DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BO
Nr. 390
8. Schwat 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 10,1 - 13,16):
Die letzten drei Plagen: Heuschrecken, Finsternis und Tötung
der Erstgeborenen; Definition des "ersten Monates";
Vorbereitungen zum Auszug aus Ägypten: Opferblut an
Türpfosten, Opferlamm essen; Pessachgesetze; Kinder Israels
backen Matze; Gesetze von Tefillin und Erstgeborenen der
Haustiere zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten.
 
 

Der Stand der Dinge...
So wie dieser
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Unserem Lehrer Moscheh fiel die genaue Bestimmung des
Neumondes schwer, da zeigte ihm G~tt wie mit dem Finger
(ezba) den Mond am Himmel und sprach zu ihm: Wenn du ihn
so siehst, so heilige ihn [und dieser Tag gilt dann als der erste
des neuen Monats], wie es heißt: "dieser Monat sei euch der
erste unter den Monaten des Jahres" (Ex. 12,2; Raschi).
Bekanntlich wird die "Gemeinschaft Israels" (Knesset Israel) mit
dem Mond verglichen: so wie der Mond mal voll und mal nur
Sichel ist, offenbart sich die Gemeinschaft Israels manchmal in
voller Pracht "wenn die Jahre normal sind und Israel auf seinem
Boden wohnt" (Megilla 2a), und manchmal befindet sie sich im
Dunkel des Exils (Galut). Moscheh konnte nicht die genaue
Größe der Sichel erkennen, die zur Weihung des neuen Monats
ausreicht. Da gab ihm G~tt einen "Fingerzeig": selbst ein
fingerkleines bißchen Licht reicht, den Monat zu weihen, die
Finsternis zu vertreiben. Und noch einen Fingerzeig gab er ihm:
"dieser Monat.." (ha-chodesch ha-se), "wenn du ihn so siehst.."
(ka-se re-e); der Zahlenwert von se beträgt 13 [inklusive 1 für
die Ganzheit des Wortes], und 13 ist der Wert des Wortes
echad, ein, und von ahawa, Liebe. Wenn [das Volk] Israel
meinen Namen eint und das Joch der himmlischen Herrschaft
aufsichnimmt unter dem Ausruf "Höre Israel, der Ewige, unser
G~tt, der Ewige ist der einzig Eine!", und die Israeliten die Liebe
mehren, dann wird der neue Monat geweiht und die Welt auf
eine höhere Stufe der Erkenntnis und der Heiligkeit erhoben.

Nach dem Stand der Dinge wird auch bei Wahlen per
"Fingerzeig" abgestimmt [das Wort für Wählen le-haz-bia kommt
vom selben Wortstamm wie Finger, ezba]. Und ebenso wie
G~tt, der Moscheh bei dessen Problem per Fingerzeig den
rechten Weg wies, so ist es für einen jeden angebracht, dem
göttlichen Beispiel zu folgen und denjenigen zu wählen, der für
mehr Liebe in Israel eintritt: Liebe zu den Geschöpfen, Liebe
zum Volke Israel, die Liebe zum Lande Israel und zur Tora
Israels. Möge es uns dadurch vergönnt sein, mit eigenen Augen
sehen zu können, wie G~tt "einen Erlöser ihren Kindeskindern
um seines Namens willen in Liebe bringt" (Schmone esre).

In Erwartung der vollkommenen Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Frage und Antwort

Wahlkampfregeln

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wie hat sich ein Kandidat bei den Wahlen zur Knesset
nach dem jüdischen Gesetz im Wahlkampf zu verhalten?

