DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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*** 4. Buch Moscheh ***

Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEMIDBAR
Nr. 410
29. Ijar 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Num. 1,1-4,20):
Auflistung der Stammesfürsten und Musterung der
Kriegstüchtigen im ganzen Volk; Aufstellung und Anordnung der
Einheiten; Übertragung der Erstgeborenenpflichten auf die
Leviten; Befreiung der Leviten vom Armee- und ihre Einteilung
zum Tempeldienst; Aufteilung der Transport-, Auf- und
Abbaupflichten des Wüstenheiligtums innerhalb der levitischen
Familien.
 

TAL CHERMON zum Wochenabschnitt
HaRav Schlomo Aviner

Die Armee des Stammes Levi

Aus allen Stämmen Israels wurden Soldaten ausgehoben, alle
ziehen zum Heeresdienst aus "von zwanzig Jahren an und
darüber" (Num. 1,3) - außer dem Stamme Levi. Dessen
Mitglieder beklagten sich darüber bei Moscheh: "Wie sonderbar!
Wo gerade unser Stamm über die größte Eignung zum
Heeresdienst verfügt, wie schon der Vorvater des Stammes,
Levi, selber gezeigt hatte, der sich für die Ehre seiner
Schwester Dina ereiferte und dabei zusammen mit seinem
Bruder Schimon die Stadt Schechem vernichtete (Gen. Kap.34).
Und waren es nicht wir, die Moschehs Ruf gefolgt waren: 'Wer
es mit dem Ewigen hält, zu mir', und 'Lege jeder sein Schwert
an die Hüfte; geht hin und her von Tor zu Tor im Lager, und
erschlage jeder seinen Bruder, jeder seinen Freund, jeder
seinen Verwandten!' (Ex. 32,26+27) nach der Sünde um das
goldene Kalb?! War es nicht Pinchas aus dem Stamme Levi,
der seine Lanze ergriff und den Aufrührer Omri ben Salu tötete
(Num. 25, 1-11) ?! Seit eh und je sind wir ein Stamm der
Kämpfer zur Ehre G~ttes. Es ist wohl wahr, daß die
Angelegenheit um Schechem nicht nach dem Sinne unseres
Vorvaters Jakov war, danach aber handelten wir auf Befehl
unseres Lehrers Moscheh! Unser Stamm, der Stamm Levi,
entspricht am ehesten der göttlichen Eigenschaft des
Kampfgeistes, wie uns aus den verborgenen Quellen der
Weisheit zugeflüstert wurde - warum aber sind gerade wir von
der kämpfenden Truppe ausgeschlossen?".

Darauf antwortete ihnen unser Lehrer Moscheh, der gewaltige
Sproß des Stammes Levi: Jawohl, das ist schon alles richtig, ihr
seid wirklich großartige Kämpfer. Ihr müßt euch allerdings
sagen lassen, daß ein großer Kämpfer nicht frontal gegen den
Feind anrennt, sondern mit strategischer Überlegung handelt.
Wenn ihr das Böse besiegen wollt, müßt ihr gegen die
Ursachen des Bösen kämpfen. Vermehrt Erleuchtung,
verbreitet Tora - und ihr werdet nicht mehr gegen die Sünder zu
kämpfen brauchen.

Den Ausgangspunkt für euren Kampf bildet die Lehre der
Mildtätigkeit unter dem Banner G~ttes (Deut. 33, 8-11; Levis
Segen): "Gib deine Thummim, deine Urim, jenem Frommen
hin". Ich sehe, daß ihr Vertrauen verdient; ihr habt die Prüfung
bestanden: "Den du in Massah hast geprüft, bei Haderwassern
hadernd hast versucht". Ihr seid zu jeder Selbstaufopferung
bereit: "Er sprach von Vater und Mutter: Ich hab' sie nie gesehn!
Er kannte seine Brüder nicht und achtete nicht seiner Söhne". In
jeder Situation ist auf euch Verlaß, ihr verdient volles Vertrauen:
"Er hütete nur dein Gebot, bewahrte deinen Bund". Daher
übergebe ich euch eine neue Aufgabe: "So mögen sie dein
Recht in Jakov lehren, und dein Gesetz in Israel", das Lehren
der Tora, sowie eine weitere Aufgabe, in Fortsetzung der
ersten, nämlich der G~ttesdienst [im Tempel]: "So mögen sie
denn Räucherwerk dir bringen, und Opfer dir auf den Altar".
Anstatt Soldaten zu sein, nehmt diese Aufgaben in Angriff, denn
ich bin mir eures Erfolges sicher: "Segne, Ewiger, seine Kraft,
und seiner Hände Werk laß dir gefallen". Und was wird aus den
Feinden? Genau davon ist hier die ganze Zeit die Rede - wenn
ihr eure Aufgabe ordnungsgemäß erfüllt, steigert ihr damit die
Fähigkeit der jüdischen Nation zur Unterwerfung ihrer Feinde:
"Zerschmettre seiner Feinde Lenden, daß seine Hasser nimmer
sich erheben".

