DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TOLDOT
Nr. 330
2. Kislev 5762
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
desgleichen auf Französich
Diese Woche in
der Tora (Gen. 25,19 - 28,9)
Geburt Jakovs und Eßaws, Verkauf
des Erstgeburtsrechtes,
Hungersnot, Jizchak und Riwka bei König
Awimelech, Streit um
Brunnen, Friedensvertrag, Jizchak segnet
Jakov und Eßaw,
Eßaws Mordabsichten und Flucht Jakovs.
| Am
Schabbes-Tisch...
Jizchak und Riwka Rav Asri'el Ari'el
|
Würde ein Sozialarbeiter im Lichte seiner Berufserfahrung
unseren Wochenabschnitt lesen, hätte er die beiden sicher
sofort zur Eheberatung geschickt. Handelt es sich doch auf den
ersten Blick um ein Paar, das unter großen Kommunikations-
Schwierigkeiten leidet. Während der ganzen Parscha finden wir
kein einziges Gespräch zwischen den beiden, mit der einen
Ausnahme, ein Satz ganz zum Schluß, der die Regel bestätigt:
"Und Riwka sprach zu Jizchak: Mich widert vor dem Leben,
wegen der Töchter Chet. Wenn Jakov ein Weib nehmen soll
von den Töchtern Chet, wie diese da von den Töchtern des
Landes, wozu mir dann das Leben?" (Gen. 27,46). Aber das
stimmt doch gar nicht! Nur einen Vers vorher sprach sie noch
mit Jakov darüber, daß er nach Padan-Aram flüchten
müsse,
weil ihn sein Bruder ermorden wolle; und jetzt bringt sie ein
ganz anderes Argument! Warum berichtete sie Jizchak nicht
von Eßaws finsteren Plänen?
Solche "Kommunikationsprobleme" können wir schon vorher
feststellen. Jizchak liebt Eßaw, der ihn hintergeht und mit
Worten umwickelt; Riwka hingegen liebt Jakov, den Aufrichtigen
und Lernbegierigen. Haben sich die Eltern denn nie über ihre
Kinder unterhalten? Warum informiert Riwka Jizchak nicht von
Eßaws Absichten? Und warum schickte sie Jakov, sich wie
Eßaw zu verkleiden, anstatt Jizchak direkt davon zu
überzeugen, daß Jakov seines väterlichen Segens würdiger
ist?
Man kann diese Probleme schon zu Beginn der Parscha
entdecken. Jizchaks Gebet um Nachwuchs erfolgt "in
Anwesenheit seiner Frau", in ihrer Gegenwart - aber nicht mit
ihr. Und als die Zwillingsbrüder dann schon im Mutterleib
erstaunlich aktiv sind, wendet sie sich nicht an Jizchak, sondert
wählt ihren ureigenen Weg zu G~tt. "Und sie ging, den Ewigen
zu befragen" (Gen. 25,22).
Anscheinend kapseln sich die beiden voneinander ab. - Doch all
dies stimmt nur nach oberflächlicher Betrachtung. Ein etwas
gründlicheres Nachforschen ergibt ein vollkommen anderes Bild
über ihre zwischenmenschlichen Beziehungen. Hier handelt es
sich um das einzige Paar in der Tora, dessen Liebe
ausdrücklich erwähnt wird: "Und Jizchak... nahm Riwka, und
sie
ward sein Weib und er gewann sie lieb" (Gen. 24,67). Jizchaks
Bittgebet in Anwesenheit seiner Frau sprach er nicht für sich
selber, sondern für sie: "denn sie war unfruchtbar" (Gen. 25,21),
und als sein Gebet erhört worden war: "..und Riwka, sein Weib,
wurde schwanger" (ebda.). Später sah König Awimelech, "wie
Jizchak mit seiner Frau Riwka scherzte" (Gen. 26,8). Man kann
sich schwer vorstellen, daß es dabei um Dinge ging, die besser
verdeckt ablaufen sollten. Viele Kommentatoren erklärten denn
auch, daß sie in Liebe miteinander umgingen, und zwar nicht
wie Bruder und Schwester, sondern wie Mann und Frau.
