DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
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als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJIGASCH
Nr. 335
7. Tewet 5762
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
NEU: Jetzt auch Video!
desgleichen auf Französich
(audio)
Diese Woche in
der Tora (Gen. 44,18 - 47,27)
Konfrontation Jehuda-Josef; Josef gibt
sich seinen Brüdern zu
erkennen; beauftragt sie, Jakov und die
ganze Familie nach
Ägypten zu holen und dort zu siedeln;
göttliches Versprechen
an Jakov, ihn dort zu einem großen
Volk zu machen;
Wiedersehen mit Josef; Begegnung mit Pharao;
Ansiedlung im
Lande Goschen; Josefs Bodenreform; führt
allgemeine
Einkommensteuer von 20% ein.
| Am
Schabbes-Tisch...
Eine neue Wirtschaftsordnung Rav Asri'el Ari'el
|
Perioden wirtschaftlicher Not verursachen manchmal schwere
Krisen und können auch zu Verschiebungen führen, die sich
später nur schwer wieder ausgleichen lassen. Manchmal bieten
diese Krisenzeiten aber auch die Chance, im Laufe der Jahre
angehäufte Verzerrungen auf einen Schlag ins Lot zu rücken.
So läßt sich, auf den Spuren des Torakommentators
Nachmanides, Josefs Vorgehen in Ägypten verstehen. - Das
Geld ist schon weg. Die hungrigen Ägypter geben nun ihren
übrigen Besitz für Brot, ihre Pferde, Esel, Kleinvieh und
Rinder.
Und als auch das fort ist, machen sie Josef einen
verführerischen Vorschlag: "Kauf uns und unseren Boden für
Brot" (Gen. 47,19). Sie wollen Sklaven Pharaos sein. Das
Sklavendasein ist zwar kein reines Zuckerschlecken, doch ruht
die Verantwortung für den Unterhalt des Sklaven auf den
Schultern seines Herrn. Was kann einem Menschen in
Notzeiten Besseres passieren als zu den abgesicherten
"Tischgenossen" Pharaos höchstpersönlich zu gehören,
vollkommen frei von persönlicher Verantwortung?
Josef erkennt sofort die in diesem Vorschlag verborgene
Zeitbombe. Jemand, der die Verantwortung für seinen Unterhalt
von sich abwälzt, wird sehr schnell auch jegliche moralische
Verantwortung von sich abwälzen. Wer sich nicht um die
Versorgung seiner Familie kümmern muß, wird sich auch nicht
mehr so sehr um ihre Einheit kümmern, und von da ist es nicht
mehr weit zum Ehebruch. Wer seine Kinder nicht zu verpflegen
braucht, wird sich auch nicht besonders um ihre Erziehung
sorgen, und dann ist es nicht mehr weit bis zur totalen
gesellschaftlichen Zerrüttung.
Josef lehnt das großzügige Angebot der Ägypter höflich
ab.
Ihren Körper will er nicht als Sklaven erwerben. Er will kein
"Sklavenhaus" mit der damit verbundenen moralischen
Verdorbenheit schaffen. Allerdings nimmt er ihnen ihren Boden
ab.
Man kann davon ausgehen, das der Grundbesitz in Ägypten
alles andere als gerecht verteilt war. Es ist anzunehmen, daß
sich im Laufe der Zeit einige Kapitalisten die Herrschaft über
einen großen Teil der Produktionsmittel aneigneten. Nun bietet
sich Josef die Gelegenheit, beispielhafte Änderungen
vorzunehmen, wobei eine gleichmäßigere Verteilung der Mittel
in der gesamten Bevölkerung durchgeführt wird. Darum
veranlaßt er einen Bevölkerungstransfer im ganzen Lande
Ägypten, von einem Ende zum anderen. Die Ländereien werden
neu aufgeteilt, da sie ja nun Pharao gehören. Von den
Erzeugnissen jedoch begnügt sich der König mit einem geringen
Anteil, nämlich 20 Prozent. Der Mensch bleibt frei,
verantwortlich für sein eigenes Schicksal und sich von seiner
Hände Arbeit ernährend. (Die Einzigen, die im parasitären
Zustand verblieben, waren die Priester der ägyptischen
Religion. Sie erhielten weiterhin ihren Unterhalt von Pharao,
durften aber alle ihre Ländereien behalten; im Gegensatz zum
jüdischen Priestertum, den Kohanim, die keinen Teil und
Erbe
am Land haben...).
