DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJERA
Nr. 328
17. Marcheschwan 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Gen. 18,1-22,24)
Besuch der 3 Engel bei Awraham, Ankündigung Saras Sohn,
Verhandlung mit G~tt über Sdom, Engel bei Lot, Vernichtung
von Sdom und Amora, Lot und seine Töchter, Awraham und
Sara bei Awimelech, Geburt Jizchaks, Vertreibung Hagars und
Jischma'els, Bündnis mit Awimelech, Opferung
Jizchaks/Widder, göttliches Versprechen zahlreicher
Nachkommenschaft und Segen für alle Völker der Erde.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Religion und Gewissen

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Die Frage um das Verhältnis von menschlichem Gewissen zu
göttlichen Geboten beschäftigt die Menschheit seit alters her.
Schon viele kluge Köpfe wurden darüber zerbrochen und
Ozeane von Tinte vergossen. Folgen wir einmal in den
Fußstapfen des größten unserer Vorfahren, den diese Frage
durch unseren ganzen Wochenabschnitt hindurch beschäftigte.

Den ersten Eindruck von der moralischen Einstellung unseres
Vorvaters Awraham erhalten wir bereits am Anfang der
Parascha. Nach dem Raschikommentar befindet sich Awraham
inmitten einer Begegnung mit G~tt. "Und es erschien ihm der
Ewige unter den Terebinthen Mamre's" (Gen. 18,1). Obwohl er
gerade mit dem Herrn der Welt in intensiver prophetischer
Verbindung steht, kapselt sich Awraham dennoch nicht von der
ihn umgebenden Wirklichkeit ab. Er bemerkt, wie sich drei
potentielle Gäste nähern. Darum wendet er sich an G~tt mit der
Bitte "und sprach: Herr, wenn ich doch Gnade gefunden in
deinen Augen, gehe doch nicht vorüber an deinem Knechte"
(Gen. 18,3) - lieber G~tt, warte doch etwas auf mich, bis ich
mich um die Gäste gekümmert habe, danach führen wir unsere
Begegnung fort. Awraham ist bereit, auf den Höhepunkt
religiöser Erlebnisse zu verzichten, auf die Prophetie, um drei
Beduinen zu verköstigen, Götzendiener, die sich vor dem Staub
ihrer Füße bücken. Dazu sagten die talmudischen Weisen: "Die
Gastfreundschaft ist bedeutender als der Empfang der
Göttlichkeit" (Schabbat 127a). Hieraus scheint hervorzugehen,
daß die Gewissenspflicht der religiösen Pflicht vorangeht.

Der moralische Charakter unseres Vorvaters Awraham kommt
auch in der nächsten Episode sofort zum Ausdruck, wie ihn G~tt
selber schildert: "Denn ich habe ihn erkoren, damit er seinen
Kindern und seinem Hause nach ihm gebiete, den Weg des
Ewigen einzuhalten, Recht und Gerechtigkeit zu üben" (Gen.
18,19). Die beiden fundamentalen Werte der Ethik: Mildtätigkeit
und Recht, Gnade und Gesetz, sie bilden Awrahams Erbe.
Allerdings betont die Tora, daß diese Werte bei Awraham nicht
menschlichen Ursprungs sind, die dem Gewissen entspringen,
sondern "dem Weg des Ewigen", der Awraham dazu bringt,
"Recht und Gerechtigkeit zu üben".

Im weiteren Verlauf kommt es zu einer scharfen Debatte
zwischen G~tt und Awraham, wobei es den Anschein hat,
Awraham kritisiere den ethischen Standpunkt G~ttes: "Willst du
gar vernichten den Gerechten mit dem Frevler? Vielleicht gibt
es fünfzig Gerechte in der Stadt... Fern sei von dir, solches zu
tun, zu töten den Gerechten mit dem Frevler, daß der Gerechte
sei wie der Frevler. Fern sei es von dir. Der Richter der ganzen
Erde sollte nicht üben Gerechtigkeit?" (Gen. 18,23-25). Auf den
ersten Blick scheint es, als konfrontiere Awraham die göttliche
Lenkung mit der Moral seines Gewissens, um sie zu ändern.
Wenn wir uns die Sache jedoch einmal gründlicher betrachten,
erkennen wir, daß Awraham die Moral oder das Recht nicht als
eigenständige Werte präsentiert, und G~tt selber diesen
unterworfen wäre, vielmehr behauptet er, daß G~tt selber doch
"der Richter allen Landes" sei. Recht und Gerechtigkeit gehören
doch zu den Eigenschaften G~ttes. Wie kann es demnach
angehen, daß die göttliche Lenkung den göttlichen
Eigenschaften zuwiderläuft? Danach, im Laufe der
Verhandlung, wird dann auch klar, daß hier kein Widerspruch
vorliegt, denn in Sdom ("Sodom") gibt es keinen einzigen
Gerechten.

