DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
SUKKOT
Nr. 273
15. Tischri 5761

AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Die Sudeten von Palästina
Der Kampf um Israel

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

SUKKOT
 

Der Stand der Dinge...
Der Davids-Schild
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

Beim Laubhüttenfest (Sukkot) begrüßen wir bei uns in unserer
Sukka die Vorväter der Nation ("Uschpisin"). Am ersten Tag
Awraham, und am letzten Tag, an Hoschana Rabba, König
David.

Unser Vorvater Awraham gleicht dem Samenkorn, aus dem das
Volk Israel sproß, und König David entspricht der reifen Frucht.

G~tt versprach Awraham: "Ich werde dich zu einem großen
Volke machen" (Gen. 12,2), und König David schließlich
herrschte über dieses große und heilige Volk; die Bestimmung
dieses Volkes wurde Awraham bekanntgegeben: "Und mit dir
und deinen Nachkommen werden alle Völker der Erde
gesegnet" (Gen. 28;14), "Vater vieler Völker" (Gen. 17,4). Die
Verwirklichung dieser Bestimmung wird durch den König
Maschiach ("Messias") erfolgen, einem direkten Nachkommen
von König David. Wenn alle Weltenbewohner erkennen und
wissen werden, daß der Ewige, G~tt Israels König ist und sein
Königreich über alle Welten, "an jenem Tage wird G~tt einzig
sein und sein Name einzig" (Secharja 14,9).

Trotz der erhabenen Aufgabe, mit der unser Vorvater Awraham
und König David betraut worden waren, der ganzen Welt Gutes
zu tun und sie spirituell zu erleuchten, benötigen beide
besonderen Schutz wegen der bestimmten Kräfte und Völker,
die sich ihnen entgegenstellen und sie zu Fall bringen wollen,
und darum beten wir in der Schmone-Esre "Schild Awrahams",
und im Segen nach der Haftara "Schild Davids".

Nach dem Stand der Dinge schmückt das "Schild Davids"
("Magen David") unsere Staatsflagge. Das ist kein Zufall.
Gerade in unserer Generation, der vergönnt ist, in unserem
Lande wiederzuerstehen, lauern uns die Völker ringsum auf und
fallen über uns her bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Doch
G~tt der Schild Awrahams, schützte, schützt und wird den Staat
Israel weiter schützen, das Wirklichkeit gewordene
Versprechen, ihn zu einem großen Volke zu machen, und
nachdem er uns zu einem großen Volke im Lande Israel
gemacht hat, werden wir auch mit eigenen Augen sehen, wie
wir "zum Segen aller Völker der Erde" werden.

Mit den besten Wünschen zum Fest, und
in Erwartung der Erlösung,
Rav Dov Begon
 
Frage und Antwort

Erwartung der Erlösung (II)

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

[Fortsetzung von letzter Woche]
Im Verlaufe der Erlösung kann es durchaus vorkommen, daß
einmal Erreichtes wieder verschwindet. Rabbiner Moscheh ben
Nachman ("Nachmanides", Tora- und Talmudkommentator vor
etwa 800 Jahren) zog zur Erklärung die Worte der talmudischen
Weisen über den Vers "Es gleicht mein Geliebter dem Hirsche"
(Hohelied 2,9) hinzu - "wie ein Hirsch von Mal zu Mal zu sehen
ist, so zeigte sich ihnen auch der erste Erlöser, und verschwand
aus ihrem Blickfeld, und zeigte sich wiederum" (Nachmanides
zu Ex. 5,22). Der Hirsch läuft über die Berge, plötzlich
verschwindet er und man sieht ihn nicht, dann taucht er wieder
auf, verschwindet und erscheint auf vorgerückter Stelle. Ebenso
erscheint der Erlöser und bringt Segen. Und plötzlich
verschwindet das Erreichte scheinbar auf Nimmerwiedersehen,
nur um am Ende in verbesserter Form wieder aufzutauchen.

So ist das mit unebenem Gelände, voller Hügel und Berge.
Wäre unsere Welt eine glatte Angelegenheit, ohne Probleme,
liefe der Hirsch ganz ungehindert, und wir dürften uns eines
ungestörten Fortschritts erfreuen. Doch die Verhältnisse, sie
sind nicht so.

