DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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"Betrachtungen"
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den Rabbi"
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als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT NIZAWIM
Nr. 321
27. Elul 5761
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn
Erew Pessach auf Schabbat fällt
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
desgleichen auf Französich
Diese Woche in
der Tora (Dt. 29,9-30,20)
Das ganze Volk am Bund mit G~tt beteiligt,
nochmalige
Ermahnung zur Einhaltung der Gebote, göttliches
Versprechen,
auch nach schwerer Strafung zu G~tt und
Land
zurückzukehren.
| Frage
und Antwort
Jede Kugel trifft ihr Ziel Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Ist jeder Gewehrkugel vorbestimmt, wen sie treffen wird?
Antwort: Jawohl! So wurde uns im Namen des "Gaon von
Wilna" (Rabbiner Elijahu von Wilna) von einem Schüler seines
Schülers überliefert, dem Zaddik Rabbi Sundel aus
Salant: "Es
ist ein weitverbreiteter Irrtum... daß ein Mensch aufgrund seiner
Entscheidungsfreiheit einem anderen etwas antun kann, ohne
daß der Schöpfer dies vorbestimmt hätte. Vielmehr
ist dem
Menschen nur bei allen [nicht entscheidungsfähigen] Dingen
vorbestimmt, [z.B.] durch welchen Stein er getroffen wird. Aber
bezüglich des Entscheidungsfreien ist dem Menschen nicht
vorbestimmt, durch welchen Entscheidungsfreien ihm etwas
Gutes oder Schlechtes geschehen wird; wenn ihm allerdings
nichts vom Himmel vorbestimmt wurde, kann ihm kein
Entscheidungsfreier auch nur das Geringste anhaben".
Demnach ist jedem Stein sein Ziel vorbestimmt! Und wenn
jemand einen Stein abkriegt, so ist das ein Zeichen, daß ihm
das vom Himmel vorbestimmt war. Zwar hat der Mensch die
Entscheidungsfreiheit zum Werfen eines Steines, kann aber
nicht die göttliche Bestimmung aufheben. Die göttliche
Bestimmung ist stärker als der Mensch! G~tt bestimmt den
Stein vor, nicht aber, wer ihn werfen wird. Wenn der potentielle
Werfer vorher reumütige Umkehr tut, wird sich ein alternativer
Werfer finden. Leider herrscht gar kein Mangel an
Steinewerfern und Heckenschützen. "Man führt Verdienstliches
durch einen Verdienstlichen herbei und Böses durch einen
Bösen" (Smachot 8.Kap.). G~tt hat viele Sendboten: "viele
Todesursachen, viele Schädiger, viele Bären, viele Leoparden,
viele Giftschlangen und viele Skorpione" (Smachot ebda.).
In der gleichen Angelegenheit fragte Rabbiner Moscheh ben
Maimon ("Maimonides"), warum die Ägypter bestraft wurden,
wurde doch Awraham prophezeit, "sie werden sie [die Kinder
Israels] mit schwerer Arbeit belegen und quälen" (Gen. 15,13)
-
also war den Ägyptern vorbestimmt, Böses zu tun?! Darauf
antwortete er: Es war keinem individuellen Ägypter vorbestimmt,
uns Böses anzutun, und jeder einzelne Ägypter, der uns
mißhandelte, hatte ebenso die Freiheit, es zu unterlassen. Es
war keiner bekannten Person vorbestimmt, vielmehr verkündete
er [G~tt] ihm [Awraham], daß seine Nachkommen in fremdem
Lande in die Sklaverei geraten werden (Gesetze von der
Umkehr, 6.Kap., Hal.5).
Ein Mensch stirbt nur dann, wenn G~tt es so bestimmt hat.