Gegen Ende des Wochenabschnittes gelangt Awraham nach
Gerar. Bei seiner Ankunft läßt er verlauten, daß Sara nicht
seine Frau, sondern seine Schwester sei. Als er deswegen zur
Rede gestellt wird: "Was hast du denn bei uns gesehen, daß du
dies getan hast?" (Gen. 20,10), antwortet er, daß er kein
Vertrauen in die moralischen Werte der Bewohner Gerars habe:
"Weil ich dachte, an diesem Orte ist gar keine G~ttesfurcht, und
sie werden mich töten wegen meines Weibes" (Gen. 20,11).
Man kann keinem System moralischer Grundwerte vertrauen,
das seine Autorität nicht auf die Himmelsfurcht stützt. Es
besteht höchste Gefahr - sowohl der Entführung als auch des
Blutvergießens, und in Bezug auf die Würde der Frau.

Zum Hauptpunkt unserer Analyse gelangen wir mit der
Geschichte von der Opferung Jizchaks. Hier wird von Awraham
nicht nur verlangt, seinen Sohn zu opfern, sondern sein
gesamtes moralisches Weltbild. Gibt es denn einen deutlicheren
und gewichtigeren moralischen Grundwert als die Sorge des
Vaters um das Leben seines einzigen Sohnes? Gibt es eine
größere moralische Verkommenheit als den Mord des Sohnes
durch den eigenen Vater? Hier wird von Awraham eine
glasklare Entscheidung verlangt: für den göttlichen Befehl oder
für das menschliche Gewissen. Wenn diese klar und deutlich
aufeinanderprallen, ohne Raum für eine Zwischenlösung zu
lassen, weder für einen Kompromiß noch einen anderen
Ausweg - wofür muß man sich entscheiden? Und Awraham
entscheidet...

Nach seiner Entscheidung wird Awraham jedoch klar, daß
dieser Widerspruch einer optischen Täuschung entsprang. Es
kam G~tt nicht einen Moment in den Sinn, Awraham seine
moralischen Grundwerte mit Füßen treten zu lassen. Diese
moralischen Grundwerte folgen doch dem "Wege G~ttes"! Hier
gibt es keine zwei sich widersprechenden Grundwerte, die sich
über Barrikaden befeinden - die Stimme G~ttes auf der einen
Seite, und die Stimme des menschlichen Gewissens auf der
anderen Seite. Alles ist eine einzige göttliche Stimme, die nur
auf zwei verschiedenen Wegen an unser Ohr gelangt: auf
direktem Wege des ausdrücklichen Gebotes, und auf dem
Umweg über das Hinhören zur innerlichen göttlichen Stimme,
die dem Menschen aus seinem Gewissen zuflüstert, weil er im
"Ebenbilde G~ttes" geschaffen wurde.

Entsprechend befiehlt Awraham der Engel G~ttes: "Lege nicht
Hand an den Knaben und tue ihm nicht das Geringste" (Gen.
22,12), d.h., die Stimme G~ttes sagt, daß das absolute Gebot,
sowohl von seiten der Gerechtigkeit, das Verbrechen des
Blutvergießens zu verhindern, als auch von seiten der Natur,
nicht die Gefühle des Vaters zu verletzen, felsenfest bestehe.
Die heiligen Erkenntnisse, die in der Natur des Menschen
festgeschrieben stehen, wurden nicht umgestürzt, nicht einmal
einen Millimeter verrückt durch die erhabene Vision, die sich im
Worte G~ttes offenbart. Darum der zweifache Befehl: "Lege
nicht Hand an den Knaben", mit der ganzen Strenge des
einfachen, direkten Verbotes dieser Sache. Glaube auch nicht,
es gäbe einen Gegensatz zwischen deiner reinen Vaterliebe für
deinen teuren Sohn und der fürstlichen Liebe zu G~tt, welche
irgendeinen Schritt zur Verminderung der ersteren erforderlich
mache - dem ist nicht so: "tue ihm nicht das Geringste". Die
Barmherzigkeit des Vaters und seine Liebe in reiner Seele sind
Flammen heiligen Feuers, das auf direktem Wege der heiligen
Liebe G~ttes "sein Erbarmen ist über all seine Werke" (Psalm
145,9) entspringt, und deren Erscheinen in der Welt ist es,
welche das Leben und die gesamte Existenz zur Höhe ihrer
erhabenen Vortrefflichkeit erhebt" (nach Rabbiner A.J.Kuk,
Sidur Olat Ra'aja I, S.92-93).
 
Frage und Antwort

Der beste Antiterror

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wie bekämpft man am besten dieses Monstrum, den
Terror, den großen Quälgeist nicht nur des jüdischen Volkes,
sondern der ganzen Menschheit?

