DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHLACH LECHA (außerhalb Israels BEHA'ALOTECHA)
Nr. 358
21. Sivan 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;    NEU: Jetzt auch Video!
desgleichen auf Französich (audio)
 

Diese Woche in der Tora (Num. 13,1-15,41):
12 Fürsten kundschaften das Land Kana'an aus; 10 bringen
positiven, aber entmutigenden Bericht, 2 optimistisch und
verweisen auf göttlichen Beistand; Volk hört auf
Mehrheitsbericht, göttliche Strafe: 40 Jahre Wüste, bis
Ungläubige ausgestorben sind; jetzt wollen sie doch, aber G~tt
läßt sie nicht mehr; weitere Opfergesetze; Strafe für
G~tteslästerung; der Holzsammler am Schabbat; Zizit.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Die Toten in der Wüste

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Unser Wochenabschnitt schildert eine "böse Gemeinde", eine
hartnäckige, unbändige und widerspenstige Generation, die das
begehrenswerte Land ablehnt und von einem Mangel an
Glauben geplagt wird. Ein Blick in die Ausführungen der
talmudischen Weisen ergibt jedoch ein ganz anderes Bild.

Im Talmudtraktat Baba Batra (73b/74a) wird von Raba bar bar
Chana erzählt, der in Begleitung eines ischma'elitischen
Händlers die Gräber der Wüstengeneration suchen ging. Er
fand Tote auf dem Rücken liegend mit strahlenden Gesichtern.
Ihr Körper war so groß, daß der Ischma'elit auf seinem Kamel
mit aufgerichteter Lanze unter dem erhobenen Knie eines der
Toten durchreiten konnte. Raba bar bar Chana wollte von ihnen
über das Gebot der Zizit (Schaufäden) lernen und schnitt dazu
eine Ecke von einem Gewand mit den Zizit ab. Plötzlich konnte
er sich nicht von diesem Ort wegbegeben - bis er die Zizit
zurückgab.

Diese Geschichte, wie alle dort erwähnten "Geschichten von
Raba bar bar Chana", enthalten metaphysische Anspielungen
und lassen sich natürlich nicht wörtlich nehmen. Vielmehr muß
man den tieferen Sinn herausfinden, wie er uns von den
rabbinischen Größen gedeutet wurde. Ich pflege dazu den
MaHaRaL (den "hohen Rabbi Löw) aus Prag und Rabbiner
A.J.Kuk heranzuziehen.

Mit dem "ischma'elitischen Händler" ist kein Anderer gemeint als
der menschliche Verstand, der die Weiten durchstreift,
Weisheit zu erwerben. Mithilfe dieser Weisheit wollte Raba bar
bar Chana die Besonderheit der Wüstengeneration ergründen.
Die strahlenden Gesichter deuten auf ein Gefühl tiefster
Vollkommenheit hin. Das Liegen auf dem Rücken zeugt
einerseits von einem starken Gefühl der Freiheit, andererseits
von "Blickkontakt" mit der höheren Welt. Dies gibt einen ersten
Eindruck von der Größe dieser Generation, die den Hauptteil
ihres Lebens fern von menschlicher Zivilisation zubrachte, fern
von der Beschäftigung mit materiellen Dingen und dem Körper,
während ihr Leben der Tora und dem Dienst an G~tt unter
Anleitung von unserem Lehrer Moscheh gewidmet war, im
Schatten der göttlichen Präsenz und des Heiligtums, unter den
"Wolken der Ehre", die das ganze Lager einhüllten.

Die spirituelle Größe jener Generation kommt in der
Körpergröße zum Ausdruck. Jener "ischma'elitische Händler"
reitet auf einem Kamel und hält die Lanze hoch, und trotzdem
reicht er ihnen noch nicht einmal bis ans Knie (geschweige denn
Augenhöhe). Das "Kamel" steht für den Körper, und der
"Händler" für die geistige Persönlichkeit. Die "Lanze" (Romach)
versinnbildlicht erworbene Weisheit, oder die 248 positiven
Gebote der Tora [Zahlenwert von Romach], die er erfüllt. Trotz
alledem reicht er der Generation der Weisheit, der
Wüstengeneration, nicht einmal ans Knie.

Raba bar bar Chana versuchte auch nur, den äußerlichsten
Bestandteil ihrer Persönlichkeit aufzunehmen, den Rand des
Gewandes, wo sich die Zizit befinden. Noch nicht einmal das
gelang ihm. Obwohl er es schaffte, die Ecke abzuschneiden -
doch konnte er sich nicht fortbewegen, bis er davon abließ.
Wem es gelingt, auch nur ein kleines bißchen von den
Eigenschaften der Wüstengeneration zu verinnerlichen, kann
sich nicht mehr vom Fleck rühren, er paßt nicht mehr in diese
unsere Welt, und er muß sich entscheiden: Verzicht auf diese
geistige Größe, oder Abkapselung auf Dauer von seiner
eigenen Umwelt.

