DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT CHAJE SARA
Nr. 329
24. Marcheschwan 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Gen. 23,1-25,18)
Saras Tod, Kauf der Höhle Machpela bei Chewron ("Hebron"),
Awrahams Hausverwalter Elieser auf Brautschau für Jizchak,
bringt Riwka, Awrahams neue Frau Ketura und ihre
Nachkommen, Awrahams Tod, seine Beerdigung in der Höhle
Machpela durch Jizchak und Jischma'el, Jischma'els
Nachkommen und Tod.
 
Frage und Antwort

Wozu Hebron?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Wozu versteifen sich einige Leute, unbedingt in Chevron
(Hebron) wohnen zu müssen? Das ist doch nur eine winzige
jüdische Siedlung inmitten von zigtausenden Arabern, die große
militärische Kräfte bindet und unnötige Reibereien verursacht!
Genug mit dieser Hartnäckigkeit, laßt das nach!

Antwort: Nein, wir bleiben daffke hartnäckig. Die Hartnäckigkeit
war schon immer unsere Stärke. So lehrte uns auch der weise
Rabbiner Elijahu ("der Ga'on") von Wilna: Wer hartnäckig bleibt,
hat am Ende Erfolg. Es gibt natürlich auch Versteifung auf
Unfug und dummes Zeug, und manche fangen einen dritten
Weltkrieg wegen Kleinigkeiten an; so ist das aber mit dem
"hartnäckigen Volk", das hartnäckig sündigt und sich mit
nutzlosem Zeug beschäftigt. Doch sich auf das Gute zu
versteifen, die Wahrheit und die Gerechtigkeit - dafür sind wir
hier. Diese Welt ist eine schwierige Welt, in der man nichts
ohne Mühe erreicht. So steht es z.B. am Anfang des Buches
der Charakterbildung "Der Weg der Frommen" ("Messilat
Jescharim", Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto). Im Gegenteil,
was mit Leichtigkeit erreichbar ist, erregt Verdacht und muß
genauestens geprüft werden. Jede ernsthafte Sache hat ihre
problematischen Seiten. Wenn der Aufbau von Chevron soviele
Schwierigkeiten, Widerstand und Ablenkungsmanöver auf sich
zieht, zeigt das nur seine immense Bedeutung, und wir dürfen
auf keinen einzigen Millimeter verzichten .

Warum aber eigentlich nicht nachgeben, um etwas freier atmen
zu können, so wie eine Eidechse, die am Schwanz gefangen
sich durch Trennung von selbigem die Freiheit verschafft?
Besser ein wenig kürzer - und am Leben! Warum also nicht das
Anhängsel Chevron abschneiden und frei werden? Weil das
Land Israel eben keine Eidechse ist, sondern das Land unseres
Lebens. Chevron ist nicht nur Chevron, sondern vor allem
Israel. Jeder Millimeter des Landes Israel ist ein Stück unserer
Lebendigkeit. Wer auf nur einen Millimeter verzichtet, zerstört
damit seine Verbundenheit mit dem Land, etwa wie jemand, der
die Schabbatgesetze einhält, nur daß er eine klitzekleine
Zigarette raucht... oder ein ehrlicher Mensch, der nur minimale
Beträge stiehlt, oder jemand, der seine Frau liebt und sie nur
ganz selten mal dem Nachbarn für eine Stunde gegen
Bezahlung überläßt. Doch genau so, wie sich die Ehe nicht hier
und da ein bißchen lockern läßt, weil das gegen ihr Wesen
verstößt, verhält es sich auch mit unserer Beziehung zum Land
Israel.

Bitte beantwortet mir eine simple Frage: Gehört Chevron zu
Israel oder nicht?! Und ebenso jeder andere Teil unseres
Landes. Von Dan bis Be'erscheva, von Kirjat Schmona bis Kirjat
Arba, von Tel-Aviv bis Sch'chem, Akko, Haifa und Jaffo - alles
gehört zum Lande Israel. Innerhalb unseres Landes gibt es
dann unterschiedliche Grade der Heiligkeit.

