DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT ACHAREJ MOT
Nr. 405
24. Nissan 5763

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Lev. 16,1-18,30):
Jom Kippur: Vorschriften für den Hohepriester, Opferdienst und
Feiertag; Fleischgenuß nur von Opfertieren (während der
Wüstenwanderung); Verbot des Blutessens; Verwandte usw.,
die zu heiraten verboten ist; weitere Sittlichkeitsgebote, um die
Greuel der Kana'aniter und die Vertreibung aus dem Lande
Israel zu vermeiden.

27. Nissan: Schoa-Gedenktag
 
Am Schabbes-Tisch...

Sitte der Nichtjuden?

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Eine der verbreiteten Behauptungen Jener, die nicht während
des Sirenentons der Gedenkminute am Tag der Schoa und am
Gedenktag für die Gefallenen der israelischen Streitkräfte
stehen wollen, lautet: "Sitte der Nichtjuden" [wörtl.: "Satzungen
der Nichtjuden"]. Nach den Worten jener Leute gibt es kein
jüdisches Gesetz des andächtigen Stillstehens bei Erschallen
des Sirenentons, und darum besteht ihrer Ansicht nach ein
Verbot für diesen Brauch, wie es in unserem Wochenabschnitt
heißt: "Nach dem Tun des Landes Ägypten, darin ihr gewohnt
habt, tuet nicht; auch nach dem Tun des Landes Kana'an,
wohin ich euch bringe, tuet nicht, und nach ihren Satzungen
wandelt nicht" (Lev. 18,3).

Eine nähere Betrachtung dieses Themas zeigt jedoch, daß die
Dinge nicht so einfach liegen, und im Resultat ergibt sich genau
das Gegenteil. Folgen wir den Lehren Rabbiner Elijahus ("der
Gaon") von Wilna in seinem Kommentar zum Schulchan Aruch
und vergleichen den obigen Vers mit folgendem: "Und wahret
meine Satzungen und meine Vorschriften, die der Mensch tue,
daß er lebe durch sie. Ich bin der Ewige" (Lev. 18,5). Die
Gebote der Tora teilen sich in "Satzungen" und "Vorschriften".
Bei den Vorschriften handelt es sich um logische Gesetze, die
dem menschlichen Verstand einleuchten. Die "Satzungen"
hingegen sind "Gesetze des Königs" (Raschikommentar), ohne
Erklärung. Oder nach dem Kommentar des Nachmanides:
"Ohne offensichtliche Erklärung, wie Gesetze des Königs, der
kraft seiner Macht Gesetze erläßt, ohne deren Nutzen vor der
Öffentlichkeit darzulegen". Das Verbot der Tora betrifft demnach
gerade die "Satzungen" der Nichtjuden, nicht aber deren
"Vorschriften". Bei den "Satzungen" ohne logische Begründung
muß man allerdings befürchten, daß sie der Intuition jenes
Volkes entstammen, jener Intuition, die dem verborgenen
Charakter dieses Volkes entspringt, seinem von Götzendienst
durchsetzten "kollektivem Unterbewußtsein" - und diesen
Charakter dürfen wir nicht zu kopieren suchen. Im
Talmudtraktat Schabbat behandelt ein ganzer Abschnitt jene
"Sitten", die wegen "Wege der Emoriter" [Aberglauben] verboten
sind (S.67a). Wenn es aber um einen verständlichen Brauch
geht, auf den wir auch selber hätten kommen können, ist
überhaupt nichts Schlechtes daran, ihn den Nichtjuden
abzuschauen. So heißt es z.B. in der Tora beim Gebot über die
Einführung des Königtums: "und du sprichst: Ich will über mich
einen König setzen, wie all die Völker, die rings um mich"
(Dt. 17,14).