Und nicht nur das. Ihr bekämpftet jene, die sich vor dem
goldenen Kalb niederwarfen, und stärktet damit die militärische
Schlagkraft der Nation. Jetzt werdet ihr noch Größeres
vollbringen: Verbreitet das Licht der Tora, damit sich die Sünde
des goldenen Kalbes nicht wiederholt, und dann werden wir
überhaupt nicht mehr zu kämpfen brauchen: "Wäre die Sünde
um das goldene Kalb nicht geschehen, hätten die das Land
Israel bewohnenden Nationen mit den Israeliten Frieden
geschlossen und ihnen gedankt, denn der auf ihnen sichtbar
ruhende Name G~ttes hätte in jenen die Ehrfurcht des
Erhabenen erweckt, und es wäre zu keinerlei kriegerischen
Handlungen gekommen" (Orot, "Hamilchama" §4). Das ist euer
Kampf, und das ist eure Armee.
 
 
HaRav Aviner

Ratschläge zur Partnersuche

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Einige Ratschläge wenden sich an die männlichen, andere an
die weiblichen Heiratskandidaten, gelten aber meistens für
beide.

0 Heirate nicht zu jung. Unausgereifte Ehepartner geraten
leicht in Komplikationen. Man darf aber auch nicht zu spät
heiraten, wenn sich die Persönlichkeit schon konsolidiert hat.
Am besten, wenn beide gemeinsam konsolidieren. Das beste
Alter zum Heiraten liegt zwischen 20 und 25 Jahren. Darum
sollte das Mädchen nicht zuviele Jahre mit Zivildienst und
Seminaren zubringen.
0 Auch wer das genannte Alter bereits überschritten hat,
braucht nicht zu verzweifeln. Viele haben später geheiratet und
ihr Eheglück gefunden. Jeder hat seinen vorbestimmten
Partner, nur dauert es manchmal eine Weile, bis die beiden
zueinander treffen.
0 Wenn es manchmal vorkommt, daß dein Heiratsantrag
abgelehnt wird, und andere Male du das Angebot der
Gegenseite ablehnst, dann ist das ein gutes Zeichen, daß du
ein normaler Mensch bist. Mach solange weiter, bis gleichzeitig
beide Seiten interessiert sind.
0 Was ist besser: Heiratsvermittler, Zufallsbegegnung,
organisierte Veranstaltungen oder Feiern für Ledige, Internet,
Vorträge, Freund eines Freundes, Schwester eines Freundes,
Karteien oder Computer? Alle Antworten sind richtig, und ein
jeder versuche, was ihm am Geeignetsten erscheint. Ein guter
Rat: Lehne keine Möglichkeit von vornherein ab. Der Himmel
hat viele Boten, und du weißt nicht, woher die Erlösung
kommen wird. Übrigens bedeutet Heiratsvermittlung nicht
Partner zweiter Klasse, schließlich heirateten so unser Vorvater
Jizchak und Stammutter Riwka, mit ausgezeichnetem Ergebnis.
0 Warte nicht darauf, daß dir ein Ehepartner vom Himmel fällt.
Wir vertrauen nicht auf Wunder. Wenn du einen guten Jungen
siehst, ergreife du die Initiative. So verfuhr Avigajil in aller
Sittlichkeit und Bescheidenheit (siehe Baba Kama 92b).
0 Wenn sich die Partnersuche länger als erwartet hinzieht,
verfalle nicht auf mystische Patentrezepte, kabbalistische
Zeremonien, Abwendung des "bösen Blickes",
Posaunenumzüge und andere Dinge, die sich weder in der Tora
noch in Mischna, Talmud und Halacha finden. Halte dich
vielmehr an Gebet, reumütige Umkehr und Mildtätigkeit.
0 Auch Gematriot (Prophezeiungen anhand des Zahlenwertes
von Buchstaben) überlasse lieber dem Rechenunterricht in der
ersten Volksschulklasse.
0 Wenn ein Heiratsvermittler vorab viel Geld verlangt, halte
