DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT TEZAWE
Nr. 294
15. Adar 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Ex. 27,20 - 30,10):
Die Priester - Ahron und seine Söhne; Priesterkleidung und -
ausstattung; besondere Opfer und Amtseinführung; das tägliche
Opfer; Opferdienst nur im Heiligtum und nur durch Priester; der
Räucheraltar und der Dienst des Räucherwerkes im Heiligtum.

Purim/Schuschan Purim
 
Am Schabbes-Tisch

Schreibt mich auf!

Rav Jakov Halevi Filber

"Esther ließ die Weisen bitten, man möge sie in die [heilige]
Schrift eintragen", (Megilla 7a). Darauf erhielt sie zur Antwort:
"Willst du Haß über uns unter den Völkern erwecken?!" (ebda.).
Diese Antwort erscheint auf den ersten Blick merkwürdig - seit
wann zensieren wir unsere heiligen Schriften nur wegen der
Befürchtung, 'was werden bloß die Nichtjuden dazu sagen'?
Darüberhinaus schrieb Rabbiner Moscheh ben Maimon
("Maimonides") in seinem Sendschreiben an die jemenitischen
Juden ("Igeret Tejman"): "Weil sich uns der Schöpfer durch
seine Gebote und seine Gesetze ausgesondert hat, und unser
Vorzug gegenüber den Anderen sich durch seine Regeln und
seine Gesetze offenbarte, wie es heißt: 'Und wo ist eine Nation,
mag sie noch so groß sein, die so gerechte Gesetze und
Rechtsvorschriften hätte' (Dt. 4,8), haßten uns alle
Götzendiener deswegen mit großer Eifersucht". Sollen wir etwa
wegen dieser Eifersucht den biblischen Vorzug des Volkes
Israel aus den Büchern löschen oder verbergen?!

Die Antwort der Weisen läßt sich vor dem Hintergrund ihrer
Epoche verstehen. Zu Esthers Zeit war die Redaktion der
Heiligen Schrift (Tora / Propheten / Schriften, Abk.: Tanach)
noch nicht abgeschlossen, und Esther bat um Aufnahme ihres
Buches zusammen mit den übrigen heiligen Schriften in den
Tanach. Die Weisen richteten sich hinsichtlich der "Kandidaten"
nach exakten Maßstäben, wie es im Traktat Megilla (14a) heißt:
"Viele Propheten erstanden dem Volke Israel, doppelt so viele
wie Auszügler aus Ägypten (!), jedoch wurden nur die
Prophezeiungen aufgeschrieben, die für alle Generationen nötig
sind, welche nicht, wurden nicht aufgeschrieben". Darüber nun
waren Esther und die Weisen geteilter Ansicht. Die Weisen
vertraten den Standpunkt, die Weisheit des Menschen resultiere
aus Erfahrungen der Vergangenheit, und die Geschichte der
Megillat Esther gehöre nicht zu den "für alle Generationen
nötigen Prophezeiungen", weil es bis zum Auftritt von Haman
noch keinen Präzedenzfall eines Versuches der Vernichtung
des ganzen jüdischen Volkes gegeben hatte. Darum sei die
Geschichte der Megilla als einmalige Angelegenheit anzusehen.
Zwar kannte die jüdische Geschichte bis dahin schon
Versklavung und andere Schwierigkeiten, wie auch Erlösung,
z.B. die Knechtschaft in Ägypten und der Auszug von dort,
vierzig Jahre Wüstenwanderung, die Eroberung Kana'ans und
dessen Besiedlung in den Tagen Jehoschuas und der Richter,
das Königtum und 410 Jahre erster Tempel bis zu seiner
Zerstörung. Diese ganze Zeit kannte das jüdische Volk kein Exil
(Galut). Mordechai und Esther lebten wenige Jahre nach der
Tempelzerstörung, und die Realität des Exils war noch nicht in
das Bewußtsein der Juden eingedrungen. Auf jeden Fall war
Hamans Betreiben einer Massenvernichtung nach den
historischen Erfahrungen jener Zeit ein einmaliger Extremfall in
der Geschichte der Menschheit, eine vorübergehende Episode,
die sich zukünftig nicht wiederholen werde und darum nicht in
die Heilige Schrift aufzunehmen sei. Natürlich wußten die
Weisen von den unaufhörlichen Überfällen und Anschlägen
gegen das jüdische Volk bis zu jener Zeit, wie durch Eßaw,
Lawan, Pharao, Amalek und die restlichen Judenhasser. Die
schlimmste Maßnahme bis damals war die Verordnung Pharaos
gewesen, jedes männliche Neugeborene in den Nil zu werfen.
So einen wahnwitzigen Befehl wie "alle Juden zu vertilgen, zu
würgen und zu vernichten, von jung bis alt, Kinder und Frauen,
an einem Tage" (Esther 3,13), so ein Gesetz wagte bis dato
kein einziger Judenfeind zu erlassen. Darum war nach Ansicht
der Weisen die Esthergeschichte nicht ausreichend relevant,
weil sie sich in Zukunft nicht wiederholen werde, und demnach
haben die zukünftigen Generationen keinen Nutzen, darüber
informiert zu werden.