Diese Unterscheidung lernten wir bereits aus den ermahnenden
Worten des Propheten Jecheskel: "Darum spricht G~tt der Herr
also: ...nach meinen Satzungen seid ihr nicht gewandelt, und
meine Vorschriften habt ihr nicht getan, selbst nach den
Vorschriften der Völker ringsum euch her habt ihr nicht getan"
(5,7). Zwei Untaten verübten die Juden in Bezug auf G~tt: Sie
respektierten weder seine Satzungen noch seine Vorschriften.
Darüberhinaus ermahnt der Prophet das Volk sogar wegen
Nichtbeachtung der Gesetze der Völker. Aber was ist daran
denn auszusetzen?! Dazu antworten die talmudischen Weisen:
"Nach den Guten unter ihnen habt ihr nicht gehandelt, nach den
Schlechten unter ihnen habt ihr wohl gehandelt" (Sanhedrin
39b; siehe auch Raschi zum Vers). Und woher wissen wir, ob
etwas zu "den Guten unter ihnen" oder "den Schlechten unter
ihnen" gehört? Dafür haben wir schließlich Verstand zu
entscheiden, ob es sich um ein logisches Gesetz handelt, das
zu uns als Juden paßt, oder nicht.

Wir müssen also die verschiedenen Bräuche
auseinanderhalten: Einerseits verständliche Gesetze, wie die
Straßenverkehrsordnung, Uniformen für Polizei und Militär, und
dergleichen, und Sitten ungeklärter Herkunft, die dem jüdischen
Wesen fremd sind. Darum sollte man ruhig den Ursprung
unseres Brauches am Schoa-Gedenktag erforschen, ob er in
logischer Weise dem Respekt Ausdruck gibt, den das ganze
Volk seinen Ermordeten und Gefallenen zollt, oder ob er die
Bräuche uns wesensfremder Kulturen widerspiegelt. Und
sieheda, schon eine kurze Umfrage unter Einwanderern aus
aller Herren Länder ergibt, daß dieser Brauch des Sirenentons
und gleichzeitigem Stillstehen zum Gedenken der Gefallenen
bei keinem anderen Volk ausgeübt wird und es sich daher um
eine original israelische Sitte handelt. Ferner kann man davon
ausgehen, daß der Sirenenton nichts anderes ist als eine Kopie
jenes durch und durch jüdischen Instrumentes, nämlich des
Schofars...
 
Kinder, Kinder...

Die Hügeljugend

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Lieber Jüngling, der du die Hügel von "Jescha" (Jehuda,
Schomron/Judäa und Samaria) bevölkerst, ich will dich ja zu gar
nichts überreden - auch du wirst mich nicht überreden; wir
sitzen also im selben Boot. Viele Lügen und Verleumdungen hat
man über dich erzählt (auch über mich) - ...im selben Boot.
Manchmal mache ich mich ein bißchen über dich lustig, das ist
nicht in Ordnung. Du machst dich auch etwas über mich lustig -
da sind wir also quitt. Wir drücken zwar nicht dieselben Bänke,
wir streben aber zum gleichen ersehnten Ufer. Wir sind also
Brüder.

Du bist ein kleiner Anarchist, erkennst keine Autorität an,
schlägst etwas über die Stränge, marschierst nicht im
Gleichschritt, läufst nicht mit der Herde, bist deiner eigenen
Wahrheit treu.

In Wirklichkeit waren wir alle so in den letzten Generationen. Du
aber mehr. Ich mag es eigentlich lieber, wenn die Leute den
ausgefahrenen Spuren folgen, denn die sind meiner Meinung
nach so breit, daß alle darin Platz haben.

Wenn sich aber ein Jugendlicher für das Verlassen der
ausgefahrenen Spuren entscheidet, dann soll er wenigstens wie
du sein. Denn ich mag dich nämlich gern.

Ich mag dich, weil du nicht mit der Herde läufst, weil du deiner
Wahrheit treu bleibst, weil du auf festen Grundwerten stehst,
weil du ein Idealist bist, weil du ohne Rücksicht auf deine eigene
Person zu geben bereit bist, weil du in schwieriger Lage
standhälst, weil du G~tt dienst. Es gibt Leute, die zu ihrem
Lager und zu ihrer Fahne halten, und Mancher ist sein eigenes
Lager und seine eigene Fahne, der alleine mit seinem Haus auf
seinem Hügel steht, der alleine vor seinem G~tt steht.

Diesmal wollte ich allerdings gar nicht über den Dienst an G~tt
sprechen, über die Leiter, die auf der Erde steht und deren
Spitze an den Himmel reicht (Gen. 28,12). Vielleicht ein
andermal. Ich möchte vielmehr über das Land Israel reden.

