DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BALAK (außerhalb Israels Chukkat/Balak)
Nr. 361
12. Tammus 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
"Ich bin ein Palästinenser"
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;    NEU: Jetzt auch Video!
desgleichen auf Französich (audio)
 

Diese Woche in der Tora (Num. 22,2-25,9):
Balak, König von Moaw, fürchtet Invasion der Kinder Israels und
läßt Bil'am, den nichtjüdischen Propheten, kommen, um durch
dessen Flüche das Schicksal abzuwenden; auf der Reise
mißhandelt Bil'am seine Eselin, und sie beschwert sich; auf
G~ttes Befehl segnet Bil'am die Israeliten, statt zu verfluchen,
zu Balaks Mißfallen; das Volk macht sich an die Moabiterinnen
ran, göttliche Strafung durch Seuche; Pinchas, Enkel Aharons,
beendet das Treiben durch Aufspießen des Anführers und
seiner midjanitischen Gefährtin.
 
Am Schabbes-Tisch...

Verdrehter Fluch

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

In unserem Wochenabschnitt findet eine kleine Revolution statt.
Bileam der Magier kommt, um Israel zu verfluchen, und G~tt
verwandelt seinen Fluch in einen Segen.

Unser großer Lehrer Rabbiner Zwi Jehuda Kuk verdeutlichte
einmal die Bedeutung der Revolution im Erlösungsprozess
Israels. Im Talmudtraktat Chulin (S.63a) wird ein unreiner Vogel
erwähnt, den die Tora mit "Racham" bezeichnet und der im
Talmud "Schrakrak" genannt wird. Wenn dieser Vogel einst auf
der Erde sitzt und pfeift (schorek), kommt der Maschiach, wie es
heißt: "Ich locke [eschreka] sie und versammle sie, denn ich
habe sie erlöst" (Secharja 10,8). Wollten uns die talmudischen
Weisen einen Hinweis auf das Ende der Tage geben? Darauf
antwortete Rabbiner Kuk: Im Worte "eschreka" erscheinen die
Buchstaben schin, resch, kuf in der umgekehrten Reihenfoge
wie im Alefbet, dort am Ende kuf, resch, schin, tav. Das
bedeutet ein Zeitalter, in dem es drunter und drüber geht, als
Zeichen für die kurz bevorstehende Erlösung.

Rabbiner Kuk wollte nicht zu jenen gehören, die den Zeitpunkt
der Erlösung voraussagen, sondern uns mit dem Verständis der
göttlichen Oberlenkung vertraut machen. Wenn sich dieser
Prozeß störungsfrei entfaltete und man eine Gesetzmäßigkeit
erkennen könnte, entstünde der Eindruck, auch die Erlösung
unterliege bestimmten Naturgesetzen, ohne daß G~tt
besonders eingreifen müßte. Die Umwälzungen jedoch, die
diesen Prozeß kennzeichnen, führen uns jedes Mal aufs Neue
zu dem, der "da steht hinter der Wand, schauend durch die
Fenster, lugend durch die Gitter" (Hohelied 2,9). Und nicht nur
das: Wenn alles glatt gehen soll, dürfen nur die positiven Kräfte,
die in der Welt existieren, am Ablauf beteiligt sein. Die uns
begleitenden Umwälzungen erzeugen jedoch einen Zustand, in
dem auch die negativsten Kräfte, die uns verfluchen, stören und
zerstören wollen - zwangsweise Segen und Hilfe beisteuern.
"Eine Zeit der Bedrängnis ist es für Jakov, dennoch soll ihm
daraus geholfen werden" (Jirmijahu 30,7) - die Bedrängnis
selber erzeugt die Hilfe in einem komplizerten Prozeß doppelter
Negierung.

Im Sinne von Rabbiner Kuk können wir auch die Worte von
Rabbi Schlomo Alkabez, Autor des "Lecha dodi" auslegen:
"Heiligtum des Königs, Residenzstadt, auf, erhebe dich aus der
Zerstörung [mitoch haHafecha]". Nicht nur von der Zerstörung
weg, sondern Erhebung, die von der Zerstörung gefördert wird.
Denn die Zerstörung führt unmittelbar zu der Erhebung aus ihr,
aus der Finsternis zum Licht und aus der Unterdrückung zur
Erlösung.
 
