DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BESCHALLACH
Nr. 391
15. Schwat 5763 (Tu beSchwat)
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online,
desgleichen auf Französich
Diese Woche in der Tora (Ex. 13,17
- 17,16):
Ägypter verfolgen die Kinder Israels
nach dem Auszug;
Spaltung des Schilfmeeres; Übergang
der Israeliten, Untergang
der Ägypter; 2 Lobgesänge; erste
Beschwerden; Man
("Manna"); freitags doppelte Menge, reicht
auch für Schabbat;
wiederum Zank um Trinkwasser; Moscheh
schlägt den Felsen;
Überfall der Amalekiter; Gebot, Amalek
in allen Generationen zu
bekämpfen.
| Am
Schabbes-Tisch...
So schwer wie die Spaltung des Schilfmeeres Rav Asri'el Ari'el
|
Rabbi Jochanan sagte (Talmudtraktat Sota 2a): "Und ihre
Paarung ist so schwierig wie die Spaltung des Schilfmeeres, wie
es heißt: 'G~tt bringt die Einsamen heim [Ehe], er führt
die
Gefesselten ins Freie [Israel aus Ägypten]' (Psalm 68,7)". Es
besteht also offensichtlich ein innerer Zusammenhang zwischen
der Eheschließung und dem Auszug aus Ägypten, und wie
schon früher wollen wir auch diesmal in der Deutung den
Spuren des MaHaRaL (der "hohe Rabbi Löw") aus Prag folgen.
Untersuchen wir zuerst einen bestimmten Gegensatz: Bei der
Spaltung des Schilfmeeres wurde das eine Meer in zwei Meere
geteilt, bei der Ehe hingegen werden zwei separate und
unterschiedliche Menschen in eine Familie verwandelt. Die
Spaltung des Meeres in zwei Teile ist eine unnormale
Angelegenheit, die der Schöpfungsordnung zuwiderläuft. Auch
bei der Ehe verhält es sich so. Die wesensbedingten
Mentalitätsunterschiede zwischen Mann und Frau sind so groß,
daß ihre Vereinigung in einem gemeinsamen Rahmen etwas
Übernatürliches an sich hat, nicht weniger als die Spaltung
des
Schilfmeeres. Diegleiche göttliche, übernatürliche Kraft,
die das
Meer teilt, hält auch die Ehepartner zusammen. "Osi ve-simrat
ja" - "meine Macht und mein Sang ist der Ewige" (Ex. 15,2)
heißt es in der Hymne am Schilfmeer [die jeden Tag im
Morgengebet zitiert wird] über die göttliche Kraft, die den
Namen "ja" [Buchstaben jud-he] trägt, mit der G~tt
das Meer
durchschnitt (2. Bedeutung von samar) und teilte. Jene
Buchstaben des G~ttesnamens jud-he bilden den Unterschied
von Mann (isch, alef-jud-schin) und Frau (ischa, alef-schin-he),
ein Zeichen, daß die göttliche Präsenz zwischen ihnen
ruht.
Mit einer weiteren Deutung läßt der MaHaRaL sowohl die Ehe
als auch die Teilung des Schilfmeeres in neuem Licht
erscheinen. Der erwähnte Ausspruch von Rabbi Jochanan, die
Paarung sei "so schwierig wie die Spaltung des Schilfmeeres",
läßt sich zwar auf jede Ehe beziehen, hat aber hauptsächlich
die zweite Ehe im Sinn. Die Schwierigkeit der zweiten
Eheschließung stammt nicht von der Unfähigkeit, nach der
schweren Enttäuschung der vorherigen Verbindung eine neue
einzugehen. Die große Härte besteht in der Auflösung
der
ersten Verbindung an sich (durch Tod eines der Ehepartner
oder durch Scheidung). Was soll G~tt nun mit einem Paar
machen, bei dem einer der Ehepartner einem würdigeren
vorbestimmt war als dem gegenwärtigen? Da gibt es doch keine
andere Wahl, als die gegenwärtige Verbindung aufzulösen!
Hier
setzt der Vergleich mit der Spaltung des Schilfmeeres an. Um
die Israeliten vor den Ägyptern zu retten, mußten Letztere
ertränkt werden! Diese Sache nahm G~tt nicht leicht, indem er
zu den Engeln sagte: "Mein Händewerk ertrinkt im Meer - und
ihr singt eine Hymne?!" (Auch diese Lehre wird Rabbi Jochanan
zugeschrieben). Die Entscheidung vor dem Schöpfer der Welt
ist keine leichte, sein Händewerk, die Ägypter, zugunsten
seine
Händewerkes, der Israeliten, zu vernichten. Ebenso fällt
es nicht
leicht, eine Eheverbindung aufzulösen, auch wenn dem die
Bestrebung zugrundeliegt, eine bessere Paarung zu schaffen.