Antwort: Wie schön, daß wir eine neue Knesset wählen
können, wie schön, daß wir überhaupt eine Knesset haben, daß
wir überhaupt unseren eigenen Staat haben. Welches Glück ist
uns dadurch vergönnt! Und wodurch ward es uns vergönnt?
Durch unsere nationale Einigkeit. Durch unsere Einigkeit, weil
wir Freunde und Gefährten sind, und auch trotz manchmal
getrennter Ansichten wissen wir, Freunde zu bleiben. Getrennte
Ansichten bedeuten nicht getrennte Herzen. Wir wissen, daß
ein Kulturstreit nicht der Liebe und der Brüderlichkeit, dem
Frieden und der Freundschaft zuwiderläuft. Wegen grundlosen
Hasses und übler Nachrede wurden wir seinerzeit in die
Diaspora geschickt, und wegen brüderlicher Liebe und dem
Hüten der Zunge kehren wir in unser Land zurück. Natürlich läßt
sich beides noch steigern. Wir kämpfen für unseren
auserwählten Kandidaten ohne zu vergessen, daß wir alle zum
auserwählten Volk gehören, dessen Gemeinsamkeiten das
Trennende bei weitem überwiegen. Wir erlangten die
Unabhängigkeit, weil jeder von uns weiß, daß nicht er allein im
Besitze der ganzen Wahrheit, der ganzen Gerechtigkeit und der
ganzen Anständigkeit ist, sondern alle bauen gemeinsam die
Nation auf. Das alles bewirken brüderliche Liebe und Hüten der
Zunge.

Zu den Wahlen wollen wir uns darum einige goldene Regeln
des Hütens der Zunge auch in den Stürmen des Wahlkampfes
sehr gut merken:

1. Regel: So wie jedes Individuum seine Zunge hüten muß -
auch eine Partei. So wie man über keine Einzelperson
herziehen darf, auch nicht über einen Teil der Öffentlichkeit. Im
Gegenteil: Üble Nachrede über eine Gruppe von Menschen
wiegt ein Vielfaches schwerer, und zwar proportional zur Anzahl
der verleumdeten Personen ("Chafez Chajim" Gesetze von der
üblen Nachrede, §10, Hal.12), üble Nachrede vor einem breiten
Publikum zählt entsprechend der Anzahl der Zuhörer (ebda. §2,
Hal.1), und ein Wiederholen der üblen Nachrede multipliziert die
Sünden entsprechend, so daß jemand, der über eine
Gruppe/Partei von hunderttausend Leuten zehnmal üble
Nachrede ausbrachte, und das in den Massenmedien vor
hunderttausend Zuhörern, bringt es so auf hundert Milliarden
Sünden, von denen jede einzelne so schwer wiegt wie
Blutvergießen, Götzendienst und Inzest zusammengenommen!

Und wer diese Sitte gewohnheitsmäßig betreibt, so ist das
schlimmer als einfache Laschon Hara; der Betreffende wird
dann "Ba'al Laschon Hara" genannt, ein "Laschon-Hara-Typ".
Über ihn heißt es: "Ausrotte der Ewige alle glatten Lippen, die
Zunge, die großsprecherische" (Maimonides, Sittengesetze 7,2,
nach Psalm 12,4).

Öffentliche Angelegenheiten sind kein Freigebiet für üble
Nachrede. Kritik ist natürlich erlaubt, manchmal sogar Pflicht.
Doch gibt es dabei "rote Linien", die nicht überschritten werden
dürfen: Ohne Haß und ohne Verächtlichmachung. Man darf
seine Pflicht nicht durch Übertretung eines Verbotes erfüllen,
das wäre ein Gebot (Mitzwa), das durch eine Sünde ausgeübt
wird. Der Zweck heiligt nicht die Mittel.

Auf jeden Fall ist es verboten, negative Dinge aus dem
Privatleben eines Knessetkandidaten zu veröffentlichen. Was
hat das denn mit den Wahlen zu tun?! Wenn das deinem
Knessetkandidaten passierte - würdest du das ebenso aus
reiner Wahrheitsliebe und unbeugsamem Gerechtigkeitssinn
weitererzählen?