dich von ihm fern. Man zahlt nicht im voraus für etwas, das man
noch nicht bekommen hat und vielleicht auch nie bekommen
wird. Eine geringe Anzahlung ist jedoch akzeptabel. Wenn dann
mit G~ttes Hilfe die Vermittlung glückt, ist auch eine hohe
Gebühr gerechtfertigt; im Verhältnis zu den übrigen
Hochzeitskosten ein kleiner Betrag.
0 Prüfe genau den Ruf des Heiratsvermittlers, damit er/sie dir
keine Partner andreht, die überhaupt nicht zu dir passen. Das
führt bloß zu Schmerz und Frust, wenn er instinktiv Leute
zusammenführt, ohne sich vorher Gedanken zu machen.
0 Es besteht überhaupt kein Grund, vor einer Heirat mit einem
Mädchen zurückzuschrecken, das etwas älter ist als du. So
versteht der Toßafotkommentar die Talmudstelle, wonach 40
Tage vor der Entstehung des Embryos eine himmlische
Hallstimme die ihm zubestimmte Ehefrau verkündet, d.h., sie ist
also vor ihm geboren (Sota 2a). Wenn du dabei nicht
übertreibst, brauchst du nicht zu befürchten, in deiner Frau
immer deine Mutter zu sehen.
0 Manche Leute behaupten, eine ältere Ledige sei ein Stigma,
ein älterer Junggeselle hingegen ein begehrtes Gut. So ein
Unsinn! Wenn schon, dann umgekehrt. In Wirklichkeit sind alle
gut, das Alter spielt überhaupt keine Rolle.
0 Alles, was man vor der ersten Begegnung herausfinden
kann, sollte man vorher von glaubwürdiger, objektiver Seite
prüfen - dabei gilt bekanntlich nicht das Verbot der üblen
Nachrede (Laschon hara). Es gehört sich nicht, unvorbereitet
bei der ersten Begegnung zu erscheinen, nur um sehr schnell
festzustellen, daß man sich die Sache doch ganz anders
vorgestellt hatte. Vorherige Prüfung erspart einem viele
Unannehmlichkeiten.
0 Ein schwerwiegender Erbdefekt braucht kein
Hinderungsgrund für die Heirat zu sein. Geht beide zum Institut
für Genetik mit der ganzen Familiengeschichte, um zu klären,
welche Probleme fürs Eheleben und den Nachwuchs zu
erwarten sind. So kauft man keine Katze im Sack. Es kann
nämlich sein, daß diese Nachteile durch die Vorzüge des/der
Auserwählten mehr als aufgewogen werden.
0 Nach dem jüdischen Gesetz soll man die Tochter eines
Toragelehrten heiraten. Es gibt viele verschiedene Arten von
Toragelehrten: ein himmelsfürchtiger Jude, der jeden Tag eine
bestimmte Zeit fürs Torastudium reserviert, ist zum Beispiel eine
Art Toragelehrter. Selbst ein Jude, der sich für die jüdische
Allgemeinheit und das Land Israel aufopfert, ist eine Art
Toragelehrter. Und nicht zuletzt gibt es auch Mädchen, die
selber in die Kategorie Toragelehrte fallen.
0 "Wer eine Frau heiratet, sollte ihre Brüder prüfen, denn die
Mehrheit der Söhne wird den Brüdern der Mutter ähneln" (Baba
batra 110a) - das war einmal. Heutzutage beurteilen wir Jeden
für sich.
0 Ein Mädchen "aus gutem Hause" - wunderbar. Doch
letztendlich heiratest du nicht die Familie, sondern das
Mädchen. Rachel und Lea zum Beispiel entsprossen einer nicht
gerade vorbildlichen Familie...
0 Jemand, der gerade religiös geworden ist (Ba'al Tschuwa),
ist kein Jude zweiter Klasse. "Wie vorzüglich ist doch der Rang
der Umkehr - gestern noch war Jener vom G~tte Israels
abgeschieden, und heute hängt er der göttlichen Präsenz an"
(Maimonides Mischne Tora, Gesetze von der Umkehr, 7.Kap.,
