DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906 Fax +972 2 6514820 http://www.machonmeir.org.il |
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
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-Archiv der
"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJAKHEL-PEKUDE
Nr. 346
25. Adar 5762
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
NEU: Jetzt auch Video!
desgleichen auf Französich
(audio)
Diese Woche in der Tora (Ex. 35,1
- 40,38):
Kein Feuermachen am Schabbat; Aufruf zu
Materialspenden für
alle Teile des Heiligtums; künstlerische
Fertigung und genaue
Beschreibung aller Geräte.
Schabbat HaChodesch
| Am
Schabbes-Tisch...
Das Spiegelbecken Rav Asri'el Ari'el
|
Woher hatten die Kinder Israel all die Materialien zum Bau des
Wüstenheiligtums (Mischkan) und seiner Geräte? Darüber
macht die Tora keine Angaben. Mit einer Ausnahme allerdings:
das kupferne Wasserbecken. Man braucht nicht lange zu raten,
woher wohl das Kupfer stammte, denn die Tora teilt uns
ausdrücklich mit: "aus den Spiegeln der Frauen, die sich am
Eingang des Versammlungszeltes sammelten" (Ex. 38,8).
Folgende Erklärung gibt der Targum Onkelos (aramäische
Übersetzung der Tora): Die Frauen, die zum Eingang des
Versammlungszeltes zum Beten kamen, spendeten ihre Spiegel
zur Anfertigung des Wasserbeckens. Doch dieser Sachverhalt
bleibt weiterhin unverständlich: Warum spendeten die Frauen
ihre Spiegel? Warum gerade für das Wasserbecken? Und
warum hält die Tora es für nötig, diese Tatsache
bekanntzumachen?
Rabbi Awraham Ibn-Esra (Torakommentator aus der Periode
der Rischonim) erklärte in Anlehnung an den Targum,
daß jene
Frauen den Genüssen dieser Welt entsagten. Nach dem Lauf
der Welt und der Natur der Frauen suchen sie ihre Schönheit
zur Geltung zu bringen, wozu sie Spiegel benötigen, die damals
aus Kupfer gefertigt waren. Viele Frauen jedoch versammelten
sich am Stiftszelt mit der Absicht, sich von den
Belanglosigkeiten dieser Welt zu trennen und dem ewigen
Leben anzuhangen. Diese Frauen spendeten ihre Spiegel zur
Herstellung des Wasserbeckens, mit dessen Hilfe der Mensch
seinen Körper reinigt und sich zum Eintritt ins Heiligtum
vorbereitet.
Eine andere Deutung, sogar eine entgegengesetzte, finden wir
im Raschikommentar. Demnach war das Spenden der Spiegel
kein Ausdruck des Entsagens, sondern ein Zeichen für die
Heiligkeit des jüdischen Ehelebens. Zwar heißt es: "Trug
ist die
Anmut, und eitel die Schönheit" (Sprüche 31,30), doch "ein
Weib, das den Ewigen fürchtet, das werde gerühmt" (ebda.)
-
durch ihre Schönheit, erklärte Rabbiner Elijahu (der Ga'on)
aus
Wilna. Und so hielten es die jüdischen Frauen in Ägypten.
In
jener schweren Zeit, als die Zukunft unerträglich schien, machte
ein reguläres Eheleben keinen Sinn, schon gar nicht, Kinder in
die Welt zu setzen. Die Töchter mußten an Ägypter verheiratet
werden, und die Söhne wurden in den Nil geworfen. Wer sich
verbarg und überlebte, führte ein Sklavendasein alle Tage
seines Lebens, mit Lehm und Ziegeln, ohne jede Hoffnung. Die
Männer, deren täglich Brot die harte Knechtschaft in Haus
und
Hof war, hatten abends weder mit ihren Frauen noch mit ihren
Familien etwas im Sinn. Deswegen waren es die
rechtschaffenen Frauen jener Generation, die den Auszug des
jüdischen Volkes aus Ägypten ermöglichten. Jene, die
trotz
allem und gegen alle Widrigkeiten nicht den Glauben an das
große Licht am Ende des finsteren Tunnels verloren.
