DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJESCHEW
Nr. 333
23. Kislev 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;    NEU: Jetzt auch Video!
desgleichen auf Französich (audio)

Diese Woche in der Tora (Gen. 37,1 - 40,23)
Josefs Träume, Feindschaft seiner Brüder, als Sklave nach
Ägypten, Jehuda und Tamar, Josef im Hause Potifar, im
Gefängnis, deutet die Träume Pharaos Mundschenks und
Bäckers.
 
 

Der Stand der Dinge...
Ein Lichtblick
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Während aller Generationen seit dem Erscheinen des jüdischen
Volkes auf der Bühne der Weltgeschichte beim Auszug aus
Ägypten, bis auf den heutigen Tag, lauert man dem Volk Israel
mit dem Ziel auf, es mitsamt seiner Tora zu beseitigen. Manche
wollen vernichten, töten und auslöschen wie einst der böse
Haman und seine geistigen Erben, die Nazis, und Andere
"stehen gegen das Volk Israel auf, sie deine [=G~ttes] Lehre
vergessen und die Satzungen deines Willens übertreten zu
machen" (aus dem Al Hanissim-Gebet von Chanukka), wie die
Griechen zur Zeit des zweiten Tempels und die Kommunisten in
der Sowjetunion Stalins. Weder den Einen noch den Anderen
wird es gelingen, ihre finsteren Pläne zu verwirklichen, wie der
Prophet Jeschajahu vorhersah: "Jedes Gerät, geschmiedet
gegen dich, richtet nichts aus, und jede Zunge, die gegen dich
auftritt zum Gerichte, sprichst du schuldig" (54,17).

Nach dem Stand der Dinge weiß das in seinem Land zu neuem
Leben wiedererstehende jüdische Volk den kriegerischen
Gegnern in gleicher Münze heimzuzahlen und wird es auch in
Zukunft wissen gegenüber allen, die versuchen, "zu vertilgen,
zu würgen und zu vernichten alle Jehudim" (Esther 3,13). Wir
werden mit eigenen Augen sehen, wie alle ihre Pläne wie
Seifenblasen zerplatzen, oder in den Worten König Davids: "wie
Töpfergeschirr zerschlägst du sie" (Psalm 2,9).

Es reicht aber nicht, die Feinde Israels auf dem Schlachtfeld zu
besiegen - man muß auch das Licht Israels stärken, das Licht
"der Liebe und der Emuna", das Licht der Tora, "denn eine
Leuchte ist das Gebot, und die Tora Licht" (Sprüche 6,23).
Gegenüber allen Bestrebungen, "sie deine Lehre vergessen und
die Satzungen deines Willens übertreten zu machen", müssen
Menge und Qualität des Torastudiums verstärkt werden ebenso
wie die Rückkehr zu den jüdischen Ursprüngen.

Die kleinen Chanukka-Lichter, die das jüdische Volk seit
Jahrtausenden zum Erinnern an die Wunder und die
allmächtigen Taten G~ttes in jenen Tagen zu dieser Zeit
anzündet - die die Feinde Israels nicht auszulöschen
vermochten selbst in den Zeiten der größten Finsternis des
Exils - von diesen Lichtern schöpfen wir den Glauben und die
Sicherheit, daß der Tag nicht mehr fern ist, wenn "ein neues
Licht über Zion aufleuchtet und wir uns alle bald seines Glanzes
erfreuen" (aus dem tägl. Morgengebet).

Mit den besten Segenswünschen zu einem fröhlichen
Chanukkafest, und in Erwartung der vollkommenen Erlösung,
Rav Dov Begon
 
Frage und Antwort

Über die Vorsehung 
(3. Folge)

