DAS ZENTRUM FÜR
JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Anschrift: Sderot Hame'iri 2, Kirjat Mosche
IL - 91032 Jerusalem ISRAEL Tel. +972 2 6511906 Fax +972 2 6514820 http://www.machonmeir.org.il |
Redaktion und Übersetzung der deutschen
Ausgabe: R. Plaut
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-Archiv der
"Betrachtungen"
-Kostenloser Antwortservice "Frag'
den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KORACH
(außerhalb
Israels Schlach lecha)
Nr. 359
29. Sivan 5762
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
"Ich
bin ein Palästinenser"
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
NEU: Jetzt auch Video!
desgleichen auf Französich
(audio)
Diese Woche in der Tora (Num. 16,1-18,32):
Putschversuch Korachs und seiner Anhänger
gegen Moscheh
und Aharon; harter Kern versinkt im Erdboden,
andere werden
von himmlischem Feuer verzehrt; deren
Räucherpfannen
dienen als Altarüberzug zum Mahnmal;
anschließender Unmut
im Volk wird mit Seuche bestraft; Aharon
heilt; göttliches
Wunder mit Aharons Stab bestätigt
Führung durch Moscheh
und Aharon; Bestimmung der Priester und
der Leviten zum
Tempeldienst und die ihnen zustehenden
Abgaben.
| Frage
und Antwort
Keine Angst! Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Ich habe schreckliche Angst, daß mein Mann
eingezogen wird. Ich weiß, es ist eine große Mitzwa,
das Land
Israel zu besiedeln und Armeedienst zu leisten, aber was kann
ich machen, das Angstgefühl kommt, ohne mich vorher um
Erlaubnis zu fragen. Jedes Mal, wenn ich von einem
Terroranschlag im Radio höre, zittern mir die Knie. Soll ich denn
keine Nachrichten mehr hören?!
Antwort: 1. Richtig, die Angst ist ein Gefühl, doch die
Behauptung, es käme, ohne vorher zu fragen, stimmt so nicht.
Der Mensch hat eine gewisse Macht über seine Gefühle. In
der
Tora gibt es viele Gebote, die das Gefühl betreffen: "Liebe
deinen Nächsten wie dich selbst", "hasse deinen Bruder
nicht in
deinem Herzen", "du sollst nicht begehren.." und dergleichen
mehr. Im Kriege ist es verboten, sich zu fürchten. "nicht werde
zag euer Herz, fürchtet euch nicht und seid nicht bestürzt
und
zittert nicht vor ihnen" (Dt. 20,3). Im Erlaubniskrieg geht der, der
"furchtsamen und zaghaften Herzens ist" (ebda.8) zwar nach
Hause, aber im Mitzwa-Krieg müssen ausnahmslos alle
teilnehmen. Auch der "Furchtsame und zaghaften Herzens".
Aber er hat doch Angst?! In diesem Fall wird er seine Angst
überwinden. Wenn das ganze Volk in Gefahr ist, das Land und
die Heiligung des göttlichen Namens, muß man die Angst
überwinden! "Denn der Ewige euer G~tt ist es, der mit euch
geht, für euch zu streiten mit euern Feinden, euch beizustehen"
(ebda.4). Glauben Sie nun, daß G~tt mit uns geht, oder glauben
Sie es nicht?! Wenn Sie es glauben, haben Sie keine Angst.
Es ist wohl richtig, daß der Mensch keine direkte Herrschaft
über seine Gefühle hat. Es gibt z.B. das Gebot, G~tt in
Freude
zu dienen ("Mischne Tora", am Ende der Gesetze von Lulaw
und Sukka). Wie zwingt sich der Mensch zur Freude, das ist
dann doch bestimmt keine echte Freude? Er hat allerdings
Herrschaft über seine Gedanken. Es ist ihm geboten, solche
Gedanken zu denken, die ihn zur Freude beim Dienst an G~tt
bringen - ebenso Gedanken, die ihn zur Liebe zu G~tt bringen,
zur Liebe der Geschöpfe und zur Furchtlosigkeit im Kriege.
