DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TAWO
Nr. 370
16. Elul 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 26,1-29,8):
Erstlingsfrüchte, Land von Milch und Honig, Torasteine am
Jordan, Fluch und Segen von den Bergen Ewal und Gerisim,
ausführliche Warnung zur Einhaltung der Gebote, Lohn und
Strafe, Erinnerung an Wunder und Bund mit G~tt.
 
 
Frage und Antwort

Die Katastrophe in der guten Stube

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wir haben uns entschlossen, den Fernseher
abzuschaffen, weil wir einfach zuviel Zeit für seichte Kost
vergeuden und kein nennenswertes Familienleben stattfindet.
Im Nachhinein kommen uns allerdings Zweifel, weil wir
befürchten, nicht mehr ausreichend informiert zu sein. Ist unsere
Entscheidung diesen Preis wert?

Antwort: Ist das nicht wunderbar - eine ganze Familie hört mit
dem Fernsehgucken auf! In manchen Staaten kennt man
Aktionen wie "Sonntags fernsehfrei" zur Auslüftung des
Gehirns. Welche Frischluft braust einem erst durch den Kopf,
wenn man ganz mit dem Fernsehen aufhört - dieser universalen
Katastrophe. Dieses Gerät fügt nicht nur der jüdischen Nation
großen Schaden zu, diesem heiligen und reinen, weisen und
einsichtigen Volk (siehe Dt. 4,6) - sondern dem ganzen
Menschengeschlecht. Auch in unserem teuren Lande ist der
Schaden groß: der Durchschnittsbürger verbringt pro Tag drei
Stunden vor dem Fernseher und damit einen Großteil seiner
Freizeit. Ca. 98% der Bevölkerung haben Zugang zu einem TV-
Gerät.

Was ist daran so schlimm? Der Inhalt oder die Art der
Darbietung? Beide zusammen.

Fangen wir mit den Inhalten an, das ist leichter zu begreifen.
Fernsehen beeinflußt. Drei Stunden pro Tag sind eine enorme
Menge. Manche Kinder sitzen bis zu sieben Stunden täglich vor
der Röhre - und stehen unter ihrem Einfluß. Das Fernsehen
bestimmt dadurch Kultur und Erziehung des Menschen. Man
kann es im Hinblick auf seinen außerordentlichen kulturellen
Einfluß, der die Eigenschaften, die Bestrebungen und das
Schicksal des Menschen bestimmt, die Religion unserer Tage
nennen. Außer den etablierten Religionen repräsentiert das
Fernsehen konkurrenzlos die stärkste kulturelle Kraft aller
Zeiten, die Denken und Handeln der Menschen beherrscht. Der
Einfluß des Fernsehens ist größer als der von Eltern und
Lehrern. Das Fernsehen ersetzt die Eltern, den Lehrer und den
Rabbiner. Es erobert Menschen und Völker. Die USA brauchen
keine Länder mit Waffengewalt zu erobern, sie erobern mithilfe
des Fernsehens, das langsam alle Länder amerikanisiert. Das
ist eine furchtbare Unterdrückung von Kulturen, die einer
umgekehrten Werteordnung folgt wie die der Rabbiner, Eltern
und Lehrer.

Warum ist das so? Wegen der zahlreichen mit diesem Medium
verbrachten Stunden, und weil es auf Beeinflussung und auf
Abwechslung spezialisiert ist.

Wie wir sehen, legte die Menschheit ihr kulturelles und
spirituelles, ideologisches und moralisches Schicksal in die
Hände einer Gruppe von Leuten, die weder aus Erziehern,
Eckpfeilern der Kultur, Religion, und Wissenschaft, noch aus
verantwortungsbewußten Köpfen, Vertretern des Geistes und
der nationalen Identität bestehen, sondern mehrheitlich aus
Leuten, die auf der moralischen Werteskala der Gesellschaft
ganz weit unten rangieren. Ihnen wurde die Gestaltung der
Kultur, des Glaubens und der Erziehung der kommenden
Generationen überantwortet! Das ist doch eine Hirnlosigkeit
ohnegleichen. Es fehlen einfach die Worte, diese bodenlose
Dummheit zu beschreiben.

Einer der unmittelbaren Schäden, den Jeder kennt, ist die
Gewalttätigkeit. Das Fernsehen macht viele Menschen
gewalttätig. Alle sind sich darüber einig, daß ein
Zusammenhang zwischen Gewalt und dem Ansehen von
Gewaltfilmen besteht. Man kann sich allerdings über die
Wirkungsrichtung streiten: Verursacht das Betrachten von
Gewaltfilmen Gewalt, oder fühlt sich ein Jugendlicher
gewalttätigen Charakters besonders von Gewaltfilmen
angezogen? Die Antwort lautet: Beides kommt vor. Dazu
wurden viele Untersuchungen angestellt. Man ließ 14-16jährige
Jugendliche drei Stunden täglich Gewaltfilme ansehen, und eine
parallele Gruppe eine Stunde pro Tag. Das Ergebnis: die erste
Gruppe war fünffach mehr gewalttätig als die zweite Gruppe.

