DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT CHUKKAT (außerhalb Israels Korach)
Nr. 360
5. Tammus 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;    NEU: Jetzt auch Video!
desgleichen auf Französich (audio)
 

Diese Woche in der Tora (Num. 19,1-22,1):
Wasser mit Asche der roten Kuh zur Beseitigung von
Leichenunreinheit im Tempel; Mirjam stirbt, Brunnen versiegt,
Volk murrt; Moscheh eröffnet neue Quelle, aber nicht genau wie
von G~tt befohlen; Edom verweigert Durchreise; Aharon stirbt
nach Übertragung der Hohepriesterschaft auf seinen Sohn
Elasar; Kana'aniter greifen an und werden geschlagen; Volk will
kein Manna mehr, Strafung durch Giftschlangen; kupferne
Schlange; Volk singt Loblied; Eroberung von Moaw und
Baschan (Transjordanien und Golan).
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Tod dem König!

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Nein, hier geht es nicht um Mordhetze, sondern um das
Bedürfnis, etwas von der Episode des Krieges gegen Sichon,
König von Cheschbon, und Og, König von Baschan zu lernen.

Zwei Könige stehen vor dem Eingang ins Land Israel. Der eine
ist der König von Cheschbon [=Denken, Berechnung], sein
Königreich die Gedankenwelt. Er weiß die ganze Welt zu
berechnen. Alles läuft bei ihm über die Waage des kühlen
Verstandes. Er weiß Gewinn gegen Verlust zu setzen und
Kosten gegen Nutzen. "Mystische" Aspekte läßt er außen vor,
ebenso moralische Werte oder Begriffe der Ewigkeit. Das Land
Israel ist für ihn nichts anderes als eine Immobilie. Nach seinem
Willen erwirbt er es, und nach seinem Willen stößt er es ab. Es
hängt nur vom Preis ab. Er kalkuliert seine Möglichkeiten. In
seinem Inneren ist er dabei gar nicht so kaltfühlig. Er verfügt
auch über eine reichhaltige Gefühlswelt. Allerdings ohne Werte,
die seinem Leben eine Richtung weisen, vielmehr sind alle
seine Gedanken auf die aktuelle Bedürfnisbefriedigung seines
Körpers ausgerichtet. Er gleicht dem jungen Pferd
(Siach/Sichon), dem "Waldfüllen, das ein Mensch geworden"
(Ijow 11,12) und nach den Genüssen des Hier und Jetzt strebt.

Der zweite ist Og König von Baschan mit Sitz in Edrëi (siehe
Jehoschua 12,4). Er herrscht mit der Stärke des Armes (Dar'a
in Aramäisch), ein Riese von gewaltigen Kräften. Selbst seine
Zähne sind scharf und kräftig. Er liebt den Kampf, die Gewalt,
die Kraftmeierei. Auch er ist wie der Vorhergenannte frei von
moralwertigen Überlegungen. Wenn er in den Krieg zieht, dann
zur Jagd oder aus Rache oder zur Lösung von akuten
Wirtschafts- oder Sicherheitsproblemen. Er kommt nicht aus
seinem kleinen Kreis (Oga) heraus, einem geschlossenen Kreis
kleinlicher Überlegungen des Augenblicks, ohne höheren Geist
und Weitblick, ohne sittliche Werte.

Gegen diese beiden Könige am Eingang zum Lande Israel legt
das Volk Israel zwei Arten von Tefillin an. So erklärt der
Torakommentar Sefat Emet: Die Tefillin "schel rosch" auf dem
Kopf gegen die Denkweise des Königs von Cheschbon. Die
Tefillin "schel jad" auf dem Arm gegen den König von Edrëi. Die
Kraft des Überlegens von Sichon wird besiegt durch die Kraft
des Glaubens von Israel, einer Kraft, deren Abwägungen sich
nach moralischen Werten richten, nach Heiligkeit und Ewigkeit.
Die Kraft des Armes von Og wird gekontert durch die Kraft der
Taten des jüdischen Volkes, die Ausführung der Gebote zur
Vervollkommnung der Welt unter der Königsherrschaft G~ttes.
Beide Tefillin enthalten den ewiglichen Spruch: "Höre Israel, der
Ewige, unser G~tt, ist ein einiges ewiges Wesen" (Dt. 6,4). Der
Sieg über jene beiden Kräfte, König Cheschbon und König
Edrëi, ist eine unabdingbare Voraussetzung für den Einzug ins
Land Israel und zum Führen eines sinnvollen Lebens ebendort.

