DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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"Betrachtungen"
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den Rabbi"
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als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PESSACH
Nr. 299
21. Nissan 5761
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
desgleichen auf Französich
Der
Stand der Dinge...
|
Das "Lied am Meer" ist ein ewiges Lied: "Damals sang ["jaschir",
kann auch heißen: Dann wird singen] Moscheh und die Kinder
Israel dieses Lied dem Ewigen und sprachen also: Singen will
ich dem Ewigen, denn mit Hoheit hat er sich erhoben; Roß und
Reiter hat er geschleudert ins Meer" (Ex 15,1). Nach dem
Raschikommentar enthält dieser Vers eine Andeutung für die
Wiederbelebung der Toten, wegen der Doppelbedeutung von
jaschir, Vergangenheit/Zukunft.
Und so lesen wir jeden Tag im Morgengebet das "Lied am
Meer", das Siegeslied, mit unbändiger Freude und
Begeisterung, wie es sich für ein Siegeslied gehört, obwohl
das
Volk Israel über tausende von Jahren in Schwierigkeiten steckte
und die Finsternis des Exils litt. Der Glauben aber an die
Ewiglichkeit Israels und den Sieg Israels besteht felsenfest in
den Herzen der vollkommenen und treuen Israeliten seit immer
und ehedem.
Mit dem siebenten Tag von Pessach verbinden wir den großen
Sieg über die Ägypter, als wir Zeugen waren, wie "sie wie
Blei in
die gewaltigen Wasser rollten" (Ex. 15,10). Dies müssen wir uns
besonders vergegenwärtigen und das Siegeslied mit
überschwenglicher Freude singen. Erst recht, als wir unsere
Feinde von Angst und Schrecken erfaßt sahen; "Zittern ergreift
die Bewohner Peleschet. Da erschrecken die Stammesfürsten
Edoms, die Mächtigen Moaws, sie ergreift Beben, vor Angst
aufgelöst sind alle Bewohner Kena'ans. Es falle über sie
Schrecken und Angst" (15,14-16).
Nach dem Stand der Dinge befallen damals wie heute Angst
und Schrecken alle unsere Feinde, die uns das Land unseres
Lebens rauben wollen, während sie vor unseren Augen mitsamt
ihrem Vorhaben zerplatzen: "Du zerschellst sie mit eisernem
Stabe, wie Töpfergeschirr zerschlägst du sie" (Psalm 2,9),
und
"dann redet er zu ihnen in seinem Grimme, und in seiner
Zornglut schreckt er sie" (ebda.5). Dadurch möge es uns
vergönnt sein, mit eigenen Augen zu sehen, wie "die Sieger
hinaufziehen auf den Berg Zion, zu richten den Berg Eßaw, und
des Ewigen wird sein das Königtum" (Owadja 1,21), "und der
Ewige wird König sein über die ganze Erde; an selbigem Tage
wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig" (Secharja 14,9).
Mit Segenswünschen für ein frohes und koscheres Pessachfest,
und in Erwartung der Erlösung,
Rav Dov Begon
| Frage
und Antwort
Schoa und Heldenmut Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Der Staat Israel bestimmte den 27. Nissan als
"Gedenktag für Schoa und Heldenmut", "Heldenmut" wie zum
Beispiel beim Aufstand im Ghetto Warschau. Die große Frage
lautet nun, wo offenbarte sich größerer Heldenmut, bei denen,
die in der Schoa ermordet wurden, oder bei denen, die gegen
die Nazis ankämpften, wie im Warschauer Ghetto?
Antwort: Darüber können wir nicht entscheiden. Sicher
waren
die Kämpfer des Ghettos Warschau Helden, doch auch andere
Juden, die im Tal der Hölle ihr Ebenbild G~ttes, ihren guten
Charakter bewahrten, gelten als Helden. Das ist nur eine
andere Art Heldentum, das tagtägliche Heldentum, das
Heldentum der Gebotserfüllung, das Heldentum, sich etwas Öl
vom Munde abzusparen und damit Schabbatlichter zu zünden,
das Heldentum, weiter Tora zu lernen, zu beten und Schabbat
zu halten, dem Nächsten zu helfen und ihn zu ermuntern und
aufzurichten - auch wenn man selbst schon gebrochen war.
Diese Heldentaten kamen hundert- und tausendfach, ja
zigmillionenfach vor.
Die Nazis wollten uns nicht nur töten, sondern uns auch
erniedrigen, verächtlich machen und auf die Stufe von Tieren
herunterbringen. Doch das gelang ihnen nicht. Man kann dem
Menschen alles nehmen, sogar das Leben, doch die
Menschenwürde, den Selbstwert kann man ihm nicht
wegnehmen. Diese hängen von der Entscheidungsfreiheit ab,
ebenso liegt alles in G~ttes Hand, außer der G~ttesfurcht.
Natürlich gab es auch Ausnahmen. Manchmal stritten zwei
Juden um eine Scheibe Brot, sogar Eltern mit ihren Kindern,
was wirklich erniedrigte. Wir richten allerdings niemanden und
können auch niemanden verurteilen, an dessen Stelle wir nicht
waren. Wir sagen nur, daß solche Dinge äußerst selten
vorkamen.
Beide Arten gelten als Heldenmut. Es gibt auch passiven
Heldenmut - Probleme durchzustehen, Folter und Schläge
einzustecken und dabei standzuhalten. So schrieb der Rabbi
von Piaszena, Rabbiner Kalonymus Kalmisch Schapiro, in
seinem Buch "Esch Kodesch" (Heiliges Feuer): "Wenn man
einen Königssohn schlägt, so bleibt er dennoch Königssohn!
Gib nicht nach! Bleibe ein Königssohn!".
