DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WA'ETCHANAN
Nr. 365
11. Aw 5762

Donnerstag: Tischa Be'Aw, Fasttag

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 3,23-7,11):
Fortsetzung Moschehs Rückblicksrede, Bitte, doch einwandern
zu dürfen, und deren göttliche Ablehnung; Ermahnung, die Tora
nicht zu ändern; Warnung vor Götzendienst; Zufluchtstädte;
Wiederholung der 10 Gebote; das Schma-Gebet; Vermeiden
von Mischehen; nochmalige Aufforderung zur Vertreibung der
Ka'ananiter.
 
Am Schabbes-Tisch

Wer hat Angst vorm Maschiach?

Rav Jakov Halevi Filber

Nach einer alten jüdischen Überlieferung "wurde am Tage der
Tempelzerstörung der Maschiach geboren" (Talmud
Jeruschalmi Brachot 2.Kap., Hal.4): "Einmal geschah es, da ein
Jude sein Feld pflügte, muhte seine Kuh vor ihm. Ein
vorbeigehender Araber hörte ihre Stimme und sprach: Jude,
Jude, spann deine Kuh aus, spann deinen Pflug aus, weil der
Tempel zerstört wurde. Da muhte die Kuh ein zweites Mal, da
sprach der Araber zu ihm: Jude, Jude, spann deine Kuh ein,
spann deinen Pflug ein, König Maschiach wurde geboren".
Dieser Überlieferung entnehmen wir, daß die Option der
Erlösung sofort nach der Zerstörung geschaffen wurde. Wenn
dem so ist, wenn der Maschiach schon vor etwa 2000 Jahren
geboren wurde, warum offenbart er sich uns nicht? Mit dieser
Frage beschäftigte sich bereits der talmudische Weise Rabbi
Jehoschua ben Levi, wie wir im Traktat Sanhedrin (S.98a) lesen
können: "Rabbi Jehoschua ben Levi traf einst Elijahu am
Eingange der Höhle des Rabbi Schimon bar Jochai stehen ...
und fragte ihn: Wann wird der Maschiach kommen? Dieser
erwiderte: Geh, frage ihn selbst. - Wo befindet er sich? - Am
Tore von Rom. - Woran erkennt man ihn? - Er sitzt zwischen
den mit Krankheiten behafteten Armen; alle übrigen binden [ihre
Wunden] mit einem Male auf und verbinden sie wieder, er aber
bindet sie einzeln auf und verbindet sie, denn er denkt: vielleicht
werde ich verlangt, so soll keine Verzögerung entstehen.
Hierauf ging er zu ihm hin und sprach zu ihm: Friede mit dir,
Herr und Meister! Dieser erwiderte: Friede mit dir, Sohn Levis!
Er fragte: Wann kommt der Meister? Dieser erwiderte: Heute.
Darauf kehrte er zu Elijahu zurück, der ihn fragte: Was sagte er
dir? Er erwiderte: Friede mit dir, Sohn Levis! Da sprach dieser:
Er hat dir und deinem Vater die zukünftige Welt verheißen.
Jener entgegnete: Er hat mich belogen, denn er sagte mir, er
werde heute kommen, und er kam nicht. Dieser erwiderte: Er
hat es wie folgt gemeint: 'heute, wenn ihr auf Seine Stimme
hören werdet' (Psalm 95,7)".