Hal.7). Es bedeutet eine große Sünde, einem Ba'al Tschuwa
seine früheren Missetaten vorzuhalten. Entsprechendes gilt
beim Konvertiten.
0 Wenn du früher schwere Sünden begangen hast und dann
ein Ba'al Tschuwa geworden bist, erzähle nichts von dieser
Vergangenheit bei der Begegnung. Ist dies doch alles ausradiert
und nicht mehr existent. Wenn du aus Liebe zu G~tt umgekehrt
bist, verwandeln sich die Sünden in Wohltaten, und mit seinen
guten Taten sollte man nicht angeben. Auch nach der Hochzeit
erzähle deinem Partner niemals davon, vielleicht weiß er nicht,
daß die Sünden durch Umkehr ausgelöscht wurden.
0 Ein Mädchen, das in der Armee war oder an der Universität
studiert, ist dadurch nicht mit einem Makel behaftet. Du
heiratest ja weder die Armee noch die Universität. Entscheidend
ist das Mädchen selber.
0 Hüte dich vor religiösem Chauvinismus, daß der Zukünftige
genau deiner religiösen Strömung, Untergruppe, Abzweigung
soundso angehören muß. Du heiratest nicht die Strömung,
sondern den Jungen, prüfe lieber, ob du mit ihm strömen
kannst.
0 Ein Vorurteil, alle gebildeten Mädchen mit einem freien
Beruf, außer Lehrerin, für unreligiös zu halten!
0 Über einen unwichtigen Makel, der später keine
Auswirkungen zeitigen wird, brauchst du nicht zu reden. Zum
Beispiel: Deine Mutter ist Jüdin, aber dein Vater Nichtjude. Wen
interessiert das, die Hauptsache, du bist Jude (Jewamot 45a,
Kehilot Jakov zur Stelle).
0 Du bist zu sehr an einer Schönheit interessiert, auch wenn
du dir dessen nicht bewußt bist. Gib zu, daß du keine kleine
Dicke willst. Du hast eben noch nicht gelernt: "Trug ist die
Anmut, und eitel die Schönheit" (Sprüche 31,30). Hauptsache:
menschliche Wärme. Frage mal geschiedene Männer nach
ihren Erfahrungen. Die Regel lautet vielmehr: Nicht wegen ihrer
Schönheit liebst du sie, sondern weil du sie liebst, ist sie die
schönste Frau der Welt. Hauptsache, sie gefällt dir menschlich.
0 Komm nicht lotterlich zur Begegnung. Mach dich ein wenig
hübsch. Was kann man machen, so sind die Jungen eben.
Macht ja nichts. Achte auf schöne Kleidung und eine
angenehme Erscheinung.
0 Auch der Junge komme nicht vernachlässigt zur Begegnung,
sondern mit sauberer und gepflegter Kleidung.
0 Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe,
z.B. Aschkenasim oder Sefaradim, ist vollkommen belanglos.
Wenn man aufgrund solcher Überlegungen einen Kandidaten
ablehnt, so nennt man das "grundlosen Haß".
0 Wenn du schon etwas älter bist, sei nicht zu wählerisch.
Auch wenn du noch jünger bist - warte nicht auf den perfekten
Jüngling (und auch der Junge suche nicht die perfekte Gattin).
Die gibt es nämlich nicht. Suche keinen Engel. Auch wenn es
einen Engel gäbe, würde er dich nicht heiraten, denn du bist ja
kein Engel. Nobody is perfect. Der Mensch wird nach der
Mehrheit seiner Taten beurteilt. Man kann G~tt besonders durch
die Verbesserung seiner Charaktereigenschaften dienen, indem
man den Anderen mit allen seinen Nachteilen akzeptiert, und
ihn nicht verurteilt, solange man nicht in seiner Lage war, in die
man sowieso niemals kommt.
0 Wenn der Junge aber bedeutende Charakterschwächen an
den Tag legt, lasse dich nicht mit ihm ein, auch wenn du schon
