DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT SCHEMOT
Nr. 287
25. Tewet 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich
 

Diese Woche in der Tora (Ex. 1,1 - 6,1):
Vermehrung und Ausbreitung der Kinder Israels über ganz
Ägypten; neuer Pharao "vergißt" Josef und unterdrückt die
Israeliten; Tötung der neugeborenen Söhne; Moschehs Geburt;
adoptiert von Pharaos Tochter; Moscheh tötet den ägyptischen
Schläger; flieht nach Midian und heiratet Jitros Tochter; G~tt
schickt ihn zurück, um die Kinder Israels zu befreien;
Beschneidung seines Sohnes auf dem Wege; Begegnung mit
seinem Bruder Aharon; Audienz beim Pharao; Verschärfung der
Sklaverei; Protest der Israeliten gegen Moscheh und Aharon.
 
Am Schabbes-Tisch

Käpt'n Moses

Rav Jakov Halevi Filber

Moscheh Rabenu, unser Lehrer Moscheh, gilt als Musterbeispiel
für einen Vorsteher des Volkes Israel. Er vereinigte auf sich die
drei Wesenszüge, die jeder, der in der Öffentlichkeit den Ton
angeben will, vorweisen muß. "Siehe, ein weinender Knabe
(Na'ar)" (Ex. 2,6); nach dem Midrasch bedeutet "Na'ar" die
Abkürzung für 1. vertrauenswürdig: "..in meinem ganzen Hause
hat er sich als treu bewährt" (Num. 12,7), 2. bescheiden: "..und
der Mann Moscheh war sehr bescheiden" (Num. 12,3), und 3.
ein treuer Hirte: "und Moscheh hütete die Schafe" (Ex. 3,1).

Seine Bescheidenheit spüren wir bereits am Anfang seines
Weges, als er noch als Prinz im Palaste Pharaos lebte und alle
erdenklichen Annehmlichkeiten genießen konnte. Trotzdem
verzichtete er auf all dies und begab sich zu seinen Brüdern,
und zwar nicht nur als Tourist, der sich das Geschehen von der
Seite her betrachtet, vielmehr bot er seine Hilfe an, unterstützte
seine Brüder und sorgte für ihr Wohl, selbst als ihn das in
Lebensgefahr brachte und er schließlich aus Ägypten fliehen
und in ein fernes, fremdes Exil ziehen mußte. Die
Glaubwürdigkeit eines politischen Vorstehers besteht nicht nur
in der Unterlassung von unerfüllbaren Versprechungen für alle
und jeden, oder an einem Tag seine Prinzipien zu verkünden,
um am nächsten Tag genau das Gegenteil zu tun; seine
Glaubwürdigkeit erreicht er auch nicht dadurch, seine Gegner
und jeden, der seiner persönlichen Karriere im Wege steht,
niederzuwalzen. Moscheh weigerte sich, die Führung des
Volkes auf Kosten seines Bruders Aharon zu übernehmen, wie
der Midrasch berichtet: "Vielleicht glaubst du, Moscheh hielt sich
zurück, weil er nicht wollte? Dem ist jedoch nicht so, vielmehr
tat er es wegen der Ehre Aharons. Mosche sagte: 'Bevor ich in
Erscheinung trat, war mein Bruder Aharon schon achtzig Jahre
ihr Prophet in Ägypten gewesen, und jetzt dringe ich in das
Gebiet meines Bruders ein, was ihn quälen wird', darum wollte
er nicht gehen". Besondere Treue finden wir im Verhalten von
Moscheh, als G~tt vorschlug, Israel [wegen der Sünde um das
goldene Kalb] zu vernichten und ihn zu einem großen Volke zu
machen; dies bedeutete nichts Geringeres als ihn an die Stelle
der Vorväter Awraham, Jizchak und Jakov zu setzen und ein
neues Volk zu gründen, dessen Stammvater er wäre. Moscheh
lehnte jedoch ab und forderte: "Denke an deine Diener
Awraham, Jizchak und Jakov" (Ex. 32,13). Er war sogar bereit,
seinen Anteil an der kommenden Welt aufs Spiel zu setzen:
"lösche mich aus deinem Buche" (Ex. 32,32), wenn G~tt dem
Volk die Sünde nicht vergebe. Über seine Eigenschaft als guter
Hirte erfahren wir aus einem anderen Midrasch. Als er die
Herde seines Schwiegervaters hütete und ein Lamm
entwischte, fand er es schließlich an einem See trinken und
sagte: "Ich wußte doch nicht, daß du aus Durst so ranntest; jetzt
bist du sicher müde", und trug es auf der Schulter zur Herde
zurück. Da sagte G~tt: Du hast Erbarmen bei der Leitung der
Herde, die Menschen gehört, bei deinem Leben, du wirst meine
Herde Israel leiten" (Schemot rabba 2,2).