 
Frage und Antwort

G~tt und Einigkeit

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Die Lage ist wirklich schrecklich mit diesem Terror, der
gar nicht aufhören will. Wie lange noch wollen wir blindlings
glauben, die Regierung und die Armee könnten das Problem
lösen und verstehen nicht, daß die Geschehnisse vom Himmel
bestimmt sind? Ich hörte die Verkündung eines in der Kabbala
bewandertern Rabbiners, die Kanäle des göttlichen Segens
seien ganz einfach wegen unserer Sünden verstopft, und darum
passieren uns all diese Dinge. Daher bleibe uns nichts anderes
übrig, als alle gemeinsam auszurufen: Herr der Welt! Genug!
Habe Erbarmen mit uns! Tu was! Bring uns den Maschiach
noch heute! Wir stecken in tiefen Leiden und haben keinen
anderen zur Stützung als unseren Vater im Himmel.

Antwort: Zunächst muß man wissen, daß der Terror nicht
unsere größte Sorge ist, sondern die drohende Teilung unseres
heiligen Landes - doch auch dabei glauben wir an den göttlichen
Ratschluß, der alle Machenschaften der Völker abwenden wird.
Natürlich muß man die Terroristen mit aller Schärfe bekämpfen,
und erst recht den Oberterroristen, der die Fäden in der Hand
hält; doch das ist ein zweitrangiger Kampf, ein Nebenschauplatz
der Hauptschlacht, in der es um das Land Israel geht. Ähnlich
schrieb der Torakommentator Rabbiner Moscheh ben Nachman
("Nachmanides"), daß der Kampf gegen die sieben
kana'anitischen Völker nur ein Aspekt des Krieges zur
Eroberung des Landes sei, doch wenn sie mit uns Frieden
schließen wollten, ließen wir sie in Ruhe, unter den bekannten
Bedingungen - d.h. als Minderheit in unserem Staate unter
Anerkennung unserer Staatshoheit und noch einiger weiterer
Bedingungen (Anmerkungen zu Gebot Nr.4 in Maimonides'
Buch der Gebote).

Das größte Übel besteht momentan darin, daß alle möglichen
Bösewichte unter den Völkern der Welt Druck auf uns ausüben,
damit wir gegen eine Beendigung des Terrors auf Teile unseres
Landes verzichten und unseren Feinden dort einen Staat
einrichten. Zu unserer großen Schande und Gefahr gibt es unter
uns einige Schwache und Verwirrte, die dem zustimmen,
sowohl Politiker als auch Rabbiner.

So wie die Dinge liegen, tut G~tt seinem Volk und seinem Erbe
eine große Gnade, indem er das Herz jener Lügner-Räuber-
Mörder verhärtet, die alle unsere Verzichte ablehnen und immer
noch mehr fordern. Wer weiß, welches Unglück uns befiele,
wenn sie mit ihrem Terror aufhörten. Natürlich blutet das Herz
über jeden einzelnen ermordeten Juden, erst recht über viele,
doch dürfen wir nicht vergessen, daß wir uns im Krieg befinden,
in einem langwierigem Krieg seit Gründung unseres Staates,
sogar noch vorher.

Im Gegenteil: jede Nachgiebigkeit gegenüber dem Terror zeugt
von einem Mangel an Verständnis, Erkenntnis und Glauben,
daß dies unser Land ist, "wie in den Tagen der Vorzeit und den
frühen Jahren" (Maleachi 3,4), "wie die Dauer des Himmels über
der Erde" (Dt. 11,21). Je mehr uns das bewußt ist, desto besser
werden wir den Terror mit Stumpf und Stiel ausmerzen. Wir
kämpfen nicht einfach so ohne Ziel, nur um des Tötens und
getötet-Werdens willen um irgend ein erobertes Land, vielmehr
kehren wir nach Hause zurück in den Erbbesitz unserer
Vorväter.

Daneben darf man auch nicht in die andere Richtung
übertreiben und sich gegenüber unserer Armee undankbar
zeigen, die Tag und Nacht ihr Leben riskiert. Ihr Verdienst ist es
schließlich, daß sich der Schaden, der unendlich viel größer
hätte ausfallen können, in dem tatsächlichen Rahmen hielt.