Darin liegt die besondere Methode der Deutung Rabbi
Jochanans. Er sieht die ungeheure Problematik der Zerstörung
einer bestimmten Realität zwecks Aufbaus einer besseren auf
den Ruinen, sowohl im Hinblick auf das Familienleben als auch
im Hinblick auf das Leben des Volkes. Die Ansicht Rabbi
Jochanans trifft besonders für unsere heutige Generation zu.
Rabbi Jochanan gehörte zu jenen talmudischen Weisen, die die
Umstände des Kommens des Maschiach lieber nicht miterleben
wollten, wie sie sagten: "Mag er kommen, ich aber will ihn nicht
sehen" (Sanhedrin 98b). Rabbi Jochanans Zurückhaltung hatte
jedoch andere Gründe als die seiner Vorgänger. Rabbi
Jochanan fürchtete weder die Sicherheitsprobleme noch die
wirtschaftlichen Schwierigkeiten oder die spirituellen Konflikte
der Generation des "Kommens des Maschiach" [wörtl. "die
Fußspuren des Maschiach"]. Er beschrieb vielmehr die große
Problematik, vor die sich G~tt gestellt sieht, wenn er den
Nichtjuden alles das nehmen muß, was sie sich während
unseres Exils angeeignet haben, und es seinem Volk Israel
zurückgibt. Weiter heißt es im Talmud (ebda.): "'Warum sehe
ich denn alle Männer mit den Händen an den Hüften, einer
Gebärenden gleich, warum ist jedes Angesicht fahlgelb
geworden?' (Jirmijahu 30,6) - Was heißt 'sehe ich alle Männer'?
... Bei dem alle Mannhaftigkeit ist [d.h. auch G~tt grämt sich
über die Leiden Israels]. - Was heißt 'jedes Angesicht
fahlgelb'?
Rabbi Jochanan (!) erwiderte: Sein oberes Gefolge [Engel] und
sein unteres Gefolge [Israel]; wenn nämlich der Heilige,
gepriesen sei er, sagen wird: diese sind mein Händewerk und
jene sind mein Händewerk, wie soll ich nun die einen wegen der
anderen untergehen lassen?", wenn er nämlich die Nichtjuden
wegen Israel vernichten muß, um das Volk Israel in sein Land
zurück- und das Land Israel wieder unter jüdische Hoheit
zu
bringen.
Um dieses Dilemma nicht miterleben zu müssen, sagte Rabbi
Jochanan: "Mag er kommen, ich aber will ihn nicht sehen". Wir
allerdings, die G~tt nicht nach ihrer Ansicht gefragt hat, sondern
uns dazu erwählt hat, mit eigenen Augen seine Rückkehr nach
Zion zu sehen, können viel eher die Worte Rabbi Josefs zum
gleichen Thema verstehen: "Möge er doch kommen, und mir sei
es beschieden, im Schatten des Mistes seines Esels zu sitzen".
Dies in den schweren Tagen, in denen wir mit unserem Blut und
unseren Tränen für unser Leben inmitten dieses göttlichen
Dilemmas zahlen: "diese sind mein Händewerk und jene sind
mein Händewerk, wie soll ich nun die einen wegen der anderen
untergehen lassen?". Gleichzeitig aber ist unser Glauben stark
auf G~tt und seinen Diener Moscheh, "G~tt bringt die Einsamen
heim, er führt die Gefesselten ins Freie" (s.o.), daß er
schnell
den Prozeß der Paarung des Volkes Israel mit dem Lande Israel
vollende, und vielleicht verstehen wir jetzt ein wenig besser,
warum diese "Paarung" "so schwierig wie die Spaltung des
Schilfmeeres" ist.
| HaRav
Jakov Halevi Filber "Und Jehoschua brach die Kraft Amaleks" (Ex.17,13) |
Als Moscheh zum Volke Israel sprach: "Haltet Stand, und ihr
werdet die Hilfe des Ewigen sehen... der Ewige wird für euch
kämpfen, ihr aber schweiget" (Ex. 14,13-14), entnahmen daraus
die Israeliten, daß die Kriege, die Israel mit seinen Feinden
führen wird, allesamt mit himmlischer Hilfe und offensichtlichen
Wundern gewonnen werden und der Einzelne wie ein
unbeteiligter Dritter zuschaut. Mit diesem Gedanken zogen die
Israeliten durch das gespaltene Schilfmeer - bis Amalek kam
und gegen das Volk Israel einen "richtigen" Krieg führte. Das
war keine angenehme Überraschung. Moscheh rief Jehoschua
zu sich und sagte ihm: "Wähle uns Männer und ziehe aus,
kämpfe gegen Amalek!" (Ex. 17,9). Plötzlich wurde ihnen klar,
daß man nicht immer auf Wunder vertrauen darf und Kriege von
Menschen aus Fleisch und Blut geführt werden müssen.