Wir finden weitere unabdingbare Qualifikationen für die
Bekleidung eines öffentlichen Amtes bei unserem Lehrer
Moscheh. Zum Spruche von Rabbi Jehoschua an Raban
Gamli'el "Wehe dem Zeitalter, dessen Vorsteher du bist, und
wehe dem Schiff, dessen Kapitän du bist" (Brachot 28a),
erklärte Rabbiner Awraham J. Kuk, es gebe einen großen
Unterschied zwischen "Vorsteher" und "Kapitän". Ein
"Vorsteher" hat ein offenes Ohr für die Wünsche des Einzelnen
und sorgt für das Wohl eines Jeden nach seinen individuellen
Bedürfnissen, die sich von Mensch zu Mensch unterscheiden.
Anders jedoch die Aufgabe des Kapitäns, der für die Überfahrt
des ganzen Schiffes verantwortlich ist, für die Reise vom
Abgangshafen zum Zielhafen, aber nicht für die individuellen
Angelegenheiten der Passagiere. Wer dem Volke Israel
vorsteht, muß beide Qualitäten auf sich vereinigen: er muß sich
sowohl um die Bedürfnisse des Einzelnen kümmern
("Vorsteher"), und gleichzeitig eine Politik zur Leitung der
Allgemeinheit formen, die das Wohl der Öffentlichkeit in ihrer
Gesamtheit vor Augen hat ("Kapitän"). Moscheh besaß beide
Fähigkeiten: "..da ging er aus zu seinen Brüdern und sah ihre
Lastarbeiten" (Ex. 2,11); nach dem Midrasch sah er auf zwei
Weisen, einmal als "Vorsteher" und einmal als "Kapitän". Er sah
die Last des Kleinen auf dem Großen, und des Großen auf dem
Kleinen; die Last des Mannes auf der Frau, und die Last der
Frau auf dem Manne; die Last des Greises auf dem Jüngling,
und die Last des Jünglings auf dem Greise, und er ging und
erleichterte ihre Leiden. Hier beschäftigte er sich nicht mit hoher
Politik, sondern wie ein "Vorsteher", er trug mit an der Last
jedes Einzelnen. Er kümmerte sich jedoch auch um das Wohl
der Gemeinschaft ("Kapitän"): "Er sah, daß sie keine Ruhe
hatten, und sagte zu Pharao: Wer einen Sklaven hat und ihm
keinen Ruhetag in der Woche gibt, so stirbt er, und jene sind
deine Sklaven, wenn du ihnen nicht einen Tag pro Woche frei
gibst, sterben sie. Sagte Pharao zu Moscheh: Geh und tue, wie
du gesagt hast. Und Moscheh ging und richtete ihnen den
Schabbat als Ruhetag ein" (Schemot rabba 1,28).
 
 
Frage und Antwort

Moral auf Raten

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Gibt es eigentlich jüdische Gesetze für Geldgeschäfte?

Antwort: Ethisches Verhalten im Geschäftsleben und bei
Zahlungsverpflichtungen ist nicht auf die leichte Schulter zu
nehmen. Wenn man Geld schuldet, muß man zahlen. Das ist
eine heilige Pflicht wie jedes andere Gebot auch, wie Zitzit,
Schabbat und Koschergesetze. Wenn man dir Kredit einräumt,
um so besser. Wenn nicht, mußt du zahlen. Und wenn du kein
Geld hast, zerbrich dir den Kopf, wie du es beschaffst, so wie
du dir für jedes andere Gebot den Kopf zerbrechen würdest.
Wenn du dazu nicht bereit bist, besteht darin nach unseren
talmudischen Weisen eine Entweihung des göttlichen Namens
(Joma 86a). Leute sagen: Sieh diesen Menschen, ein
Toragelehrter! - doch wenn es um sein Geld geht, verpufft seine
ganze Tora...

