unserem Vorvater
Awraham, seit Noach, seit dem ersten Menschen. Bei einem
Teil der Menschheit fand er sich in reiner, ungetrübter Form, bei
einem anderen Teil voller Verwirrung und Perversion,
Auflehnung und Bosheit. Doch gab es ihn schon. Die Übergabe
der Tora am Berge Sinai klärte den Glauben, reinigte ihn und
stellte ihn auf eine geordnete Basis und lehrte, daß Moscheh
wahr und die Tora wahr sind.

Vorher tappte die Menschheit bezüglich des Glaubens im
Dunkeln, bis auf wenige Ausnahmen, die das Licht berührte. Bei
der Übergabe der Tora am Berge Sinai erhielt das Volk Israel,
und danach die ganze Menschheit, eine klare
Wegbeschreibung, wie man zu G~tt gelangt, auf reinem und
feinem Wege, in vollkommener und geradliniger Weise, durch
die Gebote, durch die Tora, durch Gebet. Ein Weg, der niemals
am Ziel vorbeiführt.

Darum hast du großes Glück, daß du den Herrn der Welt
suchst, denn du wirst ihn beim Torastudium finden und bei den
Geboten der Tora. Wenn du ein Gebot erfüllst, sage: 'Gelobt
seist du..', denn G~tt ist gegenwärtig. Selbst wenn du eine
Frucht genießt, eine Blume, ein Stück Brot, sage: 'Gelobt seist
du', denn du wirst erkennen, daß der Herr der Welt die Quelle
jenes Lebens ist, das durch diesen Genuß strömt. Vor allem
aber wirst du ihn beim Studium des Glaubens finden, beim
Erlernen der Wege G~ttes, seiner Güte und seiner Wohltaten,
seiner Allmacht und seiner Weisheit.

Glaube nicht, daß du mit Leichtigkeit des Lichtes teilhaftig wirst,
daß es nur so gratis herumliegt. "Ich habe mich nicht bemüht
und gefunden, so glaube es nicht" (s.o.). Wenn jemand
behauptet, er habe es ohne Mühe gefunden, so handelt es sich
nicht um den wahren Glauben. Denn Alle glauben an den Herrn
der Welt, Keiner kann sich von diesem Glauben abkoppeln, so
wie sich keiner von seiner Seele abkoppeln kann. Auch der
größte Ketzer, der tagaus, tagein ausruft: Es gibt keinen G~tt!,
auch er glaubt. Er ist bloß wütend und böse darauf, daß man
ihn irregeführt hat und er auf seinem Weg dem Herrn der Welt
nicht begegnet. Darum will er aus Rache dessen Existenz
bestreiten. Er sagt in etwa: Lieber G~tt, weil du dich mir
gegenüber so verhältst, als gäbe es mich nicht, so verhalte ich
mich dir gegenüber, als gäbe es dich nicht. Doch in seinem
Inneren weiß seine Seele, daß er existiert.

Den Herrn der Welt findest du im göttlichen Licht deiner Seele,
das zwischen dir und ihm verbindet. Dadurch siehst du die
göttliche Präsenz, die auf Allem ruht, in der Welt und in der
Tora, im Einzelnen und in der Nation, in der Tora und in den
Geboten. Du begegnest dem Herrn der Welt sowohl in deiner
Freude als auch in deinen Sorgen, denn er ist überall. Sowohl
über das Gute als auch über das Schlechte sagst du einen
Segensspruch. Denn auch im Schlechten ist Segen verborgen.
Man braucht allerdings Geduld, man muß abwarten können.
Man braucht Glauben.

Wenn du aber an G~tt mit großem Glauben glaubst, wenn du
G~tt mit großer Liebe liebst, wirst du nicht mehr fragen, warum
es dir schlecht geht, weil nicht mehr dein privates Ego die
Quelle deiner Lebensfreude sein wird, sondern die Ehre G~ttes,
der Wille G~ttes, der Dienst an G~tt. G~tt kann man in jeder
Lage dienen, sowohl in Freude als auch im Leid.

Darum hast du Glück, daß du dich sehnst, daß du dich
auflehnst gegen das, was du in der Vergangenheit lerntest, daß
du dich gegen kleinen Glauben auflehnst. Damals war jener
Glauben groß, heute ist er klein, denn du bist groß geworden.
Darum möchtest du zusammen mit deinem Glauben größer
werden. Wachse weiter so, und erfreue weiterhin den Herrn der
Welt, die göttliche Präsenz.
 
 

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