Erwiesenermaßen erzeugt das Fernsehen Gewalt, und es
erzeugt eine Vorliebe für alle äußerlichen Symbole der auf der
Mattscheibe präsentierten Gesellschaft, sowie ein Anreizen der
Triebe, die sowieso schon genug angereizt sind;
Bagatellkriminalität, Sittenlosigkeit, Luxusleben, Alkoholismus,
Drogen, Rauchen - das Gegenteil von jedem ethischen
Rahmen. Diese Kultur findet sich genau dort, wo sich die
kommende Generation und Generationen bilden. Schade um
die Schulen: man kann sie schließen. Alles, was man dort
mühsam aufbaut, wird zuhause mit einem Schlag zunichte
gemacht.

Dabei wird nicht nur Kultur unterdrückt, sondern Werbung und
Vermarktung überbetont. Ununterbrochen wird der Zuschauer
mit Reklame bombardiert: kaufe dies, gönne dir jenes. Er wird
zum programmierten Konsumenten. Am Ende kauft er
unbewußt genau das, was ihm angepriesen wurde. Manchmal
ist er sich selbst der Werbung nicht bewußt: sie wird so kurz
eingeblendet, daß sie der bewußte Betrachter nicht wahrnimmt;
dennoch dringt sie in sein Unterbewußtsein ein. Auch das ist
erwiesen. Kein Zweifel, daß die Werbung große Wirkung zeitigt,
sonst würden die Anbieter auch nicht soviele Millionen dafür
ausgeben. Im israelischen Fernsehen kostet z.B. eine halbe
Minute zur besten Sendezeit $ 10.000,-! Natürlich macht sich
das bezahlt. In den USA kostet eine Minute zur Spitzenzeit
anderthalb Millionen Dollar, weil Werbung wirkt. Nachweislich
überschwemmt sie das Unterbewußtsein und bildet damit die
größte und giftigste Psychoverschmutzung.

Darüberhinaus ist das Fernsehen voller Lügen. Dem Zuschauer
wird eine unwirkliche Welt dargeboten, sowohl in den
Unterhaltungsprogrammen als auch in scheinbar objektiven
Reportagen. In Wirklichkeit werden dort Nachrichten und
Propaganda, Tatsachen und Kommentare vermischt. Der
Zuschauer wird belogen und manipuliert. Er verliert seine
Freiheit. Selbst jemand, der seine eigenen Ansichten pflegt, ist
bereit, wenn ihm im Fernsehen gegenteilige Ansichten
präsentiert werden, diese zu akzeptieren. Er ist ganz allgemein
bereit, Tatsachen zu akzeptieren - im Gegenteil, er ist als
ernsthafter und objektiver Mensch besonders am Erhalt von
Informationen interessiert. Er möchte sich der Realität anpassen
und entsprechend seine Standpunkte formen. Diese an sich
gute Eigenschaft wird vom Fernsehen ausgenutzt, indem es
unwahre oder unvollständige Informationen vermittelt. Man zeigt
ihm einen Araber, dem die Armee auf gerichtlichen Entscheid
das Haus abgerissen hat, und dessen Frau sitzt nun mit ihren
drei Kindern und einigen Habseligkeiten auf der Straße und
weint - das erzeugt ein furchtbares Gefühl. Nur daß man die
Hintergründe der Geschichte fortgelassen hat. Und weil dieser
Bericht nur die halbe Wahrheit bringt, handelt es sich um eine
Lüge. Der Zuschauer wird in eine andere Welt transportiert,
eine Welt, die nur in seiner Vorstellung existiert, und so beraubt
man ihn seiner Freiheit. Nicht nur, daß man ihm rücksichtslos
eine andere Kultur aufpfropft, inklusive Gewaltverherrlichung,
nicht genug damit, daß man ihm seine Entscheidungsfreiheit als
Konsument nimmt, ihm einredet und ihn dazu verführt, alle
möglichen überflüssigen Dinge zu kaufen - man spiegelt ihm
auch noch eine falsche Realität vor, die ihm nur Teilstücke
vermittelt und auf geschickte Weise Tatsachen und ihre
Deutung in sich vereint.

Das Problem der Inhalte ließe sich theoretisch lösen: durch
Werbung für gute Charaktereigenschaften, Sensibilität und
Nächstenliebe, Spendenfreudigkeit und Barmherzigkeit, eine
Kultur der Wahrheit und reine Erziehung, durch vollständige und
exakte Informationen.