In diesem Lichte erklärte Rabbiner Kuk die Frage, warum sie in
der Wüste starben und ihnen der Einzug ins Land nicht
vergönnt war. Diese gewaltige spirituelle Größe paßte nicht ins
Land Israel. Ähnlich wie unser Lehrer Moscheh, dessen
höchstgeistig inspirierte Führung nicht zum Leben im Lande
Israel paßte (und im Buche "Kol Hator" wird erklärt, daß
Entsprechendes auch auf Rabbiner Elijahu "Gaon" aus Wilna
zutraf, der deshalb seine Einwanderung nach Israel abbrach
und auf halbem Wege nach Hause umkehrte).

Die Größe der Wüstengeneration war geeignet, das Volk auf
den Eintritt ins Land vorzubereiten, damit das Leben im Lande
von der Bestrebung zehren konnte, diese Größe
wiederzuerlangen. Jene Generation konnte jedoch nicht beide
Vorzüge auf sich vereinen: das hohe spirituelle Niveau der
Wüstengeneration, und die praktische Verwirklichung der
erhabenen und heiligen Werte im tagtäglichen Leben im Lande.
So zog eine andere Generation ins Land ein, die mit seinen
materiellen Aspekten fertigwerden und mit dem langwierigen
Prozeß der spirituellen Erhebung beginnen konnte; nach dem
Motto "Wahrheit sproßt aus der Erde" (Psalm 85,12) - bis hin
zur Verknüpfung von Himmel und Erde, um die Erde zum
Himmel zu machen.

Diese Verbindung von Himmel und Erde symbolisiert der
himmelblaue Faden ("Tchelet") der Zizit. Der himmlische Faden
vereinigt sich mit den weißen, irdischen Fäden, wird mit ihnen
verknotet und umwindet sie, um die Erde zum Himmel zu
erheben und die Werte des Himmels zur Erde zu bringen.
 
 
 
Frage und Antwort

Behütete Nacht?!

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wie kann es angehen, daß ein so blutiger Terror-
Anschlag wie der in Netanya in der Seder-Nacht passierte, die
"behütete Nacht" genannt wird, behütet vor Schädigungen?!
Dazu erzählt man uns unzählige Geschichten, wie Juden in
jeder Generation gerade in dieser Nacht auf wunderbare Weise
gerettet wurden! Und der Anschlag wurde ausgerechnet auf
Leute verübt, die das Hauptgebot dieser Nacht, die Abhaltung
des Seders, ausführten! Diese Sache beunruhigt mich ganz
außerordentlich!

Antwort: Ein Segen, daß es Juden gibt, die sich dadurch
beunruhigt fühlen. Ein Zeichen, daß Sie ein wirklich religiöser
Jude sind, der an die göttliche Vorsehung und an die Lehren der
talmudischen Weisen glaubt. Mögen sich solche im jüdischen
Volke mehren.

Es bleibt uns also nur noch, die Worte der Weisen genau zu
verstehen. So heißt es in der Tora: "Eine Nacht der Obacht war
diese dem Ewigen" (Ex. 12,42), und im Talmud wird dazu
erklärt: "Eine Nacht, die vor Dämonen verwahrt ist" (Rosch
Haschana 11b). Es gibt allerdings noch andere talmudische
Deutungen dieses Begriffes (siehe dort und Pessachim 109b),
die in die Richtung zu weisen scheinen, diese Nacht sei nicht
besonders behütet. Das trifft jedoch nicht zu, denn nach dem
Toßafotkommentar (R.H. 11b "Leila") stimmen alle talmudischen
Weisen darin überein, diese Nacht besonders geschützt sei.

Der Torakommentar "Kli Jakar" (zu Ex. 12,42) behauptet
allerdings, daß nur die Nacht des Auszugs aus Ägypten vor
Schädigern behütet war, nicht aber die späteren Seder-Nächte,
und vielleich läßt sich so der Raschikommentar verstehen, der
dies mit folgendem Vers verbindet: "..und wird den Verderber
nicht kommen lassen in euere Häuser, um zu schlagen" (Ex.
12,23). Die übrigen Torakommentare erklären jedoch, daß alle
Seder-Nächte vor den Schädigern behütet sind und nicht nur
die ursprüngliche.

An anderer Stelle geben die talmudischen Weisen allerdings
eine andere Definition für "behütete Nacht": der Mensch sei
nicht automatisch geschützt, sondern im Gegenteil, "ganz Israel
müsse sich hüten" (Mechilta, Ende d.14.Kap.). Die großen
Rabbiner aus der Periode der Rischonim (vor etwa 1000
Jahren) bewiesen jedoch auch aus dieser Quelle, daß der
Mensch in dieser Nacht geschützt sei.

