DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT EKEW
Nr. 421
18. Aw 5763
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 7,12-11,25):
Die Segnungen des Gehorsams, Heranziehung der Geschichte
als Motivation zur Erfüllung der fundamentalen Pflicht, G~tt zu
lieben und seine Gesetze zu halten, persönliches Erleben der
Wunder zu Gunsten Israels sollen zu Liebe und Gehorsam
führen, Belohnung und Strafe im Judentum (Mittelteil des
Schma-Gebetes).
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Per aspera ad ...

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

S'ist schwer z'sein a Jid... - und noch schwerer im Lande Israel.
So schrieben die talmudischen Weisen: "Drei gute Gaben
schenkte der Heilige, gepriesen sei er, Israel; alle aber wurden
nur durch Leiden erworben. Und zwar: die Tora, das Land Israel
und die kommende Welt" (Brachot 5a). Vom Lande, das nur
durch Leiden erworben wird, lernen wir in unserem
Wochenabschnitt: "Und du sollst erkennen in deinem Herzen,
daß wie ein Mann seinen Sohn züchtigt, der Ewige, dein G~tt
dich züchtigt", und gleich danach: "... Denn der Ewige, dein G~tt
bringt dich in ein schönes Land... ein Land des Weizens und der
Gerste... ein Land der Olive und des Honigs" (Dt. 8,5-8).

Dazu können wir nur fragen: Wenn G~tt uns schon das Land
zum Geschenk macht, warum muß es ausgerechnet durch
Leiden in unsere Hände geraten? Die Antwort darauf ist keine
gar so einfache, und wir wollen dazu in den Spuren des
MaHaRaL (der "hohe Rabbi Löw") aus Prag wandeln. Er schrieb
im Netiw Hajissurim, 2.Kap.: "Denn das Land Israel ist heilig;
und die Israeliten waren eines solchen Ranges der Heiligkeit
nicht würdig, dieses heilige und unterschiedene Land zu
besiedeln, bevor sie Leiden erhielten, um ihre Seelen zu läutern
durch Minderung des Körperlichen mithilfe der Leiden, bis sie
den Rang der Heiligkeit zu erhalten würdig waren".

Die Antwort des MaHaRaL ist noch schwerer zu verdauen als
die Frage. Das Land Israel passe nicht zu uns, und wir sind
nicht geeignet und würdig zum Leben im Lande Israel? Die
Verbindung von Völkern zu ihren Ländern ist eine natürliche, die
durch einen langwierigen historischen Prozeß entsteht. Die
Verbindung des Volkes Israel zum Lande Israel unterscheidet
sich davon ganz wesentlich. Historisch gesehen ist dies nicht
unser Land und nicht unsere Heimat. Der Urvater des Volkes,
unser Vorvater Awraham, wurde nicht dort geboren, sondern
lebte darin als Übersiedler aus Mesopotamien. Das Volk
entstand in Ägypten und erhielt die Tora in der Wüste. Den
größten Teil unserer Geschichte verbrachte der Großteil
unseres Volkes im Ausland. Das Land Israel ist das Land
G~ttes, wie am Ende des Wochenabschnittes erklärt wird. Sein
Klima und seine Wirtschaft folgen nicht den Naturgesetzen,
sondern unterliegen direkter göttlicher Steuerung. Die
Verbindung zwischen dem Volk Israel und dem Land Israel ist
demnach keine natürliche, sondern eine göttliche. Darum
entstand unsere Verbindung zum Land absichtlich auf einem
der Natur entgegengesetztem Wege. Wir lieben unser Land
nicht nur, weil es uns gut darin geht, sondern gerade weil wir
einen hohen und schweren Preis für unser Leben darin zahlen.
Dieser hohe Preis akzentuiert den Wert unserer Anwesenheit
dort. Wenn das Land Israel reich wäre und Frieden und
Sorglosigkeit herrschten wie z.B. in der Schweiz, würden wir es
nur wegen seiner materiellen Vorzüge lieben. Nun hat G~tt für
uns allerdings ein in klimatischer und wirtschaftlicher Hinsicht
schweres Land erwählt, das genau zwischen den zwei größten
Imperien des Altertums lag, nämlich Ägypten und Babylon. Und
heute befindet es sich im Herzen eines feindlich gesinnten
moslemischen Kontinents und im Mittelpunkt der
Aufmerksamkeit einer uns ebenfalls feindlich gesinnten
christlichen Welt; dieses Land liegt nicht weit von reichlich
sprudelnden Ölquellen, verfügt aber selber über keine
nennenswerten Bodenschätze. In so einem Land können wir nur
standhalten, wenn wir die tiefere Bedeutung seiner Heiligkeit
berücksichtigen. Wir können darin nur im vollen Bewußtsein
unserer Bestimmung existieren; dieser Bestimmung ist durch
Betonung, Erklärung und praktischer Umsetzung von den im
täglichen Leben anzuwendenden Gesetzen das fünfte Buch
Moscheh, "Mischne Tora" gewidmet.
 
