DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
SCHEMINI AZERET - SIMCHAT TORA
Nr. 274
22. Tischri 5761

AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Die Sudeten von Palästina
Der Kampf um Israel

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich
 
 

Der Stand der Dinge...
Wer zuletzt lacht...
Rav Dov Begon
Leiter von MACHON MEIR

"Erfreue uns gleich den Tagen, da du uns gebeugt, den Jahren,
da wir Unglück geschaut" (Psalm 90,15). "Alle Tage, die das
Volk Israel im Exil verbrachte und das Licht sie nicht erreichte,
ging dieses Licht nicht verloren, sondern wird auf einmal
erstrahlen, und dann wird eine Zeit der Freude für Israel
anbrechen, wie es sie bis dahin noch nie gegeben hat, und es
wird auf der ganzen Welt weder Kummer noch Traurigkeit mehr
geben" (Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto, "Über die
Erlösung").

In jener zukünftigen Zeit wird G~tt seine Welt erfreuen und sich
an seinen Geschöpfen freuen, wie es heißt: "es freut sich der
Ewige seiner Werke" (Psalm 104,31), und unsere talmudischen
Weisen hoben in ihrer Beschreibung der kommenden Zeit der
vollständigen Erlösung die gewaltige Freude hervor, die den
spirituellen Zustand unserer Nation wie den der Welt
kennzeichnet.

Die Feiertage von Pessach bis Schmini Azeret bilden eine lange
Kette, die bis zum Auszug aus Ägypten zurückreicht, dem
Zeitpunkt unserer Befreiung, über das Wochenfest, das an den
Erhalt der Tora am Sinai erinnert, bis hin zum Laubhüttenfest,
der Zeit unserer Freude. Und der Höhepunkt: Schemini
Azeret/Simchat Tora.

Gleicherweise bewegt sich die Weltgeschichte den Tagen der
Freude entgegen. Hierauf deutet auch das Wort "Maschiach"
(=Messias), das aus den gleichen [hebräischen] Buchstaben
wie "Simcha" (Freude) besteht.

Nach dem Stand der Dinge erleben wir nun endlich das Ende
des Exils und die Einsammlung in unser Land, und obwohl wir
noch nicht zu voller Verwirklichung aller Versprechungen
unserer biblischen Propheten gelangt sind, können wir uns doch
schon über den Anteil freuen, den zu erhalten uns bereits
vergönnt war, und der Tag ist nicht mehr weit, an dem wir aus
vollem Halse verkünden können: "Als der Ewige zurückführte
die Weggeführten Zions, waren wir gleich Träumenden. Dann
füllt mit Lachen sich unser Mund, und unsere Zunge mit Jubel.
Dann spricht man unter den Völkern: Der Ewige hat Großes an
diesen getan. - Großes hat der Ewige an uns getan" (aus dem
"Schir Hama'alot" vor dem Tischgebet; Psalm 126, 1-3).

In Erwartung der Erlösung,
Chag same'ach,
Rav Dov Begon
 
 
Frage und Antwort

Ehre deine Eltern

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Müssen erwachsene Kinder ihren Eltern immer aufs
Wort gehorchen?

Antwort: Nein, weder Sohn noch Tochter müssen den Eltern
aufs Haar gleichen. Zu den Pflichten der Kinder gehören die
Ehrung der Eltern, d.h. sie zu verpflegen mit Speis und Trank,
Bekleidung und Bedeckung, für Transport zu sorgen und sie
wieder nach Hause bringen, und sich überhaupt um ihre
Bedürfnisse zu kümmern.

Auch müssen die Kinder ihren Eltern einen gewissen Respekt
zeugen: nicht an ihrem Platz stehen oder auf ihrem Stuhl sitzen,
nicht frontal widersprechen und nicht jedes ihrer Worte
herumerzählen. Das Kind muß sich mit Ergebenheit ausdrücken
und nicht sagen: 'Stimmt nicht', 'du irrst dich' usw. (Kiduschin
31b).

