DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TISSA
Nr. 345
18. Adar 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;    NEU: Jetzt auch Video!
desgleichen auf Französich (audio)

Diese Woche in der Tora (Ex. 30,11 - 34,35):
Volkszählung durch Tempelspende; Wasserbecken für
Priesterwaschung; Salböl; Räucherwerk; 2 Architekten des
Heiligtums; Mahnung zur Schabbathaltung; Sünde des goldenen
Kalbes; Moscheh zerbricht die ersten Gesetzestafeln; Tötung
der Kalbsünder; Moscheh und die göttliche Präsenz im
Versammlungszelt; Moscheh macht neue Gesetzestafeln; G~tt,
verspricht, bei der Eroberung Israels zu helfen; Mahnung, nicht
den Wegen der Bewohner zu folgen; Moscheh strahlt nach 40
Tagen und Nächten auf dem Berg Sinai.

Schabbat Parah
 
 
Frage und Antwort

Hast du die Errettung erwartet?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Am Tage des Gerichtes werden dem Menschen einige
Fragen gestellt. Eine davon lautet: "Hast du die Errettung
erwartet (Schabbat 31a)?" Doch worin besteht eigentlich die
Größe dieser Erwartung? Es gibt andere, viel
schwerwiegendere Fragen: "Hast du deine Geschäfte in Treu
und Glauben geführt?", "Hast du dir feste Zeiten für das
Torastudium eingerichtet?", "Hast du geheiratet und dich
vermehrt?". Diese Dinge erfordern großen persönlichen Einsatz.
Gibt es aber irgendjemanden, der nicht an der Errettung
interessiert wäre, die alle seine Probleme, auch die schweren,
lösen würde? Ehrliches Geschäftsgebaren, Torastudium,
Fortpflanzung werden ausdrücklich als Gebote erwähnt; wo
aber steht in der Tora etwas von einem Gebot, "die Errettung zu
erwarten"?

Antwort: Rabbiner Moscheh aus Corbeil erklärte in seinem Buch
"Sefer Mitzwot Katan" ("das kleine Buch der Gebote"), daß die
Erwartung der Errettung/Erlösung im ersten der Zehn Gebote
inbegriffen sei ("Ich bin der Ewige, dein G~tt", Ex. 20,2). Sie
gehört zum Glauben an G~tt. Zwar glauben wir an G~tt, doch
muß man auch wissen, wer dieser Herr der Welt eigentlich ist,
an den wir glauben: Ist er gut zu Allen? Seine Gnade über all'
seinem Werke? Es könnte ja auch ein Häretiker daherkommen
und behaupten: Ich glaube an G~tt, für mich ist die Natur G~tt!

Die gesuchte Definition erhalten wir im zweiten Teil des
obengenannten Verses: "der dich aus dem Lande Ägypten
herausgeführt hat". Nicht nur, daß es einen Herrn der Welt gibt,
er kümmert sich auch um seine Schöpfung, liebt und pflegt sie,
wacht über sie und lenkt sie, übt Mildtätigkeit und erfüllt seine
Versprechungen. Das alles lernen wir aus der Geschichte vom
Auszug aus Ägypten.

In Ägypten hatten wir es unerträglich schwer, besonders in den
letzten 86 Jahren, seit der Geburt Miriams, die so wegen der
bitteren Lage (Merirut) genannt wurde. Man konnte wirklich
verzweifeln. Und nicht nur das. Zu Beginn des
Erlösungsprozesses wurde die Lage erstmal noch schlimmer:
wir mußten uns das Stroh für die Ziegel selber suchen (Ex.
5.Kap.). Auch nach dem Auszug verfolgten uns die Ägypter und
umzingelten uns am Schilfmeer; eine lange Periode von Leiden
und Problemen, Qualen und Umwälzungen.

Mitten in alledem erwarten wir die Errettung und wissen, daß
G~tt uns nicht verläßt. Die "Erwartung der Errettung" beinhaltet
den Glauben, daß G~tt immer mit uns ist, uns hilft und lenkt.
Das gehört zum Glauben an G~tt. Und gerade, wenn man
nichts sieht, denn wenn offenbare Wunder geschehen, ist es ja
keine große Kunst. Der ganze Vorzug besteht in schwerer Zeit,
wenn G~tt sich verbirgt in scheinbarer Abwesenheit. Natürlich
ist er da, "da steht er hinter der Wand, schauend durch die
Fenster, lugend durch die Gitter" (Hohelied 2,9); "durch die
Fenster" sieht man ihn noch ein wenig, aber "durch die Gitter"
können wir gar nichts mehr erkennen.

