DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BECHUKOTAI
Nr. 409
22. Ijar 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 26,3-27,34):
Wohlstand und Frieden im Lande Israel bei Gebotsbeachtung,
Armut, Tod und Exil bei Nichtbeachtung; Geldgegenwerte von
dem Tempel geheiligten Personen und Sachwerten.

+Jom Jeruschalajim 28. Ijar
 
 

Der Stand der Dinge...
Jerusalem - Licht der Welt
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Jeder Bräutigam verkündet bei der Trauungszeremonie unter
der Chuppa vor allen Versammelten: "Sollte ich dich vergessen,
Jerusalem, so versage meine Rechte! Kleben soll meine Zunge
mir am Gaumen, wenn ich dein nicht gedenke, wenn ich
Jerusalem nicht auf den Gipfel meiner Freude erhebe" (Psalm
137,5-6). Diese Verse wurden von den Juden im babylonischen
Exil als Antwort auf die Forderung nach gezwungenen
Freudensbezeugungen gesprochen; "Denn dort forderten von
uns unsere Zwingherren Liedesworte, und unsere Dränger
Freude: Singet uns ein Lied von Zion!" (ebda.V.3). Das erinnert
auch nicht gerade sanft an jene Juden, die von den Nazis unter
Begleitung von Orchestermusik in die Gaskammern geschickt
wurden.

Nur in Jerusalem freuen wir uns wirklich. Im Exil, "an den
Strömen Babylons - dort saßen wir und weinten, als wir Zion's
gedachten" (ebda.V.1), und darum bestimmten die talmudischen
Weisen, daß wir in dieser Welt nicht aus vollem Munde lachen
dürfen, wie es heißt: "'dann wird unser Mund des Lachens voll,
und unsere Zunge voll Jubel' (Psalm 126,2) - wann? 'da man
unter den Völkern sprechen wird: Großes hat der Herr an
diesen getan'" (ebda.; Brachot 31a).

Nach dem Stand der Dinge können wir mit unserem Teil
zufrieden sein, da wir mit eigenen Augen die Rückkehr der
Juden nach Zion erblicken dürfen, die Einsammlung der
Verstreuten, den tatsächlichen materiellen Aufbau Jerusalems,
und entsprechend füllt sich unser Mund mehr und mehr mit
Lachen, wie sich die Verse vor unseren Augen erfüllen: "So
sprach Rabbi Aba: Du hast kein deutlicheres [Kennzeichen für
das] Ende als das folgende: 'ihr aber, ihr Berge Israels, laßt
euer Laub sprossen und tragt eure Frucht für mein Volk Israel,
denn sie kommen bald'" (Sanhedrin 98a, Jecheskel 36,8). Der
Raschikommentar erklärt dazu: "- wenn das Land Israel seine
Früchte großzügig geben wird, dann nähert sich das Ende, und
es gibt kein deutlicheres [Kennzeichen für das] Ende als
dieses".

Doch sind wir noch nicht zu endgültiger Ruhe und Erbteil
gelangt. Wir müssen uns immer noch die Bestrebungen der
Völker in Vergangenheit und Gegenwart vor Augen halten, die
über Jerusalem sagen: "Wühlet, wühlet bis auf den Grund darin"
(Psalm 137,7), d.h. "zerstöret Jerusalem bis auf die
Grundmauern" (Mezudot-Kommentare).

Wir befinden uns immer noch auf dem Höhepunkt des Kampfes
um Jerusalem. Noch immer nicht haben sich die Völker
vollständig mit dem Aufbau Jerusalems abgefunden, sie haben
noch immer nicht gelernt, erkannt und verstanden, daß ein
Jerusalem unter jüdischer Hoheit ihnen nur Gutes und Segen
bringt, und nur dann "soll mein Haus ein Bethaus für alle Völker
genannt werden" (Jeschajahu 56,7), nur dann wird Jerusalem
zum Licht der Welt werden.

In Freude über die Freude Jerusalems, und in Erwartung der
vollkommenen Erlösung,
Rav Dov Begon
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Feind und Ehr'

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

"Und ich werde meinen Zornblick auf euch richten", heißt es im
Fluch in unserem Wochenabschnitt, "daß ihr geschlagen werdet
vor euren Feinden, und eure Hasser werden schalten über
euch, und ihr werdet fliehen, da keiner euch verfolgt" (Lev.
26,17).