Unter einer Bedingung - erklärte Rabbiner Chajim Vital, Schüler
des großen Kabbalisten Jizchak Luria ("Ari sel."): daß er sich
mit Gebotserfüllung beschäftigt, oder wenigstens keine Sünde
begeht. Ebenso entschied Rabbiner Moscheh Isserles in seinen
[für aschkenasische Juden maßgeblichen] Zusatzklauseln zum
Schulchan Aruch: "...und manche sagen, man müsse 'schefoch
chamatcha etc.' vor 'lo lanu' sagen und dazu die Haustür öffnen,
um daran zu erinnern, daß es eine behütete Nacht ist, und
durch das Verdienst dieses Glaubens bringt man den
Maschiach ("Messias"), und [G~tt] schüttet seinen Zorn aus
über die G~ttesleugner" (O.C.§480,1), und die "Mischna Brura"
fügt hinzu: "und man fürchtet sich vor gar nichts" (ebda.,§10).

Ferner heißt es im Schulchan Aruch: "..und beim Nachtgebet ist
es Brauch, nur das Schma-Gebet zu sprechen, nicht aber die
anderen Dinge, die man in allen anderen Nächten zum Schutze
betet, denn es ist eine vor den Schädigern behütete Nacht"
(O.C. §481,2). Man betet außerdem nur noch den Segen
"Hamapil" (siehe Gebetbuch; "Mischna Brura" ebda.,§4).

Trotz alledem bin ich mir Ihrer Zustimmung sicher, diesen Grund
nicht zum Anlaß zu nehmen, alle Soldaten der israelischen
Verteidigungsstreitkräfte für diese Nacht vom Dienst zu
befreien. Und warum nicht? Weil diese Nacht "von den
Schädigern behütet ist", d.h. von Dämonen, eine Art abstrakte,
spirituelle Geschöpfe, aber nicht von allen möglichen Feinden.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel aus dem Talmud: dort wird die
erstaunte Frage gestellt, warum man beim Seder vier Becher
Wein trinkt, das sei doch eine gerade Zahl, was bestimmte
spirituelle Probleme verursachen könnte - und eine der
Erklärungen lautet, daß diese Nacht eben vor den Schädigern
behütet sei (Pessachim 109b). Mit anderen Worten: es geht hier
um ein mystisches, sehr feinsinniges Problem, und obendrein
sehen viele Leute in "Paaren" generell keinen Grund zur
Beunruhigung.

Bei den Dezisoren gibt es noch andere Beispiele für
Schutzmaßnahmen gegen solche mystisch begründete
Gefahren: Salzstreuen auf Matza, das Vergießen von Wasser in
der Nachbarschaft eines Toten, die Aufbewahrung von
Nahrungsmitteln unter dem Bett, ein geschältes Ei über Nacht,
Kurzwiederholung der "Schmone-Esre" im Schabbat-
Abendgebet. Manche wollten das rituelle morgendliche
Händewaschen zur Beseitigung spiritueller Unreinheit
abschaffen, doch wurde deren Ansicht nicht akzeptiert. Doch
alle diese Schutzmaßnahmen waren nicht gegen handfeste,
physische Gefahren gerichtet. Der Kommentar "Kaf Hachajim"
zum Schulchan Aruch schrieb wie folgt: "An einigen Orten
herrscht der Brauch, die Schlafzimmer in der Pessach-Nacht
nicht abzuschließen... man sollte keine Türe offenstehen lassen,
weil die Gefahr durch Diebe groß ist" (zu O.C.§480, Anm.16).
Wenn es dort keine Diebe gibt, läßt man die Türen offen, nicht
aber, wenn mit Dieben gerechnet werden muß - und erst recht
mit Mördern. Weiter erwähnte er: "..und MaHaRiL schrieb, die
Türen nicht mit einem starken Riegel zu verschließen; doch wo
die Schädigung häufig ist, vertraue man nicht auf Wunder" (zu
O.C.§481, Anm.15).

Das ist die Regel: Mystisch-spirituellen Gefahren begegnet man
mit mystisch-spirituellen Abwehrmitteln, praktisch-physischen
Gefahren begegnet man mit praktisch-physischen
Abwehrmitteln. G~ttseidank sind wir ein kluges und einsichtiges
Volk, das sich nicht von falschen Vorstellungen einlullen läßt.
Gegen mörderische Terroristen, den Abschaum der
Menschheit, kann man nur mit Waffen vorgehen und muß sie
restlos vom Angesicht der Erde hinwegschaffen. Gegen diese
"Dämonen" reicht die Heiligkeit der Seder-Nacht nicht aus,
sondern die Heiligkeit der Waffen von Zahal, der israelischen
Verteidigungsstreitkräfte.

Man muß sich auch vor geistigen Schädigern inachtnehmen,
wie die Einbildung, jene abstoßenden Mörder seien
friedensfähig und Schüler von "Aharon, der den Frieden liebt
und den Frieden sucht" (Sanhedrin 6b). Jene Gedanken zeugen
von geistiger Korruption, die furchtbaren Schaden anrichtet und
viel unschuldiges Blut vergießt.

Gegen jene muß man sich passende Waffen halten: "..und wird
den Verderber nicht kommen lassen in euere Häuser, um zu
schlagen" (s.o.) - und diese Waffen auch benutzen. So wird
Frieden im Lande einziehen.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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http://www.israelnn.com
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