DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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*** 5. Buch Moscheh ***

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT DEWARIM (CHASON)
Nr. 419
4. Aw 5763
 

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 1,1-3,22):
Im 40. Jahr, am 1. des 11. Monats, spricht Moscheh zu den
Kindern Israels, bevor sie den Jordan überqueren: Rückblick auf
die Reise, Einsetzen von Richtern, Aussenden der
Kundschafter+Sünde dazu, welche Länder in Ruhe gelassen
und welche erobert werden.

9.Aw Donnerstag - Fasttag zum Gedenken an die
Tempelzerstörung "Tischa Be'Aw"
 
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Der wahre Grund

Rav Jakov Halevi Filber
Rabbiner an der Jeschiwa
"Merkas HaRav", Jerusalem

"In Folge unserer Sünden aber sind wir aus unserm Lande
vertrieben und von unserm Boden entfernt worden"
(Mussafgebet der Feiertage) - im Talmudtraktat Joma heißt es:
"Warum wurde der erste Tempel zerstört? - Wegen dreier
Sünden, die da begangen wurden: Götzendienst, Unzucht und
Blutvergießen... Weswegen aber wurde der zweite Tempel
zerstört, bei [dessen Bestehen] sie sich ja mit der Tora,
gottgefälligen Handlungen und Liebeswerken befaßten? - Weil
dann grundlose Feindschaft herrschte" (Joma 9b). Und in der
Tossefta heißt es (am Ende des Traktates Menachot): "Aber
beim Letzteren [dem 2. Tempel] erkennen wir, daß sie sich mit
der Tora beschäftigten [und im Talmud jeruschalmi heißt es
zusätzlich: 'und sie waren sorgfältig bei den Geboten und der
Verzehntung, und alle guten Sitten waren bei ihnen zu finden'].
Warum wurden sie exiliert? Weil sie das Geld liebten und der
eine den anderen haßte; das lehrt dich, daß dieser Haß vor
G~tt Götzendienst, Unzucht und Blutvergießen aufwiegt". Doch
trotz des Vorgenannten finden wir bei eingehenderer Prüfung
weitere Gründe für die Tempelzerstörung, wie wir beim
Propheten Jirmijahu lesen, der die erste Tempelzerstörung
miterlebte: "Wer ist der Mann, der weise, daß er dies einsehe,
und wer, zu welchem des Ewigen Mund geredet, daß er es
verkünde: Warum ist das Land zu Grunde gerichtet, verödet wie
eine Wüste, leer von Wanderern?" (9,11); diese Worte deuteten
die talmudischen Weisen wie folgt: "Wer ist der Mann, der
weise,..., daß er es verkünde: Warum ist das Land zu Grunde
gerichtet? - Über diese Sache sprachen die Weisen, und sie
erklärten es nicht, sprachen die Propheten, und sie erklärten es
nicht, bis der Heilige, gepriesen sei er, es selber erklärt hat,
denn es heißt (ebda. 9,12) und der Herr sprach: weil sie meine
Lehre, die ich ihnen gegeben habe, verlassen haben... - sie
sprachen bei der Rezitation der Tora nicht vorher den Segen"
(Baba mezia 85a). Zu dieser Deutung läßt sich fragen: Über die
Sünden der Leute während des ersten Tempels lassen sich die
Propheten lang und breit aus und erwähnen nicht nur
Götzendienst, Unzucht und Blutvergießen; warum wußten sie
also nicht, Warum ist das Land zu Grunde gerichtet?! Auch bei
der Zerstörung des zweiten Tempels finden wir in
verschiedenen Talmudstellen und Midraschim zusätzlich zur
"grundlosen Feindschaft" viele andere Gründe, z.B.: "Jerusalem
wurde nur deshalb zerstört, weil man da den Schabbat
entweihte... weil man da die Schulkinder [vom Unterricht]
abhielt... weil man da einander nicht zurechtwies... weil da keine
Männer der Treue mehr vorhanden waren" (Schabbat 119b),
und im Midrasch: "weil dort sieben Gerichtshöfe Götzendienst
leisteten" (Jalkut Schimoni). Warum also konzentrierten sich die
talmudischen Weisen bei den Gründen für die
Tempelzerstörung auf das Auslassen des Segens vor der
Toralesung und die grundlose Feindschaft?

