DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT DEWARIM (Chason)
Nr. 364
4. Aw 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online,
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Dt. 1,1-3,22):
Im 40. Jahr, am 1. des 11. Monats, spricht Moscheh zu den
Kindern Israels, bevor sie den Jordan überqueren: Rückblick auf
die Reise, Einsetzen von Richtern, Aussenden der
Kundschafter+Sünde dazu, welche Länder in Ruhe gelassen
und welche erobert werden.
 
Am Schabbes-Tisch

Gerechte Führung

Rav Jakov Halevi Filber

Das Thema der Führung taucht in der Tora immer wieder auf,
nicht nur im Zusammenhang mit politischer Führung, sondern
vor allem im Hinblick auf die Selbstzucht. In der Tora
begegnen wir erfolgreicher und mißlungener Selbstzucht,
angefangen beim ersten Menschen, Adam, der nicht nur
versagte, "indem er sich seinem eigenen Wesen entfremdete,
der sich der Schlange zuwandte und damit sich selbst preisgab,
- er wußte keine klare Antwort auf die Frage [G~ttes] 'wo bist
du?' zu geben", wie Rabbiner A.J.Kuk im Buche Mussar
Hakodesch schrieb, sondern vor allem damit, daß er keine
Verantwortung zu übernehmen wußte und die Schuld auf seine
Frau schob: "Das Weib, das du mir gegeben hast" (Gen. 3,12).
Auch sein Sohn Kain drückte sich vor Verantwortung: "Bin ich
der Hüter meines Bruders?!" (Gen. 4,9). Später begegnen wir
im Hause Jakovs Beispielen von schwacher
Führungspersönlichkeit. Re'uwen sprach zu seinen Brüdern
wegen Josef: "Wir wollen ihn nicht totschlagen" (Gen. 37,21).
Dann aber hielt er nicht mit vollem Nachdruck zu dieser seiner
Überzeugung, sondern versuchte es mit List: "Werfet ihn in
diese Grube" (ebda.22), um sich bei seinen Brüdern
einzuschmeicheln und seine wahre Absicht zu verschleiern: "um
ihn aus ihrer Hand zu retten und ihn zu seinem Vater
zurückzuführen" (ebda.). Erst als er bei seinen Brüdern eine
gewisse Reue über ihre Tat feststellte, "schuldig sind wir" (Gen.
42,21), wagte er sie offen zu kritisieren: "Hab ich nicht so zu
euch gesprochen.." (ebda.22). Re'uwen vermied ebenfalls, sich
selbst einem Risiko auszusetzen. Als er seinen Vater überreden
wollte, Benjamin mit den anderen Söhnen nach Ägypten zu
schicken, bot er nicht an, sich selber zu opfern [falls er
Benjamin nicht zurückbringen sollte], sondern "meine beiden
Söhne sollst du töten.." (ebda.37). Genau das Gegenteil finden
wir bei seinem Bruder Jehuda (der darum das Königtum erhielt,
obwohl er nicht der Erstgeborene war). Als ihm seine
Schwiegertochter sagte: "Erkenne doch.." (Gen. 38,25), gab er
zu: "Sie ist gerechter als ich" (ebda.26). Ihm gelang es, den
Vater zu überreden, weil er keinen Anderen opfern wollte,
sondern versprach: "Ich will für ihn bürgen, aus meiner Hand
sollst du ihn fordern; wenn ich ihn nicht zu dir bringe und vor
dich hinstelle, so will ich gesündigt haben vor dir alle Tage"
(Gen. 43,9) - ein Musterbeispiel für Verantwortlichkeit. Die
Lehre aus den vorgenannten Fällen besteht darin, daß es bei
einer Führungspersönlichkeit vor allem auf die Persönlichkeit
ankommt. Als unser Lehrer Moscheh entschied, einen Teil
seiner Pflichten zu delegieren und passende Kandidaten erbat,
riet er dem Volk, nicht nur weise und einsichtige Menschen zu
wählen, sondern "in den Stämmen bekannte", d.h. "mit denen
ihr aufgewachsen seid" (Midrasch), und wie Maimonides
erklärte: "deren Sinnesart der ihrer Mitmenschen angepaßt
war". Weiter erklärte Maimonides: "Wodurch sollten sie bei den
Mitmenschen beliebt sein? Durch eine positive Ausstrahlung
und eine bescheidene Seele, durch gute Freundschaft und
sanften Umgang und Rede mit den Mitmenschen" (Gesetze
vom Sanhedrin, 2,7).