Danach bleibt allerdings das schwere Problem der
Präsentation: die Passivität des Zuschauers, der seinen
Verstand nicht zu benutzen braucht, der vor dem Gerät hockt
und Eindrücke registriert, ohne sein Gehirn anzustrengen, nur
seine Gefühle werden ein wenig aktiviert. Nicht wie ein Buch,
das man liest, überlegt, klärt und analysiert. Beim Fernsehen
gibt es nichts dergleichen. Der Zuschauer wird zum Idioten, er
benutzt seinen Verstand nicht, er darf ihn auch gar nicht
benutzen, weil er sonst die nächsten Bilder verpassen würde.
Alles wird ihm in leicht verdaulicher und eingänglicher Weise
aufbereitet, zum sofortigen Verbrauch geeignet, ohne Tiefgang.
In Büchern oder Artikeln besteht ein logischer Zusammenhang
zwischen den Teilen. Im Fernsehen bleibt alles oberflächlich,
bildhaft. Man schmeichelt dem Zuschauer. Ein Professor erklärt
ein Thema zwei Minuten lang, und schon glaubt der Zuschauer,
er habe etwas verstanden. Schalten Sie einmal den Apparat
versuchsweise kurz ab und wiederholen Sie das Gehörte - und
stellen fest, daß Sie gar nichts verstanden haben. Meistens hat
der Mann auf dem Bildschirm gar nichts Vernünftiges gesagt,
und selbst wenn er etwas gesagt hat, war es doch nur so wenig!
Sind wir doch intelligente, lernfähige Menschen, die ihr Gehirn
benutzen und ein Thema erforschen und abklären können.
Nicht daß wir alles fix und fertig vorgekaut und vorverdaut
serviert bekommen müssen. Auch wenn das Dargebotene einen
Wert hat, muß man den Leuten Zeit zum Überlegen geben.

Dieses Problem läßt sich nicht lösen, außer wenn man das
Gerät ganz anders benutzte: Zehn Minuten zuschauen und
dann eine Stunde über das Gesehene reden. Doch
stundenlanges ununterbrochenes Glotzen beeinträchtigt das
Denkvermögen, man läßt die Dinge nur noch auf sich einrieseln.
Man setzt sich nicht mit dem Inhalt auseinander, dafür ist auch
gar keine Zeit. Der Politiker auf dem Bildschirm spricht
angenehm, darum macht er einen guten Eindruck. Er lächelt,
gibt sich weltmännisch - ein wahrer Unterhaltungskünstler! Sein
Kollege von der anderen Fraktion ist kein so guter Schauspieler,
weiß nicht die Stimme im rechten Moment zu heben oder zu
senken, trägt anspruchslose Kleidung - der ist schonmal nichts
wert. Hier wird das Denken der ganzen Menschheit korrumpiert,
weil alles aus schnell folgenden Bildern besteht. Es läßt sich nur
anschauliche Information vermitteln, doch viele Inhalte sind
ganz und gar nicht anschaulich! Wie lange läßt sich schon ein
Redner im Fernsehen aushalten? Selbst den Regierungschef
läßt man um der "Äckschen" willen nicht ausreden. Natürlich tut
man ihm physisch nichts zuleide, aber man unterbricht seinen
Redefluß, schießt eine Frage aus der Hüfte, damit die Sache
interessant bleibt; ein Schlagabtausch, ein lärmendes
Symposion. Das ist Unterhaltung und nicht vertiefende
Abklärung. Wollen wir sehen, wie lange er diesem Beschuß
standhält, wann ihn sein Gegner K.O. schlägt...

Würde unser Vorvater Awraham heute leben, nähme er eine
Axt und zertrümmerte alle TV-Geräte der Welt [Anmerkung für
den Äckschen und Wortverdrehung liebenden Leser: Hiermit
soll nicht zum Mord an Fernsehgeräten aufgewiegelt werden.
Ich schrieb: Würde..] Natürlich gäbe es einen lauten Aufschrei:
Du hast etwas so Schönes zerstört! Doch auch die Götzen, die
er seinerzeit zerstört hatte, waren sehr schön, doch sie
vergifteten die Menschheit. "Ein goldener Nasenring am Rüssel
des Schweines, so ein schönes Weib, das ohne Anmut ist"
(Sprüche 11,22). Die Hauptsache ist die innere Schönheit.

Schalten Sie das Gerät für immer aus und rühren es nie wieder
an. Sie werden sich auf einmal so gut fühlen, so fröhlich!
Plötzlich haben Sie Zeit zum Bücherlesen, Zeit für die Familie,
Zeit fürs Torastudium, Zeit für sportliche Betätigung. Wie ruhig
Sie werden, wie klug und nicht bekloppt, nicht abhängig. Sie
werden sich einfach wunderbar fühlen.

Halten Sie jedes Jahr zu G~ttes Ehren ein Festessen dafür, daß
er Sie von dieser Strafung befreit hat.

Ziehen Sie den Stecker raus, schneiden Sie das Kabel durch
[aber nicht in umgekehrter Reihenfolge!], suchen Sie Ihr Heil
nicht mehr an dieser Quelle von Verbrechen und Lüge. Suchen
Sie das Licht.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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