Die Frauen nahmen ihre Spiegel zur Hand, machten sich schön
und zogen so die Aufmerksamkeit ihrer Männer auf sich. Man
muß eine Familie auch, und gerade, unter schwierigsten
Bedingungen gründen. Dafür ist eine große Anstrengung
nötig.
Die natürliche Neigung war in ihr Gegenteil verkehrt, in Richtung
auf Verzweiflung. Der Glauben der Frauen behielt jedoch die
Oberhand. Sie zogen ihre Männer zu sich und brachten allen
Problemen und Abgründen Ägyptens zum Trotz Kinder in die
Welt.
Als das Wüstenheiligtum errichtet wurde, nahmen die Frauen
ihre Spiegel, mit deren Hilfe sie sich in Ägypten schmückten,
und übergaben sie den Baumeistern. Damit drückten sie aus,
daß das jüdische Eheleben nicht nur nicht im Widerspruch
zu
Heiligkeit und spiritueller Reinheit steht, sondern ganz im
Gegenteil: genau dadurch kommen Heerscharen im Dienst an
G~tt zur Welt, die zu den Toren des Tempels strömen. Eine
Bedingung gibt es allerdings für die Heiligkeit des
Familienlebens: die absolute Treue zum Bund der Ehe; diese
Treue wird durch das Wasser des kupfernen Beckens geprüft
(Sota).
Darum verkündete die Tora die Herkunft des Kupfers des
Wasserbeckens: "aus den Spiegeln der Frauen, die sich am
Eingang des Versammlungszeltes sammelten".
| Frage
und Antwort
Mein Freund, der Oleh Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Man hat uns nahegelegt, in unserer Siedlung
Neueinwanderer aus Frankreich aufzunehmen, sich um sie zu
kümmern, ihre gesellschaftliche Eingliederung und die
Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen. Um die Wahrheit zu
sagen: Ich habe keine Kraft dazu. Wenn sie einwandern wollen,
bitte sehr, sie tun uns damit keinen Gefallen, nur sich selber.
Solange es ihnen in der Galut [Exil] gut ging, saßen sie dort
fest, jetzt, wo sie unter Antisemitismus und Wirtschaftskrisen
leiden, tauchen sie plötzlich hier auf. Sollen sie doch sehen,
wie
sie alleine zurechtkommen, und mich in Ruhe lassen. Sie
nutzen mich nur aus. Als ob ich nicht genug eigene Probleme
hätte. Auch ihre Kinder sind eine zu große Belastung für
uns, in
unserer Schule. Schließlich tragen wir die Verantwortung für
unsere Kinder, und wir haben enorme Ernergien aufgewandt,um
unsere Schule auf ein höheres Niveau zu bringen, und jetzt
kommen fremde und ungewohnte Typen, die das Niveau wieder
herabdrücken.
Antwort: Urteilen Sie nicht über Ihren Nächsten, solange
Sie
nicht selbst in seiner Lage waren - sowohl in geographischer
wie auch in seelischer Hinsicht. Sie kennen nicht die objektiven
Schwierigkeiten, die sich vor einer Entscheidung zur
Einwanderung nach Israel (Alija) wie die Spaltung des
Schilfmeeres auftürmen: Lebensunterhalt, passende
Umgebung, "entweder Gesellschaft oder den Tod" (Ta'anit 23a),
und eine passende Schule für die Kinder. So viele Probleme...
Wer dennoch den Sprung ins Ungewisse wagt, ist ein echter
Held, dem man Anerkennung zollen muß.
In den meisten Fällen bringt die Alija ein Absenken des
Lebensstandards und des gesellschaftlichen Status mit sich.