Welche Undankbarkeit der Ägypter, Josefs Brüder und
Nachkommen zu einem Volk von Sklaven zu machen...
| Frage
und Antwort
Der Ankläger
Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Die Lage war noch nie so ernst in unserm Lande, man
gibt den Arabern nach, trotzdem wird der Terror immer
schlimmer, und keiner unternimmt was dagegen. Keiner
protestiert, keiner demonstriert. Von einem Rabbiner hörte ich,
daß wir deswegen im Himmel angeklagt werden.
Antwort: Erstmal stimmt das überhaupt nicht, daß keiner
etwas
unternimmt. Wir akzeptieren die Moralpredigt insofern, daß nicht
genug getan wird. Doch ob wir deswegen im Himmel angeklagt
werden, kann keiner wissen. Wer ist denn in die Höhen
gestiegen und hat dort nachgeforscht, wer behauptet solche
Fähigkeiten von sich, wer hat heute echte prophetische
Eingebungen?!
Auf keinen Fall darf man eine himmlische Anklage herbeiführen,
im Gegenteil, man muß sich immer bemühen, die gute Seite
hervorzuheben. Folgende Geschichte wird im Buche "Pelle
Jo'ez" (etwa "Der wunderbare Ratgeber", populäres Werk
jüdischer Gesetze und Weltanschauung in kurzgefaßten
Kapiteln, erschien vor ca. 180 Jahren) erzählt: "Zur Zeit der
Religionsverfolgung trat ihnen eine Frau entgegen und rief aus:
'Herr der Welt, du wußtest genau, wen du dir erwähltest,
wer ist
wie dein Volk Israel, die zur Heiligung deines Namens getötet
werden'. Später offenbarte ein Weiser, daß dieser Ausruf
zur
Einstellung der Verfolgungen führte" (Kapitel über die
Fürsprache).
Das Inschutznehmen von Juden ist nicht etwa ein freiwilliges
Gesetz für besonders Fromme, wie Manche gerne aus der
Mischna "Sprüche der Väter" zitieren: "Beurteile jeden
Menschen nach der günstigen Seite" (1,6), so wie die "Sprüche
der Väter" im Talmudtraktat Baba kama (S.30a) "Worte der
Frömmigkeit" genannt werden. Dazu lassen sich zwei Dinge
antworten: 1. Auch "Worte der Frömmigkeit" enthalten
vollgültige Gesetze; zu unserer Schande wurden sie jedoch
häufig auf die leichte Schulter genommen. 2. Es gibt bei der
verpflichtenden "Beurteilung nach der günstigen Seite" auch
Aspekte erhöhter Frömmigkeit (siehe Mischnakommentar des
Maimonides). Die "Beurteilung nach der günstigen Seite"
entnehmen wir nämlich einem Schriftvers: "mit Gerechtigkeit
sollst du deinen Nächsten richten" (Lev. 19,15/Schewu'ot 30b).
Einige unserer bedeutendsten Vorfahren waren Zielscheibe
schärfster göttlicher Kritik, weil sie einmal über das
Volk Israel
von der schlechten Seite her redeten. Maimonides zitierte dazu
viele Beispiele (im "Sendschreiben über die
Religionsverfolgung").
Die Kinder Israels assimilierten sich fast vollständig in Ägypten,
sogar die Brit Mila vollzogen sie nicht mehr und hielten sich
auch nicht an die Ehegesetze (Jecheskel 23,2ff.), doch als
unser Lehrer Moscheh sagte: "Sie werden mir nicht glauben"
(Ex. 4,1), antwortete ihm der Herr der Welt: 'Sie sind Gläubige,
Kinder von Gläubigen! Doch du aber wirst später nicht
glauben'.
Und Moscheh wurde sofort bestraft: "..und seine Hand war weiß
wie Schnee [vom Aussatz]" (Ex. 4,6), denn "wer Unschuldige
verdächtigt, wird an seinem Körper geschlagen" (Schabbat
97a).
