DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
 
 
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT BEHAR-BECHUKKOTAI
Nr. 354
22. Ijar 5762

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;    NEU: Jetzt auch Video!
desgleichen auf Französich (audio)

Diese Woche in der Tora (Lev. 25,1-27,34):
Gesetze des Siebentjahres, des Joweljahres (alle 50);
Bodenrecht; Auslösung des Verarmten; Zinsverbot; Sklaven-
und Arbeitsrecht; Götzenverbot; Schabbat heiligen; Wohlstand
und Frieden bei Gebotsbeachtung, Armut, Tod und Exil bei
Nichtbeachtung; Geldgegenwerte von dem Tempel geheiligten
Personen und Sachwerten.
 
Am Schabbes-Tisch

G~ttes Schabbat

Rav Jakov Ari'el
Oberrabbiner von 
Ramat Gan

"..und ruhte das Land eine Schabbatruhe dem Ewigen" (Lev.
25,2), aber nicht zu unserer Gesundheit oder zur Sicherstellung
ausreichender Ernährung. Der allumfassende G~tt bezog in die
zahlreichen Bedeutungen des Siebtjahres (Schmitta) auch die
körperliche Gesundheit des Menschen und die natürliche
Ökologie des Bodens mit ein, wobei die eine von der anderen
abhängt. "Die volle Gesundheit des Körpers gehört zu den
Wegen, die zu G~tt führen" (Maimonides, Lebensregeln "Hilchot
De'ot", 4,1), und eine Rückkehr zur Natur bedingt eine
Rückkehr zu allen Teilaspekten der Natur des Menschen, seine
persönliche spirituelle Natur, seine ethnische und seine ethische
Natur, zusammen mit seiner physischen und ökologischen
Natur.

Unser langes Exil (Galut) hatte u.a. die Aufgabe, das Volk von
der Sünde der Nichteinhaltung der Siebtjahre zu reinigen. "Dann
wird das Land seine Ruhejahre befriedigen... Alle die Zeit seiner
Verödung soll es ruhen, was es nicht in euern Siebtjahren
geruht, da ihr darin gewohnt" (Lev. 26,34-35). Das Ende der
Galut und die Einsammlung der Verstreuten Israels machen die
Wiedereinführung des Siebtjahres wie in seinen besten Zeiten
erforderlich.

Die Galut ist eine über-natürliche Erscheinung. Jedes Volk
gehört an seinen natürlichen Platz - in sein Land. Ein Volk, das
seinem Land entrissen wird, seiner Umgebung, seiner
Landschaft und seinem Klima, lebt kein normales Leben. Daher
bedeutet der Zionismus eine Rückkehr zur Natürlichkeit. Das
aus seiner Erde entwurzelte jüdische Volk kehrte zu seinem
Boden zurück, ihn zu bearbeiten und zu hüten. Schriftsteller und
Dichter, Denker und Erzieher schlossen sich zusammen, das
Volk des Buches und des Geistes in seine natürliche
geographische Umgebung zurückzuführen, zu den Schollen
seines Erdbodens, zu seinen Hügeln und Tälern, zu den
Bäumen und Blumen des Landes Israel.

Der Streit um das Schmitta-Jahr, der die Neubesiedlung seit
hundert Jahren begleitet und dessen Konsequenzen ihre
Schatten bis in die heutige Zeit werfen, bewegte sich zwischen
zwei entgegengesetzten Polen: dem spirituellen Pol und dem
agrarischen. Die eine Seite vertrat die Ansicht, daß die
Rückkehr nach Zion ausschließlich die Rückkehr zur geistigen
Natur des jüdischen Volkes bedeutet, und die existenziellen
Probleme der ländlichen Natur haben uns nicht zu interessieren.
Im Gegenteil, eine übermäßige Beachtung der Notwendigkeiten
von Siedlung und physischer Existenz würde einer Beseitigung
der spirituellen Natur und des Bestandes des "Volkes von Geist
und Buch" gleichkommen. Die andere Seite vertrat die Ansicht,
daß die Rückkehr nach Zion nur um des Landes willen
geschieht, ohne jegliche Spiritualität, die doch nur eine
unterwürfige Galutmentalität symbolisiere. Das Schmitta-Jahr,
das seinesgleichen bei keiner anderen Nation oder
landwirtschaftlichen Gesellschaft kennt, würde der neuen
israelischen Existenz die Lebensgrundlage entziehen. Die
Reibungen zwischen diesen gegensätzlichen Ansichten führten
zu Reaktionen und Gegenreaktionen, die die Polarisierung nur
vertieften. Im Zentrum stand das Schmitta-Jahr, um dieses
Banner scharten sich Alle.