Beleidige niemanden! Wer seinen Nächsten öffentlich
beschämt, hat keinen Anteil an der kommenden Welt! Vermeide
ebenso scheinbar sachbezogene Redewendungen wie "wollen
wir doch mal realistisch sein". Sage deine Ansicht ohne Urteil,
laß die Zuhörer entscheiden, wer realistisch ist und wer nicht.
Oder "wollen wir doch vernünftig sein", "das ist nicht so einfach"
usw. Rede zur Sache und begründe deine Standpunkte.

Lästere nicht und parodiere nicht die Gegenseite. Stell dir immer
vor, wie du dich fühlen würdest, wenn man das mit dir machte.
Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem
andern zu!

Versündige dich nicht durch Pseudopsychologie, d.h. durch
"Psychoanalyse" deines ideologischen Opponenten. Anstatt zur
Sache zu reden, drückst du dich mit Hilfe von psychologischen
Untersuchungen über die möglichen Gründe, die zu den
Ansichten deines Gegners führten.

Verallgemeinere keine Beschuldigungen. Mache nicht aus
einem nebensächlichen einmaligen und extremen Ausnahmefall
die große Regel. Verhalte dich nicht wie die Antisemiten,
sondern hüte dich vor Verallgemeinerungen.

Vielleicht wirst du nun sagen, so wirst du niemals eine Wahl
gewinnen. Das stimmt nicht. Aber selbst wenn es stimmte,
würde es sich nicht lohnen, denn der Schaden durch üble
Nachrede ist größer als der Nutzen, etwa so wie ein Ehemann,
der beim Schlagabtausch mit seiner Frau als "Sieger"
hervorgeht. In Wirklichkeit haben beide verloren, und vor allem
die Kinder. Genau dadurch wurde doch der zweite Tempel
zerstört, durch grundlosen Haß und üble Nachrede (siehe Joma
9a), d.h. durch überhebliche Kritik jeder Gruppierung gegen die
andere (aus der Einleitung von Rabbiner Naftali Z.J. Berlin zum
Torakommentar Ha'emek Dawar).

Verteile keine Noten: "das ist doch kindisch / naiv / oberflächlich
/ nicht ernstzunehmen" usw. Du bist kein Volksschullehrer.
Auch ein Lehrer sollte sich nicht so verhalten. Das sind einfach
nur politische, substanzlose Redewendungen. Wir wir bereits
erwähnten, begründe deine Standpunkte! Rede direkt zum
Thema, ohne stilistische Ausbrüche, ohne Übertreibungen und
Superlative.

Gewöhne dir an, die Menschen nach der guten Seite zu
beurteilen. Das ist nicht etwa nur eine gute Sitte, sondern der
Buchstabe des Gesetzes! Lehne keine Ansicht ab, ohne ihre
Begründung gehört zu haben. Wenn es dir wirklich um die
Wahrheit geht, begnüge dich nicht mit Hörensagen.

Achte überhaupt immer auf die Vorzüge deines Nächsten und
nicht auf seine Schwächen. Wenn du nicht schlecht vom
Nächsten denkst, wirst du auch nicht schlecht über ihn reden.
Dieses Wundermittel offenbarte der Prophet Secharja den
Rückkehrern nach Zion: "Und Bosheit sinnet nicht einer gegen
den anderen in eurem Herzen" (8,17), "aber Wahrheit und
Frieden liebet" (8,19).

Nun wirst du wieder fragen, wie soll so ein Sanftmütiger je bei
den Wahlen gewinnen, wie kann ich beweisen, daß gerade ich
der Beste bin? Aber das ist gerade der beste Beweis für deine
Qualitäten, daß du nämlich keine üble Nachrede verbreitest.
Das Volk hierzulande hat all das schlechte Gerede gründlich
satt. Es sehnt sich nach Licht und Freude. Erzähle nicht von
den Schwächen der anderen, sondern von den Vorzügen deiner
Partei. Wie sagte der große Sittenlehrer Rabbiner Israel
Salanter: Wenn du höher als dein Nächster erscheinen willst,
grabe ihm keine Grube, sondern verschaffe dir einen Berg!
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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