Sohn und Tochter sind aber nicht verpflichtet, genau wie ihre
Eltern zu denken und sich wie sie zu verhalten. Sie gehören
nicht zum Eigentum der Eltern. Wohl haben sich die Eltern für
ihre Kinder aufgeopfert, für sie gesorgt, sie großgezogen und
sonst noch viel für sie getan, doch das verschafft ihnen kein
Eigentumsrecht an ihnen. Der Nachwuchs darf durchaus einen
anderen Weg einschlagen, natürlich im Rahmen der Tora, aber
auch auf den Wegen der Tora gibt es verschiedene
Möglichkeiten.

Die Kinder müssen die Eltern ehren, ihnen helfen, sich um sie
kümmern und ihre Bedürfnisse erfüllen, und respektieren. Sie
brauchen ihnen zwar nicht zu gleichen, dürfen aber die
Unterschiede nicht extra betonen oder gar frech hervorkehren.
Der Umgangston darf nicht die Wege von Ehrung, Demut und
Respekt verlassen.

Trotz alledem empfehlen die neueren halachischen Autoritäten
den Kindern, den Eltern nachzugeben, wenn dies keine
besonderen Umstände macht. Sie sind nicht dazu verpflichtet,
es ist aber eine gute Idee. Zum Beispiel wenn die Mutter sagt:
'Hier, iß meinen leckeren Spinat' - tu ihr den Gefallen, oder: 'trag
diesen hübschen Pulli von Oma' - stell dich nicht weiter an.

Überhaupt sollte man im Leben zwischen wirklich wichtigen
Dingen und Nebensächlichkeiten zu unterscheiden wissen. Auf
Prinzipien muß man mit allem Nachdruck bestehen. Für
Bagatellen jedoch ist es wenig sinnvoll, den dritten Weltkrieg
vom Zaun zu brechen. Da kann man ruhig mal nachgeben. Man
ist zwar nach dem Buchstaben des Gesetzes nicht dazu
verpflichtet, aber auch deine Eltern haben für dich weit mehr als
ihre gesetzliche Pflicht getan. Das ist nur ausgleichende
Gerechtigkeit: wer für dich mehr als die Pflicht getan hat, so
gehe auch du für ihn über das Minimum hinaus.
Besonders wenn du noch bei deinen Eltern wohnst, mußt du
erst recht darauf hören, was der Hausherr sagt.

Eine Einzelmeinung unter den Gesetzesautoritäten geht dahin,
daß die Ehrfurcht vor den Eltern gebietet, ihnen niemals zu
widersprechen, weder im Zuge der Rede, noch inhaltlich.

Zusammenfassend halten wir fest, daß der Mensch seinen
Eltern nicht gleichen muß, er hat sie aber zu ehren und ihnen zu
helfen und muß ihnen gegenüber eine allgemeine Grundhaltung
von Ehre und Respekt einnehmen. Damit erfüllt er ein wichtiges,
gar nicht so einfaches Gebot.

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 
 
Kinder, Kinder...

Kinder und (Simchat-)Tora
 
 

Rav Elischa Aviner
Rabbiner von Mizpe Nevo und Leiter des Kollels der Jeschiwa Ma'ale Adumim

Simchat-Tora ("Gesetzesfreude") ist zweifellos ein Kinderfest
von nicht geringerem Kaliber als Purim. Das liegt vor allem am
Umzug mit den Torarollen, dem Aufrufen der Kinder zum
Toralesen, der Verteilung von Süßigkeiten, den Miniatur-
Torarollen, den bedruckten Fahnen usw. An dieser Freude
haben alle Altersgruppen einen Anteil, von den Allerjüngsten bis
zu den größeren Jugendlichen.

Was auf den ersten Blick so natürlich aussieht, erweckt nach
kurzem Nachdenken eine große Frage: Welche Beziehung
haben Kleinkinder eigentlich zum Fest der Gesetzesfreude?!
Sie haben doch niemals im Leben auch nur eine Minute Tora
gelernt, haben keinen Scharfsinn auf eine komplizierte
Talmudstelle verwandt und glänzten noch nicht mit eigenen
brillianten Erklärungen, vertieften sich noch nicht in die
Fundamente des Glaubens und lasen noch nicht einmal die
Fünf Bücher Moses von A bis Z? Woher also diese Freude?