Anscheinend befriedigte diese Antwort Rabbi Jehoschua ben
Levi nicht, denn wenn die Erlösung und das Kommen des
Maschiach von reumütiger Umkehr des Volkes Israel abhängen,
wenn der Maschiach erst kommen wird, wenn alle Juden auf die
Stimme G~ttes hören - dann kann es theoretisch angehen, daß
der Maschiach niemals kommt, denn die Umkehr unterliegt der
menschlichen Entscheidungsfreiheit, über die es heißt: "Alles ist
in den Händen des Himmels - außer der Himmelsfurcht"
(Brachot 33b). Darum wandte er sich an die heiligen Schriften,
um seine Zweifel zu zerstreuen, und stieß auf den Vers: "..ich,
der Ewige, zu seiner Zeit werd' ich es beschleunigen"
(Jeschajahu 60,22). Dieser Vers scheint einen Widerspruch zu
enthalten: "zu seiner Zeit" und "es beschleunigen", und er
antwortete: haben sie sich verdient gemacht, so will ich es
beschleunigen, haben sie sich nicht verdient gemacht, erst zur
Zeit. Einen ähnlichen Widerspruch bemerkte Rabbi Jehoschua
ben Levi zwischen den [vom Maschiach handelnden] Versen
"mit den Wolken des Himmels war er gekommen wie ein
Menschensohn" (Daniel 7,13; d.h. würdig und schnell), und
"demütig und reitend auf einem Esel" (Secharja 9,9; d.h.
demütig und langsam) (Sanhedrin ebda.). - In diesen Versen
fand Rabbi Jehoschua ben Levi Tröstung, denn er verstand,
daß die Erlösung nicht nur von der Umkehr des Volkes Israel
abhängt, sondern G~tt einen absoluten Endpunkt für das Exil
(Galut) vorbestimmt hat, und wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist,
findet die Erlösung statt, auch wenn die Juden ihrer nicht würdig
sind.

Diesem Prinzip begegnen wir auch im Midrasch Tanchuma
(Bechukkotai §3) im Namen von Rabbi Schimon bar Jochai: "Ob
Israel umkehren oder ob sie nicht umkehren - wenn der
Endpunkt erreicht ist, werden sie sofort erlöst, wie es heißt: 'ich,
der Ewige, zu seiner Zeit werd' ich es beschleunigen'". Und so
formulierte es Rabbiner Elijahu (der "Gaon") von Wilna: "In jeder
Generation gibt es Endpunkte entsprechend der Umkehr und
den besonderen Verdiensten jener Generation. Der letzte
Endpunkt jedoch hängt nicht von der Umkehr ab, sondern von
göttlicher Gnade, wie es heißt: 'um meinet-, um meinetwillen tue
ich es' (Jeschajahu 48,11), und vom Verdienst der Väter, wie
man sagt: 'der du der Frömmigkeit der Väter gedenkst und
einen Erlöser bringst ihren Kindeskindern um deines Namens
willen' (Schmone-Esre Gebet)" (Ewen Schlema §11,9).

Das Glauben an das Kommen des Maschiach gehört zu den 13
Grundprinzipien des Judentums, was man nicht mit allen
möglichen "Messianisten" von links und rechts verwechseln
darf. "Messianist" ist eine Einzelperson oder auch eine Gruppe
die versucht, den Endpunkt mit Hochdruck herbeizuführen und
das "Ende der Tage" auf unsere heutige Lebenswirklichkeit zu
stülpen, sei es durch eine Werbekampagne "We Want
Moshiach Now", sei es durch "Peace Now", und manchmal
durch Gefährdung des jüdischen Volkes wie durch die Oslo-
Verträge. All jene sind in meinen Augen "Messianisten" und
stehen im Gegensatz zum jüdischen Glauben an den
Maschiach, dessen Kommen vom Herrn der Welt und unserem
Verhalten abhängt; nicht durch feurige Begeisterung "schöner
Seelen", sondern durch tagtägliche Arbeit in Opferbereitschaft
und Hartnäckigkeit, die uns von der Tora auferlegten Pflichten
zu erfüllen, dem Aufbau des Landes und der Einsammlung der
Verstreuten, "und wenn er [der Maschiach] auch zögert,
trotzdem hoffe ich täglich auf ihn, daß er kommen wird" (12. der
13 Glaubensartikel).
 
 
Frage und Antwort

Jonathan in der Grube

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Vor einigen Wochen [Parschat Bemidbar, Nr. 355] haben Sie
die jüdische Öffentlichkeit auf die Lage von Jonathan Pollard
aufmerksam gemacht und zu einer Hilfs- und Protestaktion
aufgerufen. Hat sich seitdem in dieser Sache etwas getan?