Entsprechend schrieb Rabbiner Moscheh ben Maimon
("Maimonides"), daß eine bestimmte Art Gedanken über das,
was passieren könnte, dem Menschen Angst verursachen: "wer
zu denken anfängt, über den Krieg nachgrübelt und sich
in
Panik versetzt, übertritt ein Verbot" (Gesetze von Königen
und
Kriegen 7,15). Im Gegenteil, er sollte an Dinge denken, die Mut
und Selbstvertrauen stärken; so wird er sein Angstgefühl
überwinden. Mag sein, daß er danach immer noch etwas Angst
hat; sie wird nicht mehr seine Handlungen bestimmen, sondern
sein Verstand und die Erkenntnis, daß es hier ein gewaltiges
Gebot zu erfüllen gibt. In weiter fortgeschrittenem Zustand wird
das Angstgefühl dann vollkommen verschwinden.
2. Manchmal stellt sich gar nicht erst die Frage, wie die Angst
zu überwinden sei, weil die ganze Angst nur auf Übertreibung
und Einbildung beruht. An und für sich erfüllt das Angstgefühl
eine lebenswichtige Aufgabe, daß man sich nämlich vor
Gefahren schütze und Deckung suche. "Der Kluge sieht das
Übel und birgt sich" (Sprüche 22,3). Manchmal ist aber die
Angst nur eingebildet. Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto zitiert
in seinem Buch "Messilat Jescharim" (Der Weg der Frommen)
im 9. Kapitel die Talmudstelle: "Einst folgte ein Schüler Rabbi
Jischma'el ben Rabbi Jose auf der Straße (in Zion), und als
dieser bemerkte, daß er sich fürchtete, sprach er zu ihm:
Du
bist ein Sünder, denn es heißt: 'die Sünder in Zion
fürchten
sich'" (Jeschajahu 33,14/Brachot 60a). Übertriebene Furcht
verdirbt die Eifrigkeit in der Erfüllung der göttlichen Gebote.
Das
ist die "Furcht des Dummkopfes". Jener Schüler fürchtete
sich
umsonst, bildete sich Ängste vor Gefahren ein, die überhaupt
nicht existierten.
Wie läßt sich Gefahr messen? Heutzutage läßt sich
alles
messen. Ist der Krieg gefährlich? Seit dem Beginn der Rückkehr
nach Zion, also während der letzten 120 Jahre, kamen 20.000
Menschen im Lande durch Krieg oder Terror ums Leben. Eine
enorme Zahl, im Durchschnitt 160 pro Jahr. Bei
Verkehrsunfällen kommen heute jedoch etwa 600 im Jahr ums
Leben! Und trotzdem benutzen wir weiter Autos und Busse. Das
Rauchen fordert pro Jahr 10.000 Menschenleben, 1600 davon
passiv, zehnmal soviel wie durch Krieg und Terror! Man muß
alles in seinen rechten Proportionen sehen und nicht
übertreiben.
Manchmal wird es wirklich gefährlich, und dann braucht man
eben Mut. Auch bei den Nichtjuden gibt es Mut und
Durchhaltevermögen. Leningrad wurde im 2. Weltkrieg drei
Jahre lang von den Deutschen belagert, wobei von 3 Millionen
Einwohnern 1,8 Millionen verhungerten - und trotzdem ergaben
sie sich nicht. Das ist Heldenmut!
Unsere heutige Lage wird demgegenüber leider manchmal
übertrieben aufgeblasen dargestellt.
3. Wie steht es nun mit einer wirklich gefährlichen Situation?
Neben der Erfüllung eines göttlichen Gebotes muß man
auch an
G~tt glauben. Man muß daran glauben, daß es ein Recht und
einen Richter gibt und nichts zufällig geschieht. Es gibt
überhaupt keinen Zufall in der Welt. Der Zufall ist "G~tt
inkognito". Alles gehört zur Ordnung der göttlichen Lenkung.