älter bist. Nimm keinen zweitklassigen Jungen, wenn du selbst
erstklassig bist, aber ein paar kleine Schwächen machen noch
niemanden zweitklassig.
0 Was ist der schlimmste Mangel? Herzlosigkeit. Ein gutes
Herz ist am allerwichtigsten. Darauf wurde unsere Stammutter
Riwka für unseren Vorvater Jizchak geprüft. Mit einem guten
Herz läßt sich echte Freundschaft und eine gute Partnerschaft
aufbauen. Mach dir keine lange Liste von Erwartungen. Man
kann von keinem Jungen verlangen, den ganzen "Weg der
Frommen" (Messilat Jescharim, Rabbiner Moscheh Chajim
Luzatto) schon hinter sich zu haben. Man sollte einige
Hauptpunkte beachten, wie z.B. das genannte gute Herz,
Himmelsfurcht, Verzichtsbereitschaft und die Fähigkeit,
Enttäuschungen einzustecken, ohne sie dem Partner
aufzuhalsen.
0 Bei der Begegnung kann man kaum feststellen, ob der
andere ein gutes Herz hat, denn er wird sich ja besondere Mühe
geben, im besten Lichte zu erscheinen. Diese Sache muß man
bei seinen Zimmergenossen oder bei seinen Freunden aus der
Armee in Erfahrung bringen. Es gibt aber Anzeichen für
Herzlosigkeit: Wenn du z.B. sagst, dir sei kalt und du bist schon
müde, er aber munter weiter mit dir durch die Stadt spaziert, nur
weil ihm selber nicht kalt ist, und besonders, wenn er dich
belehrt, daß es dir mit längeren, d.h. sittlicheren Ärmeln gar
nicht kalt wäre. Natürlich kann man sich auch den umgekehrten
Fall vorstellen, wenn dem Jungen kalt ist und ihn die
wohlverpackte Dame durch die Gegend schleppt.
0 Noch ein Beispiel: Wenn dich der junge Mann am Ende der
Begegnung an einer abgelegenen Bushaltestelle absetzt, dann
ist das ein Zeichen für mangelndes Mitgefühl, aber auch ein
göttliches Zeichen, daß dieser junge Mann nicht zu dir paßt.
0 Noch ein Beispiel: Wenn du durstig bist und er dir nichts zu
trinken kauft, dann hat er wohl kein gutes Herz. Er ist auch kein
Gentleman. Es geht aber in Ordnung, wenn man sich bei der
Bezahlung von Erfrischungen abwechselt.
0 Noch ein Zeichen für Herzlosigkeit: Wenn er bei der ersten
Begegnung von dir verlangt, einen weiten Weg zu ihm zum
Treffpunkt zu reisen. Bei späteren Begegnungen kann man sich
allerdings wechselweise mal bei ihm und mal bei dir treffen.
0 Lerne, eine herrschsüchtige und leicht reizbare
Persönlichkeit zu identifizieren, die sich nämlich später in einem
schlagenden Ehemann äußern kann. Wenn er dir Weisungen
erteilt, was du zu tun oder zu lassen hast, wie du dich zu kleiden
hast, wie die Freizeit zu verbringen, was zu lernen, jetzt und
später - das ist kein gutes Omen. Wenn er sich über eine kleine
Verspätung deinerseits aufregt, weil ihm dadurch seine Pläne
durcheinanderkommen - dann ist das auch kein gutes Omen.
Mach das ab und zu mit Absicht, um zu sehen, wie er reagiert.
Andererseits gibt es auch herrschsüchtige Frauen.
0 Wenn er dir erklären will, daß "eine gute Frau den Willen
ihres Mannes tut", dann prüfe nach, ob er damit meint, er suche
eine unterwürfige Frau, also nicht dich.
0 Wenn der Junge eine gewisse Gefühlskälte zeigt, lasse ihn
nicht gleich sausen, sondern frage ihn nach dem Grund.
Vielleicht ist er durchaus sensibel, nur ist er sich der weiblichen
Gefühlswelt nicht bewußt, und wenn er dazulernt, wird er sich
sehr gefühlvoll zeigen.