Antwort: Leider nicht. Jonathan weint immer noch in der Grube,
weint ohne Tränen, ohne Laut und ohne Worte. Er beweint nicht
sich selber, sondern Josef, der in die Grube geworfen wurde,
und noch viele andere Josefs in vielen anderen Gruben. Er ist
nur gerade der aktuelle Josef und beweint die Sünde seines
Verkaufes, die noch nicht gesühnt wurde.

Jonathan Pollard grübelt in der Grube. Fast 17 Jahre sitzt er
schon in seiner Grube ein, und er hat viel Zeit zum
Nachdenken. Er kennt schon jeden Winkel in seinem
Gedankengebäude. Er weiß ganz genau, daß er niemals Verrat
an den USA begangen hat, im Gegenteil, er hat ihnen viele
Jahre treu gedient. Er hat ihnen sogar einen großen Dienst
erwiesen, indem er an den Staat Israel Informationen
weiterleitete, wozu sich die USA ohnehin verpflichtet hatten.
Welche Katastrophe hätte ohne Jonathan passieren können,
welche Schuld und welche Verachtung hätten die USA auf sich
laden können! Jonathan wurde denn auch niemals des Verrates
beschuldigt. Warum also setzt man ihm so zu, warum geschieht
ihm ein so furchtbares Unrecht?! Warum???

Jonathan schmerzt es in der Grube um seine Brüder, die ihn
dort hineingeworfen haben. Er erinnert noch, wie man ihm
versicherte: Du bist doch unser Bruder, keine Sorge, notfalls
komm in die israelische Botschaft, du und deine Frau, und wir
transferieren euch nach Israel. Doch als er dort tatsächlich
eines Tages erschien, warf man ihn hinaus, direkt in die Arme
des FBI.

Jonathan schaudert es in seiner Grube. Er erinnert sich noch
genau, wie man ihm alle Kleider abnahm und ihn in ein
psychiatrisches Gefängnis steckte, vollkommen unbekleidet in
eine kalte und kahle Zelle, lediglich mit einer Metallpritsche
ausgestattet. Die Grube war leer, aber viel Wasser darin (siehe
Gen. 37,24). Ab und zu band man ihn an eine eiskalte Dusche,
bis er zusammenbrach. Auch jetzt steckt er in einer furchtbaren
Grube, in einer lebenslangen Grube. Ein Gefangener kommt,
ein anderer geht, und er sitzt ein auf immer. Kein Urlaub, keine
Kinder, kein koscheres Essen. Nur seine gute Frau, die ihn
unter großen Opfern ständig besuchen kommt, ist sein einziger
Lichtblick.

Jonathan wundert sich in seiner Grube: Meine Brüder, warum
habt ihr mich verraten? Durch mich wußtet ihr von den Plänen
Syriens, Libyens, des Iran und Irak, atomare, chemische und
biologische Waffen gegen die Bewohner Israels zu entwickeln,
ebenso von geplanten Terrorattacken. Meine Brüder, ich habe
mich für euch doch so sehr abgemüht, so sehr aufgeopfert und
in Gefahr gebracht - und habe nicht mal ein kleines bißchen
Freiheit. Meine Brüder, habt ihr mich vergessen? Ihr redet zwar
viel und gebt große Erklärungen ab, laßt euch fotografieren -
und ich sitze immer noch in der Grube. Manchmal macht ihr
Versprechungen, aber ihr lügt, ihr kümmert euch nicht um mich.
Selbst in der Grube benutzt ihr mich für eure eigenen Zwecke.
Das schmerzt mich in der Grube, und noch mehr schmerzt mich
euer Verrat an mir.

