DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJAKHEL-PEKUDE
Nr. 296
29. Adar 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:

aktuell zu Pessach:
-Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
-Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Ex. 35,1 - 40,38):
Kein Feuermachen am Schabbat; Aufruf zu Materialspenden für
alle Teile des Heiligtums; künstlerische Fertigung und genaue
Beschreibung aller Geräte.
 

Der Stand der Dinge...
Der mittlere Riegel
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Und er machte den mittleren Riegel, daß er mitten durch die
Bretter laufe von einem Ende bis zum anderen" (Ex. 36,33).
Der mittlere Riegel verband die Balken [der Seitenwand] des
Wüsten-Heiligtums von einem Ende bis zum anderen,
wohingegen die anderen vier Riegel jeweils nur einen Teil der
Balken verbanden.

Der mittlere Riegel wurde innen durch die Balken gesteckt,
unsichtbar von außen, während die anderen Riegel von außen
sichtbar waren.

Diese Einzelheiten deuten an, daß ausgerechnet etwas
Unsichtbares das jüdische Volk wie der mittlere Riegel von
einem Ende bis zum anderen eint, ein innerer Wert, nämlich die
besondere Seele der israelitischen Gesamtheit, die sich in der
ganzen Nation in allen Generationen in jedem einzelnen Juden
befindet.

Nach dem Stand der Dinge müssen wir diesen Einiger aller
Teile der Nation in allen Generationen stärken, diesen mittleren
Riegel, der von einem Ende bis zum anderen reicht, vom
Beginn unserer Volkwerdung bis ans Ende der Tage, den
Einiger der Stämme Israels von Ost und West, die im Lande
Israel zusammentreffen, der offenen und der verborgenen
gesellschaftlichen Strömungen, angesichts der Tatsache, daß
jeder Jude an der einen guten Seele beteiligt ist und wir
schließlich vom Herrn der Welt zur Vervollkommnung der Welt
zur Herrschaft G~ttes auserwählt wurden. So wurde bereits
dem Stammvater unserer Nation verkündet: "Und ich werde
dich zu einem großen Volke machen,... und du sollst ein Segen
sein;... und durch dich sollen alle Geschlechter des Erdbodens
gesegnet werden" (Gen. 12,2-3).

Der mittlere Riegel bildet die Wurzel aller Zweige der Nation. So
wie die Zweige des Baumes, die ihre Nahrung und Lebenskraft
von ihrer Wurzel erhalten, müssen wir uns auf unsere Wurzeln
besinnen und so alle Zweige einigen und stärken.
 
 
Frage und Antwort

Wundermittel und Hokuspokus

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: In Ihrem letzten Beitrag wollten Sie den Begriff
"komplementäre Medizin" für unkonventionelle Heilmethoden
einführen statt "alternativer Medizin". Was halten Sie nun von
den diversen para-medizinischen, halb mystischen Methoden,
wie z.B. Reiki oder "Healing", die auf bestimmten Energien
basieren, das Öffnen von Energie-Zentren, Absorbieren von
Energie, Freisetzung von Energie, usw.? Vielleicht grenzt das
schon an Götzendienst, Zauberei oder die "Wege der
Emoriter"?

Antwort: Götzendienst ist es auf keinen Fall; keiner, der heute
mit diesen Methoden zu tun hat, dient einem fremden Gotte
oder glaubt an irgendeinen Götzen. Für die genannten Energien
werden säkulare Erklärungen gegeben. Wohl stammen die
meisten dieser Heiltechniken von antiken Völkern des fernen
Ostens und waren mit Götzendienst vermischt, aber zu jener
Zeit waren alle Wissenschaften der weltlichen Völker mit
Götzendienst vermischt. Religion, Wissenschaft und
Philosophie bildeten eine einzige "Ursuppe". Alle antike
Heilkunde der Völker war mit Götzendienst durchsetzt.
Demnach müßten wir alle von damals überlieferten
medizinischen Erkenntnisse über Bord werfen. Im Laufe der
Jahrtausende verloren sie jedoch ihr religiöses Beiwerk und
erhielten rein weltliche Erklärungen. Die Energien werden nicht
mehr als Götter aufgefaßt, und niemand betet sie an. Für die
Vertreter dieser Methoden handelt es sich einfach um
elektomagnetische oder gravitative Energien.

Wir wissen, daß die Religionen des fernen Ostens auf göttlichen
Energien basieren, die die ganze Welt anfüllen und die es
aufzunehmen gelte. Anstelle des Herrn der Welt treten
irgendwelche nebulöse, diffuse Energien, die das Universum
anfüllen und alles durchdringen. Das ist echter Götzendienst
(Awoda sara). Doch wie gesagt haben diese "Energien" eine
Säkularisierung durchgemacht und wurden in weltliche Begriffe
übertragen. Wer sich mir Reiki beschäftigt, gilt nicht als
Götzendiener und hat auch gar keine solchen Absichten.

