DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHLACH LECHA
Nr. 308
25. Sivan 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Num. 13,1-15,41)
12 Fürsten kundschaften das Land Kana'an aus; 10 bringen
positiven, aber entmutigenden Bericht, 2 optimistisch und
verweisen auf göttlichen Beistand; Volk hört auf
Mehrheitsbericht, göttliche Strafe: 40 Jahre Wüste, bis
Ungläubige ausgestorben sind; jetzt wollen sie doch, aber G~tt
läßt sie nicht mehr; weitere Opfergesetze; Strafe für
G~tteslästerung; der Holzsammler am Schabbat; Zizit.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Das Gegenmittel

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

In diesen Tagen der Selbstaufopferung und der standfesten
Haltung für unser Volk, für unsere g~ttversprochenen Städte
und für den Erbbesitz unserer Vorväter lohnt es sich, die Worte
des Gaon von Wilna (Rabbi Elijahu von Wilna) in seinem Buche
"Kol Hator" zu studieren:

Die Sünde der Kundschafter in der Wüste zur Zeit unseres
Lehrers Moscheh gehört zu den großen, gemeinschaftlichen
Sünden, die auf dem jüdischen Volk durch alle Generationen bis
auf den heutigen Tag lasten. Wie die talmudischen Weisen in
einem Midrasch übermittelten, zog die Sünde der Kundschafter
Strafen nach sich, die ein "Weinen in allen Zeitaltern"
verursachten: Weinen über die Tempelzerstörung, über die
Verwüstung Jerusalems und die Öde des Landes. In großem
Maße litten und leiden die Juden in allen Generationen wegen
der Sünde der Kundschafter die Irrungen und Wirrungen des
bitteren Exils. Der größte Teil der Strafe traf zwar die
Generation, in der sich die Sünde ereignete, in der Wüste Sinai,
wie in der Tora geschildert wird; der Rest aber wurde auf alle
weiteren Generationen verteilt.

Das Gegenmittel für die Strafung besteht im Wesentlichen in
der Auslösung Jerusalems und ihres Wiederaufbaus, in
Maßnahmen zur Einsammlung der Verstreuten im Sinne der
Regel "auch dieses dicht an jenem hat G~tt gemacht" (Prediger
7,14), eine Art Vergeltung Gleiches mit Gleichem, im negativen
Sinne wie im positiven. Heile, was du zerstört hast, wo, wann,
wie und durch wen es bekannt wurde...

Wegen unserer großen Unzulänglichkeit kommt die "Sünde der
Kundschafter" auch heute noch häufig vor, im Sinne von "und
sie verschmähten das anmutige Land, sie glaubten nicht seinem
Worte" (Psalm 106,24), und sie wissen nicht einmal, und
verstehen nicht, daß sie die Sünde der Kundschafter begehen,
daß sie dem Überrest dieser Sünde durch alle möglichen faulen
Ausreden, haltlosen Beschuldigungen und Hirngespinste
anhangen...

Wer kann sich denn in den letzten Jahrhunderten mit dem Gaon
von Wilna messen, dem Heiligen Israels, der mit flammenden
Worten seine Schüler anspornte, nach Israel einzuwandern und
sich mit dem Einsammeln der Verstreuten zu befassen? Er trieb
seine Schüler unermüdlich an, das Ende der Tage aktiv näher
zu bringen, wie es heißt: "Ihr aber, ihr Berge Israels, laßt euer
Laub sprossen und tragt eure Frucht für mein Volk Israel, denn
sie kommen bald" (Sanhedrin 98a, Jecheskel 36,8), und der
Talmud kommentiert: "Du hast kein deutlicheres [Kennzeichen
für das] Ende als dieses" - "wenn das Land Israel seine Früchte
großzügig geben wird" (Raschi ebda.), d.h., die vollständige
Erlösung ist durch die Besiedlung des Landes Israel schneller
herbeizuführen.