Zu Rabbiner A.J.Kuk kam einmal ein reicher Jude aus Polen,
um sich mit ihm über die Einwanderung nach Israel zu beraten.
Vor allem bewegten ihn Überlegungen wie die Kosten der
Geschäftsauflösung im Ausland gegenüber den mageren
Geschäftsaussichten im Lande. Schließlich nahm ihn Rabbiner
Kuk zur Seite und sagte ihm: Die Einwanderung nach Israel
steht über allen kleinlichen Berechnungen. Noch bevor die
Kinder Israels ins Land kamen, mußten sie den König von
Cheschbon töten... - Und wenn es zum Beispiel im Krieg um die
Rettung eines verwundeten Soldaten geht, richtet man sich
auch nicht nach kalter Kosten-Nutzenrechnung, sondern nach
viel allgemeineren Maßstäben. Auch die Besiedlung des Landes
darf nicht nach kurzfristigen wirtschaftlichen oder sogar
sicherheitspolitischen Gesichtspunkten erfolgen.

In diesem Sinne läßt sich die Deutung der talmudischen Weisen
des Klageliedes Cheschbons verstehen: "'daher sagen die
Herrschenden' (Num. 21,27) - darunter sind die zu verstehen,
die ihren Trieb beherrschen; 'kommt nach Cheschbon' (ebda.) -
kommt, wir wollen die Rechnung [cheschbon] der Welt
aufstellen: den Verlust durch das Gebot [in dieser Welt] im
Vergleich zum Gewinne [in der kommenden Welt], und den
Gewinn durch die Übertretung im Vergleich zum Verluste [dito]"
(Baba batra 78b). Die "Rechnung der Welt" - einer Welt voller
Gedanken von Größe, die in Mut und Macht resultieren.

Darum danken wir G~tt im Schabbatgebet für das Gute, das er
uns zukommen ließ (Psalm 136,17-22):
"Der große Könige schlug, denn ewiglich währt seine Gnade,
Und tötete mächtige Könige, denn ewiglich währt seine Gnade,
Den Sichon, König des Emori, denn ewiglich währt seine Gnade,
Und den Og, König von Baschan, denn ewiglich währt seine Gnade,
Und gab ihr Land zum Besitze, denn ewiglich währt seine Gnade,
Zum Besitze Israel seinem Volke, denn ewiglich währt seine Gnade".
 
 
Frage und Antwort

Ihr Mann der Prinz

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Mein Mann ist wirklich ein guter Mensch mit gutem
Charakter, aber nicht so ganz stattlich. Ich will ja gar nicht
sagen, er sei häßlich, aber ein Adonis ist er auch nicht. Das
stört mich etwas. Ich bemerke, wie andere Männer viel
ansehnlicher sind. Er nicht. Dabei ist er ehrlich ein guter
Ehemann, kümmert sich, aber schön ist er nicht. Ich weiß, daß
ich nicht so denken sollte, aber was kann ich machen, so fühle
ich eben, als bliebe mir nichts anderes übrig, ich sitze mit ihm
fest.

Antwort: Ja, manchmal gibt es einen Prinzen, der wie ein
Frosch aussieht. Nicht wirklich wie ein Frosch, aber auch nicht
wie ein Prinz. In Wirklichkeit ist er aber ein Prinz: guter
Charakter, wunderbarer Ehemann und sorgender Vater. Ein
Prinz, dem man es nicht ansieht.

Leider ist es nicht leicht, in einer Lügenwelt ("Alma deSchikra")
zu leben, in einer Welt, in der Äußerlichkeiten Eindruck machen.
"Nicht rühme sich der Weise seiner Weisheit" (Jirmijahu 9,22),
was bedeutet es schon, daß er viele Dinge weiß? Damit kann er
gleichzeitig ein Ketzer und Bösewicht sein. "Nicht rühme sich
der Reiche seines Reichtums" (ebda.), eines teuren Autos und
seiner Luxuswohnung, kurz: seines hohen sozio-ökonomischen
Status'. Und das macht ihn schon zum Prinzen?! Vielmehr
handelt es sich um einen Frosch, der wie ein Prinz aussieht.
"Nicht rühme sich der Starke seiner Stärke" (ebda.). Und wenn
er schön ist - dann ist er schon gleich ein Prinz?!