Nicht über den Staat Israel, denn ich weiß, daß dir das Kummer
verursacht, und sicher nicht über "Regierungsgewalt", weil dich
das ganz besonders schmerzt.

Nur will ich dir sagen, daß man dich in die Pfanne haut, uns alle,
aber dich vorne an. Man hat dich aufs Korn genommen, man ist
hinter dir her, man will dich zum Sündenbock für alle unsere
Probleme machen.

Der Beweis? Wieviele Male hat man dich von Chawat Gil'ad
wegen angeblicher Ungesetzlichkeit heruntergeholt. Ich brauche
dich nicht zu belehren, daß das ganze Land Israel für jüdische
Besiedlung gesetzlich erlaubt ist durch den höchsten
Gesetzgeber, den Schöpfer von Himmel und Erde, den
Schöpfer der Gesetze von Himmel und Erde. Vielleicht weißt du
aber nicht, daß es auch nach dem irdischen Gesetz gesetzlich
erlaubt ist - eine private, gesetzliche Farm auf privatem,
gesetzlichen Grundstück.

Nur haben wir leider eben noch einige Probleme im Volke Israel.
Wer Augen im Kopf hat, weiß, daß sie von den verräterischen
Abkommen herrühren. Wer aber nicht sehen will, sucht sich
einen Sündenbock. Heute müssen die Siedler den Sündenbock
abgeben. Die Siedler haben jedoch gelernt, alles still zu
erdulden. Sie sind Meister im Erdulden. Deswegen kann man
sie schon nicht mehr beschuldigen. Darum hast du jetzt ihren
Platz eingenommen. Du und deinesgleichen sind zwar nur 100-
200 Leutchen, doch hier entscheidet nicht die Menge. Man kann
dich beschuldigen, eine jüdische Jung-Hamas zu sein, eine
gewalttätige, gefährliche Bande, ein Vorbild ideologischen
Verbrechertums, und damit bevorzugtes Objekt selbstgerechter
Strafung. Ihr werdet für alle mitbestraft werden, damit man sehe
und sich fürchte und seine Lehren daraus ziehe.

Es gibt professionelle Provokateure, die einen Streit vom Zaun
brechen, um dir die Schuld in die Schuhe zu schieben, und
dann deinem ganzen Umfeld.

Sieh dich vor! Unser Vorvater Awraham führte Krieg, wie aus
den Versen eindeutig hervorgeht, und unser Vorvater Jakov
führte Krieg, wie der Midrasch berichtet. Manchmal aber muß
man den Wegen unseres Vorvaters Jizchak folgen, der
stillschweigend Schläge einsteckte. Zum Schluß blieb er mit
seiner Kraft des Schweigens Sieger. Die Wahrheit siegt immer.

Ich weiß, daß du keine Gewalt anwendest, sowas ist reine
Verleumdung. Ich weiß, daß du keine Soldaten und Polizisten
verprügelst. Und wenn es dennoch vorkam, dann nur durch eine
verschwindende, nicht repräsentative Minderheit. Ein
bedauerlicher Irrtum. Ich weiß, wer wen geprügelt hat. Du bist
das Gegenteil von gewalttätig. Ich weiß, daß in dir nicht das
Feuer der Zwietracht brennt, sondern das Feuer des Glaubens,
das Feuer der Tora, das Feuer des Landes Israel, das Feuer
der Heiligung des göttlichen Namens. Hüte dich aber vor den
Medien, sie nutzen dich aus. Warte ab, bis sich der Sturm legt.
Laß dich nicht in Situationen verstricken, aus denen du nicht
wieder herauskommst.

Wir leben mit Wundern, auf übernatürliche Weise. Es werden
weitere Wunder geschehen, eins nach dem andern. Wir wissen
nur nicht, wann genau. In der Zwischenzeit müssen wir
irgendwie überleben. Man muß auf dem Hügel bleiben, man
muß weiter die reine, natürliche, gesunde Luft atmen, die Luft
des Landes Israel, die weise macht (Baba batra 158b). Am
Ende siegt das Licht, am Ende siegt die Wahrheit; das ist
Jizchaks Geheimnis, des stillen Riesen mit dem Heldenmut des
Glaubens.
 
 

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