DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BERESCHIT
Nr. 376
29. Tischri 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Gen. 1,1-6,8):
Schöpfung, Adam und Chawa, Schlange, Vertreibung aus dem
Garten Eden, Kain und Hewel, die Generationen bis Noach,
Planung der Sintflut.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Dem Liebespaar

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Verschiedene Namen gab die Tora der Frau, und entsprechend
dem Manne. Einmal heißt sie "Frau" (ischa, Männin), und er ihr
"Mann" (isch). Einmal heißt sie "Chawa" ("Eva"), und er "Adam".
Am Ende des Wochenabschnittes ist von "Töchtern des
Menschen" die Rede, zu denen parallel "Söhne der Höheren"
genannt werden. Das ist bestimmt kein Zufall. Wir werden
sehen, daß diese unterschiedlichen Bezeichnungen für
Eigenschaften stehen, die eine Ehe ausmachen:
Kameradschaft, Elternschaft und Sexualität.

Als Grund für die Schaffung der Frau wurde die Kameradschaft
genannt: "Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm
eine Gehilfin machen, wie sie ihm zustehe" (Gen. 2,18; nach der
Deutung Rabbiner Naftali Z.J. Berlin aus Woloschin:
entsprechend seinen Eigenschaften). Das Alleinsein, die
Isolation, ist "nicht gut". Dabei gibt es kein Geben, keine
Wohltat. Die Kameradschaft zwischen dem Mann und seiner
Frau verleiht dem Wert des "Guten" Ausdruck, der sich in der
Beziehung des Paares verwirklicht. Die praktische Umsetzung
liegt im gegenseitigen Dienst, der "Hilfe" der Frau an ihrem
Mann, parallel zu seinen Gaben an sie ("entsprechend seinen
Eigenschaften"). Diese Art der Verbindung drückt sich auch in
den Namen des Paares aus: "Isch" und "Ischa". Die Frau wird
mit diesem Namen bezeichnet, weil sie vom Manne genommen
wurde. "Diese werde genannt Männin, denn vom Manne ist
diese genommen worden" (2,23). Es handelt sich hierbei also
um einen Namen, der für seine jeweilige Verwendung gebeugt
wurde, Ausdruck der Einheit der Partner, als Bestandteile
eines Paar-Systems; hierbei wird auch der G~ttesname
angedeutet, und zwar durch die jeweils abweichenden
Buchstaben von isch und ischa, 'jud' und 'heh'.

Das Verhältnis ändert sich im Verlaufe des Wochenabschnittes,
nach der Sünde im Garten Eden. Die Frau heißt nun nicht mehr
"Ischa", sondern "Chawa". Keine Kameradin ihres Mannes,
sondern "Mutter alles Lebenden" (3,20). Nicht nur das, sie muß
auch ihr Leben für die Aufzucht des aus ihr hervorgehenden
Lebens einsetzen. "Mehren und mehren will ich die Schmerzen
deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder
gebären" (3,16). Auch ihr Mann heißt nicht mehr "Mann", "isch",
sondern "Adam", nach der Erde ("adama"), von der er
geschaffen wurde. Bei diesem Ehepaar geht es nun
hauptsächlich um die Eltern-Eigenschaft. Der Mann, Adam,
versinnbildlicht die Herkunft, die Vergangenheit, und Chawa die
Weiterführung in die Zukunft. Man kann sich leicht denken, daß
diese Änderung wohl mit der Sünde des Essens vom "Baume
der Weisheit" etwas zu tun haben muß. Diese Sünde erweckte
die niedere Seite der Paaresbeziehung, den physischen und
egoistischen Aspekt der Sexualität. Durch Berührung mit ihr zog
sie die Kameradschaft von ihrem hohen Niveau und ihrer
Reinheit herunter und drohte, sie von einer Verbindung des
gegenseitigen Gebens in eine Verbindung gegenseitigen
Nehmens zu transformieren; von einer Verbindung, deren
Wesen in der Welt des Geistes verankert ist und dadurch die
Körperlichkeit heiligt, in eine im wesentlichen körperliche
Verbindung. Die Berichtigung dieser Störung der ehelichen
Werteskala erfolgt durch die Plazierung der Elternschaft im
Mittelpunkt der Beziehung. Die gemeinschaftliche Verpflichtung
zum Aufzug der Kinder und der Einsatz jedes der Ehepartner für
seinen Anteil an dieser Aufgabe prägen aufs Neue die inneren
Werte der ehelichen Verbindung. Chawa opfert sich auf für
Schwangerschaft und Geburt, und Adam für die wirtschaftliche
Versorgung der Neuankömmlinge "im Schweiße seines
Angesichtes".

