DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJEZE
Nr. 281
12. Kislew 5761
AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Die
Sudeten von Palästina
Der
Kampf um Israel
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
desgleichen auf Französich
Diese Woche in
der Tora (Gen. 25,19 - 28,9):
Geburt Jakovs und
Eßaws, Verkauf des Erstgeburtsrechtes,
Hungersnot, Jizchak
und Riwka bei König Awimelech, Streit um
Brunnen, Friedensvertrag,
Jizchak segnet Jakov und Eßaw,
Eßaws Mordabsichten
und Flucht Jakovs.
| Am
Schabbes-Tisch
Eine politische Lösung Rav Asri'el Ari'el |
"Der Aramäer wollte meinen Vater vernichten.. (Dt. 26,5 gem.
Raschikommentar/Sifri; siehe auch Pessachhagada), so beginnt
man seine Ansprache bei der Darbringung der Erstlingsfrüchte
im Tempel. Erst im 5. Buch Moscheh wird deutlich, um wieviel
weitgehender Lawans Absichten waren als das Dekret des
Pharao in Ägypten. "Pharao hatte nur verhängt, die männlichen
Kinder zu töten, aber Lawan hatte geplant, alles zu entwurzeln"
(Hagada), er wollte alle Juden vernichten, töten, beseitigen und
sie jenseits der "grünen Linie" werfen... In den verzwickten
Verhandlungen zwischen Jakov und seinem Schwiegervater
Lawan zeichnet uns die Tora den Weg im Umgang mit den
Widersachern Israels in allen Generationen vor.
Den ersten Schritt bildet eine unmißverständliche Warnung
direkt von G~tt: "Hüte dich, daß du nicht redest mit Jakov
weder
Gutes noch Böses" (Gen. 31,24). Jakovs Schicksal ist kein
Thema für Verhandlungen. Punktum! Nur eine klare und
eindeutige Warnung wie diese kann Lawan im Zaume halten.
"Es steht in der Kraft meiner Hand, euch Übles zu tun" (ebda.
29) sagt Lawan zu Jakov, "aber der G~tt eurer Väter hat
gestern zu mir gesagt: Hüte dich zu reden..." (ebda.).
Erst wenn dem Widersacher klar wird, daß er keine militärische
Option hat, können politische Verhandlungen beginnen. Lawan
möchte ein Bündnis schließen. Allerdings eröffnet
er die
Verhandlungen mit an Jakovs Gewissen gerichteten
Beschuldigungen: Warum hast du dich davongemacht? Warum
hast du gestohlen? Jakov versucht sich zu rechtfertigen, denn
er möchte Lawan nicht reizen. Er erklärt seinen Standpunkt,
flucht dabei unabsichtlich seiner geliebten Frau, doch all das
besänftigt Lawan nicht. Er sucht und sucht und gibt Jakov dabei
zu verstehen: 'Dein Gewissen ist nicht rein, das ist kein Krieg
der Guten gegen die Bösen. Jeder von uns hat legitime
Forderungen gegen den anderen. Zwar hatte ich die Absicht,
dich zu treffen, aber auch du hast mich getroffen. Ich habe nur
daran gedacht, du aber hast es auch ausgeführt'.
Als er diesen Hintergedanken Lawans erkennt, sieht Jakov die
Sinnlosigkeit des Versuches ein, vor den Kameras eine gute
Figur zu machen. Er sagt Lawan die nackte Wahrheit ins
Gesicht. Hier handelt es sich nicht um zwei Seiten, die jede
mehr oder weniger rechthaben. Hier stellt sich Jakov als der
Aufrichtige heraus, und Lawan als ein scheinheiliger Betrüger.
Lawan gibt nicht nach. Er behauptet, alle Seelen und aller
Besitz in den Händen Jakovs seien gestohlen: "Die Töchter
sind
meine Töchter, und die Söhne sind meine Söhne, und die
Schafe sind meine Schafe, und alles, was du da siehest, ist
mein" (Gen. 31,43). Das ich dir überhaupt gestatte, mein
Eigentum festzuhalten, stellt einen großen Verzicht meinerseits
dar; darum hast du hier gar nichts zu melden!