 
HaRav Aviner

Menschenhandel

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

"Guten Tag, mein Herr, sind Sie Rabbiner Bergstein, der
Oberrabbiner der Stadt?", fragte mich ein hagerer Chinese mit
einem verlegenen Lächeln. "Ja", antwortete ich mit viel Demut
und etwas Stolz. "Dann gehören Sie doch sicher zu jenen, die
sich lautstark für das Land Israel Gehör verschaffen! Das Land
Israel! Aber es stört euch nicht, daß euer G~tt sich euch zum
Volk auserwählte, ein Volk von Menschendieben und
Sklavenhändlern". "Welche Menschen haben wir denn
gestohlen?", lehnte ich mich auf. "Mich zum Beispiel",
antwortete der Chinese ruhig, "und noch ein paar Zehntausende
von meinen Brüdern aus China, und auch aus Bulgarien". "Ich
weiß nicht, wovon Sie reden". "Das ist genau das Problem - daß
Sie nicht wissen, worum es geht. Ich werde es Ihnen also kurz
erklären. Vor einigen Jahren kam einer von euch, ein Israeli,
Vertreter einer Arbeitsvermittlung, nach China, versprach mir,
daß man bei euch viel Geld am Bau und anderer manueller
Arbeit verdienen kann, wenigstens $1.000,- im Monat. Dazu
müsse ich nur $5.000,- für die Reisekosten usw. bezahlen,
$2.000,- sofort in bar, und $3.000,- auf Kredit. Wirklich ein gutes
Angebot, denn die Schuld läßt sich ja schnell abzahlen. Sofort
verkaufte ich meine bescheidenen Besitztümer, und es blieb mir
nichts außer der goldenen Hoffnung. Doch wie ich in euer Land
kam, merkte ich, daß man mich betrogen hatte. Ich verdiene nur
700 Schekel im Monat ($160,-), und das ist noch großartig
verglichen mit einem Freund, der ein paar Kilometer nach dem
Flughafen auf die Straße gesetzt wurde". "Das ist ja wirklich
schrecklich", rief ich alarmiert aus. "Was Sie nicht sagen, Herr
Rabbiner", sagte der Chinese. "Darüberhinaus macht man mir
Abzüge vom Gehalt unter allen möglichen Vorwänden, z.B. daß
ich nicht meine ganze Arbeit erledigt hätte, so daß ich niemals
meine Schuld abzahlen kann und ewig Sklave bleibe. Steht
nicht in Ihrer Tora geschrieben, "wer einen Menschen stiehlt
und ihn verkauft... soll des Todes sterben" (Ex. 21,16)?". "Das
gilt nur für Juden", gab ich zurück, "weil auch geschrieben steht:
'Wenn ein Mann gefunden wird, der eine Person stiehlt von
seinen Brüdern, den Kindern Israel, und behandelt ihn als
Sklaven und verkauft ihn, so muß derselbige Dieb sterben, und
du sollst austilgen das Böse aus deiner Mitte' (Dt. 24,7)".
"Großartig!", sagte der Chinese. "Also weil wir keine Juden sind,
darf man uns betrügen und zu Sklaven machen, zu
Zwangsarbeit verpflichten, unsere physischen Kräfte bis zum
Allerletzten ausnutzen und unsere Pässe einbehalten?! Und die
Arbeitsvermittlung darf auf meinem Rücken 1.100,- Schekel im
Monat verdienen?! Wo wir auf irgendwelchen Parkplätzen oder
am Rande des Bürgersteigs schlafen müssen?! Steht dazu nicht
in eurer Tora 'du sollst austilgen das Böse aus deiner Mitte'?!"
"Ich habe nicht behauptet, daß man dafür frei ausgeht",
entschuldigte ich mich, "nur daß man dafür nicht die
Todesstrafe erhält". "Aber vielleicht lebenslang Gefängnis! Nach
euren Gesetzen steht auf Menschenhandel 20 Jahre Gefängnis,
doch habe ich bis heute noch nicht einen einzigen von diesen
Gangstern im Gefängnis gesehen". "Sag nicht 'Gangster' über
Juden!". "Und ob ich das sage, und das kann ich Ihnen auch
schriftlich geben. Über solche Leute heißt es doch: 'Und all die
Hörner der Frevler schlag ich ab' (Psalm 75,11), 'Brich den Arm
des Frevlers' (Psalm 10,15). Und wo sind eigentlich eure
Linksparteien, die sich angeblich für die Benachteiligten und
Ausgebeuteten der Gesellschaft einsetzen?" - "Warum erstattet
ihr keine Anzeige bei der Polizei?" - "Aber sicher! Damit sie uns
verhaftet und abschiebt! Gehaben Sie sich wohl, Herr Rabbiner,
und alle Juden mit Ihnen. Machen Sie ruhig so weiter mit Ihrer
Geldverschwendung um die Schließung von
Siedlungsvorposten, mit Ihren Streitereien um Straßensperrung
am Schabbat, mit sinnlosen Streiks, die mehr Geld kosten als
sie einbringen - Ihr spart ja jedes Jahr 8 Milliarden Dollar auf
unsere Kosten, die 300.000 Fremdarbeiter. Hauptsache, Ihr
habt ein reines Gewissen. Verzeihen Sie mir, daß ich Ihre Ruhe
gestört habe. Vielen Dank, Herr Rabbiner". "Nicht dafür",
antwortete ich einigermaßen unkonzentriert. Der Chinese
verbeugte sich höflich und verschwand aus meinem Blickfeld.