Die Wahrheit beinhaltet beide Pole, die zusammen eine
vollkommene Einheit bilden. Die Rückkehr nach Zion ist eine
Rückkehr zur kompletten Natur, zu physischer Gesundheit und
der Natur des Landes, zu der Hände Arbeit, zum
nationalstaatlichen Rahmen, zu einer gerechten Gesellschaft
und zu vollem geistigen Leben, zu einem Leben vollkommen im
Sinne der Tora, der Heiligkeit, der Ehre und des Glanzes.

Unser Lehrer Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster
Oberrabbiner Israels) unterstützte den "Heter Mechira" (eine
religionsgesetzliche Erleichterung, die die Landarbeit im
Schmitta-Jahr ermöglicht), um die Existenz der gerade neu
sprossenden Landwirtschaft zu sichern. Daneben verlangte er
aber, alles nur Mögliche zu unternehmen, um zu einer
vollkommenen Einhaltung der Schmitta-Gesetze zu gelangen.
Das Siebtjahr symbolisiert das richtige Verhältnis zum Lande.
So wie die Einhaltung der Schabbatgesetze durch den
einzelnen Juden als bestes Zeugnis für seine Toratreue gilt, so
bezeugt die Einhaltung der Schabbatjahrgesetze, daß die
Einstellung des Volkes zu seinem Lande aus heiliger Quelle
herrührt und es darum anerkennt, daß das Land des Heiligen zu
einem Ruhejahr alle sieben Jahre verpflichtet. Daneben sind die
existenziellen Bedürfnisse der landwirtschaftlichen Besiedlung
zu berücksichtigen, die für uns einen religiösen Wert darstellt -
das Gebot von der Besiedlung des Landes. Rabbiner Kuks Ziel
war vor allem und zuerst die Sicherung der Existenzgrundlage
der Siedlungen auf einer soliden Basis, damit darauf später die
zweite Stufe, die vollumfängliche Einhaltung der Schmitta-
Gesetze, gebaut werden könne. "..und ließ euch aufrecht
wandeln" -  komemiut = zwei Stufen (Lev. 26,13).
 
 
Frage und Antwort

Die Verkehrssünde

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Muß man die Straßenverkehrsordnung so strikt sehen
wie Toragesetze, oder kann man hier und da schon mal ein
Auge zudrücken? Gibt es in der Tora Regelungen, wie
Autounfälle verhindert werden können?

Antwort: Wie glücklich können sich doch die Frauen schätzen,
sind sie doch die vorsichtigeren Autofahrer. Vielleicht
verursachen sie mehr Kleinschäden, z.B. Kratzer beim
Einparken, aber die schweren und häufig tödlichen
Verkehrsunfälle werden mehrheitlich von Männern verursacht.
Wie dem auch sei, wir alle müssen vorsichtig sein, langsamer
fahren und die Verkehrsregeln befolgen.

Die Verkehrsgesetze wurden nicht dazu erfunden, den
Autofahrern das Leben zu verbittern. Vielmehr handelt es sich
um logische und international gültige Gesetze, die von der
Erfahrung diktiert wurden. Natürlich kommt nicht jeder, der die
Verkehrsgesetze mißachtet, auch tatsächlich zu Schaden -
gottseidank! In statistischer Hinsicht vergrößert solches
Verhalten jedoch die Gefahr. Und darum sagen wir: Geh kein
Risiko ein, nicht einmal ein kleines, es ist nämlich gar nicht so
klein. Verkehrsunfälle sind gefährlicher als Terrorismus, jedes
Jahr beklagen wir ihretwegen den Verlust von ca. 600
Menschenleben. Dazu kommen 20.000 Schwerverletzte, d.h.
die auch mit Prothese kein halbwegs normales Leben mehr
führen können.

