DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT RE'E
Nr. 367
25. Aw 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 11,26-16,17):
Segen und Fluch - abhängig von freier Entscheidung;
Vorschriften bezügl. des Opferdienstes, falsche Propheten,
koschere Tiere, Erlaßjahr, Pessach-, Sukkotopfer.
 

Der Stand der Dinge...
Wahl und Erwählung
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Zwei Charakteristika des jüdischen Volkes bilden gemeinsam
die Heiligkeit Israels und seine Verbindung zu G~tt - das
unveränderliche Merkmal und die individuelle
Entscheidungsfreiheit.

Das unveränderliche Merkmal, die mit unserer Natur
verwobene Heiligkeit, ererbten wir von unseren Vorvätern.
Dieses Merkmal besteht aus einer heiligen, inneren Kraft in der
Natur der Seele, begründet im Willen G~ttes, gleich der Natur
einer jeden Sache in der Existenz, die sich nicht ändern läßt
(Rabbiner A.J.Kuk, Igrot, §555), wie es heißt: "Denn ein heiliges
Volk bist du dem Ewigen, deinem G~tte, und dich hat der Ewige
aus allen Völkern auf Erden erwählt, daß du ihm als Volk ein
Kleinod seiest" (Dt. 14,2); Raschikommentar: "Du hast deine
eigene, von den Vätern stammende Heiligkeit und außerdem
hat dich der Ewige erwählt". Nicht wir wählen G~tt, sondern
G~tt erwählte uns, wie im Segensspruch zum Ausdruck kommt:
"...der uns aus allen Völkern erwählt hat" (Morgengebet und vor
der Toralesung).

Andererseits verfügen wir auch über Entscheidungsfreiheit.
Die Entscheidungsfreiheit dient der Offenbarung des natürlichen
Merkmals des jüdischen Volkes, und darum hängt alles nicht
nur von der Natur ab, sondern auch von der Mehrheit der guten
Taten und der Tora, die wir ausführen bzw. lernen. Dieser
Zusammenhang von unveränderlichem Merkmal und
Entscheidungsfreiheit wird durch die Aufeinanderfolge jener
Verse angedeutet: "und dich hat der Ewige aus allen Völkern
auf Erden erwählt, daß du ihm als Volk ein Kleinod seiest", und
"Du sollst nichts, was ein Greuel ist, essen" (Dt. 14,3). Wer sich
entscheidet, kein Greuel zu essen, offenbart damit ausdrücklich
seine Wahl, den Willen seines Schöpfers zu erfüllen.

Nach dem Stand der Dinge müssen wir, wenn wir unseren
Nächsten im Hause Israel unserem himmlischen Vater
näherbringen wollen, uns vor allem auf das unveränderliche
Merkmal eines jeden Juden konzentrieren, d.h. auf die gute und
reine Seele, die er wie ich als Angehörige des jüdischen Volkes,
des heiligen Volkes erhalten hat, das sich der Heilige, gelobt sei
er, aus allen Völkern auf Erden erwählte, ihm als Volk ein
Kleinod zu sein. Es kommt dabei überhaupt nicht darauf an, ob
der Betreffende religiös oder nichtreligiös ist, oder welcher
Strömung er angehört. Alle verfügen über diegleiche heilige
Kleinodeigenschaft.

Dem steht der Aspekt der Entscheidungsfreiheit des Menschen
gegenüber; seine Verhaltensweise, seine Ansichten und seine
Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppierung sind alles
veränderliche und ständig wechselnde Dinge, die nicht den
zentralen Maßstab unseres Verhältnisses zum Nächsten bilden
sollten. Natürlich haben wir die Pflicht, uns und unseren
Nächsten im richtigen Verhalten zu üben, dies jedoch im
sicheren Glauben an das göttliche Versprechen "Kommen wird
für Zion ein Erlöser und für die reumütigen Sünder in Jakov,
spricht der Ewige. ...mein Geist, der auf dir ruht, und die Worte,
die ich in deinen Mund gelegt habe, sie sollen nicht aus deinem
Munde weichen und dem Munde deiner Kinder und dem Munde
deiner Kindeskinder, spricht der Ewige, von nun an bis in
Ewigkeit" (Morgengebet).
 
 
 
Frage und Antwort

Das Volk auf der Höhe

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wenn ich heute eine Zeitung aufschlage, wird mir
schwarz vor Augen. So viel Pessimismus, als stünde unser
Untergang kurz bevor. Wie kann man mit so vielen schlechten
Nachrichten fertigwerden?

Antwort: Wir sind sehr optimistische Menschen. G~ttseidank ist
die Stimmung in Wirklichkeit gut. Ich liebe unser Volk.