Kalev ben Jefunneh fürchtete den Ratschluß der anderen
Kundschafter, [die von Moscheh zur Erkundung des Landes
ausgesandt worden waren,] und ging zu den Gräbern der
Stammväter nach Chevron, um von ihnen Stärkung zu erhalten.
Zehn der zwölf Kundschafter jammerten nach ihrer Rückkehr:
"Was wird nur werden, dieses Land verschlingt seine
Bewohner, dort gibt es Riesen, die uns fressen werden, wir sind
für sie bloß wie Grashüpfer, sie werden uns vernichten, es ist
einfach unmöglich; wir müssen realistisch bleiben und auf einen
Teil verzichten, um den Rest zu retten - in diesem ungleichen
Kampf" (siehe Num. 13, 28-33). Nach vierzig Jahren
Wüstenwanderung wandte sich Kalev an den großen
Heerführer Jehoschua bin Nun: "Ich bin zwar schon alt, aber
körperlich topfit. Ich habe noch eine alte Rechnung mit den
anderen Kundschaftern zu begleichen: Sie behaupteten damals,
von Chevron aus die Riesen Achiman, Scheschai und Talmi
gesehen zu haben. Ich möchte Chevron erobern und selber
sehen, wo diese Riesen stecken". Er siegte, und weit und breit
waren keine Riesen in Sicht - alles nur Einbildung.

Ihr bildet euch Probleme ein, und damit schafft ihr Probleme.
Nur keine Angst! Ihr fürchtet euch wegen a-b-c? Weil ihr Angst
habt, entstehen die Probleme a, b und c. Manche sagen, weil
die Araber unser Blut vergießen, müssen wir uns zurückziehen.
Umgekehrt! Weil ihr dauernd von Rückzug redet, verursacht ihr
Blutvergießen, g~ttbehüte. Die Mörder morden, bekommen
dann was - eine Belohnung für Mord und Blutvergießen!
Verbrechen zahlt sich aus.

Man darf keine Angst haben. "Einst folgte ein Schüler Rabbi
Jischma'el ben Rabbi Jose auf der Straße (in Zion), und als
dieser bemerkte, daß er sich fürchtete, sprach er zu ihm: Du
bist ein Sünder, denn es heißt: 'die Sünder in Zion fürchten
sich'" (Jeschajahu 33,14/Brachot 60a). Die Angst an sich - ist
Sünde.

Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") führte in seinem
Gesetzeswerk "Mischne Tora" das Verbot auf, in Kriegszeiten
Angst zu haben. "Laßt den Mut nicht sinken, 'euer Herz sei nicht
verzagt, fürchtet euch nicht, zittert nicht und erschreckt nicht vor
ihnen' [den Feinden] (Dt. 20,3). Wenn du Angst hast, geh nach
Hause, und schwäche nicht die Moral der Anderen so wie die
deine" (Gesetze von Königen und Kriegen, Ende des 7.Kap.).
Auch ein einfacher Bürger darf keine Angst haben, sagte unser
Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk. In unserer Situation gibt es
keinen Unterschied zwischen Bürger und Soldat. Wir sind alle
Soldaten, wir sind alle im Dienst, jeder Ort - Grenzgebiet.

Wenn du Angst hast, geh nach Hause, schweig still und lerne
Jene zu respektieren, die sich nicht fürchten. Komm ihnen nicht
in die Quere. Du hast Angst, in Chevron zu wohnen? Dagegen
haben wir nichts einzuwenden, und wir werden dich dafür
g~ttbehüte nicht schlechtmachen. Vielleicht bist du ein besserer
Mensch als wir, mit Vorzügen, die uns fehlen. Wir richten dich
nicht. Aber entmutige nicht Andere, und behindere nicht
diejenigen, die keine Angst haben, die in Kirjat Arba und
Chevron wohnen und sich nicht fürchten. Bei denen würdest du
damit sowieso nichts ausrichten.

Einer der größten Rabbiner vor über hundert Jahren, Rabbiner
Jizchak Elchanan Spektor, redete von drei verschieden Arten
von Sünde. Zwischen Mensch und G~tt - hierbei hilft die
reumütige Umkehr. Zwischen dem Menschen und seinem
Nächsten - Umkehr und Vergebung des Betroffenen; zwischen
einem Juden und dem Volk Israel - da ist nichts zu machen, wie
kann er denn alle um Vergebung bitten?!