Fahr langsam! Die ortsmäßig erlaubten
Höchstgeschwindigkeiten wurden nicht durchs Los ermittelt,
sondern nach internationalen Maßstäben bestimmt. Sicher,
nicht jeder, der etwas schneller fährt, baut gleich einen Unfall.
Die Beachtung der Verkehrsregeln hingegen vermindert
Unfälle: die meisten Unfälle werden durch Nichtbeachtung der
Vorschriften verursacht, wie überhöhte Geschwindigkeit,
riskante Überholmanöver, Nichtbeachtung des Stopschildes,
Überfahren der durchgezogenen weißen Linie usw. Gewöhn dir
an, eher loszufahren und früher anzukommen. Pünktlichkeit ist
die Höflichkeit der Könige, wie das Sprichwort sagt. Auf diese
Weise zollt man dem Nächsten Respekt - man läßt ihn nicht
warten. Sei auch du ein König, die Kinder Israel sind doch
Königskinder...

Manche Oberschlaumeier wollen behaupten, vielleicht dürfe
man um drei Uhr nachts schonmal eine rote Ampel überfahren,
wenn die Straße leer ist? Nein! Gegenüber der Halacha verhälst
du dich ja auch nicht so, z.B. einen Mukze-Gegenstand am
Schabbat umherzutragen, 'es wird schon nichts passieren'... Du
kannst nicht jeden Einzelfall deinen privaten Überlegungen
unterwerfen - dazu entschieden die talmudischen Weisen: es
werden keine Unterschiede im Gesetz gemacht ("lo plug").

So verhält es sich auch bei den Verkehrsgesetzen. Man kann
die Vorschriften nicht übermäßig detailliert und kompliziert
machen, so daß jeder Einzelfall eine prinzipielle Analyse
erfordert. Sei nicht neunmalklug, befolge die Gesetze wie
Halachot oder wie die Vorschriften des Arztes.

Ein Arzt in Russland sagte einmal: Die Kranken hier im
Krankenhaus wollen gar nicht gesund werden, sie kümmern
sich nicht um die Weisungen - außer einem, Lipkin, der achtet
ganz genau auf die Vorschriften, wie er es auch bei seiner
Religion tut. Das war Rabbiner Israel Lipkin aus Salant.

Darum beachte die Weisungen deiner "Verkehrsärzte" wie die
deiner Religion, mit großer Genauigkeit. 50 Stundenkilometer
sind 50 Stundenkilometer, so wie Schabbateingang um 5 Uhr 50
genau 5 Uhr 50 bedeutet.

Nimm die Dinge nicht auf die leichte Schulter! Zwar sind die
Verkehrsgesetzgeber keine Toragelehrten, doch die Tora
bestimmte: "Hütet sehr eure Seelen" (Dt. 4,15), und die Details
dazu werden von den Fachleuten festgelegt. Deren Urteil erhält
damit den Status von Toragesetzen (siehe Mischna "Sprüche
der Väter" 3,23), d.h. praktische Dinge mit Konsequenzen und
Bedeutung wie Toragesetze. So ermöglichen uns die
Verkehrsregeln das wichtige Gebot "hütet sehr..." zu erfüllen, zu
unserem und anderer Leute Nutzen.

Einmal begleitete ich einen Offizier in seinem Dienstwagen.
Plötzlich läutete sein Handy. Er hielt das Auto am Straßenrand
an und beantwortete den Anruf. Auf die Frage, ob er aus Furcht
vor Geldstrafe oder aus Prinzip angehalten habe, antwortete er:
Bei uns gibt es keine Geldstrafen, sondern nur Entzug des
Führerscheins; doch nicht deshalb habe ich angehalten,
sondern weil es einfach gefährlich ist und schon viel Blut
gekostet hat.

Man muß die Verkehrsregeln ernstnehmen wie Toragesetze,
und seine Seele hüten. Der Straßenverkehr ist wirklich
gefährlich. Rabbiner A.J. Kuk sagte seinerzeit, wenn es heute
das Sanhedrin gäbe, wäre privater Autoverkehr verboten und
nur lebensnotwendige Fahrten erlaubt, wie z.B. Polizei,
Feuerwehr und Krankenwagen. Man hielt ihm entgegen, daß
dadurch die Lebensqualität leide; dazu sagte er nur: deine
Lebensqualität ist nicht wichtiger als das Leben deines
Nächsten ("Likutej Har'aja" II, S.42).