Esther jedoch war eine der sieben Prophetinnen Israels (Traktat
Megilla ebda.), und Prophetie beruht nicht auf erfahrener
Wirklichkeit, vielmehr schaut sie über die Beschränkung von
Zeit und Raum hinaus. Esther sah in heiliger Inspiration, daß
diese Episode leider kein Einzelfall bleiben, sondern in Zukunft
in der jüdischen Geschichte noch häufiger auftauchen werde.
Esther sah in ihrer prophetischen Vision ein lang andauerndes
Exil des jüdischen Volkes in der Wildnis der Völker, ein Exil,
dessen Ende nicht am Horizont erkennbar war. In diesem Exil
glich das Volk Israel einem Ertrinkenden in der Weite des
Meeres, ohne Land in Sicht, der dringend einen Rettungsring
braucht, um nicht zu sterben, auch wenn er nicht weiß, wohin
die Strömungen der Zeit ihn treiben werden. Dieser
Rettungsring, so dachte sich Esther, wird die Megillat Esther
sein, die das jüdische Volk lehrt, selbst wenn sich im Exil eine
Situation von "töten und vernichten" ergeben sollte und kein
Licht am Ende des Exiltunnels erscheine, man dennoch nicht zu
verzweifeln brauche, weil sich das harte Urteil innerhalb einer
einzigen Nacht ins Gegenteil verkehren könne.

"Da ereignete sich das Gegenteil" (Esther 9,1) - das ist die
Botschaft der Megilla. In der Geschichte des jüdischen Volkes
gab es keine Prophezeiung, die nötiger gewesen wäre als die
Megillat Esther. Darum akzeptierten die Weisen letztendlich
Esthers Antrag und nahmen die Purimgeschichte in die Heilige
Schrift auf.
 
Frage und Antwort

Die Helfershelfer

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Darf man im Rahmen von Friedensvereinbarungen
Waffen an die Gegenseite liefern?

Antwort: Jeder jüdische Mensch ist uns lieb und teuer, und
darum bekümmert uns besonders diese von uns selber
begangene furchtbare Dummheit, Waffen an die Mörder zu
geben. Das ist natürlich nicht die einzige Dummheit, die wir im
Laufe unserer Geschichte und seit der Gründung des Staates
Israel begangen haben. "Ja, da ist kein Mensch gerecht auf
Erden, der das Gute tue und nimmer fehle" (Prediger 7,20), und
ebenso gibt es keine Regierung auf Erden, die nur das Gute tue
und niemals eine Dummheit oder einen Fehler machte. Aber
diese Dummheit bricht alle Schranken.