Antwort: Zuerst einmal muß man sich klarmachen, daß Terror
keine wirkliche Macht hat. Er kann einen Menschen morden,
und noch einen, noch zehn, hundert oder tausend, g~ttbehüte.
Er kann aber keinen ganzen Staat zerstören. Seine Stärke liegt
vielmehr in seiner psychologischen Wirkung: Er nervt und nervt
und schwächt. Er hat auch die Moral auf seiner Seite, weil er
sich als Kampf für Freiheit, Befreiung und Gerechtigkeit
präsentiert. So sichert er sich die Unterstützung einer Reihe
verantwortungsloser Intellektueller, manchmal ganzer Staaten,
die von seinem den Terror idealisierenden Manifesten geblendet
wurden und der Lüge verfielen, ein Terrorist, der Kinder und
Säuglinge ermordet, sei ein Freiheitskämpfer. Der ethische
Aspekt hat auch eine psychologische Seite. Wer recht hat, wird
den Terror bekämpfen, und wer im Unrecht ist, hat keine Kraft
dazu. So gibt es im jüdischen Gesetz die Regel "Dem Stärkeren
- die Oberhand" (z.B. Baba batra 34b; wenn es den Richtern
nicht gelang, anhand der Beweislage die Besitzverhältnisse zu
entscheiden). Auf den ersten Blick eine höchst verwunderliche
Regel, wird Eigentumsrecht demnach durch den Gebrauch von
Gewalt entschieden?! Rabenu Ascher (religionsgesetzliche
Autorität aus der Periode der Rischonim vor etwa 750 Jahren)
erklärte dies wie folgt: "Der wahre Eigentümer kämpft bis zur
Selbstaufgabe, um an sein Eigentum zu gelangen, und der
Lügner wird sich sagen, es lohnt nicht, sein Leben für einen
Raub zu riskieren, besonders, wo der wahre Eigentümer
vielleicht schon morgen einen gerichtsgültigen Beweis bringt
und die Sache mir genommen wird". Die Stärke ist demnach
nicht die Grundlage des Besitzverhältnisses, sondern ein
Anzeichen dafür.

Rabbiner Ruben Margoliot führte weiter dazu aus: "Ziel der
Rechtsprechung ist es, die Kraft der Gewalt zu zerschmettern,
damit der Starke es nicht damit wage; wenn sich das Recht
jedoch nicht entscheiden läßt, gaben die Weisen dem Stärkeren
die Möglichkeit, die Oberhand zu gewinnen, wobei sie sagten,
tief in seiner Seele fühle er, welches Unrecht er tut (Kommentar
zu Rabenu Ascher). In der Diaspora werden wir ständig verfolgt
und geschlagen, weil wir in der Tiefe unserer Seele fühlen, daß
nicht hier unser Land ist. Doch in unserem eigenen Land
werden wir die Stärkeren sein" (Dewarim Be'itam, S.163).

Die beste Waffe gegen den Terror, und im Krieg überhaupt, ist
die Gewißheit, daß wir im Recht sind. Hier gibt es keine
unterdrückte, bemitleidenswerte oder ausgenutzte Araber,
denen man ihr Land weggenommen hat. Vielmehr gehört das
ganze Land uns, und jene sind die Diebe, Räuber, Lügner und
Mörder.

Dieses Land gehört uns, schon immer, weil der Herr der Welt es
uns gegeben hat, weil es "unser Erbe von unseren Vorvätern
ist" (Awoda sara 53b), weil wir hier fast tausend Jahre lang
einen eigenen Staat hatten und weil wir uns niemals von ihm
getrennt haben. Dieses Land gehört uns - nach der Tora, im
Einklang mit der Ethik, dem Recht und der Geschichte.

Das ist unsere Hauptwaffe. Je mehr die Völker der Welt zu der
Einsicht gelangen, daß alles uns gehört, desto weniger werden
sie den Terror unterstützen, und er wird von selbst
zusammenbrechen. Damit die Völker der Welt dies erkennen,
müssen natürlich wir es uns selber ersteinmal klarmachen.

So begann Raschi seinen Kommentar zur Tora: "Warum fängt
die Tora mit der Schöpfung an? 'Weil Er Seine Allmacht Seinem
Volke verkündete, ihm das Erbe der Nationen zu geben' (Psalm
111,6). Wenn die Völker der Welt zu Israel sprechen sollten, ihr
seid Räuber, denn ihr habt die Länder der sieben Nationen
eingenommen, so antworten sie ihnen, die ganze Erde gehört
dem Heiligen, gelobt sei Er. Er hat sie erschaffen und dem
gegeben, der gerecht in Seinen Augen (Jirmijahu 27,5); nach
Seinem Willen hat Er sie jenen gegeben und nach Seinem
Willen sie ihnen genommen und uns gegeben".

Laßt uns allen Völkern mitteilen, daß dies unser Land ist, und
vorher lehren wir es uns selber - dann können wir unser Erbe
bewahren.

Die beste Waffe: der klare Glauben, die große Wahrheit - daß
dieses Land uns gehört.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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