Jakov antwortet nicht darauf - sein Schweigen spricht Bände,
auch als er die Gedenksäule errichtet. Manche Dinge sind einer
Entgegnung einfach nicht würdig. Lawan möchte ein Bündnis
schließen. Jakov antwortet nicht, sondern errichtet schweigend
eine Gedenksäule. Den Friedensvertrag formuliert Lawan.
Jakov feilscht nicht um Details. Sowieso kann man davon
ausgehen, daß der Vertrag früher oder später gebrochen
wird,
warum soll er sich also jetzt auf Einzelheiten versteifen? Lawan
möchte mit Jakov so einen Bund schließen wie Awimelech mit
Awraham. Jakov läßt sich nicht darauf ein, sondern begnügt
sich mit einem formlosen Schwur, der den niedrig angesetzten
Erwartungen Ausdruck gibt. Lawan "begibt sich danach an
seinen Ort zurück" (Gen. 32,1), auf die spirituelle Stufe, die
er
schon vorher innehatte. Jakov hingegen schreitet voran auf
demselben Wege, den er schon vorher ging, auf dem Wege des
Glaubens und der Wahrheit. "Auch Jakov ging seines Weges
und ihm begegneten Engel G~ttes" (Gen. 32,2).
| Frage
und Antwort
Wie lange noch? Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: "Soll denn immerwährend das Schwert zehren"
(Schemu'el II 2,26)? Wir sind des endlosen Kämpfens in
unserer Ecke der Welt müde. Wir haben es satt, getötet zu
werden und auch töten zu müssen, so wie es von unserem
Vorvater Jakov heißt: "Da fürchtete sich Jakov sehr und
es war
ihm bang" (Gen. 32,8), und Raschi erklärte dazu im Namen der
talmudischen Weisen: "er fürchtete sich, er könnte getötet
werden, und es war ihm bang, er könnte andere töten". Auch
macht uns unsere derzeitige Situation von Krieg-auf-
Sparflamme mürbe. Wir hielten die Erlösung immer für
einen
Zustand von "..sie werden umschmieden ihre Schwerter zu
Sicheln und ihre Lanzen zu Rebenmessern, nicht wird erheben
Volk gegen Volk das Schwert, und nicht lernen sie weiterhin den
Krieg" (Jeschajahu 2,4). Jetzt sind wir müde. Worher können
wir
neue Kraft schöpfen?
Antwort: Neue Kraft schöpft man von Spirituellem. Der Geist
wird niemals müde. "Ein G~tt für immerdar ist der Ewige,
der die
Enden der Erde erschaffen; er ermattet nicht, er ermüdet nicht,
unergründlich ist seine Einsicht. Er verleihet dem Müden
Kraft,
und dem Ohnmächtigen läßt er die Stärke wachsen.
Und wenn
auch Knaben ermatten und Jünglinge straucheln: Aber die auf
den Ewigen hoffen, legen neue Kraft an, treiben Schwingen
gleich den Adlern, sie rennen und ermüden nicht, sie gehen und
ermatten nicht" (Jeschajahu 40,28-31). Das waren schwere
Zeiten damals: ein furchtbarer Krieg gegen Assyrien, den wir
nur durch ein Wunder glücklich überstanden. Nicht nur das;
wir
durften zudem annehmen, daß Chiskijahu König von Jehuda
der Maschiach ("Messias") sei - doch unsere Hoffnung wurde
enttäuscht (Sanhedrin 94a). Man kann schon verstehen, warum
unser Mut sinkt. Doch wir müssen neue Zuversicht fassen.
Probleme, die sich heute nicht lösen lassen, werden in Zukunft
gelöst werden. Man braucht Geduld und Glauben. "Ihre Hilfe
warst Du ewig und ihre Hoffnung in jeder Generation", "zu
lehren, daß Alle, die auf Dich hoffen, nicht getäuscht werden,
und nimmer erröten Alle, die in Dich ihre Zuversicht setzen"
("Schoschanat Jakov", Gebet an Purim).
Das Spirituelle stärkt uns, denn in unserem Krieg geht es um
unsere Existenz, das ist ein gerechter Krieg. Um uns herum
stürmt die Feindseligkeit der Nichtjuden "wie ein aufgewühltes
Meer" (Jeschajahu 57,20). "Warum lärmen die Völker?" (Psalm
2,1). Neben dem "regulären" Antisemitismus hassen sie auch
den Staat Israel. Aber lassen wir uns nicht beunruhigen.