Ab und zu tauchen Lügenpropheten mit finsteren
Prophezeiungen auf: das Volk sei müde, es stehe vor dem Aus,
wir lebten in einer Periode des Post-Zionismus, wir werden nicht
mit den gesellschaftlichen und den militärischen Problemen
fertig. Lug und Trug! Wir wußten immer schon, daß die
Wirklichkeit viel besser aussieht, wir kennen das Volk Israel
nämlich genauer. Heute braucht man noch nicht einmal
besonders tief zu schürfen, man kann es schon mit bloßem
Auge erkennen. Im Gegenteil: wer behauptet, das Volk sei
müde, der ist müde, und es scheint ihm, alle seien wie er.

Die Schwerenöter behaupten: das Volk sei schwach und habe
keine Motivation zu kämpfen, es will bloß seine Ruhe. Mach die
Augen auf und sieh dir die Freiwilligen der Mission "Chomat
Magen" an! Viele Juden, die gar nicht einberufen worden waren,
wollten unbedingt einrücken, auch Väter kinderreicher Familien,
sogar aus dem Ausland. Soldaten stritten darum, wer als erster
in den Schützenpanzer darf. Hier ist nicht von einigen wenigen
Einzelnen von den frömmsten der Frommen die Rede, sondern
von einer Erscheinung, die quer durch die Bevölkerung ging,
durch alle Schichten und alle Schattierungen. Alle waren voller
Freude und Begeisterung im Kampf mit vollem Einsatz für unser
Volk und unser Land - alle gemeinsam.

Dieses "alle gemeinsam" ist eine große Sache. Die
Lügenpropheten der Finsternis warnten: das Volk sei geteilt und
gespalten, zerstreut und getrennt. Das Volk hat einen Riß! Um
Himmels Willen - das Volk hat doch keinen Riß! Wer das
behauptet, hat selber einen Riß. Er ist es, der einen Riß
verursacht. Diese Prophezeiung hat schon einige Mutationen
hinter sich. Einmal hieß es: Es gibt einen furchtbaren Riß
zwischen Aschkenasim [europäischen Juden] und Sefaradim
[orientalischen Juden]. Ach wo! Vollkommen bedeutungsloses
Gerede. Man muß sich einmal vergegenwärtigen, wenn in
einem Volk von 5 Millionen Seelen selbst 50.000 Leute
Spannungen zwischen Aschkenasim und Sefaradim
verursachen, so handelt es sich doch nur um 1% der
Bevölkerung, eine zu vernachlässigende Randerscheinung
ohne repräsentative Bedeutung.

Manche behaupteten: Das Volk in Zion stehe am Rande eines
Bürgerkrieges wegen der unüberbrückbaren Unterschiede
zwischen Religiösen und Nichtreligiösen; kompletter Unsinn! Sie
kommen sehr brüderlich miteinander aus. Natürlich gibt es auch
hier Randgruppen. Großes Volk, große Randgruppen. Ich
kannte einen Nichtreligiösen, ein eingefleischter
Religionshasser, der die Religiösen tagtäglich mit Hohn und
Spott überschüttete. Eines Tages wurde er selber religiös, und
von nun an überschüttete er die Nichtreligiösen mit den
Auswüchsen seines Hasses. Er ist eben ein Typ der haßt,
streitet und spaltet, einmal ohne Käppchen, und einmal mit
Käppchen. Er repräsentiert uns nicht.

Andere sagten: Das zentrale Problem unserer Gesellschaft
besteht im Riß zwischen rechts und links, der in einer
Bruchlandung enden wird. Leeres Gerede; sie kommen
miteinander aus, reden miteinander, kämpfen gemeinsam "Einer
für Alle, Alle für Einen", außer einigen verschworenen
Militanten. Natürlich gibt es hier und da Reibungen, wir sind
schließlich nur Menschen und keine Engel - doch das
Gesamtbild sieht so aus: "Und wer ist wie dein Volk Israel, ein
einziges Volk auf Erden" (Chronik I, 17,21), ein einziges und
einiges Volk! In Wirklichkeit sind die Nichtreligiösen gar nicht so
unreligiös. In einer Gruppe Reservisten schlug der nichtreligiöse
Kommandeur nach Beendigung des Einsatzes vor, zur
Klagemauer zu gehen und das Gebet bei Errettung aus Gefahr
zu beten. Alle stimmten zu. Die Klagemauer gehört uns allen.

Das Volk ist nicht müde und auch nicht geteilt - und auch nicht
post-zionistisch. Sieh doch nur die Begeisterung, welches
zionistisches Erwachen. Plötzlich diskutiert man wieder über
den Staat, über die Heimat und über den Zionismus. Vor einiger
Zeit wurde dieses Thema als etwas unmodern erachtet. Wie
sich nun herausstellt, war das ein Fall von Verdummung,
Ablenkung und Unter-den-Teppich-kehren. Heute sagt man laut
heraus: Das ist unser Land! Das ist unsere Heimat! Wir werden
hier keinen "Palästinenser"staat aufmachen! Wir erwachen aus
dem eingebildeten Winterschlaf und sind zionistischer denn je.

