DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NOACH
Nr. 32
3. Marcheschwan 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Gen. 6,9-11,32)
Sittenverfall, Bau der Arche, Sintflut 150 Tage, Neubesiedlung
der Erde, noachidische Gebote, Noach betrunken, Sünde
Chams, Nachkommen Schem, Cham und Jafets, Turmbau zu
Babel, Sprachenverwirrung, die Generationen bis Awra(ha)m
und Sara(i).
 
Frage und Antwort

Wir sehnen uns nach Frieden

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wollen wir überhaupt Frieden?

Antwort: Wir sind viel mehr für Frieden als eine ganze Menge
Leute, die sich zum sogenannten "Friedenslager" zählen. Wir
freuen uns über jede Möglichkeit und jeden Anlauf zum Frieden
- mehr wie andere. Das hat zwei Gründe: 1. Wir wollen Frieden
nicht nur zu unserem persönlichen Nutzen und aus Sorge um
unsere Soldaten, sondern auch aus Liebe zum Frieden als
Ideal. 2. Weil wir so sehr den Frieden lieben, möchten wir auch,
daß er für mehrere Generationen hält, d.h. ein gerechter und
dauerhafter Frieden.

Diese beiden Punkte gehören zusammen: Weil wir das
erhabene Ideal des Friedens lieben, und nicht den "nützlichen
Frieden", besteht die Möglichkeit, daß er auf ewig bestehen
bleibt.

Warum wollen wir so sehr Frieden? Weil wir auch andere
Völker lieben, wie wir jeden Tag in unserem Gebet "Alenu
leschabe'ach" sagen: "...die Welt durch die Herrschaft des
alleingenügenden zu ordnen, so daß alle Sterblichen Deinen
Namen anrufen". Wir beten für die ganze Menschheit, daß es
Allen gut gehe, daß Alle auf spirituellem und ethischem Gebiet
vorankommen. "Rabbi Akiva sagte: ... Bevorzugt ist der
Mensch, daß er im Ebenbilde erschaffen ist" (Mischna "Sprüche
der Väter", 3,18). Jeder Mensch ist von G~tt bevorzugt. Das
schließt nicht G~ttes Liebe zu Israel aus, die von intensiverer
Natur ist. Der gleiche Rabbi Akiva sagte nämlich: "Bevorzugt
sind Israel, daß sie G~ttes Kinder genannt sind" (ebda.).
Unserem Vorvater Awraham wurde verheißen: "..und es werden
sich segnen mit dir alle Geschlechter des Erdbodens" (Gen.
12,3). Rabbiner Awraham Jizchak Kuk schrieb: "Ich liebe Alles,
ich kann nicht anders als alle Geschöpfe und alle Völker zu
lieben" (Arpelej Tohar 31). Er hegte niemals Haßgefühle gegn
Nichtjuden. Als in einer Zeitung Anzeichen von Haß gegen
Araber erschienen, distanzierte er sich davon (Igrot II,§56+§67).

Wie bereits oben angedeutet, gibt es zwei Arten von Frieden:
einerseits den taktischen, egoistischen und darum unechten
Frieden - zum Beispiel wenn zwei Leute um eine Bettdecke
streiten. Sehr bald erkennen sie, daß sich der Streit nicht lohnt.
Der Verlierer ist sicher nicht glücklich, und auch der Gewinner
muß Federn lassen. Darum teilt man lieber. Doch darin besteht
kein Ideal, denn sobald der eine eingeschlafen ist, zieht der
andere die ganze Decke zu sich herüber. Dann wacht der
Unbedeckte auf, und so geht es dann die ganze Nacht hin und
her.

Ein auf Egoismus und Interessen gebauter Frieden, bei dem
jede Seite die andere am liebsten schlucken, töten, vom
Angesicht des Erdbodens ausradieren und ihr gesamtes
Territorium erobern will - nur daß sie keine Chance sieht, dies
durch Krieg zu erreichen, und es darum auf dem Wege des
Friedens versucht - ist kein wahrer, dauerhafter Frieden, und
die talmudischen Weisen bemerkten dazu: "Eine Vereinigung,
die keine reinen Beweggründe zu reinen Zwecken hat, hat
schließlich keinen Bestand" (Mischna "Sprüche der Väter",
4,14). Wenn der Friedensvertrag egoistische Zwecke verfolgt,
hat er keinen Bestand. Nur wenn er reine Beweggründe
verfolgt, aus echtem Willen heraus, besteht er auf Dauer (Rav
A.J.Kuk, Olat Ra'aja I S.257).