Entsprechend dieser Anleitung handelten die Kinder Israels
auch auf ihrem weiteren Weg durch die Wüste, beim Krieg
gegen Midian, als Moscheh ebenfalls zu ihnen sprach: "Rüstet
Männer von euch zum Heereszuge aus" (Num. 31,3). So sehen
wir im ganzen Verlauf der Geschichte Israels, daß seine Kriege
durch Menschenhand geführt wurden. So bei der Eroberung des
Landes durch Jehoschua, weiter während der Richterzeit und
dem Königtum, wie in der Tora steht: "Wenn du gegen deine
Feinde in den Krieg ziehst..." (Dt. 21,10). Entsprechend muß
auch für den Ausspruch "ihr aber schweiget" gelten, daß
er
nicht nur für einen einmaligen Gebrauch, sondern als
Versprechen für alle Generationen bestimmt war, wie die Schrift
bestätigt: "Nicht nur in jener Stunde werde er für euch kämpfen,
sondern auf immer werde er gegen eure Feinde kämpfen"
(Mechilta).
Auch wenn der Krieg auf natürliche Weise geführt wird, reichen
körperliche Fitness und militärische Ausbildung nicht aus.
Das
wurde schon im Krieg gegen Amalek deutlich: "Wähle uns
Männer" - "Helden, welche die Sünde fürchten, damit
ihr
Verdienst ihnen beistehe" (Raschikommentar). Oder beim Krieg
gegen Midian: "Rüstet Männer" - "Gerechte; weise und
bekannte Männer" (Raschi). Wir entnehmen daraus die
Anweisung, daß für die Soldaten der jüdischen Armee
eine
bestimmte Sittlichkeit ("Gerechte") und Religiosität ("welche
die
Sünde fürchten") Vorraussetzung sind, und wo finden sich
solche Soldaten wenn nicht unter den Absolventen der
Jeschiwot. Die siegreiche Mischung in den Kriegen Israels von
menschlicher Bemühung und himmlischer Unterstützung wurde
schon im Kampf gegen Amalek deutlich, als sich Moscheh nicht
mit der Kriegführung durch Jehoschua und seine Soldaten
begnügte, obwohl jene die Sünde fürchteten, sondern
sich auf
die Spitze des Hügels begab, den G~ttesstab in der Hand, um
die jüdische Gemeinschaft zum Vertrauen auf den Schöpfer
der
Welt anzuhalten, wie es heißt: "Wenn nun Moscheh seine Hand
in die Höhe hielt, siegte Israel" (Ex. 17,11). Dazu fragten die
Weisen: "Konnten denn die Hände Moschehs den Krieg fördern
oder den Krieg abbrechen?! Dies besagt vielmehr, daß, wenn
Israel nach oben schaut und sie ihr Herz ihrem Vater im Himmel
unterwerfen, sie siegen, wenn nicht, sie unterliegen" (Rosch
Haschana 29a). Und in der Mechilta fügten sie hinzu: "Immer,
wenn Moscheh seine Hände erhob, schauten die Israeliten auf
ihn und glaubten an den, der Moscheh befohlen hatte, so zu
handeln, und dafür tat ihnen der Heilige, gelobt sei er, Wunder
und Machttaten".
Wenn schon von dem einfachen Soldaten ein bestimmtes
geistig-ethisches Niveau verlangt wird, dann doch erst recht von
dem, der an der Spitze der israelischen Armee steht. So einer
war Jehoschua, über den es heißt: "..und sein Diener
Jehoschua Sohn Nuns entfernte sich nie aus dem Zelte" (Ex.
33,11), und der Midrasch ergänzt: "er diente Moscheh bei Tag
und bei Nacht". Moscheh nahm ihn aus dem Zelt heraus, "um
ihn zum Kriege anzuleiten". Jehoschua verband in seiner
Persönlichkeit die physische Kraft mit spiritueller Macht, und
mit
diesen beiden Eigenschaften führte er das jüdische Volk bis
zu
seinem Tode. Über seine Beisetzung heißt es im Traktat
Schabbat (105b), daß die Israeliten mit seiner Grabrede
nachlässig waren: "'..und man begrub ihn im Bereiche seines
Erbbesitzes, zu Timnat Serach, auf dem Gebirge Efrajim,
nördlich vom Berge Ga'asch [Vulkan]' - dies lehrt, daß der
Berg
sie zu erschlagen bebte". Daraus lernte man: "Wer bei der
Trauer über einen Gelehrten lässig ist, verdient, daß
man ihn
bei Lebzeiten begrabe" (ebda.). Warum war man mit den
Würdigungen von Jehoschua nachlässig? In seinem
Talmudkommentar erläuterte Rabbiner Awraham Jizchak Kuk,
daß die Trauerredner in Jehoschua nur seine äußerlichen
Vorzüge sahen, seine Armeeführung, den Eroberer, der Israel
auf seinem Erbsitz ansiedelte, den Heerführer, der viele Völker
und mächtige Könige besiegte, aber sie waren nachlässig
in der
Würdigung seiner spirituellen Vorzüge, weil seine
äußerlichen
Aktivitäten seine inneren Vorzüge verdeckten, und sie
vermochten Jehoschuas großen geistigen Wert nicht zu
erkennen - und für dieses Versäumnis wurden sie bestraft.
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