Nur manchmal verbirgt G~tt sein Antlitz, "du aber bist ein G~tt,
der sich verhüllt" (Jeschajahu 45,15). Jedes Leid, das den
Menschen befällt, hat seinen Ursprung in einer göttlichen
Entscheidung (siehe Maimonides, Anfang der Fastengesetze),
erst recht die Anzahl seiner Lebensjahre (Jewamot 50a). Der
Todesengel wütet nicht unkontrolliert, sondern erhält
Weisungen, wann er welche Seele zu holen hat, und er wird sie
nicht eine Sekunde vorher holen und auch nicht eine Sekunde
später. Er findet seine Kundschaft sowohl an der Front als auch
im Bett zuhause. Auch hat er viele Gehilfen: Krieg, Autounfälle,
Krankheiten... Der Gehilfe "Autounfall" hat mehr Beschäftigung
als Gehilfe "Krieg", und der Gehilfe "Rauchen" mehr als alle
zusammen.
Natürlich muß man vorsichtig sein. Wer sich nicht vorsieht,
verdient Strafe, z.B. Lebensverkürzung (siehe Messilat
Jescharim, 9.Kap.). Wer aber unter Selbstaufopferung kämpft,
über den heißt es: "und jeder, der mit ganzem Herzen und
ohne
Furcht kämpft, und dessen ganzes Sinnen auf die Heiligung
G~ttes gerichtet ist, kann sicher sein, daß ihm kein Schaden
geschieht und ihn kein Unglück trifft" (Gesetze von Königen
und
Kriegen, 7.Kap.,Hal.15), dabei gibt es verschiedene Stufen.
4. Überhaupt muß man sich darüber im Klaren sein, daß
dieses
eine "Welt der Probleme" ist (Messilat Jescharim, 1.Kap.) mit
Problemen, Versuchungen, Schwierigkeiten und Krisen. Man
darf nicht naiv sein und muß lernen, in dieser Welt
zurechtzukommen. Die Idee, nicht soviel Nachrichten zu hören,
ist durchaus richtig. Das macht den Menschen fertig, das
Fernsehen noch schlimmer. Forschungen haben ergeben, daß
zuviel Fernsehnachrichten wegen des psychologischen
Druckes, der Anspannung und der Angstgefühle geistige
Vergreisung verursachen. Wir wissen auch so, daß das Leben
schwer ist, und wir brauchen keine fortwährende Konfrontierung
mit immer neuen Anschauungsbeispielen. Sagte Rabbiner Israel
Meir Hakohen (nach seinem bekanntesten Werk "Chafetz
Chajim" genannt) zu seinem Sohn, Rabbiner Lejb: "Ich wundere
mich, daß du Zeitung liest. Wenn du wissen willst, was in der
Welt geschieht, kann ich dir hiermit eine Zusammenfassung
geben: In dieser Welt gibt es immer noch Probleme. Das ist,
kurz gesagt, der Inhalt aller Zeitungen".
Diese Welt ist voller Probleme, und man muß sich seelisch
darauf einstellen, damit einem die Dinge nicht zu sehr an die
Nieren gehen. Schließlich wurden wir gewarnt: "Am Tage des
Glücks sei glücklich, und am Tage des Unglücks schaue
zu, -
auch dieses dicht an jenem hat G~tt gemacht"
(Kohelet/"Prediger" 7,14).
Wir müssen lernen, den Augenblick zu leben, allerdings nicht im
Sinne des epikuräischen "laßt uns essen und trinken, denn
morgen sterben wir" (Jeschajahu 22,13), sondern im Sinne
eines Lebens nach göttlichen Richtlinien. Im Leben des
Menschen wechseln ständig die Situationen, für jede gibt
es
eine bestimmte Lebensweise im Sinne G~ttes, und nicht immer
hat der Mensch dabei die freie Wahl. "Eine Zeit hat Weinen,
und eine Zeit Lachen", "eine Zeit hat Gebären, und eine Zeit hat
Sterben", "eine Zeit hat Aufsuchen, und eine Zeit verloren
Geben", "eine Zeit hat Pflanzen, und eine Zeit hat Ausreißen
des Gepflanzten" (Kohelet, 3.Kap.). Der Heilige, gelobt sei er,
wählt die Zeiten aus, und in ihnen allen müssen wir ihm dienen.