Wer eine Politik der Angst, Schwäche und Nachgiebigkeit führt
und auf diese Weise dem jüdischen Volk Schaden zufügt,
Blutvergießen und Schande, Ziellosigkeit und Verlust von Teilen
des Landes - wie kann er das je wieder gutmachen?!

Ein ängstlicher Politiker lasse sich lieber umschulen. Es gibt
viele gute Berufe, doch zum Führen der Nation braucht man
Mut und Standhaftigkeit. Das ist weder Luxus noch Extra,
sondern ein lebensnotwendiges Muß. G~tt sprach zu
Jehoschua bin Nun: "Sei fest und stark" (1.Kap.), ohne diese
Eigenschaften wirst du das Land nicht besiedeln können.

Wir leben in einer großen Epoche! Das Volk Israel kehrt in sein
Land zurück! Jeder Einzelne bildet einen Teil dieses großen
Volkes, einen Teil dieser großen Heiligung des göttlichen
Namens des Volkes Israel im Lande Israel, der Rückkehr nach
Zion, nach Chevron und an jeden anderen Ort. G~ttseidank
kommt die Nation voran, wächst und gedeiht. Die Anzahl der
Juden im Lande wächst, die Anzahl der Städte, die
Wirtschaftskraft, mehr Jeschiwot und mehr Tora. Alles kommt
voran.

Sage nicht, was kommt es mir auf Chevron an, auf eine Stadt
mehr oder weniger. Hier handelt es sich nicht um irgendeine
ferne Stadt irgendwo auf dem Planeten, wo sich Juden auf einer
einsamen Insel einen Platz zum Leben gebaut haben. Chevron
ist integraler Bestandteil des Landes Israel, ein Symbol der
Rückkehr nach Zion und für den Aufbau des Landes.

Wenn du um einen Teil des Landes kämpfst, kämpfst du ums
ganze Land, wenn du einen Teil aufbaust, baust du das ganze
Land, und wenn du einen Teil stärkst, stärkst du Alles, und
wenn du dich auf einen Teil versteifst, versteifst du dich aufs
Ganze.

Seid stark, unsere Brüder in Kirjat Arba und Chevron und in
allen Orten drumherum. Eure Selbstaufopferung strahlt auf alle
Anderen ab, und das ganze Volk, das in Zion wohnt, wird durch
euch bestärkt. Ihr seid die Pioniere, die dem Lager vorangehen,
die sich mit dem Stacheldraht herumschlagen, damit die
anderen unbehindert vorwärtskommen.

Man darf keine Angst haben, und man darf nicht nachgeben,
denn darin liegt der Grund allen Übels. Wir brauchen Menschen
mit Rückgrat. Wir sind schließlich nicht mehr im Exil und
brauchen uns nicht anzubiedern. In der Galut gibt es keine
andere Wahl, man muß sich arrangieren, um zu überleben. Hier
jedoch ist es umgekehrt, hier braucht man die aufrechte Haltung
zum Überleben. In der Galut dient man G~tt durch das Wahren
eines niedrigen Profiles, in Israel jedoch durch eine aufrechte
Haltung, "Rache zu üben an den Völkern, Züchtigung an den
Nationen" (Psalm 149,7), durch unsere heiligen Streitkräfte.

Mögen sich darum die Hände aller unserer mutigen Brüder
stärken, die jeden Flecken im Lande besiedeln, entwickeln und
erbauen -  und keine Angst dabei haben.

Denn Angst ist Sünde. Natürlich muß man vorsichtig sein, mit
Bedacht und Verstand vorgehen - aber nicht in Furcht. Das gab
es nur in der Galut. Allein die Tatsache der Rückkehr nach Zion
beweist, daß wir keine Angsthasen sind. Heute dienen wir G~tt
wieder mit Mut und Stärke. "Eisen und Kupfer dein Riegel" (Dt.
33,25), "das sind die Helden Israels, die an der Grenze leben
und diese sichern, wie mit Riegeln aus Eisen und Kupfer"
(Raschikommentar). Die Helden von Chevron sichern unsere
Grenze, damit uns die Feinde nicht das Erbe unserer Väter
entreißen.

Glücklich die Siedler Chevrons, glücklich, wer auf Chevron
schaut, glücklich, wer sagt: wir alle sind Chevron.

CHEVRON - LINK

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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