Bezüglich der Frage, ob es sich bei diesen Heilmethoden um
von der Tora verbotene Zauberei handelt, müssen wir vorher
definieren, was eigentlich unter den Begriff "Zauberei" fällt.
Nehmen wir einmal an, es müsse eine übernatürliche
Erscheinung beteiligt sein. Vielleicht ist diese Erscheinung aber
natürlich, nur daß wir sie nicht zu erklären wissen? Einmal
wurde der weise Rabbiner Jakov Ettlinger (Hamburg/Altona, vor
etwa 150 Jahren; bei ihm lernten u.a. die Rabbiner Samson
Raphael Hirsch und Asri'el Hildesheimer) zum Thema Hypnose
befragt, die wie Zauberei erscheint: mithilfe von Bewegungen
und dem Sprechen von bestimmten Worten wird der Behandelte
dem Hypnotiseur hörig. Rabbiner Ettlinger antwortete: Zwar
wußten die Gelehrten der Universität mir keine
wissenschaftliche Erklärung zu geben, doch muß nicht jede
Sache, für die die Wissenschaft keine Erklärung parat hat,
gleich Zauberei sein. Er bewies, daß Hypnose keine Zauberei
und somit erlaubt ist. Die Zauberei beruht auf den Kräften der
Tum'a (negative spirituelle Kräfte, Unreinheit).

Hier soll jetzt nicht diskutiert werden, ob man sich zur Rettung
von Menschenleben der Zauberei bedienen darf. Darüber
besteht eine rabbinische Meinungsverschiedenheit, die im
Schulchan Aruch und seinen Kommentatoren erwähnt wurde.
Die eine Seite macht geltend, daß Lebensgefahr alle Verbote
der Tora verdrängt, die andere Seite rechnet Zauberei zum
Götzendienst, den man unter allen Umständen meiden muß
(auch wenn dies mit Lebensgefahr verbunden ist). Allerdings
sagten wir bereits, daß man sich bei Lebensgefahr
ausschließlich der regulären, anerkannten Medizin bedienen
muß. Die unkonventionelle Medizin ist nur als Ergänzung
erlaubt, und nur in dieser Hinsicht könnte man über den Einsatz
von Zauberei diskutieren. Doch wie gesagt handelt es sich bei
all den genannten Methoden nicht um Zauberei, und wer sie
praktiziert, gilt nicht als Zauberer.

Was allerdings ja infragekommt, ist das Verbot der "Wege der
Emoriter", d.h. Aberglauben. Die genaue Definition für "Wege
der Emoriter" besteht in allen Methoden, die nicht auf rationelle
Erklärungen fußen und auch nicht durch Versuche erhärtet
werden können. Sie wurden weder durch den Verstand noch die
Erfahrung bewiesen. Deshalb sind die "Wege der Emoriter"
verboten als Untergruppe des Verbotes, den der Tora
widersprechenden Gesetzen und Gebräuchen der Nichtjuden zu
folgen.

Die talmudischen Weisen erwähnten jedoch eine Ausnahme
zum Verbot der "Wege der Emoriter", und zwar zum Zwecke der
Heilung. Wenn es der medizinischen Behandlung dient, und die
Leute diese Methode für wirksam halten und Umstände
anführen, in denen sie angeblich geholfen hat, obwohl es keinen
ernsthaften wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, so ist es
dennoch erlaubt.

Zwar ist nach dem Raschikommentar verschärfend zu
verfahren, daß nämlich aus der Art Behandlung selbst
ersichtlich sein muß, daß sie zu medizinischen Zwecken
geschieht, aber das Gesetz wurde erleichternd entschieden,
daß es ausreiche, wenn die Leute erzählen, daß diese
Behandlung nütze. Die Weisen verschlossen das Tor nicht
endgültig, weil der Mensch so sehr von der Wirkung überzeugt
ist und ihm sein Leben natürlich sehr teuer ist.

Von Rabbiner Schlomo ben Aderet ("RaSchBA", Schüler
Nachmanides', lebte vor etwa 700 Jahren) sind uns zu diesem
Thema drei lange Responsen überliefert, die sich auf die Worte
seines großen Lehrers stützen (Nr. 167, 413, 825). Und in der
Mischna (Schabbat 67a) heißt es: "Man darf [am Schabbat,
obwohl der Ort keinen Eruw hat] mit einem Heuschreckenei, mit
einem Fuchszahne und mit einem Nagel von einem Gehenkten,
als Heilmittel, ausgehen". Soll das etwa heißen, daß diese
Dinge wirklich eine Heilkraft besitzen?! Vielmehr glauben die
Leute daran und kennen Geschichten von wundersamer
Heilung - darum ist es erlaubt.

Darum dürfen all diese halb mystischen Heilmethoden nicht an
die Stelle der herkömmlichen Medizin treten, sondern höchstens
zu deren Ergänzung herangezogen werden, oder wenn keine
Lebensgefahr besteht - selbst wenn sie sonst als "Wege der
Emoriter" gelten, auch wenn sie wissenschaftlich nicht haltbar
sind und ihre Wirksamkeit nicht erwiesen werden konnte. Zwar
handelt es sich um Aberglauben, doch wenn es um
medizinische Behandlung geht, ist es nicht verboten.

Es ist immer besser, zu einem konventionellen Arzt zu gehen,
der sich wissenschaftlich fundierter Methoden bedient. Auch in
der regulären Medizin kommen Fehler vor, und die Methoden
ändern sich im Laufe der Zeit. Wie jede Wissenschaft wird sie
ständig weitererforscht.

Am Besten sollten wir natürlich alle gesund sein und weder die
eine noch die andere Heilkunde benötigen. "Heile Du, G~tt, uns,
so werden wir geheilt" (Schmone Esre).
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 

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