DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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der "Betrachtungen" wie auch die aktuelle Ausgabe)
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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT WAJECHI
Nr. 286
18. Tewet 5761
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
desgleichen auf Französich
Diese Woche in
der Tora (Gen. 47,28 - 50,26):
Jakov segnet Josef
und seine anderen Söhne vor seinem Tode
in Ägypten;
der Segen bezeichnet die Charaktereigenschaft
eines jeden der
12 Stämme; großer Trauerzug und Begräbnis in
der Machpela-Höhle;
Josef prophezeit, daß G~tt die Kinder
Israels ins Land
der Vorväter zurückbringen wird und bittet,
dann seine Gebeine
zum Begräbnis dort mitzunehmen.
Der
Stand der Dinge...
|
"Da streckte Israel seine Rechte und legte sie auf das Haupt
Efrajims - der doch der jüngere war - und seine Linke auf das
Haupt Menasches" (Gen. 48,14). Zwar versucht Josef noch
einzugreifen und die rechte Hand auf den Kopf von Menasche,
den Erstgeborenen, zu dirigieren, doch Jakov weist ihn mit den
Worten ab: "Ich weiß, mein Sohn, ich weiß... indessen sein
jüngerer Bruder wird größer sein als er" (Gen. 48,19),
"- denn
von ihm wird Jehoschua abstammen, der das Land zum Besitze
verteilen und Israel Tora lehren wird" (Raschikommentar).
Die Besiedlung des Landes und Israel Tora zu lehren waren für
unseren Vorvater Jakov von größter Bedeutung, und darum
legte er seine rechte, "starke" Hand auf das Haupt von Efrajim.
Nach dem Stand der Dinge sind die zwei wichtigsten Themen
unserer Generation, der Parallelgeneration zu der von
Jehoschua ben Nun, die Besiedlung und das Festhalten am
Lande Israel, trotz des Widerstandes der Feinde, und die
Rückkehr zum Judentum und die Unterweisung der jüdischen
Massen in der Tora - und beide benötigen der Stärkung. Der
Segen unseres Vorvaters Jakov, mit der rechten "starken" Hand
gegeben, kommt uns dabei zuhilfe. "Dich mache G~tt wie
Efrajim und Menasche! So setzte er den Efrajim vor Menasche"
(Gen. 48,20).
Unsere Nation ähnelt momentan einem Schiff in stürmischer
See, dessen Kapitän außer der Orientierung auch den Kompaß
verloren hat und nicht mehr weiß, wie er das Schiff ans sichere
Ufer bringen kann.
Um diese gefährliche Situation zu überwinden und den
Passagieren das Vertrauen und den Glauben an die Möglichkeit
wiederzugeben, das verheißene Ufer zu erreichen, müssen
wir
dem jüdischen Volk seinen Kompaß besorgen und es auf den
rechten Weg bringen, die Wege unseres Vorvaters Jakov und
die Wege Jehoschua ben Nuns, die auch in den schwierigsten
Situationen an die Rückkehr in das Land Israel glaubten, es
erobern und trotz feindlichen Widerstandes besiedeln zu
können.
Dazu schöpften sie ihre Kräfte und ihren Glauben aus dem
Lernen und der engen Verbundenheit mit der Tora, der Quelle
von Kraft und jüdischer Macht seit frühesten Zeiten. "Der
Ewige
gibt Macht seinem Volke", das ist die Tora, und dadurch "segnet
der Ewige sein Volk mit Frieden" (Psalm 29,11).
In Erwartung der Erlösung,
Rav Dov Begon
| Frage
und Antwort
Die Friedenstaube Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Die Taube mit dem Ölzweig im Schnabel wird weltweit
als Symbol des Friedens gesehen. Wie kommt das? Noach
schickte zwar eine Taube aus der Arche, doch was hat das mit
Krieg zu tun? Sie kehrte dann mit einem Ölzweig zurück -
wie
lehrt das vom Frieden?
Antwort: Bekanntlich dienen Ölblätter normalerweise
nicht als
Vogelfutter, vielmehr wollte die Taube nach der Überlieferung
der talmudischen Weisen damit ausdrücken: Sei meine
Nahrung so bitter wie Oliven, dafür nicht abhängig von Fleisch
und Blut, und nicht süß - und abhängig von Fleisch
und Blut. In
der Arche versorgt man mich mit Allem, doch bevorzuge ich die
Freiheit. Für Unabhängigkeit und Selbständigkeit bin
ich bereit,
ein schwieriges Leben zu leben.