Ein himmelsfürchtiger Mensch sieht auch im Autofahren eine
Möglichkeit zum Dienst an G~tt. Auch durch Höflichkeit.
Jemand möchte dich überholen? Werde nicht gewalttätig,
aggressiv und halsstarrig. Mach ihm Platz mit einem Lächeln.
Übe Milde; worin besteht denn schon der Unterschied dazu,
wenn ein Füßganger vor dir die Straße überqueren will?

Sieh die Verkehrsregeln nicht als notwendiges Übel, sondern
als Gelegenheit zum Dienst an G~tt an, so wie alle Gesetze der
Tora sowohl Pflicht als auch Recht sind. Sie werden zwar
"Joch" genannt, aber ein geliebtes Joch. Jedesmal, wenn du in
den Wagen steigst, denke bei dir: Hiermit erfülle ich das
göttliche Gebot der Seelenhütung, das Gebot der
Großzügigkeit, das Gebot der Geduldigkeit, das Gebot, auf
Seinen Wegen zu wandeln und auf Seinen Wegen zu fahren.

Wer Verkehrsregeln übertritt, verstößt auch gegen Gebote der
Tora. Rabbiner Jizchak Jakov Weiss, früherer Vorsteher der
Eda Charedit in Jerusalem, entschied, daß wer mit überhöhter
Geschwindigkeit fährt, als [todesschuldiger] "Verfolger" (Rodef)
gilt (Minchat Jizchak Bd.VIII,148). Damit ist natürlich nicht
gemeint, daß man ihn auf der Stelle erschießen darf, vielmehr
verhält er sich wie ein Verfolger, indem er Menschenleben
gefährdet. Er tut dies zwar nicht mit Absicht, das Ergebnis ist
aber dasgleiche.

Langsamfahren zeugt von Kultur, von Charakter. Man kann eine
Kassette mit Worten der Tora einlegen, mit interessanten
Geschichten oder Musik - und entspannt fahren.

Manchmal zittern sogar die Anhalter vor Angst. Sie hätten ja
nicht einzusteigen brauchen?! - Wenn sie das vorher gewußt
hätten, wären sie auch gar nicht eingestiegen!

Rabbiner Moscheh ben Maimon ("Maimonides") schrieb in
seinem Gesetzeswerk "Mischne Tora", daß ein Toragelehrter
nicht nur an seinen Taten und an seinen Charakterzügen
gemessen wird, sondern auch an seiner Gangart. Dasgleiche
gilt auch für seine Fahrweise. "Er renne nicht auf öffentlichen
Wegen, und lenke nicht wie wahnsinnig" (Sittenlehren "Hilchot
De'ot", 5,8). Andere beobachten ihn - und machen es ihm nach.

Das liegt nicht außerhalb der Grenzen der Religion. Wenn du
nicht vorsichtig fährst, übertrittst du damit Toragesetze, auch
wenn nichts passiert. Auch wenn dich kein Polizist ertappt hat,
dem Herrn der Welt entwischst du nicht. Im Schulchan Aruch
steht zwar nichts von Autounfällen, wohl aber über
Schädigungen infolge zu schnellen Reitens (S.A. Choschen
Mischpat 378,9). Im Prinzip besteht kein Unterschied; nur daß
das Auto um ein Vielfaches gefährlicher ist.

Paß auf - in der Tora wird auch der unabsichtliche Totschläger
"Mörder" genannt (Dt. 19,3). Er macht sich schuldig, weil er das
Leben des Mitmenschen nicht ausreichend respektiert und sich
nicht wie in Furcht des Heiligen in Situationen begibt, in denen
den Mitmenschen ein Schaden entstehen kann; darum verdient
er die Strafe.

Es muß ein gnadenloser Kampf gegen diejenigen ausgerufen
werden, die nichts von Vorsicht im Straßenverkehr halten, und
jedem Verkehrssünder der Führerschein entzogen werden. Das
sieht zwar aus wie eine sehr brutale Maßnahme, ist aber in
Wirklichkeit eine große Gnade für die Menschen auf der Straße.
Ebenso sind die Gesetze von der Zufluchtsstadt [für
Totschläger] und vom Bluträcher außerordentlich moralisch,
denn dank ihnen verhalten sich die Leute vorsichtig.

Mein lieber Freund, fahr langsam.
 

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