Zwei Widersacher erscheinen in diesem Vers: der Feind, von
dem das Volk geschlagen wird, und der Hasser, der über es
schaltet und waltet. Auf diesen sprachlichen Unterschied wiesen
schon die talmudischen Weisen hin (siehe Raschikommentar).
Der "Feind" ist der äußerliche Feind, der die Grenzen des
Staates von außen bedroht. Beim "Hasser" hingegen handelt es
sich eher um einen inneren Gegner: "Ich lasse nur Hasser von
euch selbst und in eurer Mitte erstehen" (ebda.). Die
Besonderheiten des inneren Hassers beschrieb Rabbiner
Samson Raphael Hirsch, wobei er die Dinge so genau deutet,
als wären sie erst gestern geschrieben worden: Die politische
Katastrophe von außen erzeugt innere Spaltungen. Feinde des
jüdischen Wesens werden innerhalb des Volkes erstehen.
Diese werden den Grund für die politische Katastrophe... in der
verbliebenen Treue zur Tora suchen, und werden die Befreiung
vom Joch der Fremden durch die Befreiung vom Joch der Tora
versprechen. Diese inneren Feinde werden zum Instrument der
äußeren Feinde, und die innere Spaltung wird die äußere
Notlage nur verschärfen.

Anders, aber ergänzend erklärte Rabbiner Naftali Z.J. Berlin aus
Woloschin, und auch seine Worte klingen hochaktuell. Der
Ausdruck "Feind" (Ojew) wird von der aramäischen Onkelos-
Übersetzung (die gleichzeitig kommentiert) auf zwei
verschiedene Weisen wiedergegeben: an einigen Stellen
übersetzt er Ojew mit "Hasser", an anderen Stellen ba'al
dewawechon, abgeleitet von dowew wie in "Lippen der
Schlafenden bewegend" (Hohelied 7,10), das nicht nur Rede,
sondern auch üble Nachrede (diba) andeutet. Dieser redende
Ojew unterscheidet sich vom hassenden Ojew, indem der
Hasser nicht redet, sondern körperliche Gewalt übt. Der
redende Ojew hingegen "macht [den Anderen] durch sein
Mundwerk herunter", wie sich Rabbiner Berlin ausdrückte.
Dieser Ojew ist ein Meister der Propaganda. Was bedeutet
demnach "daß ihr geschlagen werdet vor euren Feinden", von
solchen Feinden? Darauf antwortete Rabbiner Berlin: "daß ihr
keine Antwort auf ihre Worte finden werdet", Versagen der
Selbstrechtfertigung. Das Resultat steht von vornherein fest.
"und ihr werdet fliehen, da keiner euch verfolgt", überhasteter
Rückzug ohne militärischen Sachzwang, wie es sich diese
Woche vor genau drei Jahren im Südlibanon ereignete.

So eine schwierige Lage, in der der Feind im Krieg der
Propaganda und der Beeinflussung der öffentlichen Meinung
siegt, ist nicht einmal neu für uns. Bereits der Midrasch zu
Psalm 118, zu den Versen des Hallel-Gebetes, die mit "Alle
Völker umringen mich" beginnen, spricht eine deutliche
Sprache:
"Dreimal werden zukünftig Gog und Magog nach Jerusalem
hinaufziehen... Beim ersten Mal sagt er: 'Alle Völker umringen
mich (ssewawuni)'... und sie gehen unter. Darum heißt es: 'im
Namen des Ewigen, ich zerhaue sie'. Beim zweiten Mal sagt er:
'Sie umringen und umzingeln mich'... und sie gehen unter.
Darum heißt es: 'im Namen des Ewigen, ich zerhaue sie'. Beim
dritten Mal sagt er: 'Sie umringen mich wie Bienen', zukünftig
wird er Sendschreiben an alle Länder schicken, um dort
Bekanntmachungen herauszugeben...  und sie gehen unter.
Darum heißt es: 'im Namen des Ewigen, ich zerhaue sie', zum
dritten Mal" (Midrasch Tehillim zu Psalm 118, §12).

"Sie umringen mich wie Bienen (deborim)" bedeutet: Sie wickeln
uns ein mit Gerede (diburim) wie das Summen der Bienen. Das
"Summen der Bienen" entspricht dem oben erwähnten ba'al
dewawechon unseres Wochenabschnittes - die Fliegen
(sewuwim).

Es fällt uns nun nicht schwer, im ersten Mal den
Unabhängigkeitskrieg wiederzuerkennen, im zweiten Mal den
Sechstagekrieg, und im dritten Mal unsere heutige Lage genau.
Und ebenso werden wir den Bienen/Gerede-Krieg, den
Propagandakrieg und den Krieg der Sendschreiben und
Bekanntmachungen, den schwersten von allen, der in den
Massenmedien und in diplomatischen Verhandlungen geführt
wird, bald mit dem Sieg des Volkes Israel beenden; "sie
umringen mich wie Bienen, wie Feuer die Dornen umlodert, im
Namen des Ewigen, ich zerhaue sie" (Psalm 118,12).
 