Im weiteren Verlauf tat sich die Menschheit jedoch nicht leicht
mit dem Anspruch, die eheliche Verbindung auf einer hohen
ethischen Stufe zu halten. Der Drang zu den niederen Ebenen
wurde immer stärker. Lemech nahm zwei Frauen und teilte sie
nach Aufgaben ein: Ada für Schwangerschaft und Geburt, und
Zila fürs Vergnügen (siehe Raschi zu Gen. 4,19). Bei ihm kann
die Elternschaft die eheliche Beziehung schon nicht mehr auf
ein anspruchsvolleres Niveau oberhalb der Sexualität erheben.
So brachte Ada Kinder zur Welt, die sich mit nützlichen Dingen
wie Wirtschaft (Viehzucht) und Kultur (Musik) beschäftigten,
wohingegen der "Betriebsunfall" von Zila, Tuval-Kajin, "ein
Schmied allen Zeuges von Erz und Eisen" (4,22) war und der
Welt Instrumente des Todes und des Mordes brachte... (Doch
auch an diesem Niedergang darf man nicht verzweifeln. Seine
Schwester war Na'ama, die spätere Ehefrau von Noach; siehe
Raschi ebda.).

Die Lage verschlechtert sich weiter. "Da sahen die Söhne der
Höheren, daß die Töchter des gemeinen Mannes schön waren,
und nahmen sich zu Frauen alle, die ihnen gefielen" (6,2). Nicht
mehr "Mann und Männin", nicht "Adam und Chawa", sondern
"Söhne" nahmen "Töchter". Nicht mehr Einzahl, sondern
Mehrzahl; der Bund der Ehe findet in diesen Worten keinen
Ausdruck. Man sieht kein Zeichen eines Bundes der
Kameradschaft. Das verbindende "und" fehlt nunmehr in der
partnerschaftlichen Kommunikation, und an dessen Stelle tritt
"..groß war die Bosheit des Menschen auf Erden" (6,5). Auch
der Bund der Elternschaft verschwindet. Wir finden keinen
Hinweis mehr auf eine Ausrichtung nach der Zukunft, und was
bleibt? "..und alles Dichten und Trachten ihres Herzens ging
immer nur auf das Böse" (ebda.). Die Liebe wird durch
Verlangen ersetzt. An die Stelle von Kameradschaft und
Elternschaft tritt grobe Triebhaftigkeit und
Verantwortungslosigkeit. "Da sprach der Ewige: Mein Geist soll
nicht ewig im Menschen walten, da auch er Fleisch ist" (6,3),
d.h., "Selbst Geist und Weisheit wurden zu 'Fleisch', eine
Umschreibung für Triebhaftigkeit" (Rabbiner N.Z.J.Berlin).

Auf dem Tiefpunkt des Niederganges bricht plötzlich der
Lichtstrahl der Menschheit durch, von dem aus sie langsam
aber sicher in Richtung ihrer Vervollkommnung strebt, zu
werteorientiertem Familienleben von Elternschaft und auch
Kameradschaft: "Noach aber fand Gnade in den Augen des
Ewigen" (6,8).

In unserer Generation erkennen wir das Vermögen,
voranzukommen. Auf der einen Seite Verhütungsmittel, auf der
anderen fortschrittliche Methoden künstlicher Befruchtung,
die eine Trennung von Partner- und Elternschaft ermöglichen.
Betäubungsmittel (wie z.B. Epidural) befreien die Mutter vom
Fluche des "mit Schmerzen sollst du Kinder gebären", und die
Technologie befreit den Mann vom Fluche "im Schweiße deines
Angesichtes sollst du Brot essen" (3,19). Dabei besteht die
große Gefahr, in die Verantwortungslosigkeit abzugleiten. Dem
steht die große Herausforderung gegenüber, zur Kameradschaft
des Garten Eden vor der Sünde zurückzukehren. Das ist die
tiefere Bedeutung des Segensspruches, der unter der Chuppa
bei der Trauungszeremonie gesagt wird: "Erfreue das
Liebespaar, wie du dereinst deine Geschöpfe im Garten Eden
erfreut hast".
 
 
Frage und Antwort

Erziehungsfragen

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Seit Jahren versuche ich meine Frau von bestimmten
Dingen des täglichen Lebens zu überzeugen, aber immer muß
sie ihren eigenen Kopf durchsetzen, gegen allen gesunden
Menschenverstand. Wie kann ich diesen Zustand beheben?

Antwort: Lassen Sie Ihren Partner in Ruhe. Erziehen Sie nicht
an Ihrer Frau herum (ebenso wie eine Frau nicht an ihrem Mann
herumerziehen sollte). Nicht dafür haben Sie geheiratet. Wir
haben nichts Grundsätzliches gegen Erzieher, im Gegenteil,
Erziehung ist ein wichtiges Gebot, sogar das wichtigste. Sie
haben aber für die gegenseitige Freundschaft geheiratet, das ist
eine ganz andere Geschichte. Stellen Sie sich einmal vor, sie
seien ein Schüler in der Schule, mit Freunden,
Klassenkameraden und Lehrer. Ihr Lehrer, ihr Rav, ist für Ihre
Erziehung zuständig. Sie wenden sich an ihn und wollen
erzogen werden. Sie zollen ihm Respekt, Sie hören ihm
aufmerksam zu, und erhalten Erziehung.