Die talmudischen Weisen sagten, für einen Betrunkenen gebe
es keine Probleme auf der Welt. Er macht sich ein naives Bild
von der Realität. In Wirklichkeit geht aber nicht immer alles
glatt, leider gibt es viele Berge, "trennende Berge" (harej bater),
wie es im Hohelied (2,17) heißt. In der Mitte geteilte Berge, wo
der Hirsch vorübergehend aus unserem Blickfeld verschwindet.
Das ist der Prüfstein des Glaubens, der "Bund zwischen den
[Opfer-]Teilstücken" (Gen. 15.Kap., "Brit bejn Ha'Betarim");
auch wenn der Hirsch zwischen den Teilen verschwindet,
fahren wir fort, an die Erlösung zu glauben. Wie gesagt werden
wir damit auf unsere Glaubensfestigkeit in der Erwartung der
Erlösung geprüft. Wenn es uns gut geht, alles vorankommt und
wir uns wunderbar fühlen - worin besteht dann die Kunst des
Glaubens?! Die Wahrheit kommt zutage, wenn es mal nicht
glattgeht, wenn der Karren festsitzt. Der Herr der Welt hat seine
eigenen Gründe, wann er die Dinge auf geradem und wann auf
einem Umwege voranbringen will.

Eine große Frage: Worin besteht die Größe, den Maschiach
noch für heute zu erwarten? Wer wäre denn nicht daran
interessiert?! Die Größe besteht vielmehr darin, ihn bereits
heute zu sehen! Manche sehen ihn nicht wegen der genannten
Probleme. Wer ihn dennoch sieht, zeigt damit Größe, Glauben
und eine gute Eigenschaft.

Dann gibt es noch diejenigen, die sich über die Probleme
beklagen und herumnörgeln. Darin äußert sich ein Mangel an
Glauben und obendrein die schlechte Eigenschaft, nur die
negative Seite zu sehen und nicht auch das Gute. Die wahre
Erwartung der Erlösung zeigt sich vielmehr unter dem Druck
von Schwierigkeiten.

Rabbiner A.I.Kuk erwähnte noch einen anderen Aspekt der
"Erwartung der Erlösung" (Sidur "Olat Ra'aja"): Vielleicht möge
man sagen, wo doch G~tt die Geschicke der Welt lenkt, können
wir uns doch mit verschränkten Armen zurücklehnen und
abwarten, bis G~tt die ganze Arbeit erledigt hat. So funktioniert
das aber nicht. Zwar erledigt G~tt alles, wir aber kommen "zum
Beistande des Ewigen unter den Helden" (Richter 5,23). G~tt
bewirkt die Erlösung mit uns und durch uns. "Man führt
Verdienstliches durch einen Verdienstlichen herbei" (Smachot
8.Kap.). So wie Mordechai zu Esther sagte "Denn wenn du
schweigst in solcher Zeit, wird Hilfe und Rettung erstehen den
Jehudim von einem anderen Orte her" (Esther 4,14). G~tt
stehen viele Sendboten zur Verfügung. Überhaupt benutzt G~tt
Sendboten für seine Werke. Er ist die "erste Ursache", die
Ursache aller Ursachen und Grund aller Gründe, und setzt die
Ketten von Ursache und Wirkung in Gang. Du hast dich für den
Aufbau unseres Landes eingesetzt und abgemüht, so bist du
Ursache des Aufbaus; doch G~tt ist die Ursache der Ursache.
Wenn du dich weigerst, wird G~tt eine andere Ursache
einsetzen. Er leidet keinen Mangel an Ursachen. Wenn G~tt
andererseits etwas Unangenehmes bringen will, so "führt er
Böses durch einen Bösen herbei" (Smachot ebda.).

