DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TEZE
Nr. 369
9. Elul 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 21,10-25,19):
Die Kriegsbraut, geliebte u. gehaßte Frau, ungehorsamer Sohn,
Fundsachen, Dachgeländer, div. Eherecht, Verhältnis zu
Nachbarvölkern, Entlohnung, Zinsen, Pfand, Schwagerehe,
Ehefrau greift in Streit ein, korrekte Gewichte, gedenke Amalek.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Wenn du in den Krieg ziehst...

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Vor genau 7 Jahren erschien unsere Spalte "Am
Schabbestisch..." zum ersten Mal. Damals schrieben wir wie
folgt:
Das Thema der Kriegsethik und die moralische Lauterkeit der
Armee beschäftigten unser Volk seit seinen historischen
Anfängen. In diesem Zusammenhang bietet unser
Wochenabschnitt wertvolle Quellen.

Der Abschnitt beginnt mit den Gesetzen von der "schönen
Frau". In moralischer Hinsicht ist dies zweifellos eine äußerst
negative Angelegenheit. Es ist jedoch nicht die Art der Tora,
Probleme der Kriegsethik durch Befehle und gerichtliche
Untersuchungskommissionen zu lösen. Sie kennt selbst die
verborgensten Winkel der Seele des Menschen, der im Sturm
des Kriegsgetümmels zu einem wilden Tier wird. Sie gebietet
ihm keine vollkommene Selbstbeherrschung in dieser Stunde.
Er muß sich mit Herz und Seele auf den Kampf konzentrieren.
Man kann den Soldaten nicht den gleichen Gesetzen wie denen
des Zivillebens unterwerfen.

Die wesentliche Auseinandersetzung mit den ethischen
Problemen geschieht jedoch viel früher, und zwar auf der
Erziehungsebene im Bereich der Feldroutine. "Wenn du ins
Lager ausrückst gegen deine Feinde, so hüte dich vor jeder
Schlechtigkeit" (Dt. 23,10), vor jeder Blöße. Der Soldat im
israelischen Armeelager benimmt sich nicht wie ein wildes Tier.
Seine Bedürfnisse erledigt er wie ein Mensch, hütet sein
Mundwerk vor lotterlicher Redeweise und hängt keine
unanständigen Bilder auf. Wenn der Soldat nach so einer
seelischen Vorbereitung in den Kampf zieht, kann man
annehmen, daß er sich wie ein Mensch und Jude zu benehmen
weiß.

Wollen wir nun einen weiteren Aspekt hinzufügen. Die Weisung
der Tora erscheint uns nach dem Vorgenannten umso
erstaunlicher.

Warum gebietet die Tora nicht einfach die Aufstellung von
Richtern und Wächtern im Armeelager, um solche ernsten
Zwischenfälle wie das Vergreifen an Zivilistinnen zu verhindern,
die der Kriegführung in keiner Weise dienlich sind? Wie kann
man sich mit solchen Erscheinungen abfinden und ihnen gar
noch Platz einräumen, wenn auch unter zahlreichen
Beschränkungen?

Die Antwort auf diese Frage gab Rabbiner A.J. Kuk (Briefe Igrot
I, S.100). Zu Beginn erklärte er die Verhaltensweisen von König
David in seinen Feldzügen gegen Edom, Ammon und Moaw:
"...und in den Angelegenheiten der Kriege war es absolut
ausgeschlossen, zu einer Zeit, als alle Nachbarn wahrhaft
hinterhältige Wölfe waren, daß nur Israel keinen Krieg führe,
denn dann hätten sich jene zusammengerottet und g~ttbehüte
ihre Überlebenden vernichtet; im Gegenteil war es zwangsläufig
notwendig, den Wilden auch Angst einzuflößen, auch durch
grausame Maßnahmen".

So ein Verhalten ist sicher nicht ideal, die Verhältnisse machen
es jedoch zwingend erforderlich. Es wird von der Hoffnung
begleitet, die Menschheit zu ihrer Bestimmung zu bringen, ohne
es zu überstürzen.

Rabbiner Kuk fährt fort, jenes die Gebote der Kriegsethik
leitende Prinzip zu erklären: "Und wisse, daß die Tora in den die
Öffentlichkeit betreffenden Gesetzen nicht eine Strenge walten
ließ, die den Geist des Volkes zu überhöhter Frömmigkeit
drängt; denn dann würde diese allgemeine Frömmigkeit zu
Pflicht und fester Regel, obwohl doch das Endziel der Tora
darin besteht, das verstandesmäßige Erwachen auf der Kraft
der Liebe und der Freiwilligkeit zu begründen. Und darin liegt
auch der Grund für einige Erleichterungen in den Toragesetzen
im Hinblick auf die Regelungen der Kriegführung".