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

In den ersten beiden Artikeln über die göttliche Vorsehung
lernten wir, daß sie sich über jeden einzelnen Menschen
erstreckt und daß selbst die kleinste Kleinigkeit nicht dem Zufall
überlassen bleibt, sondern Alles dem göttlichen Willen folgt.
Manche behaupten jedoch, daß unser großer Lehrer, Rabbiner
Moscheh ben Maimon ("Maimonides") in seinem Werk "Führer
der Unschlüssigen" eine andere Ansicht vertritt, wonach die
göttliche Oberlenkung nicht überall einheitlich sei, sondern vom
Menschen abhänge. Wenn er G~tt anhänge, komme er in den
Genuß konstanter göttlicher Vorsehung, und wer von G~tt
nichts wissen will, unterliegt auch keiner Vorsehung. Wer in
bestimmten Dingen G~tt anhängt, in anderen aber nicht, wird
proportional in die Vorsehung einbegriffen. Maimonides bringt
dafür den logischen Beweis von den Tieren, die seiner Ansicht
nach keiner individuellen göttlichen Vorsehung unterliegen,
wobei Gleiches für denjenigen Menschen gilt, dessen Verhalten
in dieser Hinsicht dem der Tiere ähnelt. So heißt es
ausdrücklich in der Tora: "..und ich werde mein Antlitz vor ihnen
verbergen; und es wird zum Fraße werden... Ich aber werde
mein Antlitz verbergen an jenem Tage ob all dem Bösen, das es
verübt..." (Dt. 31,17-18). Nur der gottesnahe Mensch profitiert
von der göttlichen Vorsehung ("Führer der Unschlüssigen" III,
§§17/18/51). Maimonides' Ausführungen erscheinen auch in
Kurzform in den Schriften Rabbiner A.J.Kuks: "Wenn man sich
als sein Hauptziel vor Augen hält, in allen Angelegenheiten die
Ehre des höchsten G~ttes zu erwünschen, dann wird ihn auf
allen seinen Wegen die individuelle Vorsehung begleiten, und er
wird sein Verlangen erfüllen, da er nichts Anderes wünscht als
nur Gutes" ("Ejn Aja" Brachot 2.Kap., §23).

"Sefer HaChinuch" (Liste und Erklärung aller 613 Ge- und
Verbote) erwähnt das Gebot, sein Dach mit einem Geländer zu
versehen, damit niemand, dem Gesetz der Schwerkraft folgend,
herunterfalle, denn nur historische Größen wie Chananja,
Mischa'el und Asarja können mit dem Wunder rechnen, aus
einem Feuerofen unversehrt herauszukommen, jeder andere
Mensch wäre dort sofort verbrannt (Gebot Nr. 546).

Daraus schließen Maimonides und einige andere jüdische
Weisen, die der gleichen Denkrichtung folgen, daß es eine
absolute individuelle Vorsehung nur für die absolut Gerechten
gebe.

Dem ist aber nicht so. Zum ersten, weil die Rabbiner der letzten
Generation nicht so denken, wie wir in der vorigen Folge
erwähnten, sondern mit allem Nachdruck darauf bestehen, daß
jeder Einzelne in allen seinen Angelegenheiten, bis ins kleinste
Detail von der göttlichen Lenkung beaufsichtigt wird, und wir
folgen dieser Richtung, weil die letzte Generation Zugang zu
allen angesammelten vorhergegangenen Ansichten hatte und
diese gegeneinander abwägen konnte, darunter die Ansichten
Maimonides' und anderer Rabbiner. Zum zweiten, selbst wenn
die mit Maimonides nicht übereinstimmenden Rabbiner zu
dessen Zeit gelebt hätten, würden wir nach ihrer Ansicht
entscheiden, weil sie für uns den Status von Augenzeugen
haben, im Gegensatz zu Maimonides, der seine Ansicht nicht
auf Prophetie oder heilige Inspiration stützte, sondern auf seine
immense Weisheit. Rabbiner Ari sel. (größter Kabbalist der
letzen 500 Jahre) wußte über die göttliche Vorsehung nicht
durch sein Studium, sondern erhielt die Information direkt "von
höchster Stelle" durch heilige Inspiration.

Wir würden Maimonides allerdings Unrecht tun, wenn wir seinen
Standpunkt nur in so begrenzter Weise darstellten. Seine
Vorstellung zielt nämlich in eine andere Richtung. Natürlich
unterliegt der Mensch den Naturgesetzen, das schließt aber die
göttliche Vorsehung nicht aus! Vielmehr verbirgt sie sich
innerhalb der Naturgesetze. "Du bist ein G~tt der sich verbirgt"
(Jeschajahu 45,15). Die "Verhüllung des Gesichtes" soll nicht
etwa bedeuten, "verlassen hat der Ewige das Land" (Jecheskel
8,12 u. 9,9), sondern er ist wohl da, allerdings verborgen:
"Siehe, da steht er hinter unserer Wand, lugend durch die
Gitter" (Hohelied 2,9). Die generelle Vorsehung durchdringt alle
Individuen.

Rabbiner Kuk erklärte: "Weder Natur noch Wunder sind von der
individuellen Vorsehung verlassen" (Sidur "Olat Ra'aja" I,
S.380), "Die Natur ist im Wunder inbegriffen... vielmehr scheint
es uns so auszusehen, daß die Entwicklung nach [den
Gesetzen] der Natur erfolgt, ihrem Wesen nach erfolgt sie
jedoch unter individueller göttlicher Aufsicht" ("Ma'amarej
Hara'aja", Chanukka und Purim, S.188), "der Ewige, gelobt sei
er, ließ in die Natur eine heilige Kraft einfließen, die nach ihren
[den Natur-]Gesetzen gelenkt werde, und in ihrem Inneren
arbeiten die Naturgesetze nur auf dem Wege des Wunders und
der individuellen Vorsehung" (S.137-138).