 
Frage und Antwort

Panik vor der Hochzeit

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Mein Verlobter und ich wollen in zwei Wochen heiraten,
aber mit meinen Gefühlen für ihn geht es auf und ab, manchmal
mag ich ihn furchtbar gerne (besonders bei unseren
Begegnungen), und manchmal fühle ich gar nichts. Sie hatten
mich an eine Eheberaterin verwiesen, die sagte mir nur, ich
solle mich nicht sorgen und alles werde gutgehen. Sie ist
wirklich eine gute Ratgeberin, aber trotzdem bin ich nervös.

Antwort: Was Sie suchen, existiert gar nicht. Dieses Problem
läßt sich nicht lösen. So ist das mit dem Gefühl, mal wallt es auf
und mal nimmt es ab, entsteht, wächst - und vergeht. Wer seine
Augen auf etwas Unerreichbares richtet, ist auf dem besten
Weg zu Enttäuschungen bis hin zur Depression.

Der Herr der Welt gab uns in seiner großen Gnade das Gefühl.
Es hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil besteht in seiner
Intensität, es dringt voller Lebenskraft in unser Innerstes. Sein
Nachteil besteht in seiner Kurzlebigkeit.

So verhält es sich auch mit dem religiösen Gefühl für den Herrn
der Welt. Wenn man betet, wird es stärker, dann ebbt es wieder
ab. Was kann man dagegen tun? Wieder und wieder beten.
Rabbi Jehuda Halevi (Autor des "Kusari") verglich das mit dem
Essen. Nach dem Essen fühlt man sich gut, aber nach und nach
wird man wieder hungrig. Die Lösung des Problems besteht in
regelmäßigen Mahlzeiten.

Die Frage lautet: Mit welcher Nahrung kann man die Liebe zum
Ehepartner aufrechterhalten? Diese Frage läßt sich vor der Ehe
nicht beantworten. Unser Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk
sagte immer: Romantik - nach der Hochzeit! Vor der Hochzeit
gleicht man einem Menschen, der der Gnade eines brutalen
Diktators ausgeliefert ist, der einen mal aushungert, dann
wieder verführerische Delikatessen vorsetzt, bis man einen
Heißhunger entwickelt und sich haltlos den Bauch vollschlägt,
dann muß man sich übergeben, und wieder ist man hungrig...

Nach der Hochzeit läßt sich das Gefühl der Zuneigung
stabilisieren. Wenn es vorher überhaupt nicht existiert hat, dann
ist das eine andere Frage. Wenn es aber hin und wieder
existiert, läßt es sich stabilisieren. Wie stellt man das an? Mit
kleinen, aber stetigen "Happen" der Liebe, wie z.B.
Geschenken, Hilfe, gemeinschaftliche Arbeit, Lächeln, kleine
Aufmerksamkeiten. Das Geheimnis der feinen Dosierung. "Einst
fragte der Rabbiner seine Schüler: Welches ist der wichtigste
Vers in der Tora? Sagte einer: Höre Israel... Sagte ein anderer:
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Sagte Ben-Pasi: Ein
Opferschaf am Morgen, ein Opferschaf am Abend. Sagte der
Rabbiner: das Gesetz lautet wie Ben-Pasi" (aus der Einleitung
des Agadakommentars "Hakotev") - das regelmäßige Opfer im
Tempel, d.h. eine Anspielung auf Beständigkeit. Natürlich
besteht kein Widerspruch zwischen der dritten und den beiden
anderen Antworten, vielmehr ergänzen sie einander.

Manche Paare heiraten allerdings aus romantischer Liebe, die
sich dann im Laufe der Jahre abnutzt. Doch in Wirklichkeit
haben sie sie bloß verschwendet, weil sie glaubten, man könne
die Flitterwochen ewig ausdehnen, und vergaßen die tägliche
gegenseitige Hilfe und die ständige Vorsicht, den Partner nicht
zu kränken.

In diesem Sinne schrieb mir einmal eine junge Ehefrau:
"G~ttseidank herrscht große Liebe zwischen uns, eine Liebe,
die langsam aufgebaut wurde und mit G~ttes Hilfe weiter
wachsen wird. Als wir heirateten, war ich noch gar nicht in
meinen Zukünftigen verliebt, doch G~tt sandte mir große
Zuversicht und weise Ratgeber, die mir die richtige
Entscheidung zu treffen halfen und dabei konsequent zu sein.
Baruch Haschem, die Liebe wuchs wirklich nach und nach
durch beständige Arbeit und sorgfältige Beobachtung, und sehr
viel auch durch das Ausdrücken von Gefühlen durch kleine
Geschenke, durch Worte und sonstige Liebesbezeugnisse".

Darum machen Sie sich keine Sorgen, das Gefühl wird sich
nach der Hochzeit stabilisieren mithilfe guter
Charaktereigenschaften und wiederholtem Durchlernen des
Buches Messilat Jescharim ("Der Weg der Frommen", Rabbiner
Moscheh Chajim Luzatto).
(M.J.85)
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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