Und so schrieb Rabbiner Samson Raphael Hirsch in seinem
Torakommentar, daß die Taube nicht ein Symbol für den
Frieden, sondern für die Freiheit sei und für die
Bereitschaft,
auch den Preis der Freiheit zu zahlen.
Die Freiheit hat ihren Preis; alles hat seinen Preis. Manche
Sklaven wollen gar nicht frei sein. Die Knechtschaft kommt
ihnen gelegen. Die Herrschaft sorgt für alles. "Ich liebe meinen
Herrn,.. ich mag nicht frei ausgehen" (Ex. 21,5) - das ist nicht
gut, man soll ein freier Mensch sein. "Sie sind Meine Sklaven,
aber nicht Sklaven von Sklaven" (Baba Mezia 10a). Man muß
ein "Sklave G~ttes" sein. Ein Knecht G~ttes ist frei. Der Mensch
soll aber nicht ein Knecht seines Nächsten sein.
Die Freiheit hat ihren Preis, den zu zahlen man bereit sein muß.
Auch die Knechtschaft hat ihren Preis. Der Preis der Freiheit
besteht darin, daß ein Volk freier Menschen manchmal in den
Krieg ziehen muß. Ein unfreies Volk braucht keine Kriege zu
kämpfen, doch ist es stattdessen Pogromen und Kreuzzügen
ausgeliefert, in denen ganze Gemeinden ausgelöscht wurden,
Kosakenmassakern, denen Hunderttausende Juden zum Opfer
fielen, und der Schoa. Das ist schon eine ganz andere
Geschichte.
Im Lande Israel gibt es Probleme. Sicher, noch ist unsere Welt
kein Garten Eden, und die Probleme bilden einen Bestandteil
unserer Existenz. Die Frage ist nur, mit welchen Problemen
man es zu tun hat, mit den Problemen eines Volkes im Exil oder
mit den Problemen eines freien Volkes, Probleme der
Knechtschaft oder Probleme der Freiheit.
Die Taube ist das Symbol der Freiheit und nicht des Friedens.
Außer, wenn wir Frieden anders definieren, so wie im
Raschikommentar zum Traktat Rosch Haschana (18b). Im
entsprechenden Talmudabschnitt wird erklärt, daß die
Fastentage in der Zukunft zu Freudenfesten werden, nämlich
wenn wir in Frieden leben. Nach dem Raschikommentar ist
damit der Zustand gemeint, wenn wir die Oberhand haben,
wenn wir stark sind, auf unseren Standpunkten bestehen und
uns selber schützen - das ist Frieden.
In diesem Falle, wenn mit "Frieden" die Macht der
Selbständigkeit gemeint ist, dann ist die Taube tatsächlich
ein
Symbol des Friedens.
"Der Ewige gibt Macht seinem Volke, der Ewige segnet sein
Volk mit Frieden" (s.o.).
| Am
Schabbes-Tisch
Am Ende der Tage Rav Asri'el Ari'el |
Unser Vorvater Jakov ist am Ende seines Lebensweges
angekommen. Seine Söhne versammeln sich um seine
Lagerstatt, traurig und mit Tränen in den Augen. Sie bleiben
zurück nicht im Lande ihrer Väter, sondern auf fremder Erde,
zu
Anbeginn eines langandauernden Exils. In dieser Lage erwarten
sie Worte der Ermunterung von ihrem Vater. Auch er hat vor,
sie vor seinem Weg in eine andere Welt seelisch zu stärken
und ihnen zu offenbaren, was sie in ferner Zukunft erwartet.
"Versammelt euch, und ich will euch verkünden, was euch
begegnen wird in späten Zeiten" (Gen. 49,1). Doch gerade in
diesem Moment entfernt sich von ihm die göttliche Präsenz.
Der
Ausblick auf die Zukunft wird verstellt und nicht wieder
freigegeben. "Verborgen und versiegelt sind die Worte bis auf
die Zeit des Endes" (Daniel 12,9). Warum ließ sich die Endzeit
nicht voraussehen? Warum verblieben die Dinge vor jedermann
"verborgen und versiegelt"? Wäre nicht alles viel einfacher,
wenn wir den genauen Ablauf der Dinge von heute bis zum
Ende der Tage vorher wüßten, mit exakten Instruktionen,
wie
wir uns im Sinne G~ttes zu verhalten hätten?
