DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT ZAW
Nr. 298
14. Nissan 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:

aktuell zu Pessach:
-Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
-Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Lev. 6,1 - 8,36)
Ausführungsvorschriften für das Ganzopfer, Mehlopfer,
Sühnopfer, Schuldopfer, freiwillige Opfer; Amtseinsetzung
Aharons und seiner Söhne als Priester (Kohanim) und Heiligung
der Dienstgeräte, dazugehörige Opfer.

+ Erew Pessach
+ Schabbat Hagadol
 
Am Seder-Tisch...

Eile ohne Weile
 
 

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

Die Gesetze für das Pessachopfer sind von ganz besonderer
Natur, darum provozieren sie besonders die Jugendlichen zu
neugierigen Fragen: "Und es soll geschehen, wenn ihr in das
Land kommet... so beobachtet diesen Dienst... und wenn eure
Söhne zu euch sprechen: Was soll euch dieser Dienst? So
sprechet: Ein Pessach-Opfer ist es dem Ewigen" (Ex. 12, 25-
27). Die Torakommentatoren wiesen daraufhin, daß die Söhne
gerade bezüglich des Pessachopfers fragen, weil es sich als
ungewöhnliches Opfer von den anderen bekannten Festopfern
wesentlich unterscheidet. "'Was soll euch dieser Dienst?' - der
sich von den anderen Feiertagen in mehreren Dingen
unterscheidet" (RaSchBaM).

Worin unterscheidet sich also das Pessachopfer von den
anderen Opfern? Rabbi Awraham Ibn Esra (aus der Periode der
Rischonim) antwortete darauf: "Der Grund für die Frage der
Kinder: Wenn sie die ganze Familie versammelt
zusammensitzen sehen, wie sie ein ganzes Schaf von Kopf bis
Keule verzehrt, jedoch keinen Knochen zerbricht, und weder ein
Fremder noch ein ortsansässiger Nichtjude, weder
Unbeschnittener noch Mietling mitessen dürfen, was bei
anderen Feiertagen nicht üblich ist". Auch die übrigen
Vorschriften tragen zur Neugier der Kinder bei - man darf vom
Pessachopfer nichts übriglassen und es weder roh noch
gekocht genießen.

Worin liegt die Bedeutung dieser Dinge? Rabbiner Moscheh
ben Maimon ("Maimonides") brachte in seinem Werk "Führer
der Unschlüssigen" (III,§46) all diese Vorschriften auf einen
gemeinsamen Nenner. Den Kindern Israels wurde das Essen
des Pessachopfers in der Nacht des Auszuges aus Ägypten
geboten, und darum sollen alle Opfer-Vorschriften zur Eile
anhalten: "Die besonderen Bestimmungen aber für das
Pessachopfer, nämlich daß es nur gebraten, und nur in einem
Hause gegessen werden und daß man daran keinen Knochen
zerbrechen darf, dies alles hat einen offenbaren Grund. Es
wurde nämlich der Eile wegen so vorgeschrieben, wie das
ungesäuerte Brot, weil dort keine Muße war, eine gekochte
Mahlzeit zu bereiten und die Speisen in tadelloser Weise zu
bereiten, und ebenso mußte es der Eile wegen gebraten sein,
und es mußte sogar verboten werden, sich mit dem Zerbrechen
der Knochen und dem Hervorholen dessen, was darin war,
aufzuhalten. Übrigens erwähnt schon die Heilige Schrift das
Wesentliche der Bedeutung aller dieser Vorschriften mit den
Worten: 'Esset es mit Eilfertigkeit!' (Ex. 12,11). Bei der
Eilfertigkeit aber hat man keine Zeit, die Knochen zu
zerbrechen, ebensowenig wie von einem Hause in ein anderes
zu senden und auf die Rückkunft der Boten zu warten. Dies
alles kann man tun zur Zeit der Untätigkeit und Muße..". Alle
Vorschriften dienen also dem einen Ziel - der Geschwindigkeit.

Doch wozu letztendlich die ganze Beeilung? Maimonides'
Antwort überrascht geradezu durch ihre Einfachheit: "Hier aber
galt es, Eile und Geschwindigkeit zu betätigen, damit niemand
zurückbleibe, der dann außerstande wäre, mit der Menge des
Volkes fortzuziehen und dem dann die Ägypter Böses zufügen
oder in arglistiger Weise auflauern könnten". Das bedeutet
nichts anderes, als daß der Herr der Welt befürchtete, jemand
von den Kindern Israels könne sich zu sehr in der Küche
aufhalten und werde dadurch den gemeinsamen Auszug der
Kinder Israels aus Ägypten verpassen, in einer feindlich
gesinnten ägyptischen Masse zurückbleiben und in Gefahr
geraten. Darum verbot G~tt die Beschäftigung mit dem
Pessachopfer und erlaubte nur das notwendige Minimum, um
es essen zu können.