Trotzdem glauben wir auch in solchen Situationen, daß G~tt
seinem Volke Rettung erwirkt. Aber wie - wo sich die Lage doch
von Tag zu Tag verschlimmert? Doch auch dies gehört zur
Ordnung der göttlichen Lenkung, die Licht aus Finsternis
hervorbringt, Gutes aus Bösem, Süßes aus Bitterem. Wer das
nicht sieht, ist auch nicht fähig zu verstehen, was zur "Zeit der
Errettung" geschieht. In der himmlischen Jeschiwa, (es gibt dort
mehrere), in der Jeschiwa des Maschiach ("Messias"), wird
nicht jedermann aufgenommen. Es gibt dafür eine Bedingung:
daß der Kandidat Dunkel in Licht und bitter in süß verwandeln
kann (Sohar, Einleitung 4,1). Wer sich in dieser Arbeit nicht
besonders auskennt, paßt nicht so ganz in das Zeitalter der
Erlösung und wird die Vorgänge nicht verstehen. Er wird Gefahr
laufen, durchzudrehen und zu verzweifeln. Oder er wird sich an
die Seitenlinie begeben und vor lauter Pein und Verwirrung die
Augen schließen. Oder zusammenbrechen und sagen: G~tt hat
die Welt verlassen.

Aber auch, wenn die Lage festgefahren scheint, kommen die
Dinge voran, das wird jedoch erst später erkennbar. Darin
besteht das Gebot der "Erwartung der Errettung", ein Gebot,
das auf einem Fundament von großer Weisheit und tiefem
Glauben steht. Diese Weisheit wird wie jede Weisheit durch
Lernen erreicht.

Unser Lehrer Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster
Oberrabbiner Israels) erklärte in seinem Kommentar zum
Gebetbuch zu "auf Deine Hilfe hoffen wir den ganzen Tag"
(Schmone-Esre), daß die "Erwartung der Errettung" zwei Dinge
enthält:
1. Eine geistige, glaubensmäßige und schauende
Erwartungshaltung. Auch wenn wir momentan keine
Veränderung ausmachen können, glauben wir weiter, daß
Münze um Münze schließlich eine große Summe ergibt, wie
G~ttes Errettung, wenn die Zeit reif ist.
2. Die praktische, kreative Erwartung. Scharfe und konstante
Beobachtung des täglichen Geschehens, Ausnutzen jeder
Gelegenheit und jeder Möglichkeit, die Errettung voranzutreiben
(Sidur "Olat Ra'aja" I, S.279).

Beide Punkte sind miteinander verknüpft: wer nicht glaubt, daß
G~tt die Dinge in die Hand nimmt und sie voranbringt, wird sich
auch nicht selber anstrengen und abmühen. Ein Mensch strebt
nicht ins Unbestimmte, dazu ist ihm seine Kraft zu schade, er
will sie nicht unnütz vergeuden. "Wenn der Ewige nicht baut das
Haus - umsonst mühen sich seine Erbauer daran" (Psalm
127,2); wenn er aber das Haus baut, mühen sich seine Erbauer
nicht umsonst. Darum muß man zuallererst wissen, ob der
Ewige am Hausbau beteiligt ist. Wenn der Ewige das Haus
baut, dann wollen auch wir uns anstrengen. Darum ist der erste
Teil der Erwartung der Errettung die Grundlage für den zweiten.
Angesichts der helfenden Hand G~ttes ergeben sich unsere
Bemühungen, jede Sache voranzubringen, selbst eine
Kleinigkeit. Und wenn G~tt nicht daran beteiligt ist, warum soll
man sich dann für jede Kleinigkeit einsetzen?! Bringt diese
Kleinigkeit denn die Rettung?!

Vielmehr erwirkt der Herr der Welt die Errettung, man muß nur
den Blick schärfen und genau hinschauen, und dieser großen
Rettung fügt Jeder seine Kleinigkeit hinzu, die auf diese Weise
Bestandteil des großen historischen Prozesses des Herrn der
Welt wird.