"Scherzen, wie man es mit seiner Frau tut, und es kam kein
Zweifel auf, daß er etwa mit seiner Schwester scherzte"
(Rabbiner N.Z.J.Berlin aus Woloschin). Auch nachdem Jizchak
den "Diebstahl" des Segens durch Jakov entdeckt hatte, und er
sich sicher vorstellen konnte, wer das eingefädelt hatte, kam
in
ihm kein Gefühl von Zorn gegen seine Frau auf. Demgegenüber
fanden wir durchaus Ausdrücke von Zorn bei Awraham und
Sara ("Ich muß durch dich Unrecht leiden", Gen. 16,5) und
zwischen Jakov und Rachel ("Schaffe mir Kinder... da
entbrannte Jakovs Zorn über Rachel", Gen. 30,1-2), aber
niemals zwischen Riwka und Jizchak. Wie läßt sich diese
komplizierte Beziehung nun deuten?
Die Antwort gab Rabbiner Berlin in seinem Kommentar zu
Parschat Chaje Sara, wie Riwka vom Kamel fiel, als sie Jizchak
zum ersten Mal sah: "Seitdem hatte sich eine Furcht vor ihm in
ihr Herz eingegraben, und ihre Beziehung zu ihm war nicht wie
jene von Sara und Awraham oder Rachel und Jakov, die jede
Kritik oder Meinungsverschiedenheit zur Sprache brachten;
Riwka tat es nicht. Dies alles war nur Vorbereitung für die
Ereignisse in Parschat Toldot, als Riwka und Jizchak
verschiedene Meinungen hatten und Riwka nicht den Mut fand,
Jizchak von der Wahrheit zu überzeugen, die ihr bekannt war,
daß Eßaw nur die Jagd im Sinn hatte. Und ebenso bei den
Segnungen...".
Wollen wir das Bild mit unseren eigenen Überlegungen
vervollständigen. Wie Riwka ging, "den Ewigen zu befragen"
(Gen. 25,22), heißt es: "Und der Ewige sprach zu ihr:
Zwei
Völker sind in deinem Leibe... der große wird dem kleinen
dienen" (ebda.,23). Die Antwort galt ihr, und nur ihr; sie hatte sie
vor ihrem Gatten Jizchak geheimzuhalten. Viele Jahre hatte sie
dieses Geheimnis zu hüten und es auf keinem Fall ihrem Mann
zu offenbaren (nicht wie in einer normalen Familie, wo die
einzigen Geheimnisse zwischen den Ehepartnern nur die
Geburtstags-Überraschungen sind...). Jitzchaks und Riwkas
Verhalten dreht sich die ganze Zeit nur um dieses Geheimnis,
über das sie nicht offen sprechen dürfen. In jeder normalen
Familie hätte so ein furchtbares Geheimnis alle Beziehungen
verdunkelt und wäre am Ende "explodiert". Bei Jizchak und
Riwka geschah das nicht. Riwka brachte Jizchak auf Umwegen
zu den Erkenntnissen aus der ihr zuteilgewordenen
Prophezeiung, ohne ihn allerdings einzuweihen, und ohne den
Hausfrieden zu gefährden. "Ein wackeres Weib, das den Willen
ihres Mannes tut".
| Frage
und Antwort
Die Vorsehung steckt im Detail Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Ist jede kleine Sache, die dem Menschen passiert, von
der göttlichen Vorsehung wohlgeordnet vorbestimmt, oder wird
der Mensch von den Naturgesetzen beherrscht, ohne daß der
Herr der Welt sich jeden Moment einmischt?
Antwort: Sicher gibt es keine Zufälle, sondern alles läuft
unter
G~ttes Aufsicht ab. Die göttliche-Vorsehung-über-jeden-
Einzelnen gehört zu den Grundlagen unseres Glaubens. Nicht
nur eine generelle Vorsehung, wie sie der griechische Philosoph
Aristoteles gelten lassen wollte (wie von Maimonides im "Führer
der Unschlüssigen" erläutert), sondern eine individuelle
göttliche
Aufsicht über jeden einzelnen Menschen und jedes einzelne
Ereignis. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Alles ist vom
Herrn der Welt geordnet, ob wir es verstehen oder nicht.