Das ist ja kaum zu fassen! Zur Stunde, da das Volk Israel
Ägypten in Richtung Freiheit verläßt, herausgeführt aus
schwerer und langjähriger Versklavung, lebendig dem
ägyptischen Gefängnis entronnen, gibt es tatsächlich einen
Juden, der sich so sehr in die Bereitung von Leckerbissen und
Reiseproviant vertiefen kann, daß er den Auszug aus Ägypten
verpaßt?! Ist denn das eine realistische Befürchtung? Kann
man denn wirklich jemandem unterstellen, sich eher mit
Kleinigkeiten zu beschäftigen, wenn seine persönliche Freiheit
auf dem Spiel steht?! Wird denn irgendein normaler Mensch für
eine Mahlzeit seine Freiheit hergeben?

Zu unserer Schande, ja! Die Sucht des Augenblickes, des
schnellen Genusses, des kurzfristigen Profits kombiniert mit
einem Vorausdenken nicht weiter als bis zur Nasenspitze
drohen die großen, auf die Zukunft gerichteten Ideale zu
verdunkeln. Die lebendige und überschäumende Gegenwart
macht das große Morgen vergessen. Nach Maimonides
charakterisiert die Eigenschaft der Eile die Festgebote Matza
und Pessachopfer. Die Eile bei der Zubereitung von Matza und
Pessachopfer und bei ihrem Essen soll dem Volk Israel den
nötigen Schwung zu seiner Erlösung bringen.

Nun könnte man allerdings fragen, warum die Gebote der Eile
für alle Generationen gegeben wurden? Darauf antwortete
Maimonides: "Und zur Erinnerung, wie die damalige Lage
beschaffen war, befiehlt G~tt, diese Dinge immer zu tun, wie die
Heilige Schrift sagt: 'Befolge dieses Gesetz zu seiner Zeit von
Jahr zu Jahr' (Ex. 13,10)". Das heißt, wir sollen jedes Jahr
unsere Erlebnisse in Ägypten rekonstruieren. Diese Erlebnisse
beinhalten neben ihrer ursprünglichen Bedeutung auch eine
Lehre für alle Generationen. Im Laufe der Geschichte geriet das
jüdische Volk nicht wenige Male wegen seines Zauderns in
Schwierigkeiten, als ihm das Licht der Befreiung leuchtete.
Einige Zeilen des Hoheliedes, das wir an Pessach lesen, lassen
Kritik an dieser Erscheinung anklingen (gemäß Rabbiner
Jehuda Halevi, Autor des "Kusari", Periode der Rischonim).
Über die Rückkehr nach Zion während des zweiten Tempels
prophezeite der Prophet Secharja: "Juble und freue dich,
Tochter Zion; denn siehe, ich komme.." (2,14), aber nur eine
geringe Anzahl der babylonischen Diaspora folgte dem Aufruf
Esras zur Einwanderung. Darüber schrieb Rabbi Jehuda Halevi:
"Die Mehrheit verblieb in Babylon, und sie zeigten sich mit dem
Exil und der Unterwerfung einverstanden, um sich nur nicht von
ihren Wohnsitzen und ihren Geschäften trennen zu müssen.
Möglicherweise hatte dies König Schlomo im Sinn, als er
schrieb: 'Die Stimme meines Geliebten - er klopft' (Hohelied
5,2), ein Aufruf, wie G~tt zur Rückkehr nach dem Lande Israel
aufruft. 'Ich habe ausgezogen mein Gewand - wie soll ich es
anziehen' (ebda.3) deutet auf ihre Nachlässigkeit, dem Ruf zu
folgen und nach Israel zurückzukehren" ("Kusari" II,24).

Daraus entnehmen wir eine wichtige Lehre - auch zur Zeit der
Erlösung besteht die Gefahr der Nachlässigkeit bei Einigen oder
auch Vielen und damit der Gefährdung der Erlösung selbst.
Auch in unseren Tagen, mit der Rückkehr nach Zion dieser
Generation, sind wir zur Eile aufgerufen, zu Behendigkeit und
Geschwindigkeit, um die derzeitige Gelegenheit nicht zu
verpassen. Schnell in unseren Tagen, amen.
 
 
Frage und Antwort

Sollten Frauen Tora lernen? (II)

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Warum sind Frauen vom Torastudium befreit? Die Tora
ist doch "das Licht der Welt"!

