DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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"Betrachtungen"
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den Rabbi" auf deutsch
-früher aktualisiert (update)
als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BO
Nr. 339
6. Schwat 5762
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
NEU: Jetzt auch Video!
desgleichen auf Französich
(audio)
Diese Woche in
der Tora (Ex. 10,1 - 13,16)
Die letzten drei Plagen: Heuschrecken,
Finsternis und Tötung
der Erstgeborenen; Definition des "ersten
Monates";
Vorbereitungen zum Auszug aus Ägypten:
Opferblut an
Türpfosten, Opferlamm essen; Pessachgesetze;
Kinder Israels
backen Matze; Gesetze von Tefillin und
Erstgeborenen der
Haustiere zur Erinnerung an den Auszug
aus Ägypten.
| Frage
und Antwort
Wer hat sich das bloß ausgedacht? Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Sollte man hartnäckig in gefährlichen Gebieten
des
Landes Israel verbleiben, obwohl doch Lebensgefahr alle
Gebote der Tora verdrängt, selbst besonders wichtige und
heilige Gebote?
Antwort: Ich weiß nicht, wer zuerst diese Frage gestellt
hat. Das
ist nämlich eine neumodische Frage, die im Verlaufe der
Generationen niemals vorher gestellt wurde. Die Infragestellung
der Opferbereitschaft für die Besiedlung des Landes Israel
erscheint weder in der Tora noch in den Prophetenbüchern,
weder in der Mischna noch in der Gemara, weder bei den
frühen Dezisoren (Rischonim) noch bei den späteren
(Acharonim). Erst in allerjüngster Zeit taucht plötzlich
diese
Frage auf.
In allen Zeitaltern zeigten die Juden Opferbereitschaft für das
Land Israel, und es versteht sich von selbst, daß das Gebot der
Besiedlung des Landes solche Opferbereitschaft nötig macht.
Natürlich wurde niemand dazu gezwungen. Dazu kann man
auch niemanden zwingen, aber wer trotzdem dieses Gebot
erfüllte, wurde mit großer Wertschätzung betrachtet
und galt als
nachahmenswertes Vorbild. Zum Beispiel entschied Rabbiner
Schlomo ben Schimon, Sohn des Rabbiners Schimon ben
Zemach Duran (Rischonim, vor ca. 600 Jahren, Spanien/Algier),
wenn die Einwanderung nach Israel (Alija) gefährlich sei,
dürfe
man dennoch einwandern, und auch wer es nachläßt, begehe
keine Sünde (Responsen, Nr.1). Man zwingt niemanden, aber
niemals hieß es, man solle nicht einwandern. Alija bei
Gefahr
und das Wohnen im Lande bei Gefahr sind keine Erfindung der
neueren Zeit. Die Gebote bezüglich des Landes Israel waren
immer mit Gefahr verbunden, und zwar mit viel größerer als
wir
sie heute kennen.
Wir haben noch von Niemandem gehört, daß man für das
Land
Israel keine Opferbereitschaft brauche. So ein Ausspruch ist
einfach unwahr. Was allerdings schlimmer ist - er ist obendrein
gefährlich, weil er schwächt. Jemand nimmt Gefahren auf sich,
und dann sagt man ihm: Du sündigst. Im Gegenteil, man muß
ihn ermutigen, unterstützen und loben. Die Bereitschaft zur
Selbstaufopferung nimmt die höchste Stufe ein.
Wer also diese Fragestellung aufgeworfen hat, wird dafür in
Zukunft Rechenschaft ablegen müssen.
Im Buch der gesammelten öffentlichen Bekanntmachungen
unseres großen Lehrers Rabbiner Zwi Jehuda Kuk gibt es ein
Schreiben an die Mitglieder der Kibbuzim am Ostufer des
Kinneret ("See Genezaret"), Tel Kazir, Ha'on, Ejn Gev u.a. aus
dem Frühjahr 5727 (1967), etwa zwei Monate vor dem
Sechstagekrieg. Trotz des Granatfeuers des syrischen Feindes
zogen die Bauern zum Pflügen aus, und zwar mit gepanzerten
Traktoren. Rabbiner Kuk schrieb ihnen: "'Alle meine Gebeine
sprechen' (Psalm 35,10): Ich bin mit Euch, Ihr Teuren, Heiligen".