Wir müssen uns klarmachen, daß alle Schwierigkeiten und
Leiden, die uns befallen, und alle Aktivitäten und
Anstrengungen, die wir investieren, einen untrennbaren
Bestandteil der großen Heilung der Sünde des "und sie
verschmähten das anmutige Land" (s.o.) bilden.

Nur sei man vorsichtig und hüte sich vor einer Sache:
Verleumdung. Die öffentliche und politische Diskussion muß mit
reiner Sprache geführt werden, aus der weder Haß noch
Schuldzuweisung herausklingen. Überhaupt sollte man ein
Abrutschen in eine unpassende Ausdrucksweise vermeiden.
Die Tempelzerstörungen an Tischa Be'aw waren kein Zufall: die
eine wurde durch grundloses Weinen, die andere durch
grundloses Hassen verursacht. Es ist auch kein Zufall, daß am
Anfang unseres Wochenabschnittes nur der Stamm Menasche
seinem Vorvater Josef zugerechnet wird, wohingegen der
Anführer Efrajims, Hoschea ben Nun, separat erwähnt wird.
Gadi ben Ssußi, Anführer Menasches, wiederholte die Sünde
seines Vorvaters. Josef brachte üble Nachrede über seine
Brüder hervor, und Gadi ben Ssußi über das Land Israel. Zwar
redete Josef die Wahrheit und die Kundschafter Lüge, doch das
Verbot der üblen Nachrede gilt sowohl für Wahrheit als auch für
Lüge.

Die Heilung der Sünde der Kundschafter wird nicht auf dem
Wege der Nachrede erfolgen, sondern durch das Erhören des
großen Aufrufes von Jehoschua und Kalew: "Wohl werden wir
hinaufziehen und es in Besitz nehmen, denn wir können es
überwältigen" (Num. 13,30).
 
 
Frage und Antwort

Räumung von Siedlungen

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Es geht um eine schwerwiegende Frage, doch kommt
man letztlich nicht darum herum. Die räumliche Nähe von
arabischer und jüdischer Bevölkerung verursacht konstantes
Blutvergießen, zu unserem großen Leidwesen. Araber schießen
und verüben Sprengstoffanschläge. Man muß Realist sein und
aufhören zu träumen, daß sich die Dinge von selbst einrenken
werden. Alles hat seinen Preis, auch Frieden und Sicherheit. Es
scheint doch, selbst um den Schmerz, mit dem dies verbunden
wäre, daß es keine andere Lösung gibt als Siedlungen zu
räumen. Ist es nicht in dieser Situation moralisch gerechtfertigt
und legitim, einen Menschen umzusiedeln? Falls die Regierung
entsprechende Entscheidungen treffen sollte - hätte er
moralisch das Recht, dagegen Widerstand zu leisten mit der
Begründung, daß er doch schon viele Jahre dort wohne?

Antwort: Sicher gehört es zu den Befugnissen der israelischen
Regierung, auf diese Weise zu handeln, und keine Privatperson
hat das Recht, sich dem zu widersetzen. Natürlich darf man
nicht einfach grundlos Menschen angreifen, doch das Wohl der
Allgemeinheit geht immer vor dem Wohl des Einzelnen. Wir
nehmen die Beziehung des Menschen zu seinem Heim nicht auf
die leichte Schulter, doch das Blut der Vielen ist uns teurer. Im
Notfall werden in jedem Staat der Welt Zwangsräumungen
durchgeführt.