Stellen wir uns einmal vor, was geschähe, wenn wir detaillierte
Antworten auf obige Fragen erhielten, mit genauem Zeitplan.
Man darf wohl annehmen, daß wir unser Leben in apathischer
Langeweile verbrächten, höchstens vielleicht in passiver
Erwartungshaltung. Warum sollte man sich groß anstrengen,
Initiative ergreifen und Unternehmungslust zeigen, wenn doch
alles von vornherein feststeht? G~tt erwartet denn auch ein
ganz anderes Verhalten von uns. Von dem Moment, als sich
herausstellte, daß die Erlösung auf natürlichen
Wege erfolgen
werde, wurde auch klar, daß hierzu aktive menschliche
Beteiligung erwartet wird. Wir müssen den Stein ins Rollen
bringen und handeln, Verantwortung für unsere Taten
übernehmen und Lehren aus unserem Versagen ziehen.
Andererseits soll dies nun nicht bedeuten, daß die Erlösung
allein von unseren Taten abhängt, vielmehr lenkt und leitet
jemand das Geschehen von hoher Warte. Jemand, der die
Gelegenheiten schafft und auch für eine Alternative sorgt, wenn
man die erste Gelegenheit verpaßt. Jemand, der Stolpersteine
und Herausforderungen auf den Weg legt, und die
Auseinandersetzung damit bringt den historischen
Entwicklungsprozeß voran. Er ist es, der uns auf die harte Tour
lehrt, wenn wir Fehler begingen, und Er ist es auch, der uns
Wege der Korrektur eröffnet, wenn uns Irrtümer und Versagen
aus der Bahn warfen.
Mit seltener Intuition spürte Moscheh Dajan diesen Sachverhalt,
wie aus seiner Rede vor Absolventen eines Führungskurses für
hohe Offiziere der israelischen Armee vor etwa 30 Jahren
hervorgeht: "Ich sagte mir: 'Was wird sein?' und nicht: 'Wie wird
das ausgehen?' Mich dünkte, in dieser typisch jüdischen Frage
liegt der Schwerpunkt auf dem Wege und nicht auf dem zu
erreichenden Ziel; auf der Entwicklung des Kampfes und nicht
auf der Endstation... Darum, glaube ich, lautet die zentrale,
fundamentale Antwort, die wir auf die Frage 'Was wird sein?' zu
geben vermögen, - 'Laßt uns weiterkämpfen'... Wir müssen
uns
sowohl seelisch als auch physisch auf einen fortgesetzten
Prozeß des Kämpfens vorbereiten, viel eher als die Festsetzung
eines Zeitplanes für die Erlangung von Ruhe und Heimstatt".
Darum wurden die verschlungenen Wege der endgültigen
Erlösung des jüdischen Volkes vor uns verborgen. Eine aktive
Erwartung der Erlösung begleitet uns jeden Moment unseres
Lebens. Laßt uns gemeinsam überlegen und abklären,
handeln
und Fortschritte erzielen, Lehren ziehen und verbessern, "bis
der Tag kühler wehet und die Schatten fliehen und wir auf den
Berg der Myrrhen und zum Weihrauchhügel gehen" (nach
Hohelied 4,6).
Die Worte Jakovs an seine Söhne enthielten letztendlich keine
"Verlautbarung aus gut unterrichteten Kreisen". Des Ende
wurde nicht offenbart. Doch jedem einzelnen seiner Söhne gab
Jakov eine wichtige Mitteilung auf den Weg: Du, Jehuda, wirst
wie ein Löwe sein. Und du, Benjamin, wie ein Wolf. Jissachar -
wie ein Lastesel, und du, Naftali, wie ein geschwindes Reh.
Jeder von euch wirke entsprechend seinen besonderen
Eigenschaften, um das Volk an sein Ziel zu bringen. Doch fragt
nicht: Was wird das Ende sein? Diese Frage ist nicht am Platze.
Eine andere Frage müßt ihr euch jeden Tag stellen: Was soll
ich heute tun? Wie soll ich heute die besonderen Fähigkeiten
einsetzen, die mir der Herr der Welt verliehen hat? Dann wird
sich an jedem von uns der Spruch erfüllen: "Alle Tage deines
Lebens - um dich in das messianische Zeitalter zu bringen"
(Pessachhagada, nach Brachot 12b).
Weitere Kommentare
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