Man darf das Wort "Schalom" (=Friede) nicht im WC
aussprechen, denn "Schalom" lautet auch einer der
G~ttesnamen (Schabbat 10b). Es gibt aber eine Art "Schalom",
der zum WC paßt, erklärte Rabbiner Kuk, "zu den Niederungen
des menschlichen Materialismus", zum "äußerlichen Schmutz,
der auf dem Felsen der Eigenliebe zerspringt" (Ejn Aja zur
Stelle).

Man muß vor allem wissen, mit wem man es zu tun hat. Bei den
Verhandlungen über eine nukleare Abrüstung zwischen der
Sowjetunion und den USA wurde der damalige amerikanische
Verteidigungsminister McNamara einmal gefragt, ob er denn
den Russen vertraue, daß sie nicht irgendwo in den Weiten
ihres Landes weiterhin Atomwaffen produzierten. Er antwortete
darauf mit der Geschichte vom Jäger, der in den Wald zur Jagd
ging, einen Bären sichtete und sogleich auf ihn anlegte. Da
fragte ihn der Bär: Was soll das? Erwiderte der Jäger: Ich habe
vor, dich zu töten, denn ich brauche einen Pelz für den Winter.
Da sagte der Bär: Was für ein Zufall! Auch ich wollte dich töten,
denn ich habe schon drei Tage lang nichts gefressen. Hör zu,
wir beide haben legitime Forderungen. Ich schlage darum vor,
ohne Vorbedingungen gemeinsam zu verhandeln, so werden wir
sicher zu einem gerechten und dauerhaften Frieden zwischen
uns beiden kommen, der die legitimen Interessen beider Seiten
berücksichtigt. - Das leuchtete dem Jäger ein, der den Bär
daraufhin in seine Höhle begleitete. Nach einer knappen Stunde
kam der Bär alleine heraus. Und wirklich, alle Forderungen
waren erfüllt worden. Der Bär hatte seine Mahlzeit intus, und
der Jäger war von einem warmen Pelz umhüllt. Zweifellos eine
gerechte und sehr dauerhafte Lösung.

Natürlich ist das kein Frieden, sondern ein zynischer Gebrauch
des Friedens, um die Gegenseite zu schlucken. Wir sind nicht
für so einen Frieden. Wir sind für echten, ernsthaften Frieden,
der hält.

Es gibt Pazifisten, Freunde des Friedens, Träumer, die dem
Glauben anhangen, um Frieden zu bringen brauche man nur
guten Willen. So geht das nicht! Für den Frieden muß man den
Menschen von Grund auf ändern, denn in ihm sitzt auch "das
Tier im Menschen". Einerseits enthält er das "Ebenbild G~ttes",
die göttliche Seele, daneben aber auch die tierische Seele.
Diese bricht in den Beziehungen des Menschen zu seinem
Nächsten hervor, zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern
und Kindern, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, und
zwischen dem einen Volk und dem anderen. Kain tötete Hewel
("Abel"), weil er ein gewalttätiger Mensch war. Der Herr der
Welt sprach vorher zu ihm: Ich nehme dein Opfer nicht an, weil
du gewalttätig bist. Zwar hast du nichts verbrochen, doch diese
Neigung steckt in dir. "Vor der Türe lagert die Sünde" (Gen.
4,7), sie kann jeden Moment aktiv werden, wie es dann ja auch
geschah.

Der Grund für Kriege liegt im Ausbruch des Tieres im
Menschen. Die Ausmerzung dieses Bösen ist keine leichte
Arbeit. Der Schriftsteller Tolstoi war ein radikaler Anhänger des
Gewaltverzichtes: Selbst gegen Gewalt dürfe man nicht mit
Gewalt antworten, denn jede Gewalt ziehe nur noch mehr
Gewalt nach sich. Jemand fragte ihn: Und wenn ich einen Mann
sehe, der den Schädel eines Säuglings an einem Felsen
zerschmettern will? Da lächelte Tolstoi: Das wird es niemals
geben. Er sah nicht, was in der Schoa geschah!