Es steht schon im Talmud geschrieben, daß man den
Nichtjuden keine Waffen verkaufen darf, weil sie morden und
diese Waffen mißbrauchen werden (Awoda Sara 15b), und so
lautet auch die Halacha (Maimonides "Mischne Tora", Gesetze
vom Götzendienst 9,8, Gesetze vom Mörder und Schutz der
Seele 12,12, Schulchan Aruch J.D.§151,5). Der Verkäufer
übertritt das Gebot "vor einen Blinden keinen Stolperstein zu
legen".

Auch dem Nichtjuden ist das Morden verboten. So lautet eines
der sieben noachidischen Gesetze der Tora. Wenn man ihm
eine Waffe gibt, besteht die Gefahr, daß er damit mordet. Man
darf sogar mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit annehmen, daß er
genau dafür die Waffe erwirbt. Auch andere gefährliche Dinge
darf man ihm nicht verkaufen, wie Löwen und Tiger (ebda.).

Über das Thema, ob Israel Waffen an fremde Staaten
verkaufen darf, sind zahlreiche halachische Gutachten verfaßt
worden. Die Grundannahme war dabei, daß es sich um
zivilisierte Staaten handelte - keine Staaten, die Mörder frei
herumlaufen lassen - und die diese Waffen nicht zu finsteren
Zwecken benutzen, sondern nur zur Landesverteidigung.
Dieses Prinzip galt immer, doch kam es manchmal vor, daß wir
Waffen an totalitäre, verbrecherische Staaten und sonstige
Gruppierungen verkauften. Das war sicher vom moralischen wie
auch religionsgesetzlichen Standpunkt verboten.

Hier geht es jedoch darum, daß wir gar nicht mal verkaufen,
sondern Leuten die Waffen schenken, die uns damit ermorden
könnten! Das ist doch einfach unglaublich! Hier kann man auch
nicht von Ahnungslosigkeit reden. Wir kennen diese Leute
doch, es sind Mörder, und nicht erst seit gestern. Wir sind
schon 120 Jahre in diesem Lande, und sie versuchen ständig,
uns zu ermorden. Schon immer haben hier Banden
unterschiedlicher Provenienz ihr Unwesen getrieben mit dem
einen Ziel - den Staat Israel zu vernichten und uns zu ermorden.

Sind wir eigentlich am Frieden interessiert? - Natürlich müssen
wir Frieden schließen! Wir müssen Frieden schließen, damit wir
nicht weiter gemordet werden. Und genau jenen Leuten, die
weiterhin morden, sogar in demselben Moment, in dem wir
ihnen Waffen geben - diese versorgen wir mit Waffen?! Das ist
doch reinster Wahnsinn!

Wartet doch erstmal ab! Laßt die Gemüter abkühlen! Wenn sie
zehn Jahre lang nicht mehr morden, können wir die
Angelegenheit neu verhandeln. Aber so? Diese Tat ist einfach
unverständlich. Wer dafür die Verantwortung trägt, muß Rede
und Antwort stehen. Wir verlangen ja nicht, für jede Dummheit
der Regierung einen Untersuchungsausschuß einzusetzen;
jeder macht mal Fehler.

Doch so ein Fehler, Waffen an Mörder zu übergeben, die uns
dann ohne weiteres damit umbringen können, und die uns
schon seit über hundert Jahren morden, und die Öffentlichkeit
gegen diese verantwortungslose Tat protestiert hatte, und sich
jetzt herausstellt, daß sie mit diesen Waffen morden - das geht
einfach nicht in den Kopf hinein.

Alle an dieser Entscheidung Beteiligten müssen zur
Rechenschaft gezogen und vor einen regierungsamtlichen,
breitgefächerten Untersuchungsausschuß gestellt werden. Das
endgültige Ergebnis mag ausfallen, wie es will, aber es muß
deutlich gemacht werden, daß Juden kein Freiwild sind, daß
das Blut unserer Brüder aus der Erde schreit.
Hoffen wir auf bessere Zeiten.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 

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