Dennoch ist die Alija nicht nur ein Gebot der Tora, sondern gut
und lohnt sich obendrein. Es ist aber schwer. Wer zum Beispiel
als großer Toragelehrter im Ausland Rabbiner einer
bedeutenden Gemeinde war, kann sich hier als einer von vielen
und ohne Beschäftigung wiederfinden. Er setzt sich für seine
Alija nicht nur mit seinem Körper und seinem Geld ein, sondern
mit seiner ganzen Seele.
Diese Leute sind keine Schmarotzer; was für eine
Verleumdung! Zwar gibt es unter den Neueinwanderern auch
Schmarotzer, Betrüger und 200.000 Nichtjuden, aber deswegen
braucht man noch lange nicht in Verallgemeinerungen im Stil
der Antisemiten zu verfallen. Sicher beschmutzen diese
negativen Erscheinungen den guten Namen der
Neueinwanderer, doch was können die anständigen und
ehrlichen Menschen denn dafür?!
Auch sollte man Niemanden vorschnell verurteilen, wenn man
sich nicht in seine seelische Lage versetzen kann. Sie können
sich gar nicht vorstellen, wie schwer den Leuten die
Einwanderung fällt. Die Galut ist eine furchtbare Sache. Selbst
wenn der Antisemitismus bereits überhand nimmt und die
wirtschaftliche Lage keinen Hoffnungsschimmer mehr bietet -
haben sie immer noch Angst vor der Alija, eine unerklärliche
Angst. Wie ein Alptraum, in dem Sie ein Ungeheuer angreift und
Sie sich nicht vom Fleck rühren können, weil Ihre Füße
im Teer
stecken. Die Galut ist nicht nur ein geographisches Phänomen,
sondern auch ein seelisches: "..daß sie jage das Rauschen
eines gewehten Blattes" (Lev. 26,36), "und ihr werdet fliehen, da
keiner euch verfolgt" (ebda.17). Ein schutzloses Leben in
tausendjähriger Zerstreuung erzeugt Eigenschaften der
Furchtsamkeit. Auch in unserem Lande gibt es ängstliche
Menschen, manche fürchten sich, die Straßen von Jehuda und
Schomron (Judäa/Samaria) zu benutzen, machmal fürchten sich
sogar Mitglieder unserer Regierung. Wir sind schon 120 Jahre
wieder in unserem Lande, davon 50 Jahre in unserem eigenen
Staat, und trotzdem gibt es immer noch Angsthasen. Wir
bezeichnen dies mit "Galutmentalität". Was sollen wir dann erst
von jemandem sagen, der wirklich noch in der Galut steckt, mit
wieviel Galutmentalität ist er noch beladen!
Übrigens, die Neueinwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion
sind sehr tüchtig und bilden durch ihre Zielstrebigkeit,
Hartnäckigkeit und Einssatzfreude einen wertvollen Teil unserer
Armee. Sie lassen sich von der Rhetorik von wegen Rache
gegen Araber nicht beeinflussen und sind sehr effektiv.
Man muß allerdings zugeben, daß auch in der Galut ein
gewisses Maß an Heldenmut existiert, Selbstaufopferung für
Tora und Judentum. Jenes französisch-jüdische Kind sagt
seinem Vater: Wenn ich den Müll runterbringe, nehme ich
vorher das Käppchen ab, damit ich mir keine Schläge zuziehe.
Nein! - lehrt ihn sein Vater, ein Lubawitscher Chassid, für
sein
Käppchen muß man zu Opfern bereit sein. Doch auch der Vater
weiß, daß alles seine Grenzen hat; wenn er zur Arbeit geht,
klebt er seinen Rauschebart mit Gel unters Kinn und trägt eine
blondes Toupet. Er ist aber stolz auf die Opferbereitschaft
seines Sohnes, den Müll dann doch mit Käppchen auf dem Kopf
wegzubringen. Vor Alija aber hat er Angst. Seltsam. An den Mut
des Leidens hat er sich gewöhnt, an den Mut zum
Selbstbewußtsein noch nicht. Er ähnelt dem bewegungslosen
Mann im Traum.