Darum wird man am Tage des jüngsten Gerichtes gefragt: Hast
du die Errettung erwartet? Sowohl im spirituellen Sinne durch
Erkennen der Taten G~ttes, "der die Menschengeschlechter
berief von Anbeginn" (Jeschajahu 41,4), wie auch im Sinne von
praktischen Aktivitäten zum Erreichen des Zieles, in großer
Bescheidenheit und im Wissen, daß es viel Zeit braucht.

Manchmal fällt es schwer, das Licht vor lauter Finsternis zu
erkennen, wie in Ägypten, - deswegen wurde der Bund "Brit
bejn Ha'Betarim" (Gen. 15.Kap.) geschlossen. Dabei befiel
unseren Vorvater Awraham eine große Dunkelheit angesichts
der schweren Prophezeiung über das Exil seiner Nachkommen
für eine Dauer von 400 Jahren; doch "er vertraute auf den
Ewigen" (Gen. 15,6).

Der "Bund zwischen den [Opfer-]Teilstücken" enthält die
Symbolik für den Hirsch, der im Hohelied erwähnt wird, der
zwischen "trennenden Bergen" (harej bater) läuft (Hohelied
2,17): "es gleicht mein Geliebter dem Hirsche" (Hohelied 2,9) -
dazu erklärten die talmudischen Weisen, "wie ein Hirsch von
Mal zu Mal zu sehen ist, so zeigte sich ihnen auch der erste
Erlöser, und verschwand aus ihrem Blickfeld, und zeigte sich
wiederum" (Midrasch raba zum Hohelied, II,9,3). Der Hirsch
läuft über die Berge, plötzlich verschwindet er hinter einem
Hügel und man glaubt, ihn verloren zu haben, doch nach einiger
Zeit taucht er wieder auf an vorgerückter Stelle, zu der er hinter
dem Hügel gelangt war. Er lief durch die in der Mitte geteilten
Berge, harej bater. So kommt der Erlöser, die Dinge verwickeln
sich, aber am Ende kommt alles ins Lot und wird rückwirkend
verständlich.

Der Hirsch läuft nicht durch übersichtliches Gelände. Diese Welt
ist keine glatte Angelegenheit. "Einem Betrunkenen scheint die
Welt eine Ebene zu sein" (Joma 75a), wie es heißt: "Wenn er
sein Auge auf den Becher richtet, so geht er gerade" (Sprüche
23,31).  In Wirklichkeit sind die Dinge aber nicht so einfach, da
gibt es Hügel und Berge. Manchmal verschwindet der Hirsch.
Das ist der Bund zwischen den "Betarim" über den Hirsch, der
zwischen den "Betarim" läuft.

Manche erklären die Geschichte mit dem Hirsch anders: Nicht
weil er hinter dem Berg verschwindet, sondern weil seine Farbe
der des Berges gleicht. Von Natur aus, zum Überleben paßt er
sich in die Landschaft ein. So auch der Erlöser, der sich nicht
von der Landschaft abhebt, wenn er auf natürlichem Wege
wirkt, wie alle, und darum fällt er nicht auf. Er läuft ohne
Unterlaß, paßt sich aber in die Umgebung ein. Die Dinge
kommen auf normale, landschaftliche Weise voran. Man sieht
nicht, wie G~tt wirkt, und plötzlich hebt er sich von der
Landschaft ab, "siehe, da kommt er" (Hohelied 2,8).

Die "Erwartung der Erlösung" ist eine hochrangige Eigenschaft,
nämlich zu glauben, daß es auch in der Finsternis Licht gibt,
und danach zu handeln. Mit festem Glauben nicht zerbrechen
und nicht verzweifeln, sich nicht beklagen, wissen, daß G~tt
große Dinge in Gang setzt und das "Licht des Maschiach"
vorbereitet.

Man muß die Errettung  mit starken Glauben erwarten und
darüberhinaus pausenlos große und kleine Dinge bewirken.
Alles wird in die große Rechnung einbezogen.

Seid stark und stärkt euch in der Erwartung der Errettung - bis
zur endgültigen Errettung.
 

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