Die Rechtsprechung gehört zu den Mitteln der Staatsführung
und dient ihr als Leitbild. Vom Richter werden fünf
Eigenschaften verlangt: "Demut, Himmelsfurcht, Geldhaß,
Wahrheitsliebe und ein guter Namen" (ebda.). Wenn wir in
unserem öffentlichen Leben diesen Standard im Gerichtswesen
durchsetzen wollten, wäre eine nicht zu kleine Revolution bei
der Wahl von Richtern und Dajanim (Rabbinantsrichter)
vonnöten. Nicht nur genaue Kenntnis der Gesetze und reiche
Berufserfahrung sollten die Kriterien für den Bewerber um den
Richterstuhl sein, sondern auch ein entsprechender Charakter,
würdig dem, der über Schicksale entscheidet. Darum muß
bereits das verantwortliche Wahlgremium höchste Sorgfalt
walten lassen, wie es im Midrasch heißt: "'Du sollst kein
Ansehen kennen' (Dt. 16,19) - das ist die Ernennung der
Richter; 'du sollst das Recht nicht beugen' (ebda.) - du sollst
nicht sagen, 'dieser Mensch gefällt mir', 'dieser ist mein
Verwandter'". Dem Talmud entnehmen wir noch weitere
Kriterien (Schabbat 139a/Jeschajahu 14,5): "Zerbrochen hat der
Herr den Stab der Frevler, das sind die Richter, die ihren
Exekutivbeamten als Stab dienen, den Stock der
Gewaltherrscher, das sind die Schriftgelehrten aus den Familien
der Richter" Im Raschikommentar dazu heißt es: "Stock der
Gewaltherrscher - Schlagstock, im übertragenen Sinne: böse
Richter, denen die Schriftgelehrten in ihrer Familie als
Schlagstock dienen, d.h. ihnen zu ihrem Amt verhelfen, sie
schützen und ihre Sprüche rechtfertigen".

Nach welcher Auswahlmethode werden wir demnach das beste
Ergebnis erzielen? So lehrten uns die talmudischen Weisen:
"Vom Sanhedrin sandte man im ganzen Lande Israel und prüfte:
Jeden, der als weise und Sünde fürchtend, bescheiden und
demütig befunden wurde, der über ansehnliches Wissen
verfügte und mit dem die Leute zufrieden waren, machte man
zum Richter an seinem Orte, von da beförderte man ihn [zum
Richter am Gerichtshof] am Eingang zum Tempelberg, und von
da beförderte man ihn [zum Richter am Gerichtshof] am
Eingang zum Tempelvorhof, und von da beförderte man ihn
[zum Mitglied] des Sanhedrins" (Maimonides ebda. 2,8 nach
Sanhedrin 88b).

Die heute gängige Methode, wonach der Kandidat sein Wissen
bei einer Prüfung unter Beweis stellen und gleichzeitig seine
Beziehungen und seinen Einfluß geltend machen muß, paßt
eher in eine karriere- und konkurrenzorientierte Gesellschaft
und ist sicher nicht auf einen bescheidenen Toragelehrten
gemünzt, der öffentliche Ehren meidet. "Zion wird durch Recht
erlöst, und seine Bekehrten durch Gerechtigkeit" (Jeschajahu
1,27) - nur eine Führung, die das Recht mit Gerechtigkeit
verbindet, wird die Erlösung herbeiführen.
 
 
Frage und Antwort

Kritik an unserer Armee

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Nach der jüngsten Serie von Mordanschlägen auf junge
wie alte Menschen in ihren Wohnungen, Restaurants, Hotels,
Discos, Kaufhäusern und Märkten und der wortreichen
Tatenlosigkeit der Gegenseite hat unsere Armee endlich die
Initiative ergriffen und begonnen, mit den palästinensischen
Terrorstrukturen aufzuräumen. Doch schon werden im Inland
wie im Ausland Stimmen laut, die das Vorgehen unserer Armee
kritisieren. Aber so ist das doch schließlich in einer Demokratie
üblich, oder nicht?

Antwort: Wir befinden uns momentan im Kriegszustand, und
deshalb ist es verboten, über die Armee herzuziehen. Im
Gegenteil, man muß unsere Soldaten und Offiziere loben,
unterstützen und bestärken, da sie Tag und Nacht zur
Verteidigung unseres Volkes und unseres Landes ihr Leben zu
geben bereit sind. Wehe dem Verräter, wehe dem Verweigerer.
Rabbiner Naftali Zwi Jehuda Berlin (Leiter der berühmten
Woloschiner Jeschiwa vor etwa 120 Jahren) schrieb, wer die
Hände des Feldherrn schwächt, macht sich des Todes schuldig,
denn er gefährdet damit die ganze Nation. Im Buche Jehoschua
wird erzählt, wie die Stämme Re'uwen, Gad und der halbe
Stamm Menasche Jehoschua wie folgt versprachen: "Jeder
Mann, der widerspenstig ist gegen deinen Ausspruch und nicht
hört auf deine Worte in allem, was du ihm gebietest, werde
getötet. Nur sei stark und fest" (Jehoschua 1,18).