Darum beschäftige man sich nicht übermäßig mit
der Planung
für die Zukunft, und auch nicht mit vergangenen Dingen. Dafür
gab uns G~tt ein Geschenk: das Vergessen. Zwar stört es
manchmal, wenn wir wichtige Dinge vergessen. Es steht sogar
geschrieben: "alle Völker, die G~tt vergessen" (Psalm 8,18). Ist
das nicht schrecklich?! Es hat aber auch seine guten Seiten:
Vergiß deine Leiden, die Leiden des jüdischen Volkes, die
Leiden aller Generationen, die Leiden der Menschheit seit
Anbeginn der Weltgeschichte. Wenn du dir alles vor Augen
führst, drehst du durch. Alles gerät in Vergessenheit, drum
erhalte ihm nicht künstlich die Erinnerung. Entwickle ein
selektives Gedächtnis, suche dir heraus, an was du dich
erinnern willst: "Höre Israel, der Ewige unser G~tt ist ein einiges
ewiges Wesen" (Dt. 6,4); Ägypten! Alles Gute, das G~tt dir
angedeihen läßt (Messilat Jescharim 8.Kap.). Für
das
Vergessen der Leiden brauchen wir uns nicht extra
anzustrengen, das geschieht von ganz alleine - nur bringe sie
nicht wieder in Erinnerung.
Nimm dich auch vor dem Druck der Zukunft in acht: Wenn du
immerzu denkst: was wird nur werden, was wird nur werden -
wirst du auch durchdrehen. Man stelle sich vor, man hätte uns
bei der Zerstörung des ersten Tempels einen Film vorgeführt,
was uns noch alles in den nächsten 2500 Jahren bevorstand -
woher hätten wir die Kraft genommen, durchzuhalten?
Natürlich muß man Pläne für die Zukunft machen,
aber nicht in
seiner Vorstellung alle möglichen zukünftigen Leiden
durchleben, die vielleicht gar nicht geschehen werden. Man
beschränke sich auf die Gegenwart. Man distanziere sich von
dem, was man schon durchgemacht hat, und auch von dem,
was vielleicht noch auf einen zukommt.
"Dir liegt nicht ob, die Arbeit zu vollenden" (Mischna "Sprüche
der Väter", 2,16), du wirst niemals mit der Arbeit fertigwerden.
Das ist eine Arbeit von Jahren und Generationen. Lasse dich
nicht vom Ausmaß der Arbeit beunruhigen. Andererseits "bist du
auch nicht frei, dich ihr zu entziehen" (ebda.). Diene G~tt heute.
"Diese Worte, die ich dir heute gebiete" (Dt. 6,6, Schma-
Gebet), "die ich dir heute gebiete, sie zu tun - sie heute zu
tun
und nicht sie morgen zu tun" (Eruwin 22a/Dt. 7,11). Denke so,
als lebtest du nur heute. Erfülle Tora und Gebote heute, so gut
du kannst. Bist du verheiratet? Stell dir vor, heute wäre der
einzige Tag deines Ehelebens, und verhalte dich entsprechend
gegenüber deinem Ehepartner. Morgen ist dann eine andere
Geschichte.
Wofür hat G~tt die Tage gemacht - "und es ward abend und es
ward morgen - ein Tag", "...der zweite Tag"? So schuf G~tt uns
die Tage. "Gepriesen sei der Herr Tag für Tag" (Psalm 68,20).
Löse die Probleme von heute, Dienst an G~tt von heute, du
hast heute standgehalten. Sei stark und fest - heute. Einen Tag,
und noch einen Tag, und alle Tage verbinden und verknüpfen
sich miteinander zu einer großen und leuchtenden Kette.
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