Mein Optimismus ist keine oberflächliche Prophetie, sondern die
wahre Sicht der Lage, und beinhaltet zwei wesentliche Aspekte:
1. Das Gute überwiegt das Schlechte, das Licht besiegt die
Finsternis. Schauen Sie das ganze Bild an und sehen Sie mit
eigenen Augen, wie das Volk in Zion voller Licht ist. Urteilen Sie
mit wissenschaftlicher Genauigkeit.
2. Der dynamische und ablauforientierte Ausblick: die Dinge
entwickeln und verbessern sich ständig. Natürlich gibt es auch
Probleme und Krisen, aber alles in allem kommen wir voran! Die
Schwarzmalerei der Lügenpropheten entpuppte sich als
Erfindung. Wobei irrten sie? Sie berücksichtigten nur einige
Teilaspekte und entschieden, daß diese die Zukunft bestimmen
würden. Ein doppelter Irrtum: Erstens muß man alle Aspekte
berücksichtigen, und zweitens, und das ist die Hauptsache,
muß man das Potential betrachten, das noch im Verborgenen
ruht. Hier haben wir einen rohen, leeren Acker vor uns, und die
Vorhersage lautet: dabei kommt nichts heraus. Irrtum! Die Saat
wartet in der Erde auf den ersten Regen, und dann sprießt sie
plötzlich hervor. Urteilen Sie nicht nur nach der jetzigen Realität,
sondern vor allem nach dem Potential.

Welch großartige Generation! Welch ausgezeichnete
Generation! Welche Generation voller Aktivität und Kreativität!
Welche wunderbare Generation, die nicht ihresgleichen findet in
unserer langen Geschichte! Sehen Sie sich an, was diese
Generation in den letzten 120 Jahren geschaffen hat! Sie
verwandelte ein ödes Land in einen Garten G~ttes! Ein reiches
Land! Es gibt dafür einen Index, den sogenannten
Globalisationsindex, der alle wirtschaftlichen, gesellschaftlichen
und charakteristischen Faktoren eines jeden Staates
berücksichtigt. Unter 200 Staaten der Welt nennt dieser Index
die 20 führenden Nationen - und wir gehören dazu. Letztes Jahr
waren wir auf Platz 19, und dieses Jahr auf Platz 18.

Das Volk kehrt nach Zion zurück! Wir sind schon Millionen!
Was für eine ausgezeichnete Armee haben wir! Die Tora kehrt
zurück ins Land Israel!

Sicher gibt es auch Schwierigkeiten. Man muß aber alles im
rechten Verhältnis sehen, in der richtigen Perspektive. Lassen
Sie sich nicht von einer Nebensächlichkeit überrumpeln, die
Ihnen dann als Hauptsache vorkommt. Das ist eine schlechte
Eigenschaft, für die man bußfertige Umkehr tun muß.

Auch wer behauptet, das Volk sei müde, muß Umkehr tun.
Anstatt all die wunderbaren Dinge zu sehen, die vor uns
ablaufen und geschehen, fixiert er sich auf einen kleinen
Schwachpunkt.

Die Behauptung, das Volk sei gespalten, ist nichts anderes als
üble Nachrede und Verleumdung und zeugt von schlechtem
Charakter. Anstatt zu erstaunen über die vielen Anzeichen der
Einigkeit in der Nation, sie zu loben und zu preisen -
konzentriert man sich auf ein paar Randpersonen. Das ist
weder wissenschaftlich noch wahrhaftig, und auch nicht ethisch.
Sehen Sie sich alles an!

"..der das Licht gebildet und die Finsternis erschaffen, er stiftet
Frieden und erschafft alles" (Morgengebet). Im Vers
(Jeschajahu 45,7) heißt es jedoch: "...er stiftet Frieden und
erschafft Unheil". So ist das eben, in der Realität gibt es auch
Unheil. Wenn man sich aber alles betrachtet, und das Unheil
darin als Teil des Ganzen aufgeht, dann ist es schon nicht mehr
ganz so schlecht, es geht in der Mehrheit unter in
homöopathischer Verdünnung und wandelt sich zum Guten.

Während des Jom-Kippur-Krieges machte sich eine
niedergedrückte Stimmung breit. Da kam die Weltzentrale der
"Bnei Akiva" auf die großartige Idee, wöchentlich eine
Sammlung ausschließlich positiver Zeitungsartikel zu
veröffentlichen, voller Mut und Heldentum, Freude und
Aufrichtigkeit, Liebe zu den Geschöpfen und des Guten. Das
ergab eine dicke Sammlung! Wir brauchen keine neue Zeitung.
Wir brauchen bloß das Gute aus allen Zeitungen
herauszusuchen, das ergibt die wahre Zeitung unseres großen
Volkes.
 

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