Wozu sollte das gut sein? Rabbiner Berlin erklärte: "Dies alles
gehörte zum Kriegswesen, als er [Jehoschua] alle in den Krieg
führte - und der Feldherr gilt in seinem Amt immer wie ein König
- und wer sich gegen den König auflehnt, macht sich der
Todesstrafe schuldig (Sanhedrin 49a; Maimonides, Gesetze von
Königen und Kriegen 3.Kap., §8). Wenn einer gegen seinen
Kampfauftrag widersprochen hätte, würde er damit die
Kampfmoral Jehoschuas schwächen, und es gäbe keinen
größeren Schwachpunkt als diesen für die jüdische
Gemeinschaft in ihrem Krieg gegen die Kana'aniter; er gilt also
rechtlich als "Verfolger" (rodef) und macht sich todesschuldig.
Darum schlossen sie ihre Worte mit 'Nur sei stark und fest',
damit so einer getötet und dadurch die Kampfmoral bestärkt
werde" (Ha'emek Sche'ela).

Daraus können wir entnehmen, daß der Feldherr einen
Befehlsverweiger töten lassen darf, wenn dies unbedingt
notwendig ist.

So erklärte Rabbiner Berlin auch den Ernst der Tat von Achan
(Jehoschua 7,1) mit dem Tatbestand der Befehlsverweigerung,
ebenfalls die Überlegungen König Scha'uls, seinen Sohn
Jehonatan für das Essen von Honig töten zu lassen (Schmu'el I,
14,43), weil er einen ausdrücklichen Befehl ignoriert hatte;
allerdings löste ihn das Volk aus (ebda. V.45, weil Jehonatan
gar nichts von dem Befehl gewußt hatte). Und Joaw, der
Feldherr König Davids, wollte sogar seinen Lehrer töten, weil er
ihn in seiner Kindheit in Kriegsdingen irrtümlich falsch
unterrichtet hatte (Baba batra 21b). Dazu erklärte Rabbiner
Berlin: "Sein Lehrer war nicht vorsichtig genug bei so einer
Sache, die die Kriege des Volkes Israel betrifft, und alles, was
die Kriegführung angeht, gehört zu den Fragen von Leben und
Tod, denn wer weiß schon im voraus, was die Zukunft bringt"
(Ha'emek Sche'ela).

Darum lautet das Gesetz, daß man "hinter jeder
Gefechtsgruppe starke und harte Ordnungstruppen aufstellt mit
eisernen Beilen in ihren Händen, und wenn jemand vom Kampf
weglaufen will, so haben sie das Recht, seine Knochen zu
zerschlagen, denn die Niederlage beginnt mit dem Fortlaufen"
(Gesetze von Königen und Kriegen, 7.Kap., §4), und nach
Rabbiner Berlin, weil so einer als "Verfolger" (Rodef) gilt, obwohl
dieser gar keine Absicht der Verfolgung hegt, aber das Gesetz
vom Verfolger gilt auch im Falle fehlender Absicht
[ausschließlich durch objektiven Tatbestand].

Zusammengefaßt: "Es gibt keinen größeren 'Verfolger' als den,
durch den die israelitische Gemeinschaft im Kriege scheitert"
(Ha'emek Sche'ela).

Manche mögen nun fragen, wenn dem so ist, warum erlaubte
ich die Befehlsverweigerung, als in der Vergangenheit die
Aufgabe von Gebieten des Landes Israels zugunsten der
Feinde zum Thema stand?! Darauf antworte ich: Diese
Beschuldigung ging an die falsche Adresse! Ich habe niemals
so etwas gesagt. Doch auch diejenigen, die es wirklich sagten,
kann man nicht zum Vergleich in unserem Fall heranziehen,
denn hier liegt der Fall genau andersrum.

Es liegt also kein Grund vor, über unsere Armee herzuziehen,
im Gegenteil, sie verdient unseren Respekt, unser jascher
koach. Sie rettet uns vor den Bösewichtern, die uns verfolgen,
um uns zu töten. Diese Leute suchen keinen Frieden. Wir
kennen sie schon lange. Unsere Armee kämpft nicht, um
irgendwelche Angriffslust abzureagieren, sondern um Volk und
Land Israel zu retten.

Die Armee leistet heilige Arbeit. Jeder, der ein Gebot erfüllt, wird
geheiligt, wie es in den Segenssprüchen heißt: ...der uns durch
seine Gebote geheiligt (ascher kidschanu bemitzwotaw). Und
ein großes Gebot bringt große Heiligkeit, erst recht ein Gebot,
das Selbstaufopferung erfordert. Chasak chasak wenitchasek.
 
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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http://www.israelnationalnews.org
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