Ihren Klassenkameraden haben Sie allerdings nicht zu Ihrem
Erzieher ernannt. Ein Freund ist etwas anderes. Manchmal mag
er sowohl Freund als auch Erzieher sein, das ist sehr schön. So
erklärte Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") "Mache
dir einen Lehrer" (Mischna "Sprüche der Väter" 1,6) - deinen
Freund. Achte deinen Freund wie deinen Lehrer. Das bleibt
allerdings Ihrer eigenen Entscheidung überlassen. So eine
Entscheidung zeugt von großer Demut. Es steht aber nirgendwo
geschrieben, daß man seinen Freund wie seinen Schüler
behandeln sollte! "Mache dir einen Lehrer, erwirb dir einen
Freund" (s.o.), es heißt aber nicht: "Erwirb dir einen Schüler" -
das gehört sich nicht.

Als Sie heirateten, erwarben Sie keinen Schüler, sondern einen
Freund. Wenn Ihr Freund Ihnen sagt: 'Ich bin dein Schüler,
lehre mich', dann ist das sehr schön. Sie brauchen aber nicht
als Erster die entsprechende Initiative zu ergreifen! Vielleicht
glauben Sie, Ihr Partner sei in Wirklichkeit daran interessiert, er
geniert sich bloß? Keine Sorge, keiner geniert sich. Wenn Sie
sich nicht sicher sind, fragen Sie ganz einfach: Möchtest du von
mir erzogen werden? Möchtest du darüber mit mir sprechen? -
so wie man jenseits des großen Teiches fragt "Do you want to
speak about it?".

Dringen Sie aber nicht in seine/ihre Welt ein, und verabreichen
Sie keine Moralpredigten. Das Leben ist schon so schwer
genug, draußen laufen genug Leute herum, die nichts Besseres
zu tun haben, als an einem herumzukritisieren und auf ihm
herumzuhacken. Zuhause braucht man dann nicht noch eine
Front und keinen Staatsanwalt. Zuhause braucht man einen
Verteidiger.

Seien Sie der Anwalt Ihrer Frau. Erfüllen Sie Tag und Nacht das
Gebot "beurteile jeden Menschen nach der günstigen Seite"
(ebda.). Versuchen Sie, nur ihre guten Seiten zu sehen.

Wenn Ihr Partner Sie zum Generalstaatsanwalt ernennt - sehr
gut. Aber nur unter der Bedingung, daß er es wirklich will.
Fragen Sie ihn; aber nicht mit Gewalt. Das verdirbt die ganze
Beziehung.

Denken Sie an die Gebote von der Ermahnung. Man überfällt
nicht einfach jemanden mit Ermahnungen. Dafür gibt es
bestimmte Bedingungen. Die Hauptbedingung lautet: "Wie es
ein Gebot ist, eine Mahnung auszusprechen, die Gehör findet,
so ist es auch ein Gebot, eine Mahnung zu unterlassen, die kein
Gehör findet" (Jewamot 65b).

Werden Sie Gehör finden? Werden Sie auf offene Ohren
stoßen? Ist die Gegenseite seelisch zu hören bereit? Nur weil
es um Ihren Ehepartner geht, heißt das noch lange nicht, daß
Sie alles, was Sie wollen, sagen dürfen, oder Ermahnungen
austeilen, erziehen, den Kopf waschen und "gute Ratschläge"
erteilen.

Laß ihn in Ruhe. Laß ihn sich seinen eigenen Weg bahnen.
Manchmal grenzt es schon an Gewalttätigkeit, sich dem
Anderen als Erzieher aufzuzwingen. Wer hat Sie eigentlich
darum gebeten?!

Manche mögen einwenden, es gehe ja nicht um irgendeinen
Nächsten, sondern um den Ehepartner, das eigen Fleisch und
Blut sozusagen. - Darum muß man ihn erst recht seinen
eigenen Weg finden lassen. Wenn man an sonstjemandem
herumerzieht, ohne darum gebeten worden zu sein, so kann
dieser einfach den Kontakt abbrechen und seines Weges
gehen. Doch zwischen Eheleuten geht das nicht, sie leben ja
zusammen.

-Wenn dem nun so ist, wer erzieht dann meine Frau? Keine
Sorge, die Welt ist voller "Erzieher"! Seien Sie ihr zuerst einmal
ein guter Freund.
 

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