Besteht ein gemeinsamer Grund für beide Katastrophen, oder
hat jede Tempelzerstörung ihren eigenen? Nach Rabbiner
Naftali Zwi Jehuda Berlin (HaNeziw, Leiter der Woloschiner
Jeschiwa bis vor etwa 100 Jahren) in seinem Kommentar
"Herchew Dawar" gab es einen gemeinsamen Grund, wie er
dort schrieb: "Man sollte wissen, daß bei der Zerstörung des
ersten Tempels, in der Hauptsache wegen Götzendienstes, die
Hauptschuldigen Toragrößen waren. Ebenso bei der Zerstörung
des zweiten Tempels durch grundlose Feindschaft,
hauptsächlich wegen Geldgier, waren die Hauptschuldigen, die
der Masse zu sündigen verursachten, Toragrößen, über die die
Tora wehklagt: 'Unwürdiges, unweises Volk!' (Dt. 32,6). Und
obwohl diese beiden Sünden (Götzendienst und Geldgier)
voneinander stark verschieden erscheinen, stammen sie doch
aus einundderselben Quelle, nämlich dem Wunsch nach
reichlichem Einkommen, der während des ersten Tempels zum
Götzendienst verleitete, und während des zweiten Tempels zur
Gewinnsucht". HaNeziw beendete seinen Kommentar mit den
Worten: "Und immer noch herrscht sie unter uns". Wenn das
jüdische Volk sündigt, gibt es bei der göttlichen Vorsehung zwei
Optionen für die Bestrafung: 1) das Volk Israel im Lande Israel
zu belassen und es mit Körper- und Geldstrafen zu belegen, 2)
es aus seinem Land zu vertreiben und das Land zu zerstören,
wobei die Strafe im Zwangsaufenthalt in fremdem Lande
besteht. Wann wählt die göttliche Vorsehung die erste, und
wann die zweite Möglichkeit? Solange im Volk noch ein
aufrechter, beständiger spiritueller Kern besteht, mit
Toraschülern auf hohem moralischen und geistigen Niveau, gibt
es immer noch Hoffnung, auch wenn die Mehrheit der
Bevölkerung sündigt, selbst schwere Sünden wie Götzendienst,
Unzucht und Blutvergießen, daß diese Menschen des Geistes
durch ihren Glauben und ihre Sittlichkeit das Volk zur Umkehr
bewegen, und was nützte dann das Exil? Doch das Versagen
sowohl während des ersten als auch des zweiten Tempels lag
auf seiten der Toraschüler, während des ersten aufgrund von
Glaubensschwäche, "sie sprachen bei der Rezitation der Tora
nicht vorher den Segen", sie studierten die Tora nicht in
Beziehung zu G~tt. Während des zweiten Tempels war das
Versagen eher sittlicher Natur, als die Toraschüler wegen ihrer
Vorliebe fürs Geld einer den anderen haßten. Durch dieses
Versagen der Toraschüler, als ihrem Lernen das moralische und
spirituelle Fundament fehlte, gab es keine Hoffnung auf
Besserung, und so mußte die göttliche Vorsehung operativ
eingreifen und den nationalen Rahmen durch Entfernung der
Nation von ihrem Land sprengen. Durch diese Zerstreuung
begann der Wiederaufbau der Nation, durch Aufstellung einer
neuen Armee von nunmehr glaubensmäßíg fundierten und
moralischen Toraschülern, und genau diese werden die Nation
von Neuem errichten.
 
 
Frage und Antwort

Der Anhänger

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Warum offenbart sich G~tt mir nicht? Ich sehne mich
nach ihm, aber er verbirgt sich. Wie kann man ihm da
anhängen?