Als Papos und Lulianos durch den Römer Trajanus zur
Vollstreckung ihres Todesurteils geführt wurden, sagte er ihnen:
Wenn ihr zum Volke von Chananja, Mischa'el und Asarja
gehört, komme euer G~tt und vollbringe an euch ein Wunder,
so wie er es jenen getan hat [sie waren ins Feuer geworfen
worden und kamen unversehrt heraus]. Da antworteten sie:
Nein; jene waren große Gerechte, wir aber sind nur einfache
Leute aus dem Volke, und wir verdienen kein Wunder.
Darüberhinaus hatte Nebukadnezar seine guten Seiten, für die
er würdig war, dieses Wunder zu sehen. Du aber bist ein
Bösewicht, und wir verdienen den Tod. Wisse, wenn du uns
nicht tötest, so hat G~tt viele Sendboten, viele Bären, viele
Leoparden, viele Giftschlangen und viele Skorpione (Smachot
ebda.). Es gibt genug Bösewichte, die sich für jede satanische
Übeltat freiwillig melden. Ebenso finden sich immer Gerechte,
die "zum Beistande des Ewigen unter den Helden" kommen.

Wir glauben, daß G~tt die Erlösung bringt, und wir glauben, daß
in bestimmter Hinsicht die Erlösung durch uns und mit unserer
Beteiligung erfolgen kann. Die Erwartung der Erlösung ist keine
passive Haltung, sondern eine "kreative Erwartung", wie
Rabbiner Kuk es formulierte. Wer die Erlösung erwartet, verfolgt
die Geschehnisse und tut alles in seiner Macht Stehende, um
sie voranzubringen.

Fassen wir zusammen:
Die "Erwartung der Erlösung" besteht aus zwei Teilen.

1. Auch wenn es schwere Probleme gibt, wenn die Lage
festgefahren oder gar zu degenerieren scheint, glauben wir
weiterhin an den Herrn der Welt und der Weltgeschichte, der
sich in seiner Weisheit gerade für diesen Weg entschieden hat.
Damit prüft er unseren Glauben.

2. Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um
voranzukommen, denn die Erlösung erfolgt durch Sendboten.
So wie G~tt den Wind wehen und den Regen fallen läßt, ist er
die erste Ursache des Regens, und die Wolken
Zwischenursachen.

Wir ignorieren nicht, daß unsere politische Lage im Hinblick auf
die Treue zum Lande Israel momentan nicht rosig aussieht.
Doch deswegen verzweifeln wir nicht. Wir sitzen nicht in der
"Bahn nach Auschwitz", wie uns einige Leute weismachen
wollen. Wenn ich in so einem Zug säße, würde ich, wenn nur
irgend möglich, bei aller damit verbundenen Gefahr aus dem
Fenster springen und dann mit einem Eisen versuchen, den Zug
zum entgleisen zu bringen, auch wenn es mich den Kragen
kosten sollte.

Doch unser Staat fährt nicht nach Auschwitz. Vielmehr fährt er
zum Maschiach, zur vollständigen Erlösung. Daran glauben wir,
auch wenn es Verzögerungen gibt, auch wenn das Fuhrwerk
des Maschiach wegen diverser Pannen manchmal
steckenbleibt. Mal löst sich ein Rad und mal bricht die Achse,
mal stirbt das Pferd und mal wird der Kutscher krank. Es ist ja
auch ein altes Fuhrwerk, das zweitausend Jahre nicht benutzt
wurde. Es ist etwas verrostet, und man hat auch schon
vergessen, wie man damit umgeht. Und sieheda, schon fast 120
Jahre rollt der Wagen wieder und kommt vorwärts, hält an,
bricht zusammen, wird repariert und rollt weiter.

Alles kommt voran: der Aufbau des Landes, die Einsammlung
der Verstreuten, die Gründung des Staates, die Stärkung
unserer Verteidigungskräfte, die Ausbreitung des Torastudiums.
G~ttseidank, der Wagen des Maschiach rollt voran.

Natürlich gibt es Probleme, wenn du aber deswegen den
Glauben verlierst, so war dein Glauben wahrscheinlich schon
vorher nicht besonders stark. Die Panne stellt deinen Glauben
auf die Probe. Wenn du auch während einer Krise
weiterglaubst, wirst du damit zum Partner G~ttes beim großen
Werk der Erlösung der Nation.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 

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