Jonathan sitzt verleumdet in seiner Grube: Warum erzählt man
von ihm, er hätte aus Geldgier gehandelt?! Er hat keinen
einzigen Cent genommen, denn er ist ein Idealist. Warum
erzählt man von ihm, er sei verrückt? Auf diese Weise will man
ihn loswerden! Warum schlug man vor, ihn gegen 750
Terroristen mit Blut an den Händen auszutauschen? Das ist er
in euren Augen wert?! Hat er etwa Blut an den Händen -
ausgerechnet er!!!

Jonathan verzweifelt langsam in seiner Grube: 1985 wurde er
verhaftet. Erst 1996 wurde er offiziell als israelischer
Staatsbürger anerkannt, und erst im Jahre 1998 offiziell als
israelischer Agent, als Geste guten Willens sozusagen. Von
wegen Geste - seine Missionen waren vom Chef des
Geheimdienstes unterzeichnet. Warum versetzt die israelische
Regierung keine Berge, um ihn zu befreien, warum wurden so
viele Gelegenheiten verpaßt?! Gibt es denn ein noch größeres
Unrecht als dieses?!

Jonathan erinnert sich in der Grube. Seine Brüder haben ihn
vergessen, er aber hat sie nicht vergessen. Er atmet Israel, lebt
Israel, sorgt sich um Israel. Er hat einen glänzenden Verstand,
er ist ein wahres Genie. Er denkt die ganze Zeit an die Zukunft
des Staates Israel, wie seine Probleme zu lösen seien,
Probleme der Elektrizitätsversorgung, der Wirtschaft und der
Sicherheit. Von seinem spärlichen Einkommen spendet er für
wohltätige Institutionen in Israel. Er betet für die Genesung der
Opfer von Terroranschlägen und schickt seine Frau, die
Hinterbliebenen zu trösten. Er hat seine Brüder nicht vergessen,
darum Brüder, vergeßt ihn nicht!

Jonathan sitzt fast 17 Jahre in der Grube, er fühlt die kalten
Wände, er fühlt seine Kopfschmerzen und seine entzündeten
Nebenhöhlen, und denkt: wann werde ich hier herauskommen?
Er glaubt schon nicht mehr den Versprechungen des
Hofmundschenks und des Hofbäckers, weder des
amerikanischen Hofes noch des israelischen Hofes - nur noch
denen des Herrn der Welt.

Jonathan sitzt in der Grube und weint, er weint Tränen von Blut.
Er ist aber nicht alleine in seiner Grube, der Herr der Welt ist mit
ihm. Der Herr der Welt ist sein Fels und seine Macht, läßt ihm
sein Antlitz leuchten und erfreut sein Herz. Auch in der Grube
bleibt Jonathan ein Gerechter, wie Josef der Gerechte, Josef
hazadik. Man versucht seine Seele zu vernichten, indem man
ihm unsittliche Bilder zeigt, aber er bleibt immer ein Gerechter.
Der Herr der Welt ist immer mit ihm in der Grube.

Jonathan ist ein Nationalheld und ein Gerechter. Ein Gebet führt
er immer im Munde: Herr der Welt, ich habe nur eine kleine
Bitte an dich, hol' mich hier heraus, bring mich an die
Klagemauer, damit ich sie küssen kann. "Über unsere Brüder,
das ganze Haus Israel, die sich in Not und in Gefangenschaft
befinden, sei es, daß sie auf dem Meere, oder sei es, daß sie
auf dem Trockenen weilen, der Ewige erbarme sich über sie
und führe sie aus Not zur Befreiung, aus Dunkelheit zum Licht,
aus Knechtschaft zur Erlösung, jetzt bald und in naher Zeit;
sprechen wir: Amen!" (Gebet nach der Toravorlesung am
Montag und Donnerstag). Möge sich dies schnellstens für
Jonathan Pollard, den Helden und Gerechten, erfüllen: "Ewiger,
du hast heraufgezogen aus der Unterwelt meine Seele, hast
mich belebt, daß ich nicht in der Grube versank" (Psalm 30,4).
 

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