Die Antwort liegt im Wesen der Freude von Simchat Tora. An
Simchat Tora verringern wir erheblich die Stunden des
Torastudiums, und stattdessen tanzen wir ausgiebig mit
geschlossenen Torarollen herum, ohne sie auch nur einen
Moment zu öffnen und darin zu lesen. Doch warum?

Das Fest der Gesetzesfreude erfüllt zwei Aufgaben:

1. Die Freude über den Abschluß des Torazyklus.
2. Die Vorbereitung auf die neuerliche Begegnung mit der Tora.
Die erstgenannte Freude wird durch den "Chatan Tora"
verkörpert, die zweite Aufgabe durch den "Chatan Bereschit"!
Die Vorbereitung auf die Begegnung mit der Tora ist nicht weniger
wichtig als das Torastudium selbst, wie uns die talmudischen
Weisen übermitteln: Das Land wurde zerstört, weil man nicht
den Segensspruch vor dem Toralernen sagte (Baba Mezia
85a/b), d.h., das ganze Lernen nützt nichts, solange das
Verhältnis zum Lernen mit einem Makel behaftet ist.

Das Fest "Simchat Tora" erfüllt für uns die Bedingung des
"Segensspruches vor dem Toralernen". Bevor wir von Neuem
mit der Tora anfangen, müssen wir besonders darauf achten,
ein passendes Verhältnis zu ihr zu schaffen von Freude,
Anhänglichkeit, Wertschätzung, Bewunderung, Annehmlichkeit
und Begeisterung, oder wie es der Kommentar "Sfat Emet"
ausdrückte: "Simchat Tora fällt zu Beginn des Jahres, damit
sich der Mensch die Größe der Tora bewußt mache, die Worte
des lebendigen G~ttes. Und von der Lust und Freude am
Kontakt mit der Tora bleibt hinterher das Gefühl der
Anhänglichkeit bei der Beschäftigung mit der Tora". Die Freude
zu Beginn des Jahres wirkt in dessen weiterem Verlauf auf die
"Beschäftigung mit der Tora", auf ihr Studium und die Erfüllung
ihrer Gebote.

Rabbiner Chajim aus Woloschin, der bedeutendste Schüler des
Wilna'er Gaon Rabbi Elijahu, schrieb in seinem Buch "Nefesch
Hachajim" gegen Jene, die Torastudium mit Bezauberung und
erhabenen Gedanken über die Anhänglichkeit an G~tt
vermischen. Während des Lernens muß man sich mit allen zur
Verfügung stehenden Mitteln des Verstandes auf das Begreifen
des Themas konzentrieren. Doch, so betonte Rabbi Chajim, vor
dem Lernen sollte man über die Größe der Tora nachsinnen.

Simchat Tora ist das Nachsinnen vor dem Lernen! Wir halten
geschlossene Torarollen in den Armen und tanzen damit,
umarmen sie, hüpfen und springen vor ihnen herum, um so
unsere Wertschätzung für die Tora auszudrücken, bevor wir
einen neuen Zyklus des Toralernens beginnen.

Nicht nur Toragelehrte müssen die richtige Einstellung zur Tora
erlernen (s.o.), sondern auch Kinder, sogar Kleinkinder, die
noch nie in ein Chumasch geschaut haben. In diesem
Zusammenhang ist der Umfang des Torawissens unbedeutend.
Darum sollte man auf keinen Fall den Wert all dieser Lock- und
Hilfsmittel herunterspielen, mit denen man an Simchat Tora den
kleinen Kindern die Tora "schmackhaft" macht. Im Gegenteil,
man sollte nicht daran sparen, sondern sich vielleicht auch neue
Dinge ausdenken, alte weiterentwickeln und interessanter
machen. Davon werden aus den Kindern zwar keine größeren
Rabbiner und sie erwerben dadurch auch nicht mehr Wissen,
doch steigt dadurch der Kurswert der Tora in ihren Augen, sie
verbinden damit angenehme Gedanken, und in ihren zarten
Seelen verbleibt ein Eindruck von Freude und Wohlgefühl. So
verschaffen wir ihnen die richtige Beziehung zur Tora.
 

MACHON MEIR
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