Nur einer Sache können wir gewiß sein: der Ungewißheit. So
wie beim Wetter: Kälte und Wärme, Sonnenschein und Wolken,
Freude und Traurigkeit. Darum müssen wir lernen, unter den
Bedingungen der Ungewißheit zu leben, d.h. Glauben zu
mehren, Mut und Freude, G~tt unter allen Umständen und bei
jedem Wetter zu dienen, wie es im Buche Kohelet (Prediger)
steht (11.Kap.,1-6).

Was die verstopften Kanäle angeht, von denen der Kabbalist
sprach, so beschäftigen wir uns nicht mit verborgenen Dingen,
und er soll erstmal beweisen, wo er diese Weisheit herhat. Im
Sohar (Hauptwerk der Kabbala) steht nämlich ganz
entgegengesetzt, daß im Jahre 5600 [1840] "die Stimme der
Turteltaube sich hören läßt in unserem Lande" (Hohelied 2,12)
und sich die Tore des Himmels öffnen werden [zum Ende des
Exils und Beginn der Erlösung; Sohar Wajera 107a). Auch ohne
Kenntnis der verborgenen Dinge kann Jeder sehen, der nicht
vollkommen blind ist, wie G~tt seine Präsenz nach Zion
zurückverlagert. Ein Freund von mir, grauen Bartes, sagte
einmal: "Als mein Großvater geboren wurde, gab es im Lande
80.000 Juden, als mein Vater geboren wurde, 200.000, als ich
geboren wurde, 600.000, mein Sohn - 2 Millionen, mein Enkel -
5 Millionen, und dann behaupten die Leute immer noch, es gehe
mit uns bergab". Es gibt Besorgte und Traurige und Verzweifelte
wegen der Verstopfung der göttlichen Kanäle... Im Gegenteil:
Sorge, Traurigkeit und Verzweiflung verstopfen die Kanäle des
Segens und zwingen G~tt sozusagen, neue Kanäle zu öffnen.

In ähnlicher Weise erklärte Rabbi Elimelech von Lezajsk den
Vers: "Was sollen wir im Siebtjahr essen?" (Lev. 25,20). Ist es
doch nicht die Art der Tora, die Fragestellung zu schildern,
sondern sogleich die Antwort zu geben: "Ich aber werde euch
meinen Segen entbieten" (ebda. 21), und die Frage erledigt sich
von selbst. Darum erklärte er, die ganze Welt sei voll des
himmlischen Segens, und die Kanäle geöffnet, aber die Sorge
der Unsicheren ist es, die einen Makel in den Höhen verursacht,
und so muß G~tt den Segen neu veranlassen, der sonst von
ganz alleine gekommen wäre (Noam Elimelech).

Das wiederum ähnelt dem, was unsere heiligen Lehrer über den
"bösen Blick" schrieben, der Befürchtung, Schaden und Gefahr
auslöst - das sicherste Gegenmittel gegen den "bösen Blick"
besteht darin, nicht daran zu glauben.

Darum besteht unsere Heilung im stark sein, im Mehren von
Glauben und G~ttvertrauen, von Mut und Freude. Wir müssen
unsere Einigkeit stärken. Wenn wir Einer über den Anderen mit
der Macht des Wortes herziehen, besorgen wir damit die
Schmutzarbeit unserer Hasser. Natürlich hat jede Strömung das
Recht, für ihre Ansichten zu streiten und die ganze Nation zu
überzeugen versuchen, daß gerade ihre Ansicht die richtige sei
- aber bitte ohne Beschimpfungen und Haß. Wir sind doch
schließlich Brüder!

Gute Dinge können wir auch von Nichtjuden lernen. Nach der
Terrorkatastrophe in den USA füllte sich die ganze Nation mit
Patriotismus, und überall waren amerikanische Fahnen zu
sehen. Dazu gesellten sich riesige Schilder: "IN G~D WE
TRUST, UNITED WE STAND"; das gilt doch erst recht für uns,
die wir Glaubende, Kinder von Glaubenden sind, "ein einzig
Volk auf Erden" (Schmu'el II, 7,23). Wir werden verkünden: An
G~tt glauben wir, und geeint stehen wir.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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