Neben der allumfassenden göttlichen Oberaufsicht des "Der
Herr der Welt, er hat regiert, eh' ein Gebild geschaffen war, Zur
Zeit, da durch seinen Willen das All entstand,..." usw. ("Adon
Olam"), der über alle Welten und alle Zeiten herrscht,
über der
Welt, vor der Welt und durch die Welt - ist er doch auch "mein
G~tt, und mein Erlöser lebt, der Fels meines Anteils zur Zeit
der
Not,..." usw. (ebda.). Der Herr der Welt kümmert sich um jeden
Einzelnen wie ein treuer Vater und eine treue Mutter.
Nur läßt sich dieser Sachverhalt manchmal nicht erkennen,
und
wir verstehen nicht, was G~tt tut. Wenn uns also etwas Gutes
widerfährt, dann sprechen wir den Segen "Gepriesen sei der
Gute und Gütige", und über ein Unglück "Richter der
Wahrheit",
d.h. auch ein Unglück kommt von G~tt (Brachot 54a). Das
Leben ist kein Lotteriespiel, sondern geregelt durch Recht und
Richter, nur daß der Richter manchmal ein hartes Urteil fällt.
Darum rechtfertigen wir den Urteilsspruch, z.B. beim "Ziduk
haDin" bei der Beerdigung: "Der Hort, untadlig ist sein Werk;
denn all seine Wege sind recht; ein G~tt der Treue, ohne Trug,
gerecht und gerad ist er" (Dt. 32,4).
In der endzeitlichen Zukunft werden wir alles verstehen, wie es
heißt: "Und der Ewige wird König sein über die ganze
Erde; an
selbigem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name
einzig" (Secharja 14,9). Die talmudischen Weisen stellten dazu
die Frage: "Und jetzt ist Er etwa nicht 'einzig'? Rabbi Acha ben
Chanina erwiderte: Die kommende Welt gleicht dieser Welt
nicht; in dieser Welt spricht man über gute Nachrichten:
'Gepriesen sei der Gute und Gütige', und über schlechte
Nachrichten: 'Gepriesen sei der Richter der Wahrheit', in der
kommenden Welt wird er ganz der Gute und Gütige sein"
(Pessachim 50a). Dann wird uns klarwerden, daß das, was uns
jetzt als schlecht erscheint, in Wirklichkeit gut ist.
Auf keinen Fall aber bleibt der Mensch dem Zufall überlassen,
sondern G~tt kümmert sich um ihn in allen seinen
Angelegenheiten.
Die Philosophen stritten dies alles ab, wie unser großer Lehrer,
Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels)
lehrte: "Die Philosophie lehnte schon immer zur Erkenntnis von
der generellen Vorsehung, und sie steht prinzipiell entfernt von
der Neigung zur Erkenntnis von der Vorsehung über den
Einzelnen" (Orot Hakodesch II, S.549). Ebenso finden wir zu
Beginn des Buches "Kusari" [Rabbi
Jehuda Halevi; Dreh- und
Angelpunkt der Geschichte
ist der nächtlich wiederkehrende
Traum des in seiner Religion
äußerst beflissenen Königs Kusari,
in dem ihm ein Engel mitteilt:
'deine Absicht ist gottgefällig, doch
deine Taten sind es nicht';
um der Sache auf den Grund zu
gehen, befragt er nacheinander
einen Philosophen, einen
christlichen und dann einen
moslemischen Theologen, und als
ihn alle Antworten nicht
befriedigen, läßt er einen der jüdischen
Weisen kommen. Der resultierende
Dialog bildet den Hauptteil
des Werkes, das bis auf
den heutigen Tag zu den besten
Erklärungen jüdischer
Weltanschauung und Glaubens gehört]:
"Nach Ansicht der Philosophen ist G~tt über das Wissen um die
Einzelnen erhaben... G~tt kennt dich nicht, und erst recht kennt
er nicht deine Absichten und Taten, und deine Gebete hört er
schon gar nicht und sieht auch nicht deine Bewegungen".
Sofern der "Philosoph" nicht besonders benannt wird, meint der
"Kusari" damit immer Aristoteles, oder genauer gesagt, Aristo in
der Lesart der moslemisch-arabischen Philosophen, die ihn ins
Arabische übersetzten und kommentierten: Ibn-Ruschd und Ibn-
Sina.