Unsere Propheten waren Realisten. Sie sprachen über die
Vision des Friedens. Sie waren die Ersten, die darüber
sprachen - und nicht das "Bhagavad-Gita" Indiens oder der
Kodex Hamurabi. Sie wußten allerdings auch, daß es nicht
reicht, nur über den Frieden zu reden, man muß auch die Natur
des Menschen ändern. Doch das dauert seine Zeit, und was
machen wir inzwischen? In der Zwischenzeit müssen die
Bösewichte, der Abschaum der Menschheit und Sitz des Tieres
im Menschen - von ihren Waffen getrennt werden! Die
Friedensbringer der Welt, "die das Schwert abschaffen, die
Kinder Israels - müssen sich am Anfang mit dem Schwert
gürten" (Ejn Aja Schabbat). Das ist sicher nicht der endgültige
Frieden, das Ideal, von dem die Pazifisten träumen. Ideal ist
auch nicht die Kriegslust von Nietzsche und Renan, die etwas
Positives im Kriege sahen. Nein! Das ist böse! Doch dieses
Böse ist eine zwangsläufige Übergangslösung. Unser Lehrer,
Rabbiner A.J.Kuk schrieb, die Anhänger von Gerechtigkeit und
Frieden begnügen sich nicht mit schönen Reden, denn auf
Bösewichte wirken Reden nicht im geringsten, im Gegenteil, sie
sind noch froh über das Friedensgerede, über die Veranstaltung
von Friedensgesprächen, denn während dieser Zeit können sie
ungestört ihre finsteren Ziele verfolgen und unschuldige
Menschen schlagen. Sie ermutigen noch diese Naiven und
nutzen sie aus. Sie befürworten eine beidseitige Feuerpause;
d.h., wir "pause" und sie "Feuer".

Natürlich werden wir niemals auf die große Vision des Friedens
verzichten, doch eine übertriebene Eile bei deren Verwirklichung
führt selbst zum Kriege - natürlich nicht mit Absicht. Die
Versöhnung mit Bösewichten ist die Urmutter aller Kriege.

Neville Chamberlain, vor dem 2. Weltkrieg britischer
Regierungschef, sah sich den territorialen Forderungen Hitlers
gegenüber, dem es zu eng war in Deutschland und deshalb
nach mehr Lebensraum verlangte; dazu brauchte er dringend
einen Teil der Tschechoslowakei, wie Luft zum Atmen. Da sagte
Chamberlain: Gebt es ihm, und uns bleibt so noch ein Krieg wie
der [erste] Weltkrieg erspart. Daraufhin wurde eine
internationale Konferenz veranstaltet, auf der einen Seite die
bösen Deutschen und die Italiener, die ihnen halfen, böse zu
sein, und auf der anderen Seite die ängstlichen Engländer mit
den Franzosen, die ihnen halfen, ängstlich zu sein. Man
beschloß, den Deutschen alle Gebiete der Tschechoslowakei
mit mehr als 50% deutscher Bevölkerung zuzusprechen. Die
besorgten Tschechoslowaken riefen: Damit verlieren wir alle
unsere Verteidigungsanlagen! (Diese waren gewaltig und galten
als unüberwindbar). Jetzt sind wir den Deutschen ungeschützt
ausgesetzt! Die Deutschen beruhigten sie: Was braucht ihr
diese Dinge denn, wo wir doch jetzt Frieden haben? Wir sind
doch Freunde! Wie konntet ihr das vergessen? So fand die
Sudetenfrage bekanntlich ihre friedliche Lösung. Bei seiner
Rückkehr nach England stieg Chamberlain aus dem Flugzeug
mit dem Friedensvertrag in der Hand: "I bring you peace".
Worauf Churchill erwidert haben soll: "You bring a piece of
paper"... Kurze Zeit später marschierten die Deutschen in die
Tschechoslowakei ein und eroberten sie mühelos. Darob waren
die Engländer sehr erbost, betonten allerdings: Wir haben
schon so viel für den Frieden nachgegeben - geben wir halt
noch ein wenig nach. Dieses Argument wurde umso populärer,
je mehr sie nachgaben. Zum Schluß stellten sich die Engländer
auf ihre Hinterbeine und sagten: Schluß mit dem Nachgeben!
Da brach der zweite Weltkrieg aus.

Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: Der Versöhnliche gibt
dem Bösewicht mehr und mehr nach, der andererseits immer
mehr fordert, bis der Erstere an "rote Linien" gelangt, die er
nicht mehr zu überschreiten bereit ist - um dann als
Verantwortlicher für den Krieg hingestellt zu werden, der
daraufhin ausbricht.

Der naive Pazifist verursacht den Krieg. Kenne den Feind, ob er
wirklich den Frieden liebt und danach strebt, oder ob ihm nur
alle Mittel recht sind, seine finsteren Ziele zu erreichen.

Wie wissen wir das im voraus? Öffne deine Augen, öffne deine
Ohren und höre! Wir sind wirklich für Frieden. Nicht erst seit
heute, sondern seit unserem Vorvater Awraham. Unsere
Nachbarn jedoch sind Freunde des Krieges, auch
untereinander, in ihren Schulen lehren sie Haß und in ihren
Massenmedien rufen sie zu Mord auf. Wir dagegen lehren
unsere Kinder nur Liebe, ebenso der ganzen Nation. Und jene
lehren Haß. Und das nicht erst seit heute, wie Rabbiner
Moscheh ben Maimon ("Maimonides") schrieb, wie schon König
David es schilderte: "Ich bin für Frieden, und ob ich auch rede,
sie wollen Krieg" (Psalm 120,7; aus dem Sendschreiben an die
jemenitischen Juden "Igeret Teman").

Wenn sie beweisen wollen, daß sie es mit dem Frieden wirklich
ernst meinen, müssen sie uns ersteinmal um Verzeihung bitten.
Wir kehrten vor ca. 120 Jahren in unser Land zurück und haben
keinem Araber etwas zuleide getan, im Gegenteil, wir haben
ihre Lage verbessert. Und sie mehren in unserem Land Witwen
und Waisen. Also erstmal müssen sie um Verzeihung bitten!

Danach müssen sie uns Schadensersatz leisten. Wieviel
Schaden haben sie verursacht! Ununterbrochen zerstören sie
und stürzten uns in Kriege, die Millionen kosteten. Nach dem
ersten Weltkrieg wurden die Deutschen zur Zahlung von
Reparationen in Höhe von 132 Milliarden Goldmark verpflichtet.
Auch wir benötigen Reparationen für unsere Armen, für die
Waisen und die Witwen.

Drittens: Rückgabe aller geraubten Güter, vor allem das Land,
das sie uns gestohlen haben! Das ganze Land in seinen
biblischen Grenzen gehört uns! Sie nutzten unsere
Abwesenheit, um sich brutal unser Land unter den Nagel zu
reißen! Sie müssen uns alles zurückgeben. Wir haben nichts
gegen Gastfreundschaft zugunsten nichtjüdischer Nachbarn.
Doch zuallererst muß klar sein, daß dieses Land uns gehört.
Wenn nicht - redet ihr nicht vom Frieden. Ihr betrügt! Schon seit
Monaten und Jahren betrügt ihr! Und die Juden, die auf euch
hereinfielen, lieben den Frieden nicht so, wie wir den wahren
und dauerhaften Frieden lieben, der erscheinen wird, wenn sich
die menschliche Seele ändert und vom "Tier im Menschen"
befreit. In der Zwischenzeit sind wir für Frieden durch Abrüstung
- Abrüstung aller Nachbarn, die in unserer Mitte wohnen, und
auch der anderen. Wir werden weiterhin an unseren Waffen
festhalten, solange wir sie zur Selbstverteidigung brauchen.
Wer seine Rüstung allerdings zum Morden gebraucht, muß sie
abliefern.

In den großen Palast des ewigen Friedens durch Friedensliebe
unter allen Völkern gelangen wir nur durch den Vorraum der
Entwaffnung der Mörder. - Friede sei mit euch, und Friede
euren Behausungen, und Frieden über allem, was euch gehört.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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