Im Kriege gibt es also hohe ethische Bestrebungen. Die
Heiligkeit des Lebens des Menschen, der im "Ebenbilde G~ttes"
geschaffen wurde, und die Heiligkeit des israelischen
Truppenlagers werden selbst im Sturme des Gefechtes nicht
aufgegeben oder entwertet. Allerdings ist der Weg der
Erhebung von der niederen Ausgangsbasis zum erhabenen
Ideal nicht mit legalistischen Mitteln gepflastert, sondern mit
pädagogischen. So schrieb z.B. Rabbi Moscheh ben Nachman
("Nachmanides", aus der Periode der Rischonim vor etwa 800
Jahren) in seinen Anmerkungen zum Buch der Gebote von
Maimonides (Zusatz 5): "Uns wurde geboten, wenn wir eine
Stadt belagern, eine Windrichtung unbelagert zu lassen, damit
ihnen, wenn sie fliehen wollen, ein Weg zum Rückzug
offensteht; dadurch lernen wir mit Erbarmen zu handeln, sogar
mit unseren Feinden in der Stunde des Krieges".

Auch hier ist die Richtschnur weniger gesetzlich-direkt als
pädagogisch und indirekt. Je mehr sich der Soldat in seinem
Privatleben moralisch und heilig hält, je mehr eine Atmosphäre
der Ethik im Armeelager vorherrscht und je mehr ein
Bewußtsein ethischer Sendung des Volkes Israel in der Welt in
der ganzen Armee verwurzelt ist, umso heiliger wird unser
Heerlager sein und umso ethischer unsere Armee. So schrieb
Maimonides im Führer der Unschlüssigen (III, §41):
"..nämlich um vor den Vermischungen zu warnen und
abzuschrecken, die bekanntlich bei den Kriegsleuten in einem
Heerlager vorkommen, wenn sie sich lange Zeit fern von ihren
Familien aufhalten. Darum hat G~tt uns Handlungen befohlen,
die uns daran erinnern sollen, daß die göttliche Präsenz
(Schechina) in unserer Mitte weile, damit wir vor diesen Taten
bewahrt bleiben, und so sagt er: 'Dein Lager soll heilig sein und
es soll an dir keine Blöße in irgendeiner Hinsicht gesehen
werden'... damit jeder Mensch die Empfindung habe, daß das
Lager einem Heiligtum des Herrn gleiche, und daß es nicht sei
wie die Heerlager anderer Völker, wo nichts als Verderbtheit,
strafbare Handlungen, Beschädigung und Beraubung anderer
üblich ist. Wir aber wollen, daß die Menschen zum Dienste
G~ttes und zu geordneten Verhältnissen angeleitet werden".
 
 
 
Frage und Antwort

Umkehr und Heldenmut

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Warum kehrt eigentlich nicht das ganze jüdische Volk
zur Religionsausübung zurück? Ist es denn so schwer zu
verstehen, daß Moscheh und seine Tora wahr sind?! Ist es
denn so schwer zu verstehen, wie wunderbar das Leben nach
der Tora in Rückkehr zu G~tt ist, und wie leer das Leben ist
ohne G~tt und ohne Rückkehr?! Diese Frage stellt sich
schmerzbewußt jeder g~ttesfürchtige Mensch.

Antwort: Natürlich ist das die Wahrheit, aber nicht Jeder
versteht, daß dies die Wahrheit ist. Rabbiner Awraham Jizchak
Kuk (erster Oberrabbiner Israels) erklärte, daß viele Menschen
die reumütige Umkehr zu G~tt als Schwäche, Leere,
Auslöschen der Lebensfreude und Vitalität, des Lebensmutes,
der Lebenskraft und der Initiative auslegen. Sie halten an einem
Irrtum fest, einem der furchtbarsten Irrtümer der Menschheit,
daß Umkehr und Himmelsfurcht für geistige Verarmung und
Leere, Verneinung des Charakters, Auslöschen der
Persönlichkeit, der Authentizität, des Zufriedenseins mit sich
selbst und des Mutes stehen. Das ist aber alles gar nicht richtig.
Im Gegenteil! Die Umkehr gibt Mut, Freude und Stärke (Orot
HaTschuwa).

Wo steht das alles geschrieben? Woher nahm Rabbiner Kuk
diese Weisheit? Aus den kabbalistischen Schriften der Tora.
Und warum steht das nicht ganz offen und für Alle verständlich
in der Tora? Weil die Zeit dafür noch nicht reif war. Alles zu
seiner Zeit. Heute sind wir bereit zu akzeptiern, daß Umkehr
große Stärke, großer Mut und große Lebensfreude ist. Heute
haben wir eine andere Generation, andere Seelen, andere
Aufgaben, andere Missionen (siehe Ewen Schlema,
11.Kap.,§9). Jetzt ist die Zeit reif, Allen dieses Geheimnis zu
verraten, daß die Umkehr die Befreiung von quälender Last
bedeutet, von Schwäche und von der Armseligkeit. In der
Umkehr liegt der Heldenmut des Menschen begründet.