Natürlich verdient auch der Griff zu den Waffen im Ghetto
Warschau zum Kampf gegen den Feind die Bezeichnung
"Heldenmut". Manche charedische Juden waren von diesem
Aufstand nicht besonders begeistert: Wozu revoltieren, es ist
doch sowieso alles verloren, es werden doch sowieso alle
sterben. Vielmehr muß man weiter aushalten, noch einen Tag
und noch einen Tag, bis die Rettung kommt - die schließlich
auch eintraf.
Demgegenüber sagen die Zionisten: Wer zur Waffe griff,
verdient einen Orden! Sie kämpften doch nicht unter der
Annahme, sie könnten siegen und sich retten, sondern um mit
Würde zu sterben; nicht wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt
werden, sondern im Kampf wie ein Soldat. Das war der
Vorläufer des Unabhängigkeitskrieges und der weiteren Kriege
Israels.
Beide Seiten haben recht, beide Seiten zeigten Heldenmut. Es
gibt einen tagtäglichen Heldenmut, wie es in den morgendlichen
Segenssprüchen heißt: "..der Israel mit Heldenmut gürtet".
Ursprünglich sagte man diesen Segen, wenn man seinen Gürtel
anlegte, der zwischen dem oberen, edlen und dem unteren,
materiellen Teil des Körpers trennt, damit sich der Materialismus
nicht über den ganzen Menschen ausbreitet.
Im Buche "Orchot Zadikim" wird erzählt, wie Soldaten von
der
Schlacht mit Kratzern, zerrissenen Kleidern und staubigem
Gesichte zurückkehrten und ein Greis zu ihnen sprach: Ihr seid
von einem kleinen Krieg zurückgekehrt, jetzt steht euch ein
großer Krieg bevor! Da fragten sie ihn: Was für ein großer
Krieg? Und er antwortete: Der Krieg gegen den bösen Trieb.
Die eine Seite behauptet, der kämpferische Heldenmut des
Warschauer Ghettos sei bedeutender als der tagtägliche
Heldenmut. Und die andere Seite sagt, nein, im Gegenteil, wer
sind wir überhaupt, uns darüber ein Urteil erlauben zu können.
Wir schauen auf beide Seiten mit heiliger Ehrfurcht.
Zu diesem Thema befragte man einmal den Rabbi von Kovno,
Rabbiner Awraham Dov Bär Kahane Schapiro, Autor des
Buches "Dawar Awraham", der selber im Ghetto Kovno
während der Schoa war. Dazu erzählte man ihm zwei
Geschichten: In der litauischen Stadt Kelm trieb man die Juden
zusammen, um sie durch Gewehrsalven zu töten. Man zwang
sie, ihre eigenen Gräber zu schaufeln, und da standen sie nun,
bereit zu sterben, mit ihrem Rabbiner Rabbi Daniel. Dieser erbat
vom mordenden Teufel, dem Todesengel in Gestalt des
deutschen Offiziers, der die Mordaktion dirigierte: "Kann ich
mich von meiner Gemeinde verabschieden?" Jener antwortete:
"In Ordnung, aber schnell!" Der Rabbiner hatte es jedoch gar
nicht eilig und nutzte jene Augenblicke, die ihm durch ein
Wunder zugefallen waren, für folgende Worte an seine
Gemeinde: "Wir erfüllen jetzt das Gebot der Heiligung des
göttlichen Namens" und hielt eine ganze Ansprache zu diesem
Thema, redete leise und seelenruhig, als befände er sich in
seiner Synagoge wie an jedem normalen Schabbat.
Der Nazikommandeur trieb ihn an, endlich Schluß zu machen,
schrie und krächzte, er müsse endlich mit der Schießerei
anfangen, aber der Rabbiner sagte ihm bloß: "Beruhigen Sie
sich, ich bin noch nicht fertig". Er redete viel über die Heiligung
des göttlichen Namens und endigte: "Teure Juden, nun ist der
Moment gekommen, an dem wir gezwungen sind, das Gebot
der Heiligung des göttlichen Namens zu erfüllen, von dem
wir
gesprochen haben. Dieses Gebot ist nun in die Tat umzusetzen.
Ich bitte euch nur um eines: Laßt euch nicht verwirren und
nehmt in Ruhe das himmlische Urteil auf euch". Dann wandte er
sich an den Mörder, den Deutschen: "Ich bin fertig. Sie können
anfangen".
Die zweite Geschichte: Neben den Gräbern ihrer Brüder
befanden sich die Juden bereits in der Grube, bereit, ihr Leben
zu lassen. Plötzlich sprang aus der Grube ein jüdischer Metzger
von beachtlicher Körperkraft, fiel über den deutschen
Kommandeur her und biß ihm in die Kehle, bis dessen
verdammte Seele ausfuhr.
Nun fragte man also den Rabbi von Kovno, wer lobenswerter
sei. Er sagte nur: "Ich weiß es nicht, man kann das nicht
beurteilen. Keine der Seiten hat einen Vorzug gegenüber der
anderen. Sicher war es für den Rabbiner von Kelm
angemessen, Worte des Abschieds und geistiger Erhebung zu
seiner Gemeinde zu sprechen. Doch auch jener mit
außergewöhnlichen Muskeln gesegnete Metzger erfüllte
das
Gebot von der Heiligung des göttlichen Namens in allen seinen
Vorschriften und Feinheiten, mit der gehörigen Herzensabsicht
und allen damit verbundenen Rechten, durch seine aktive
Haltung. Ich bin absolut sicher, daß auch Rabbiner Daniel unter
anderen Bedingungen genau wie der Metzger gehandelt hätte".
Es gab also in der Schoa zwei Wege der Heiligung des
göttlichen Namens, und wer sind wir schon, darüber zu
entscheiden, welcher der größere war.
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
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