In den Tagen des Propheten Elijahu waren alle Kinder Israel
dem Götzendienst verfallen, bis auf 7000, "alle Knie, die sich
nicht gebeugt vor dem Baal, und jeden Mund, der ihn nicht
geküßt" (Kö.I, 19,18). Als aber der Prophet Elijahu
diese
negative Tatsache vorbrachte und sagte: "Geeifert hab' ich für
den Ewigen, G~tt der Heerscharen, denn die Kinder Israel
haben deinen Bund verlassen" (ebda. 10), ermahnte ihn G~tt:
Bevor du die Kinder Israel kritisierst, kritisiere lieber die Völker
der Welt und Damaskus (Midrasch Schir Haschirim rabba, 1,6).
Auch zur Zeit des Propheten Jeschajahu wurde viel durch
Götzendienst, Blutvergießen, Entheiligung des göttlichen
Namens und Verachtung der Gebote gesündigt. Als der Prophet
jedoch sprach: "unter einem Volke unreiner Lippen weile ich"
(6,5), befahl G~tt sofort einem Engel, eine glühende Kohle zu
nehmen und seine Lippen anzubrennen, um sie rein zu machen:
"Siehe, dies berührt deine Lippen, so weicht deine Schuld und
deine Sünde ist gesühnt" (6,7). Den Vers "und es flog zu
mir
einer der Serafim, und in seiner Hand war ein glühender Stein
[Rizpa]" (6,6) deuteten die talmudischen Weisen "riz pä",
"ein
Mund, der Nachteiliges über meine Kinder redet" (Midrasch
Schir Haschirim rabba, ebda.). Doch vollständige Sühne
erhielt
er erst bei seiner Tötung durch König Menasche.
Maimonides befaßte sich mit diesem Thema anläßlich
einer
Anklageschrift eines nordafrikanischen Rabbiners gegen die
unter Todesdrohung zum Islam konvertierten Juden.
Maimonides schrieb: "Wenn schon die Größen der Judenheit
dafür bestraft wurden,... dann doch erst recht.. wer seine Zunge
gegen die Gemeinden Israels führt,.. um sie mit einem Makel zu
behaften und Übeltäter zu nennen, und als Nichtjuden und
zeugenungültig zu bezeichnen, und als Ketzer gegen den G~tt
Israels" (Schreiben über die Heiligung des göttlichen Namens).
G~tt mag es nicht, wenn man schlecht über seine Kinder redet.
"Einst las jemand in Gegenwart Rabbi Eliesers [den Schriftvers]:
'Teile Jeruschalajim seine Schandtaten mit' (Jecheskel 16,2).
Da sprach er zu ihm: Während du die Schandtaten Jerusalems
untersuchst, untersuche lieber die Schandtaten deiner Mutter.
Als man hinter ihm her untersuchte, fand man an ihm den Makel
der Illegitimität" (Megilla 25b).
G~tt hat es vielmehr gerne, wenn man das Volk Israel in Schutz
nimmt. Darin lag die Stärke Gideons. So sprach er zu G~tt:
"Bitte, mein Herr! Ist der Ewige mit uns, warum denn hat alles
dies uns betroffen..?" (Richter 6,13). Die Antwort war doch
sonnenklar - wegen unserer Sünden! Doch das wollte Gideon
nicht sagen, sondern betonte: der Ewige ist mit uns. Darauf
antwortete ihm G~tt: "Gehe mit dieser deiner Kraft und rette
Israel aus der Hand Midjans. Habe ich dich nicht gesandt?"
(6,14). Gideon war nicht mit großer Weisheit oder
herrschaftlicher Stellung in der Vergangenheit gekrönt. Was
brachte ihm die Rolle des Retters Israels vor seinen
Bedrängern? Daß er ihnen vertraute, sie liebte und schätzte.
Im Sohar wird die Frage gestellt, warum Noach für seine
Generation keine Gnade erbat - weil er selber nicht
davonzukommen glaubte. Und trotzdem benötigte die Welt der
Gnade G~ttes, denn G~tt hat es gern, wenn man gut über seine
Kinder redet. Das wissen wir genau aus dieser Begebenheit mit
Gideon, der weder zu den Gerechten zählte noch Sohn eines
Gerechten war, und nur, weil er gut über Israel redete, schickte
ihn G~tt, Israel vor den Midjanitern zu retten. Durch dieses
Verdienst wurde ihm die Kraft verliehen, sie zu retten. Und so
wurde er Richter über Israel und befreite sie von Midjan.
Mögen auch wir das Gute im Volke Israel sehen, über das Gute
reden, gerade das Verdienstvolle hervorheben und so die
himmlische Fürsprache erwecken.
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