Die Umkehr unterdrückt nicht den Menschen, sondern seinen
bösen Trieb. Wenn man den bösen Trieb unterdrücken will,
kann es schon zu Anfang vorkommen, daß es etwas schmerzt.
Doch sie unterdrückt nicht den Menschen selber, im Gegenteil,
sie macht ihn stärker.

Sehen Sie sich einmal im Tanach die G~ttesfürchtigen, die
Toraweisen an. Das sind die Helden Israels. Bestärken wir uns
darum in der Umkehr in G~ttes Namen, um die Ehre G~ttes in
der Welt zu mehren.

* * *

Wehrdienstverweigerer
[Folgeartikel zu "Kritik an unserer Armee", Betrachtungen Nr.
364 Dewarim]

Frage: Als Reaktion auf Ihren Artikel schrieben einige Leute
entstellende Dinge über Sie, als hätten Sie
"Gewissensverweigerer zu Freiwild erklärt", "lassen Juden
wegen ihrer politischen Ansichten töten und schicken sie aufs
Schafott", was sich noch nicht einmal andeutungsweise aus
Ihrem Artikel herauslesen läßt. Wie sollte man sich gegenüber
solchen Wortverdrehern verhalten? Wie ist ganz allgemein die
Erscheinung der Wehrdienstverweigerung zu beurteilen?

Antwort: Der Inhalt meines Artikels war allerdings gar nicht auf
das Thema der Wehrdienstverweigerung ausgerichtet, sondern
auf die gravierende Problematik des Anschwärzens der Armee
in Kriegszeiten, wobei die Worte Rabbiner Z.J. Berlins zitiert
wurden. Diese behandelten nicht Wehrdienstverweigerer,
sondern Befehlsverweigerer im Angesicht des Feindes, die der
jeweilige Feldherr, sollte er es für notwendig erachten, zum
Tode verurteilen darf. Diese Autorität steht nicht jedem
selbsternannten Feldrichter zu, sondern dem Feldherrn allein.

Wem dies nicht in den Kram paßt, widerspricht nicht nur den
Worten Rabbiner Berlins, sondern auch den Dienstregeln des
Generalstabs, die in dieser Hinsicht bekanntlich weit schärfer
sind.

Das Verschweigen des wahren Inhaltes meines bescheidenen
Artikels und die Irreleitung der öffentlichen Meinung sind sehr zu
bedauern. Man muß die Nächstenliebe zu allen Juden auf allen
möglichen Wegen mehren, und nicht neuen Haß erfinden, wo
keiner existiert.

Darüberhinaus sollte man, bevor man über Jemanden so ernste
Dinge entscheidet und erst recht veröffentlicht, im Zuge
jüdischer und menschlicher Anständigkeit erstmal mit dem
Betreffenden selber einige klärende Worte wechseln.

Daneben wollen wir jenen teuren Juden eine gute Absicht
unterstellen, die vor lauter jüdischer Nächstenliebe an der
Wahrheit vorbei zielten, und sicher haben sie schon reumütige
Umkehr getan; auf jeden Fall muß man auch die Irrenden in die
ehrliche jüdische Nächstenliebe mit einbeziehen.

Was die Wehrdienstverweigerung an sich angeht, so muß man
vor allem wissen, daß es sich dabei nicht um eine
"Erscheinung" handelt. Bei einer Million Soldaten gibt es einige
hundert Verweigerer, d.h. etwa ein halbes Promille der
israelischen Verteidigungsstreitkräfte.

Könnte man hier wirklich von einer Erscheinung sprechen,
müßte man allerdings dagegen ideologisch ankämpfen,
natürlich ohne die "roten Linien" zu überschreiten, die seinerzeit
unser Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk festgelegt hatte: ohne
Gewalt, ohne Haß, ohne Beschimpfungen.

Da es sich aber nur um Einzelne handelt, kann man nicht von
einem nationalen Problem sprechen, und wir wollen unsere
Energien lieber auf die wirklich existierenden Probleme
verwenden.

Was jene Verweigerer angeht, so tut es uns leid, daß sie nicht
das große Glück erkennen, mit Herz und Seele in unserer
Verteidigungsarmee zu dienen, doch auch sie sind in unserer
ehrlichen, großen und ewigen jüdischen Nächstenliebe mit
inbegriffen.
 

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