0 Sie dich vor, ein Mädchen ist ein zartes Geschöpf.
0 Sie dich vor, ein Junge ist ein zartes Geschöpf - auch wenn
es manchmal nicht den Anschein hat.
0 Glaube nicht, beim Jungen deine eigenen Eigenschaften
finden zu können, er hat nicht diegleiche große Begabung der
Selbsterkenntnis und der zwischenmenschlichen
Kommunikation. Deswegen ist er aber noch lange nicht
oberflächlich oder verkorkst, er kann schon ein intensives und
reichhaltiges Seelenleben haben.
0 Suche nicht ausgerechnet einen Jungen mit größerer
Himmelsfurcht als du, klüger und gebildeter als du. Er darf auch
mal in deinem Schatten stehen.
0 Gegensätzliche Charaktereigenschaften zwischen Mann und
Frau brauchen nicht zu stören, wie z.B. Gesetztheit und
Rührigkeit, verträumt und realistisch, logisch und gefühlsbetont,
fließend und distanziert. Schließe keine Möglichkeiten von
vornherein aus.
0 Wenn der Junge dir ein Examen über dein
religionsgesetzliches Wissen und deine Gesetzestreue
veranstaltet und dich am Schluß fragt, wie dein Schabbestisch
aussieht, dann sage ihm: Ohne dich!
0 Frage das Mädchen nicht aus. Das ist hier keine
Abiturprüfung und kein Kreuzverhör. Zeige ein angemessenes
Interesse.
0 Rede nicht die ganze Zeit von dir selber und deine Beiträge
zur Rettung der Menschheit. Erzähle in angemessener Weise
von deinen Interessen.
0 Halte vor dem Mädchen keine gelehrte Predigt, vielleicht
interessiert sie das nicht.
0 Beantworte während der Begegnung keine
Telefongespräche. Das wäre furchtbar unhöflich.
0 Wenn dir der Junge zum besseren Kennenlernen das
Untertauchen in einer Mikwe usw. ... vorschlägt und dafür auch
noch sogenannte Beweise aus dem Gesetz vorbringt, laß ihn
sausen, das sind alles Lügen, er ist einfach ein Widerling - und
warne auch deine Freundinnen und den Heiratsvermittler.
0 Suche nicht ausgerechnet eine dramatische Liebe und
wogende Gefühle, du befindest dich nicht im Kino, sondern im
wirklichen Leben.
0 Zieht die Dauer der Begegnung nicht zu sehr in die Länge,
das ist weder bekömmlich noch sittlich, aber haltet sie auch
nicht so kurz, daß kein Kontakt zustandekommt. Sagen wir mal
etwa 45 bis 90 Minuten.
0 Rede nicht die ganze Zeit, bzw. höre nicht die ganze Zeit nur
zu. Es muß ein ausgewogenes Gespräch stattfinden. Nur so
kommt Kontakt zustande.
0 Die Ehe ist kein Konsumgut aus dem Angebot, dessen
Qualität man prüfen muß. Sie ist vielmehr ein Gut, das mit der
Zeit reift, und darum muß man in die Schaffung einer guten
Verbindung investieren. Du brauchst nicht das beste Mädchen
der Welt, sondern das beste Mädchen für dich. Achte darauf, ob
eine Verbindung zustandekommt. Das dauert meistens seine
Zeit, etwa zwei bis drei Begegnungen. Darum entscheide nicht
zu früh auf Abbruch, auch wenn noch andere vielversprechende
Kanditaten auf der Warteliste stehen. Häufig bricht bei der
ersten Begegnung noch keine große Begeisterung aus, und es
entsteht auch noch kein Kontakt, sondern erst später. Bedenke,
daß das Mädchen bei der ersten Begegnung noch unschlüssig,
nervös und überempfindlich reagieren kann und sich nicht von
ihrer besten Seite zeigt.
0 Mache dir keine falschen Hoffnungen, daß sich der Junge
nach der Heirat schon ändern werde. Du heiratest ihn, so wie er