Ich ließ mich in meinen gut gepolsterten Sessel fallen und
klingelte nach meinem Schammes Moische Suchmir, damit er
mir eine Tasse Kaffee mit Milch und drei Löffeln Zucker, d.h.
Saccharin, bringe. Ahh, so ein Kaffee, der reinste Garten
Eden... "Guten Tag, mein Herr, sind Sie Rabbiner Bergstein, der
Oberrabbiner der Stadt?", fragte mich eine junge Frau mit
schwerem russischen Akzent und leicht verlegenem Lächeln.
"Was?! Nochmal?!" platzte ich heraus. "Entschuldigen Sie, Herr
Rabbiner", sagte die junge Frau verwirrt. - "Ach, nur so, bitte
reden Sie". "Vor einigen Jahren kam ein Vertreter einer
Arbeitsvermittlung zu uns nach Russland..."; "Ja, ja, $5.000,-,
Mindestgehalt $1.000,- usw.", sagte ich ungeduldig. "Sie
machen einen gereizten Eindruck, Herr Rabbiner". "Ich bin
überhaupt nicht gereizt!!!", rief ich, "ich bin nur ein
vielbeschäftigter Mann und habe keine Zeit". - "Wenn Sie keine
Zeit für mich haben, dann bitte ich um Verzeihung und gehe",
sagte sie und brach in Tränen aus. "Schon gut, schon gut.
Sicher habe ich Zeit für Sie", sagte ich und reichte ihr eine
Packung Papiertaschentücher, die ich in meinem Schreibtisch
für solche Fälle bereit halte. "Man versprach mir wenigstens
$1.000,- monatlich als Kellnerin, und das war eine Lüge. Jetzt
habe ich hohe Schulden für die Reise und die anderen Kosten,
und zur Abzahlung nötigt man mich zu Prostitution. Man hält
mich in einem Bordell gefangen, ich werde benutzt, erniedrigt
und gequält, ich habe keine Kraft zu kämpfen und weiß auch
nicht, wohin ich weglaufen sollte". "Das ist Mädchenhandel!",
sagte ich. "Ja, Herr Rabbiner, Mädchenhandel. Jedes Jahr
werden 3000 Meinesgleichen verschachert. Man verdient an
uns wenigstens eine Milliarde Dollar pro Jahr. Mädchenhandel
ist die drittprofitabelste Branche, nach Waffen- und
Drogenhandel. Einige meiner Freundinnen wurden an Greise
verkauft anhand von Katalogen mit Bildern. "Was!", klappte mir
der Kiefer herunter. "Genau das, was Sie hören, verehrter Herr
Rabbiner. Warum helft Ihr uns nicht? Wo sind eure
Frauenorganisationen, warum hilft man uns nicht mit
Sozialarbeiterinnen und Rechtsanwältinnen, warum gibt es
keine Demonstrationen zu unserer Rettung?! Sind wir etwa
keine Frauen wie jene? Warum antworten Sie mir nicht, Herr
Rabbiner?" - "Äh, ich..., äh....". "Als ich ein kleines Mädchen
war, lernten wir, daß die Juden ein gutes Herz haben". "Ich
äh..., ich...". "Entschuldigen Sie bitte die Störung. Meinetwegen
ist Ihr Kaffee kalt geworden. Ich bitte wirklich vielmals um
Verzeihung".
 

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