Antwort: Eine bedeutende Frage; man könnte noch
erschwerend hinzufügen: Warum sprechen Frauen den
morgendlichen Segensspruch "..der uns durch seine Gebote
geheiligt hat und uns geboten, uns mit den Worten der Tora zu
befassen", und noch zwei andere Segenssprüche, die mit der
Tora zu tun haben? - In Wirklichkeit haben diese Fragen schon
eine lange Geschichte hinter sich, mit ihnen beschäftigten sich
bereits die Rischonim (Rabbiner der Periode vor etwa 1000
Jahren), von denen verschiedene Responsen überliefert sind.

Rabbiner Awraham Jizchak Kuk (erster Oberrabbiner Israels)
gab folgende Antwort: "Dieser Segensspruch wurde nicht für die
individuelle Beschäftigung mit der Tora an sich, hier und jetzt,
angeordnet, sondern wegen der allgemeinen, großen Wohltat
festgelegt, da der Ewige, gelobt sei er, unsere Finsternis mit
dem Licht der Tora erleuchtet" (Orach Mischpat §11).

Sicher ist die Tora das Licht der Welt. Ohne Tora wäre die
ganze Welt ein dunkles Todestal. Darum geht sie Männer wie
Frauen an. Bei den Frauen haben die genannten
Segenssprüche eher die Bedeutung von Preisung und
Danksagung, weniger die des Ausdruckes der passenden
Geisteshaltung vor aktiver Gebotsausübung. Die Frauen
danken G~tt für die Tora, doch der Wortlaut des
Segensspruches wurde für alle gleich festgesetzt. Die Frauen
danken G~tt dafür, daß es Tora in der Welt gibt, daß sie ihre
eigene Tora haben und daß die Tora auch für sie gilt.

"So sollst du sprechen zum Hause Jakovs, und verkünde den
Kindern Israels" (Ex. 19,3). Vor der Übergabe der Tora am Sinai
ordnete G~tt an, sich zuerst an die Frauen zu wenden ("Haus
Jakovs"), und danach an die Männer ("Kinder Israels";
Raschikommentar). Die Zugehörigkeit der Frauen zur Tora
kommt noch vor der der Männer zum Ausdruck, sie sind aber
nicht zum Lernen verpflichtet.

Wie sollen sie also wissen, was in der Tora steht? Dazu
verfügen sie über andere Wege der Erkenntnis. Wir kennen
einerseits die Erkenntnis durch Lernen, wie in der Jeschiwa,
"diskursiv" nach Art einer Vorlesung, die von einer
Schlußfolgerung zur nächsten gelangt und ihr Thema Stufe um
Stufe aufbaut, und daneben die "intuitive" Erkenntnis, eine Art
unterbewußtes Verstehen, ein Sehen der Dinge mit anderen
Augen. Diese beiden Arten der Erkenntnis ähneln den
menschlichen Sinnen des Hörens und des Sehens. Um
jemanden durch Hören zu verstehen, muß jener ein Wort nach
dem anderen aussprechen. Wenn er mehrere Worte auf einmal
spräche, oder mehrere Leute gleichzeitig redeten, könnte man
gar nichts verstehen. Das gilt jedoch nicht für das Sehen, das
ein ganzes Umfeld auf einen Blick erfaßt. Die Intuition ist für den
Verstand, was das Sehen für die Sinne bedeutet, eine Art
geistiges, erhabenes Sehen, Eingebung.

Mit dieser Art des Sehens wurde die Frau stärker bedacht als
der Mann, sie benötigt nicht das langwierige und mühsame
Lernen wie in einer Jeschiwa. Sie versteht von alleine, wenn der
harte Lebenskampf nicht ihre natürliche Geradlinigkeit
beeinträchtigt oder gar verdorben hat. Solange sie sich ihre
Natürlichkeit bewahren kann, so wie sie G~tt geschaffen hat,
verfügt sie auch über die Fähigkeit der intuitiven, unmittelbaren
Erfassung der großen Wahrheiten der Tora. "Die Frau erkennt
die Gäste besser als der Mann" (Brachot 10b), sagten die
talmudischen Weisen. Ein Gast klopft an die Türe, und sie
erkennt sofort, ob es ein heiliger Mensch wie der Prophet
Elischa oder ein Schein-Heiliger ist. Ein Mann muß erst
Nachforschungen anstellen.

Die Tora gehört den Männern wie den Frauen. Die Männer
erwerben sie durch geordnetes Studium, und die Frauen
erfassen sie auf generellem, intuitivem Wege. Und weil beide
Geschlechter mit der Tora verbunden sind, sagen auch die
Frauen den morgendlichen Segensspruch "..der uns durch
seine Gebote geheiligt hat und uns geboten, uns mit den
Worten der Tora zu befassen".

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
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- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 

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