jetzt ist. Die meisten Leute ändern sich nicht. Natürlich muß
man reumütige Umkehr tun und nach höherer spiritueller Stufe
streben, aber man sollte keine Wunder erwarten. Prüfe, ob er
deinen Erwartungen entspricht, so wie er sich jetzt präsentiert.
0 Nehmen wir einmal an, ein bestimmter Kandidat sagt dir
überhaupt nicht zu - aber vielleicht ist es der dir vom Himmel
vorbestimmte Partner? Nein, das gehört nicht zu unseren
Überlegungen; wir kennen nicht die himmlischen Geheimnisse
der Seelen, und wir gehen unseren Lebensweg nicht auf dem
Pfade der Mystik, und wenn wir unseren Verstand und unser
Torawissen gebrauchen, so sind wir automatisch richtig auch
bezüglich der Mystik ausgerichtet. Wenn der Junge nicht zu dir
paßt, dann will auch der Himmel nichts von dieser Verbindung
wissen.
0 Wenn es euch nicht gelingt, eine endgültige Entscheidung zu
treffen, laßt diesen Zustand nicht längere Zeit andauern,
sondern beratet euch mit Freunden, mit Verwandten, mit den
Eltern oder mit Rabbinern. Wenn das alles nichts nützt, wendet
euch an einen Eheberater, der euch bei der Entscheidung
helfen wird.
0 Wenn du dich einerseits nicht für den Jungen entscheiden
kannst, andererseits aber Angst hast, ihn zu verlieren, und auch
der Junge keine eindeutigen Anstalten in die eine oder andere
Richtung macht, darfst du parallel andere Bekanntschaften
anfangen, nur darfst du dem Ersten nichts davon erzählen, um
ihn nicht zu kränken. (Das gilt natürlich auch in
entgegengesetzter Richtung). Generell sollte man nicht mit
mehreren Kandidaten parallel ausgehen, das gehört sich nicht;
nur wenn die Situation festgefahren ist.
0 Nicht die Eltern entscheiden über den zukünftigen
Ehepartner. Sage ihnen das aber nicht frech ins Gesicht,
sondern mit Respekt. Im Schulchan Aruch steht ausdrücklich,
daß die Pflicht der Ehrung der Eltern nicht bei der Partnerwahl
gilt (J.D.§240).
0 Wenn du ein gutes Mädchen gefunden hast, überlege nicht
lange, ob sich nicht doch was Bessres findet. Auf diese Weise
würdest du nie heiraten. Ist sie gut, dann ist sie großartig.
0 Wenn du dich gegen eine bestimmte Kandidatin entschieden
hast, teile ihr das bitte sofort und höflich mit, spätestens am
nächsten Tag, auch wenn das für dich eine wenig angenehme
Angelegenheit ist. Laß sie nicht im Ungewissen. Wenn die
Möglichkeit besteht, dem Mädchen etwas über eure Begegnung
zu sagen, woraus sie etwas für später lernen kann, so wäre das
lobenswert - vorausgesetzt, diese Mitteilung erfolgt respektvoll
und ohne sie zu verletzen.
0 Vergiß auch nicht, dem Heiratsvermittler über den Abbruch
der Beziehung bzw. die Verlobung oder sonstige Entwicklungen
zu berichten, damit auch er nicht im Ungewissen bleibt.
0 Erzähle keinem deiner Freunde auch nur irgendetwas von
den Begegnungen, oder was du von dem Mädchen gehört hast.
Dies alles ist höchst vertraulich zu behandeln, und jede
Verlautbarung hat den gesetzlichen Status von übler Nachrede
(Laschon Hara), eine schwere Sünde. Auch deiner Zukünftigen
erzähle keine Geschichten über Andere.
0 Wenn ihr schließlich glücklich geheiratet habt, dankt G~tt
dafür. Wie macht man das? Strengt euch an, zwei weitere
Paare zusammenzubringen!
 
 
 

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