Jeder Einzelne, der in einem bestimmten Staat lebt, nimmt die
Gesetze dieses Staates auf sich, ob sie ihm gefallen oder nicht,
ob sie zu seinem Vorteil sind oder zu seinem Schaden. Bei
jedem Gesetz gibt es garantiert jemanden, dem es nicht gefällt.
So wie sich die Gesichter unterscheiden, unterscheiden sich
auch die Meinungen (siehe Brachot 58a), und für keinen
Einzelnen sind alle Regierungsmaßnahmen eitel Sonnenschein.
Darum kann man eine gewisse seelische Reife verlangen, diese
Entscheidungen zu akzeptieren, und davon hängt überhaupt die
Funktionsfähigkeit der Gesellschaft und die Integration des
Individuums im Staate ab. Wenn es nun jene Privatperson oder
-personen an der genannten seelischen Reife mangelt und sie
dem Räumungsbefehl nicht freiwillig folgeleisten, kann man sie
ohne weiteres dazu zwingen. Das ist natürlich nicht angenehm,
aber es kann nicht angehen, daß ein ganzer Staat vor dem
partikulären Willen von einzelnen Gruppen kapituliert, wenn
Blutvergießen in großem Maße droht.

Natürlich wird jede Räumung einer Siedlung nur schweren
Herzens erfolgen, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit
mehr gibt. So steht es im Gesetz, so ist es moralisch vertretbar
und steht auch im Einklang mit der Tora. Man muß erst eine
friedliche Lösung suchen, doch wenn es nicht gelingt, wie wir
zur Zeit mit eigenen Augen das große Blutvergießen sehen,
möge G~tt sich erbarmen, dann haben wir keine andere Wahl.
Alle Ethik verlangt nunmehr nach der Räumung von arabischen
Siedlungen. Rein prinzipiell besteht die Möglichkeit, Nichtjuden
im Lande Israel wohnen zu lassen, unter der Bedingung, daß
sie die Staatsgesetze respektieren, so wie es auf der ganzen
Welt üblich ist, doch wenn sie sich mit Morden beschäftigen, so
gehören sie in einen der 22 umliegenden Staaten der
arabischen Gemeinschaft.

Frage: Ich glaube, ich habe mich nicht verständlich genug
ausgedrückt. Ich hatte eigentlich an die Räumung von jüdischen
Siedlungen gedacht, wenn es im Falle von Streitigkeiten
zwischen den verschiedenen Bevölkerungen zu Blutvergießen
kommt. Wird es in dieser Hinsicht symmetrisch zugehen?

Antwort: Selbstverständlich. Es muß auf strikte Ausgewogenheit
geachtet werden. Auch jüdische Siedlungen müssen unter den
gleichen Bedingungen geräumt werden, auch wenn es weh tut.
Das heißt, wenn es jüdische Siedlungen in einem arabischen
Land gäbe, die sich mit dem Schleudern von Felsbrocken auf
die Bürger jenes Landes beschäftigten, mit Schüssen aus dem
Hinterhalt und Spengstoffanschlägen, - dann wäre es sehr
moralisch, sie nach Israel zu deportieren. Es ist zwar seit
Menschengedenken kein solcher Fall bekanntgeworden, doch
wenn so etwas vorkommen sollte, wäre es sehr moralisch von
der Regierung des betreffenden Landes, diesen Juden zu
verkünden: Wir haben euch als Gäste behandelt, doch habt ihr
alle roten Linien übertreten, begebt euch bitteschön in euer
eigenes Land. - Diese Frage dürfte jedoch kaum jemals
auftauchen, denn diese Juden würden sicher auf der Stelle
exekutiert werden. Selbst ein einzelner Jude in einem
arabischen Land - selbst wenn er Mitglied im örtlichen
Parlament wäre - der sich öffentlich für die Einrichtung eines
jüdischen Staates in diesem Lande einsetzten sollte, würde ein
schnelles Ende finden; erst recht, wenn er zu bewaffnetem
Aufstand aufrufen sollte.

Wir können also abschließend feststellen, daß durchaus
Gleichberechtigung besteht, gleiches Recht und gleiches
Gesetz für den Juden und für den Araber, für eine jüdische
Siedlung in einem arabischen Staat und für eine arabische
Siedlung im jüdischen Staat.

Und Friede sei mit euch, und Friede euren Behausungen, und
Frieden über allem, was euch gehört.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
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