Einen Menschen lernt man besonders gut durch sein Gebaren
in Geldangelegenheiten kennen, ob er nämlich im Einklang mit
den göttlichen Geboten handelt, d.h. ob man sich im
Geschäftsleben auf ihn verlassen kann. Wenn jemand mit
seinen Zahlungen in Verzug gerät und nachdatierte Schecks
ausstellt, die am Ende platzen und man seinem Geld
nachlaufen muß - über so einen sagen die Leute: dieser
Mensch studiert die Tora, und seht, wie mies er sich verhält!
Wehe den Torastudenten, wehe seinem Vater, der ihn Tora
lehrte und wehe seinem Rabbiner, der ihn Tora lehrte. Wenn er
aber sein Wort hält, wenn er seine Schulden pünktlich
zurückzahlt, wenn er eine Zahlungspflicht wie jede andere
Pflicht des Judentums ansieht - dann sagen die Leute: Seht
diesen Toraschüler, glücklich sein Vater, der ihn Tora lehrte,
glücklich sein Rabbi, der ihn Tora lehrte, wie vollkommen sind
seine Taten! (Na ja, vielleicht etwas weniger poetisch).

Unter den religionsgesetzlichen Autoritäten gibt es einige, die
das Zurückhalten von Zahlungen mit Raub gleichsetzen
(Ba"Ch). Zwar handelt es sich dabei nicht um aktiven Raub wie
ein Postkutschenüberfall, mit Halstuch über Mund und Nase
und durchgeladener Winchester - schließlich gelangte das Geld
am Anfang auf legale Weise in seine Hände - doch die
Zurückhaltung des Geldes bzw. Nichtzahlung hat etwas von
Raub an sich.

In seinem Buche "Der Weg der Frommen" (Messilat Jescharim,
Anf. 11.Kap.) führt Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto den Vers
"..und an meinen Händen ein Makel geklebt hätte" (Ijow 31,7)
an. Das Geld gilt zwar nicht als gestohlen, denn er hat es legal
erhalten, doch dann "klebt" es an seiner Hand. Das ist sehr
bitter.

Arbeitsmoral lernen wir von unserem Vorvater Jakov. "Und ihr
wißt, daß ich mit meiner ganzen Kraft für euren Vater arbeitete"
(Gen. 31,6). Er ist ein verläßlicher Arbeiter, ein verläßlicher
Hirte bei Tag und bei Nacht, der seine Arbeit nie im Stich läßt.
Man muß wirklich arbeiten, es reicht nicht, wenn man nur an
seinem Arbeitsplatz erscheint. Auch das zählt als Raub, nach
den Worten Rabbiner Luzattos: Wie der Raub eines
Gegenstandes als Raub gilt, so auch der Raub von Zeit (ebda.),
von Arbeitszeit.

Selbst Gebote der Tora dürfen nicht zulasten der Arbeitszeit
erfüllt werden. Sie verlieren dadurch jeglichen Wert. Man erfüllt
kein Gebot durch ein Vergehen. G~tt "haßt frevelhaften Raub"
(Jeschajahu 61,8) - wenn man ein gestohlenes Tier als
Ganzopfer darbringt. Das Nachmittagsgebet (Mincha) darf nicht
während der Arbeit verrichtet werden, sondern erst nach der
Arbeit. Ist es dann schon zu spät dafür, dann während der
Arbeit, aber den Zeitausfall muß man nacharbeiten. Mitzwot -
nicht zulasten der Arbeit.

Schon gar nicht darf man während der Arbeitszeit irgendwelche
Privatangelegenheiten erledigen. Das lernen wir wir von
unserem Vorvater Jakov, der sich seiner Aufrichtigkeit und
Verläßlichkeit in Arbeitsangelegenheiten rühmte. Sicher hatte er
wichtige Dinge zu erledigen, Tora zu lernen und G~tt zu dienen.
Doch darin liegt kein Widerspruch: Damit dient man G~tt, im
Geschäftsleben aufrichtig zu sein, gerade wie ein Lineal. Wer
zeigen will, wie pedantisch genau er es mit der Gebotserfüllung
nimmt, der achte nicht nur auf superkoscheres Essen, sondern
auch auf superkoschere Arbeits- und Zahlungsmoral.
 

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
 

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