Seine kleine zwölfjährige Tochter ist da aber aus einem anderen
Holz geschnitzt - sie will noch heute einwandern! Hier einige
Ausschnitte aus ihren Briefen:
"Der Schulunterricht hat wieder begonnen, und Tag für Tag
sehne ich mich mehr, nach Israel zu ziehen. Wenn du wüßtest,
wie abscheulich das Leben hier in Paris ist - ich wünsche dir
gar
nicht mal, daß du es dir vorstellen kannst. Du weißt ja,
ich
warte, solange es nötig ist - aber versuche trotzdem, meine
Eltern zu überreden, noch vor Ende des Jahres einzuwandern.
Wenn du zur Klagemauer gehst, bete auch für mich, daß wir
bald einwandern".
"In der Schule haben wir eine Vorstellung einstudiert. Weißt
du,
welche Rolle ich bekam? Eine Israelin zu Besuch in Frankreich.
Wenn das doch wirklich wahr wäre!"
"Ich versuche weiterhin, meine Eltern von der Alija zu
überzeugen. Das ist eine schwere Arbeit. Mein Bruder hilft mir
dabei".
"Manchmal frage ich mich, ob die Menschen in Israel überhaupt
wissen, welches Glück sie haben, und welche Bedeutung. Jene,
die nach Frankreich zurückkehren, nachdem sie eine zeitlang in
ihrem Land gewohnt haben, verstehe ich noch weniger. Und
trotzdem bin ich traurig wegen ihnen".
"Wenn ich in der Schule Lehrern begegne, die keine Liebe für
das Land Israel verspüren oder denen es fast egal ist, sage ich
mir, daß die Strafe der Galut, die G~tt uns gab, wirklich sehr
schwer ist.
Besonders frage ich mich, warum mich meine Eltern nicht in
mein Land schicken wollen, wenn sie schon selber nicht
einwandern wollen".
"Komm bitte her, sprich in unserer Schule, um den Leuten die
Augen zu öffnen, ich alleine schaffe es nicht".
"Ich habe es satt, von den Nichtjuden auf der Straße
Beschimpfungen anzuhören, wenn ich zur Schule gehe".
"Ich habe eine Freundin, die ich jeden Abend nachhause
begleite, und wir unterhalten uns hauptsächlich - na, was wohl?
Über Alija, über die Sprache, über das Land, über
die Armee.
Auch sie möchte einwandern".
"Ich möchte einen Beruf lernen, der dem Land und den
Bewohnern am meisten nützt - statt Wehrdienst zu leisten".
Wir haben hier also ein wahrhaft heldenmütiges Mädchen vor
uns. Sie können daraus entnehmen, daß auch ein Jude, der
einwandert, ein Held ist. Plötzlich ist er hier, ohne alles, irritiert,
durcheinander, ohne Freunde, in unsicherer wirtschaftlicher
Lage, und muß sich obendrein um passende Schulen für die
Kinder kümmern.
Hilf ihm! Sei doch nicht so herzlos.Wir sind zwar von Natur aus
unternehmungslustig und risikofreudig, doch der Jude aus der
Galut hat einen anderen Kopf, einen Kopf, den der Israeli nicht
versteht, einen vom Fluch der Galut geschlagenen Kopf, dem
Fluch der Angst. Sie können sich diesen Fluch der Angst
überhaupt nicht vorstellen.
Helfen Sie ihm, anstatt die Nase zu rümpfen, verachten Sie
nicht die Erlösung, verachten Sie nicht die Einsammlung der
Zerstreuten, verachten Sie nicht den Herrn der Welt, der seine
Präsenz nach Zion zurückbringt.
Auch Sie hätten in so einer Lage sein können.
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