"Trug ist die Anmut, und eitel die Schönheit", "durch
G~ttesfurcht werde sie gerühmt" (Sprüche 31,30). Männer sind
dafür unendlich anfälliger als Frauen; sie sehen nicht die
Prinzessin vor sich, weil sie sich an Äußerlichkeiten halten, und
nach dem äußeren Erscheinungsbild ist sie keine Prinzessin.

Darum sagen wir der Fragestellerin: Diese Worte sollen nicht
als Trost mißverstanden werden, sondern danach sollte man
sich von vornherein richten. Schönheit ist sowieso relativ. Wie
schon der Philosoph Voltaire einmal sagte: "Wenn du einen
Chinesen fragst, was Schönheit sei, so wird er sagen: eine
Chinesin. Einen Schwarzen: eine Schwarze. Einen Kater: eine
Katze. Einen Kröterich: eine Kröte. Und wenn du einen
Philosophen fragst, wird er dir ein hochtrabendes Blabla
antworten".

Bei den Griechen galt der als schön, dessen Stirn und Kinn auf
gleicher Ebene lagen. Bei den Römern galt eine Rothaarige mit
durchgehenden Augenbrauen als schön. Kaufen Sie sich also
eine rote Perücke und verbinden Sie die Augenbrauen mit
Schminke! - Natürlich ist das alles großer Unfug.

Sehr gut, daß Sie diesen Mann geheiratet haben: Er ist ein als
Nicht-Prinz verkleideter Prinz, und Sie sind keinem als Prinzen
verkleideten Nicht-Prinzen auf den Leim gegangen. Wenn Sie
wirklich einen nachgemachten Prinzen erwischt hätten, wären
Sie zu Anfang ganz begeistert und glückselig, doch schon nach
kurzer Zeit ließe das Gefühl nach, wie alle Gefühle, die nur auf
Äußerlichkeiten beruhen. Ein in der Wahrheit, der Realität, dem
Verstand, dem Geiste, der Gerechtigkeit und der Tora
verwurzeltes Gefühl hat Qualität und hält auf Dauer, eine
wirklich tiefe Liebe, die auf Einigkeit, Verantwortungsgefühl und
Wertschätzung gebaut ist.

"Trug ist die Anmut, und eitel die Schönheit" - wenn dem so ist,
fragte Rabbiner Elijahu ("Gaon") von Wilna, warum erwähnt die
Tora Rachels Schönheit und ähnliche Fälle? Und die Antwort:
"eine Frau durch G~ttesfurcht werde sie gerühmt" - ihrer Anmut
und ihrer Schönheit! Anmut und Schönheit, die aus G~ttesfurcht
herrühren.

Esther zum Beispiel fand Gefallen in den Augen eines Jeden,
der sie sah. Wie kam das? - fragen die talmudischen Weisen,
wo doch die Meder nur Mederinnen und die Perser nur
Perserinnen mögen? Weil sie "Anmut" hatte. Es gibt schöne
Frauen und Männer - aber ohne Anmut. Sie können kein
freundliches Lächeln auf die Lippen bringen. Obwohl Esther
einen grünlichen Teint hatte, eine nicht als hübsch empfundene
Farbtönung, strahlte ihr Gesicht Anmut aus.

Wir müssen also bestimmen, wofür Sie den Mann brauchen:
Wenn er ein Filmstar sein soll oder Dressman, oder die
Titelseite eines Monatsblatts für die oberen Zehntausend
schmücken soll - dann kann Ihnen seine Schönheit viel Geld
einbringen. Wenn Sie ihn allerdings heiraten wollen, dann muß
er Anmut haben (im Sinne, wie wir zuletzt erklärt haben, und
nicht wie im vorgenannten Vers).

Man muß lernen, und sich selbst dazu erziehen, die innere
Schönheit zu sehen, bzw. die innere Anmut jenes echten
Prinzen; dann verliebt man sich in ihn.