Unser großer Meister Maimonides änderte nicht ein Jota am
Glauben an die individuelle Vorsehung, sondern erklärte uns auf
rationale Weise, daß sie auf zwei verschiedenen Wegen
erscheint: In der höheren, offenbaren Version, und in der
niederen, in der Natur verborgenen Version: "..sank sie hinab in
die Lenkung durch Naturgesetze... und sie mußten .. ihre
Lebensfähigkeit über die in den Geheimnissen der Natur
verborgene Vorsehung erhalten" (S.138).

Rabbiner Kuk schrieb weiter: "Maimonides war glücklich, wie die
Form der Vorsehung bei ihm das Abbild rationaler Abstufung
annahm. Und diese Sache ist würdig, sich darüber zu freuen,
denn solange dieser Glauben, das Fundament für das ewige
Leben, ohne rationale Beschreibung auskommen muß, mischt
er sich nicht mit allen Wellen des Lebens der gelehrten Seele,
die nach Aufklärung strebt" ("Orot Hakodesch" II, S.546).

Demnach verstehen wir nunmehr die Deutungen des RaLbaG
(Rabbiner Levi ben Gerschon, "Gersonides"), der der Richtung
des Maimonides bis ins Extrem folgte, bis man seine Worte so
verstehen könnte, daß er die individuelle Vorsehung rundweg
abstreitet und nur an eine allgemeine Vorsehung glaube
(Vorwort seines Kommentars zum Buche Ijow/"Hiob", u.a.). Das
ging einigen anderen jüdischen Weisen sehr gegen den Strich,
die daraufhin sein Werk "Milchamot Haschem" ("Kriege G~ttes")
in "Kriege gegen G~tt" umbenannten.

Vielmehr wollte dieser geistige Gigant uns lehren, daß "diese
allgemeine Vorsehung bis in alle Einzelheiten vordringt, die von
uns wegen unserer geistigen Dunkelheit nur im Hinblick auf ihre
Individualität beschrieben werden, durch alle möglichen Arten
individueller Vorsehung, die man sich nur vorstellen kann"
(S.549). "Handelt es sich doch um das Wissen um eine
individuelle Vorsehung, nicht von seiten eines verkleinerten
Blickwinkels, der die Einzelnen von ihrem allgemeinen Umfeld
abtrennt und damit von ihrer Lebendigkeit fortnimmt, und nicht
auf eine Weise, die die Individuen so sehr [im Generellen]
aufgehen läßt, bis es dem forschenden Auge erscheint, als sei
ihre Existenz verworfen und vernichtet" (S.413). "Diese
tiefwahre Neigung, war sie doch die Neigung des Rabbi Levi
ben Gerschon, in seinem so großen Drang, das Anliegen der
göttlichen Vorsehung unter ihrem generellen Aspekt zu
beschreiben, und gerettet war er, jener Gerechter, vor der
Sünde der Leugnung einer Vorsehung über jedes Individuum"
(S.549).

Auch die Lehre von der Evolution der Arten, die den göttlichen
Ursprung abzustreiten scheint, ist nichts anderes als eine
rationale Beschreibung der göttlichen Beteiligung, die "in ihrem
Kern den höchst erhabenen Ursprung darstellt für das
Fundament der Vorsehung" (S.547).

Sicher gibt es Abstufungen in der Vorsehung. "Die Rationalität
mißt das Maß der allgemeinen und der individuellen Vorsehung,
und verteilt Einheiten nach dem Maß der
Verstandesentwicklung der Geschöpfe" (III,S.110), aber nicht
per Zufallsentscheid. "Die Alles durchdringende und Alles
ausfüllende Vorsehung kann niemals Raum machen für
zufälliges Böses, kann nicht anders als es aus der Welt
schaffen und die Existenz vor seinen Exzessen schützen"
(II,S.479). Es gibt bloß verschiedene Erscheinungsweisen
G~ttes, durch Wunder und durch Naturgesetze. Wie man in der
von den Naturgesetzen geregelten Welt zurechtkommt, werden
wir in der nächsten Folge dieser Serie behandeln.

Möge es uns vergönnt sein, zu den G~ttesnahen zu zählen und
sich die Worte Rabbi Jehuda Halevis an uns erfüllen:
Ich verlangte nach Deiner Nähe,
mit meinem ganzen Herzen rief ich Dich,
und bei meinem Ausgehen Dir entgegen,
mir entgegen fand ich Dich,
und in den Wundern Deiner Macht,
im Heiligtum sah ich Dich.

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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