Säkulare Juden nannte er "Heilige" - weil die Gebotserfüllung
heiligt, wie es im Text der Segenssprüche heißt: "...der
uns
durch seine Gebote geheiligt hat". Ein kleines Gebot heiligt
etwas, ein großes Gebot, wie die Besiedlung des Landes Israel
unter gefährlichen Bedingungen, heiligt den Menschen ganz
besonders. Natürlich befreit die Beschäftigung mit dem einen
Gebot nicht von der Erfüllung der anderen Gebote, andererseits
jedoch hindert die Nichterfüllung eines Gebotes nicht die
Heiligung durch die Erfüllung eines anderen. Rabbiner Kuk
begeisterte sich für sie und nannte sie "Heilige"!
Die Opferbereitschaft für das Land Israel bildet eines der
Grundprinzipien des Judentums. Trotzdem gibt es ein Quasi-
Problem: jedes Kind weiß, daß man zur Vermeidung der drei
Todsünden sein Leben zu geben bereit sein muß
(Blutvergießen, Götzendienst, Inzest), ebenso zur Zeit des
Religionsverbotes (für jedes Gebot). Das Land Israel erscheint
nicht auf dieser Liste. Doch dieses Problem ist gar keines.
Manchmal geraten sich zwei Gebote einander in den Weg, und
man muß für eines entscheiden: Wenn man die Wahl hat
zwischen "hütet sehr eure Seelen" und der Weigerung, Götzen
zu dienen, dann ist die Vermeidung des Götzendienstes
vorzuziehen. Das kommt manchmal vor. Dieses
Aufeinandertreffen geschieht zufällig, bei Gelegenheit.
Bezüglich unseres Altneustaates besteht kein solches Gebots-
Dilemma, und wir müssen dafür sorgen, daß dies auch
in
Zukunft so bleibt. Genau so, wie sich kein Jude zu den Christen
begeben würde und verkündet: Werft mich auf den
Scheiterhaufen, denn ich weigere mich, das Kreuz zu küssen!
Das wäre eine unnötige Selbstgefährdung. Im Gegenteil,
wer in
eine solche Situation gerät, mache, daß er schleunigst
davonkomme.
Doch aus dem Lande Israel macht man sich nicht davon. Im
Gegenteil, man opfert sich dafür auf, denn die Gefahr gehört
zum Wesen des Gebotes der Besiedlung des Landes. Noch
"erhebt Volk gegen Volk das Schwert". Erst in der Zukunft "wird
nicht erheben Volk gegen Volk das Schwert, und nicht lernen
sie mehr den Krieg" (Jeschajahu 2,4). Diese glückliche Zukunft
haben wir aber noch nicht erreicht. In der Zwischenzeit muß
sich jedes Volk auf der Welt, das in seinem Land und in seinem
Staat lebt, vor seinen Feinden und Hassern schützen, die es am
liebsten lebendig verschlingen würden.
Darum ist das Gebot der Besiedlung des Landes Israel inhärent
mit Selbstaufopferung verbunden. Besonders beim Gebot des
Mitzwa-Krieges versprach uns die Tora keineswegs, daß
dieser
durch Wunder geführt werde. Wir glauben an Wunder, wir
freuen uns über Wunder - doch wir verlassen uns nicht auf
Wunder. Rabbiner Moscheh ben Nachman ("Nachmanides")
schrieb in seinem Torakommentar, daß die Tora den
Kriegsteilnehmern befahl, sich mustern zu lassen und sich
vorzubereiten, da sie sich nicht auf Wunder stützt. In einem
"Erlaubnis-Krieg" (Milchemet reschut) gibt es bestimmte
Befreiungsgründe vom Dienst, weil man dabei umkommen
kann. In der Armee von König David war es üblich, daß
die
Soldaten vor dem Feldzug ihren Frauen Scheidebriefe
schrieben, um ihnen das Schicksal von Aguna oder Jibum
bei
Unauffindbarkeit des Ehemannes zu ersparen.
In den Geboten der Tora über die Kriegführung ist das Gebot
zur Opferbereitschaft automatisch inbegriffen und braucht nicht
ausdrücklich erwähnt zu werden, im Gegensatz zu
"Blutvergießen, Götzendienst und Inzest" (s.o.). Vielmehr
gehört
sie zum Wesen des Krieges.
Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels
und Vater von Rabbiner Zwi Jehuda Kuk) gab zum Vergleich
das Beispiel vom Gebot der Hinrichtung eines nach den
Gesetzen der Tora zum Tode Verurteilten. Hierbei kann sicher
nicht geltend gemacht werden, daß Lebensgefahr das Gebot
aufhebt, denn die Lebensgefahr, oder genauer gesagt, der
Lebensverlust gehört zum Wesen dieses Gebotes.
Entsprechend gehört die Lebensgefahr zum Gebot des Krieges.
Darum schrieb Nachmanides, das Gebot der Besiedlung des
Landes sei mit Krieg verbunden (4. Zusatz zum Buch der
Gebote des Maimonides), und man müsse dafür opferbereit
sein; und selbstverständlich muß man für die Einwanderung
nach Israel und die Besiedlung des Landes Opferbereitschaft
zeigen. Der Krieg ist allerdings kein Gebot für sich. Wir kennen
kein solches Ideal, vielmehr ist der Frieden unser Ideal; der
Krieg dient nur zur Sicherung unserer Herrschaft über unser
eigenes Land. Ebenso schützen Alija und Besiedlung unser
Land. Wenn niemand einwanderte und das Land besiedelte,
könnten wir es nicht halten.
Aus diesem Grunde wanderten in allen Generationen trotz der
Gefahr Juden nach Israel ein. Alle möglichen Juden: Sefaradim,
Aschkenasim, religiöse, säkulare, Zionisten und Charedim.
Das
Risiko war allen von vornherein klar, und keiner fragte jemals
danach.
Sicher haben manche Leute Angst. Wir sind schließlich auch
nur Menschen und haben manchmal Angst. Im "Erlaubnis-Krieg"
werden Ängstliche vom Dienst befreit. Wir üben keinen Druck
auf sie aus und entlassen sie auch nicht in Schimpf und
Schande. Sie sollen aber bloß keine neue Ideologie der Angst
erfinden oder ein neues "Gebot der Angst" und anfangen,
Andere zur Ängstlichkeit zu überreden. Die Tora hat die Angst
verboten! Wie gesagt sind wir nicht alle Engel. Mancher
Angsthase hat viele gute Eigenschaften. Er soll nur nicht
verkünden, man müsse wegen möglicher Gefahr auf Teile
unseres heiligen Landes verzichten. Das ist ein furchtbarer
Ausspruch! Dieses neue Schlagwort hat es vorher noch nie
gegeben!
Wer hätte es gewagt, so etwas zu unserem Lehrer Moscheh
und zu Jehoschua ben Nun zu sagen, zu den Richtern und zu
den Königen, zu Bar Kochba und zu den Chaschmonäern?! Zu
den "Biluisten" [erste Welle der Einwanderung jugendlicher
Pioniere aus Rußland vor etwa 120 Jahren] und den Charedim,
die Petach Tikwa gründeten und Mea Schearim, und noch
weitere Stadtviertel außerhalb der relativ sicheren Mauern
Jerusalems?! Sie hätten ihn verspottet und für verrückt
erklärt.
Das ist ein schrecklicher Ausspruch! Damit jagt man den Leuten
Angst ein, damit "erweicht man das Herz seines Bruders im
Kriege"! (siehe Dt. 20,8).
Nach dem Jomkippurkrieg fuhr ein Freund von mir, der auf den
Golanhöhen lebte, jeden Tag aufs Feld, um die in
Mitleidenschaft gezogenen Pflanzungen zu pflegen, obwohl
immer noch die Gefahr feindlichen Beschusses bestand. Einmal
sagte ein Rabbiner zu ihm: Du übertrittst jeden Tag das Gebot
"hütet sehr eure Seelen"! Das trieb ihn an den Rand der
Verzweiflung, glaubte er doch, ein großes Gebot zu erfüllen,
und nun hieß es, er begehe eine große Sünde! Darum
kam er
zu Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, um Klarheit zu erhalten. Dieser
sagte zu ihm: "Natürlich erfüllst du ein großes Gebot!".
Mögen wir stark sein und uns stärken, um unser Volk und um
unser Land.
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