"Die Schule Hillels sagt, [man spreche:] Schöne Braut und
liebreiche! Die Schule Schammais sprach zur Schule Hillels:
Wie sollte man, wenn sie lahm oder blind ist, über sie sagen:
schöne Braut oder liebreiche, die Tora sagt ja: 'von einer Lüge
halte dich fern' (Ex. 23,7)?!... sagten die Weisen: Stets passe
man seine Sinnesart der seiner Mitmenschen an" (Ketubot 17a).
In den Augen des Bräutigams ist sie schön, sonst hätte er sie ja
nicht geheiratet, und es stört ihn nicht, daß sie lahm oder blind
ist. Glauben Sie, daß er sich wegen ihrer Schönheit in sie
verliebt hat? Umgekehrt! Weil er sich in sie verliebt hat, ist sie
für ihn schön. Seine Liebe für sie bewirkt eine Umwälzung und
läßt sie als die schönste Frau der Welt erscheinen.

Wenn Sie Ihren Mann lieben werden, Ihren echten Prinzen,
werden Sie gewahr werden, wieviel Anmut er besitzt. Der
englische Schriftsteller Oscar Wilde verfaßte die Geschichte
vom "Bildnis des Dorian Gray". Ein besonders begabter Künstler
malte ein wunderbares Bild von diesem Mann, der wirklich zu
den Schönsten der Welt zählte, mit feinen, aristokratischen
Gesichtszügen, die Gutherzigkeit ausstrahlten, Anständigkeit,
Gerechtigkeit, Wahrheit, Sittlichkeit und Demut. Leider
befanden sich alle diese guten Eigenschaften nur auf seinem
Gesicht. In Wirklichkeit war er durch und durch verdorben, doch
wie durch ein Wunder blieben seine edlen Gesichtszüge
erhalten. Von Tag zu Tag trieb er es schlimmer, doch sein
Gesicht blieb das gleiche - aber nicht auf dem Porträt! Nach
jeder Missetat verzerrte sich ein weiterer Gesichtszug auf dem
Bild, das die Häßlichkeit seiner Taten getreulich widerspiegelte.
So wurde das Bild mit jedem Tag häßlicher. Er selber behielt
das immer freundliche Gesicht, was ihm letztendlich seine
Schandtaten ermöglichte, denn um als Betrüger Erfolg zu haben
und um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, muß man
einen seriösen Eindruck erwecken. Das Bild fing alles auf, bis
es schließlich ein ekliges, schreckliches und furchteinflößendes
Monstrum zeigte; natürlich hielt er es gut unter Verschluß. Bei
seinem Tode geschah etwas Unheimliches: die ganze
Häßlichkeit des Bildes übertrug sich auf die Leiche, und das Bild
kehrte zu seiner ursprünglichen Schönheit zurück.

Sie haben keinen Dorian Gray geheiratet, sondern einen
wirklich guten Menschen, und nun lassen Sie sich nicht von
Lügen den Verstand rauben.

Alles Vorgenannte gilt erst recht für Männer. Es hat sich schon
zu einer Epidemie entwickelt, was die Heiratskandidaten an
guten Eigenschaften von ihren Auserwählten erwarten - als ob
sie selber all diese hätten... darunter auch Schönheit. Es gibt
sogar welche, die letztere zur Bedingung machen. Wie kann ein
Mensch sich so erniedrigen?! Das ist ja geradezu unglaublich!
Was für eine verkrummte Lügenwelt. Hat er noch nicht gehört:
"Ein goldener Nasenring am Rüssel des Schweins, (so) ein
schönes Weib, das ohne Anmut ist" (Sprüche 11,22)? Und
wieviele solche Ehen in Scheidung endeten?

Sie können froh sein, einen Prinzen erwischt zu haben. Je mehr
sie sich auf die Eigenschaften konzentrieren, die über das
Äußerliche hinausgehen, werden Sie seine wahre Schönheit
erfassen, wieviel Anmut sein Gesicht wirklich ausstrahlt, und
dann sind Sie nicht nur mit einem Prinzen verheiratet, sondern
werden sich auch als mit einem wunderschönen Prinzen
verheiratet fühlen.
 

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