Im Buche "Kusari" behauptet der Philosoph: G~tt kümmert sich
nicht um dich und kennt dich nicht. Der König erzählt, daß
G~tt
ihm einen Traum schickte, der seinen persönlichen religiösen
Dienst betrifft. Der Philosoph bestreitet dies: G~tt schickte dir
keinen Traum, du interessierst Ihn nicht, Er hat viel wichtigere
Dinge zu tun als sich mit dir abzugeben, mit deinen Gedanken
und mit deinen Träumen. So etwas gilt als unter seiner Würde,
als Beschimpfung und als Lästerung.
Wir dagegen sagen: "Überall, wo du die Größe des Heiligen,
gepriesen sei er, findest, findest du auch seine Milde. Dies ist in
der Tora geschrieben, in den Propheten wiederholt und in den
Hagiographen verdreifacht. In der Tora geschrieben (Dt.10,17)
'denn der Herr, euer G~tt, ist der G~tt der Götter und der Herr
der Herren', und darauf folgt: 'der Waisen und Witwen Recht
schafft' (18). In den Propheten wiederholt: 'denn so spricht der
Hohe und Erhabene, der ewig Thronende und Heilige usw.'
(Jeschajahu 57,15), und darauf folgt: 'und die, die zerknirscht
und demütigen Geistes sind' (ebda.) In den Hagiographen
verdreifacht, denn es heißt: 'macht Bahn dem, der durch die
Wüste einherfährt, Jah ist sein Name' (Psalm 68,5), und darauf
folgt: 'Vater der Waisen und Anwalt der Witwen' (6)" (Megilla
31a). Wir lernen daraus, daß mit seiner Erhabenheit über
alle
Welten der Herr der Welt trotzdem bescheiden ist und sich um
die Kleinen und Benachteiligten kümmert.
Selbst die kleinste Kleinigkeit im menschlichen Leben unterliegt
der Ordnung durch die göttliche Vorsehung. Ijow ("Hiob") litt
große Qualen und klagte G~tt bitterlich sein Los. Trotzdem
hatte G~tt mit ihm ein Nachsehen, denn "ein Mensch kann für
[seine Äußerungen] im Schmerz nicht verantwortlich gemacht
werden" (Baba batra 16b). Er behauptete, er sei ein Gerechter,
und G~tt habe ihn dem Zufall überlassen oder verwechselt:
"'Der mich im Sturme zertreten hat und meine Wunden ohne
Schuld vermehrt' (Ijow 9,17), Ijow lästerte mit 'Sturm'... er
sprach vor ihm: Herr der Welt, vielleicht zog ein Sturmwind vor
dir vorüber, und du verwechseltest zwischen Ijow und ojew
[Feind]?...'Da antwortete der Herr Ijow aus dem Sturme etc.'
(Ijow 38,1). Er sprach zu ihm: Viele Haare habe ich am
Menschen geschaffen, und für jedes Haar besonders habe ich
ein besonderes Grübchen geschaffen, damit nicht zwei ihre
Nahrung aus einem Grübchen ziehen; denn würden zwei ihre
Nahrung aus einem Grübchen ziehen, so würden sie das
Augenlicht des Menschen blenden. Zwischen einem Grübchen
und einem anderen Grübchen verwechsle ich nicht, und
zwischen Ijow und ojew sollte ich verwechselt haben?!"
(B.B.16a).
Der Mensch hat Hunderttausende Haare, und der Herr der Welt
kümmert sich um jedes einzelne. "Manchmal reicht die ganze
Welt und ihre Fülle nicht aus, die Ehre G~ttes zu halten, und
manchmal spricht er mit dem Menschen aus den Haaren seines
Kopfes, wie es heißt: "Da antwortete der Herr Ijow aus dem
Sturme [se'ara] etc." (s.o.), "zwischen den Haaren [se'arot]
seines Kopfes heraus" (Midrasch Bereschit rabba 4,4).
Gibt es auch eine Vorsehung über die Tiere? Und was schrieb
unser großer Lehrer Maimonides zu diesem Thema? Damit
werden wir uns in den nächsten Folgen beschäftigen.
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