"Verflucht Haman, der dich vernichten wollte" (S.J.). Was
Haman am Ende zustieß, wird auch denen passieren, die sich
ihn zum Vorbild nahmen.
Der Krieg ist für uns kein Ideal, sondern ein notwendiges Übel.
Manchmal hat man keine Wahl, und so wird daraus einer der
Wege, auf dem unsere Nation erbaut wird. Krieg ist gegen
unsere Natur. Wir lieben die Sanftheit und nicht die
Kraftmeierei. Doch wenn uns der Herr der Welt in eine
Zwangslage bringt, legen wir die "Kleider Eßaws" an, wenn es
denn sein muß, und kämpfen mit aller Macht. Doch auch dann
bleibt unsere sanfte Natur bestehen. "Auch wenn ich gehe im
Tale des Todesschattens, fürcht' ich kein Leid" (Psalm 23,4),
auch wenn ich einen Krieg führen muß, fürchte ich nicht,
daß
sich mir gewalttätige Charakterzüge zugesellen. Der israelische
Soldat hat eine sanfte Natur, auch der israelische Offizier hat
eine sanfte Natur. Sein Wesen gilt dem Aufbau, doch wenn der
Herr der Welt uns vorbestimmt, das Schwert zu ergreifen, so
erfüllen wir diese Aufgabe mit vollem Einsatz. "Die Bauleute an
der Mauer (bauten), und die Lastträger luden auf; mit einer
Hand arbeitete er an dem Werke, und die andere hielt die
Waffe" (Nechemja 4,11).
Das ist überhaupt nicht einfach und kommt uns außerdem teuer
zu stehen. Doch wie die Kraft dem Geiste entstammt, so übt sie
auch in umgekehrter Richtung eine stützende Wirkung auf den
Geist aus. Wir kämpfen diesen Krieg in Gerechtigkeit,
Aufrichtigkeit und Wahrheit, und durch ihn klären und vertiefen
wir die Einsichten über unser Wesen und unseren
Lebenszweck, über unsere nationale Wiedererstehung und über
unser Land, über unseren Staat und über unsere Tora.
Unser Krieg ist ein Krieg gegen den Krieg, unser Schwert ein
schwertvernichtendes Schwert. Unsere Propheten verkündeten
uns, daß die Schwertgegürteten Schwerter zerbrechen werden.
Um uns und der Welt Frieden zu bringen, reicht es nicht,
wohlklingende und moralische Ansprachen zu halten. Für sich
selbst genommen machen sie auf die Bösewichte und
Mörderbanden gar keinen Eindruck. Die Säbelrassler verstehen
nur die Sprache des Schwertes.
Unsere heiligen Weisen verboten den Verkauf von Waffen an
die des Mordes verdächtigen Nichtjuden, weil sie sie zum Bösen
benutzen könnten (Awoda Sara 15b). Aber Zehntausende
Maschinengewehre an Leute zu übergeben, die nicht nur des
Mordes verdächtig sind, sondern uns schon seit hundert Jahren
morden - das ist ein Verbrechen gegen die Moral auf nationaler
Ebene, das nicht Seinesgleichen in der gesamten
Menschheitsgeschichte kennt. Kein Zweifel, daß die dafür
Verantwortlichen dem Urteil der Nation ausgesetzt und vor
einen regierungsamtlichen Untersuchungsausschuß gestellt
werden müssen, der die Gesamtheit des Volkes widerspiegelt.
Dort müssen sie für das wie Wasser vergossene Blut
unschuldiger Juden Rechenschaft ablegen.
Wir müssen am Schwerte festhalten, um die Bösen der Welt
von ihren Schwertern zu trennen. Wir werden schließlich Erfolg
haben. Aus den Fehlern werden wir lernen. Während des
Jomkippurkrieges kamen Schüler unseres Lehrers Rabbiner Zwi
Jehuda Hakohen Kuk zu ihm und breiteten vor ihm ihre Sorgen
und ihre Verzweiflung aus. Er saß dabei kerzengerade, und
nachdem er sich alles angehört hatte, antwortete er ruhig mit
den Worten: "Wir kommen voran". Trotz aller Schwierigkeiten
entwickeln wir uns weiter.
Auch in unseren heutigen Tagen kommen wir voran. Und
werden weiter vorankommen.
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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