Antwort: Ja, warum hat G~tt überhaupt die Welt geschaffen?
Um sich den Geschöpfen zu offenbaren, und damit sich die
Welt mit dem Wissen um G~tt fülle. Nicht nur wenige, über
Alles erhabene Ausnahmen, sondern alle Menschen. Auch
heutzutage fühlt jeder wenigstens einmal im Leben den Blitz der
Erleuchtung göttlicher Realität. G~tt schuf die Welt, um ihr
Gutes zu tun, denn ihm fehlt es ja an nichts, vielmehr will er den
Geschöpfen das höchste Vergnügen bereiten. Diese ganze
riesige Schöpfung wurde schließlich nicht dazu gemacht, dem
Menschen kleinliche Vergnügungen wie Essen, Trinken, Geld,
Ehre, Karriere und dergleichen Unerheblichkeiten mehr zu
bereiten, sondern für das höchste Vergnügen der Begegnung
mit G~tt. Die Begegnung mit dem Herrn der Welt, das ist das
höchste der Gefühle, der Höhepunkt der Lebenserfüllung.

Wenn dem so ist, warum merken wir dann nichts davon?
Warum fühlen wir uns G~tt nicht nahe? Warum ist uns diese
Freude nicht vergönnt? Die Antwort lautet, wenn man eine
Verbindung aufbauen will, muß ein gemeinsamer Nenner
bestehen, z.B. zwischen dem Menschen und seinem Nächsten,
oder zwischen Mann und Frau. Wie wir bereits erwähnten,
besteht die Haupteigenschaft G~ttes in dem Willen, Gutes zu
tun. Sicher schuf er die Geschöpfe nicht zu seinem Nutzen;
sondern aus Liebe: "Ja, mit ewiger Liebe liebt' ich dich"
(Jirmijahu 31,2). Sein Geben erfolgt nur um des Gebens willen.

Wir allerdings wollen genießen, konzentrieren uns auf uns
selber und nicht auf andere. Wenn wir etwas Gutes tun,
erwarten wir eine Gegenleistung. So etwas nennt man nicht
Nächstenliebe, sondern Eigenliebe. Der Nächste wird zum
bloßen Mittel, mit dem wir uns selbst Gutes tun! Demnach
stehen wir zu G~tt in diametralem Gegensatz, ohne jegliche
Gemeinsamkeit, und wir brauchen uns nicht zu wundern, warum
G~tt sich uns nicht offenbart. Der Herr der Welt möchte, daß wir
ihm entgegenkommen, durch unsere Arbeit, gemeinsamen
Grund zu schaffen. "..und ihm hange an" (Dt. 10,20)? Wie kann
man der göttlichen Präsenz anhangen, einem verzehrenden
Feuer? Vielmehr soll man sich an seine Eigenschaften halten,
"so wie er mild und gnädig ist, sei auch du mild und gnädig"
(Schabbat 133b).

Wir möchten diese Anhänglichkeit fühlen. Man muß aber genau
aufpassen: Es gibt z.B. Gefühl ohne wirkliche Anhänglichkeit,
und Anhänglichkeit ohne Gefühl. Man kann ein Gefühl der
G~ttesnähe durch primitive Mittel wie das Hören von
stimmungsvoller Musik oder durch von Tanz und Gesang
begleiteten Gebeten erreichen, und man kann Anhänglichkeit
ohne Gefühl durch milde Werke erreichen, die an sich schon
eine höhere spirituelle Offenbarung darstellen.

Der Herr der Welt gibt, und empfängt nicht, läßt genießen,
genießt selber aber nicht, handelt aktiv und läßt sich durch
nichts manipulieren. "Wenn du wandelst in seinen Wegen" (Dt.
28,9), Tag um Tag, Stunde um Stunde, wird sich deine ganze
Persönlichkeit verwandeln. Je mehr du dich von der Eigenliebe
entfernst, je weiter du den Egoismus hinter dir läßt, je mehr du
die Vorzüge des Nächsten erkennst, deine Eltern ehrst und
deine Frau liebst, dich für unser Volk und unsere Tora
aufopferst, und dem Ewigen dienst - desto stärker wirst du G~tt
anhängen, Stufe um Stufe, und G~ttes Licht wird dich
erleuchten, und umso mehr wirst du dem Herrn der Welt in allen
Aspekten des Lebens begegnen, und du wirst Vergnügen an
G~tt haben.
 

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