Wenn G~tt einem Menschen eine bestimmte Zeitspanne Leben
zuteilt, kann es nicht angehen, daß sich dieser mit seiner
Entscheidungsfreiheit über G~ttes Willen hinwegsetzt! Der
Mensch ist nicht dem Zufall überlassen. Der Ablauf der
Weltgeschichte wird nicht von Zufällen bestimmt. Allerdings war
dies die Ansicht des griechischen Philosophen Aristoteles, wie
ihn Maimonides in seinem Buch "Führer der Unschlüssigen"
zitiert: Es gebe eine göttliche Oberaufsicht über die Menschheit,
auf daß sie nicht aussterbe, aber nicht über den einzelnen
Menschen. Wir aber glauben an die göttliche Vorbestimmung
auch für den Einzelnen. "Ich bin vollkommen überzeugt, daß
der
Schöpfer, gelobt sei sein Name, alle Werke der
Menschenkinder und all ihre Gedanken kennt, denn es heißt:
'Der insgesamt ihr Herz gebildet, er durchschaut alle ihre
Werke'" (Psalm 33,15; aus den 13 Glaubensgrundsätzen). "Er
ist mein G~tt, und mein Erlöser lebt, der Fels meines Anteils
zur
Zeit der Not. Er ist mein Panier und Zuflucht mir, der den Kelch
mir reicht am Tage, da ich rufe. In seine Hand empfehle ich
meinen Geist zur Zeit, da ich schlafe und erwache, Und mit
meinem Geist auch meinen Leib, G~tt ist mit mir, ich fürchte
mich nicht" ("Adon Olam"), und dergleichen Toraverse und
Talmudzitate mehr.
Die Welt wurde nicht sich selbst überlassen. Wenn ein Mensch
stirbt, dann nicht, weil man einen Stein auf ihn geworfen oder
auf ihn geschossen hat, sondern weil G~tt bestimmt hat, daß
seine Zeit um ist. Jeder Einzelne hat seine genau vorbestimmte
Lebensspanne, wie es im Talmud steht (Jewamot 50a), außer
wenn er sündigt - dann kann ihm etwas abgezogen werden, und
wenn er ein Gerechter ist, wird er nach Rabbi Akiva seine
Lebensspanne voll ausnützen, nach den anderen Weisen kann
er sogar eine Zugabe erhalten (ebda.). Natürlich kennen wir
nicht die Geheimnisse G~ttes, warum etwa der eine länger lebt
als der andere.
Es gibt aber keinen Zufall und was wie ein Zufall aussieht, ist in
Wirklichkeit keiner; vielmehr verbirgt sich der Herr der Welt
hinter den Gesetzen der Natur. Warum heißt die Welt "Olam"?
Weil G~tt sich in seinen Welten verbirgt ("mit'alem"), die er
schuf. Doch alles unterliegt der Ordnung entsprechend der
göttlichen Lenkung. Im Zufall erscheint G~tt "inkognito",
anonym. "Ich aber werde mein Antlitz verbergen" (Dt. 31,18),
"Aber du bist ein G~tt, der sich verhüllt" (Jeschajahu 45,15).
Es
sieht dir vielleicht nach Zufall aus, und du denkst: Wenn dieser
Mensch nur fünf Minuten vorher herausgekommen wäre, wäre
ihm nichts passiert. - Dem ist jedoch nicht so. Alles hat seine
göttliche Ordnung.
Nun gibt es im Talmud allerdings ein Gegenbeispiel: Einmal
beging ein Bote des Todesengels einen Irrtum und brachte die
falsche Seele, nicht die, zu der er geschickt worden war. Rav
Josef weinte darüber und sagte: 'Und mancher wird unschuldig
hinweggerafft' (Sprüche 13,23; Chagiga 4b/5a). Wirklich ein
tragischer Irrtum - doch auch dieser gehört zur göttlichen
Weltlenkung. Ein Mensch kann irren, auch ein Engel kann irren
- all dies verfügt der Herr der Welt, der sich sowohl durch die
Weisheit der Weisen als auch durch die Dummheit der
Dummen offenbart, sowohl durch die Gerechtigkeit der
Gerechten als auch durch die Verbrechen der Bösen, sowohl
durch die Einsicht der Verständigen als auch durch die Irrtümer
der Irrenden. "Höre Israel, der Ewige, unser G~tt, der Ewige ist
Einer" (Dt. 6,4).
Ja, dieser Mensch "wurde unschuldig hinweggerafft" (s.o.); das
kommt besonders häufig im Krieg vor, wie unser Lehrer
Rabbiner A.J. Kuk schrieb ("Orot", 10 Kapitel über den
Krieg).
Dieser Mensch tat nichts Böses, wofür er den Tod verdient
hätte. Doch ist die Welt, wie wir bereits sagten, nicht sich selbst
überlassen. Dieses Schicksal ereilte ihn nicht aufgrund der
göttlichen "Lenkung durch Lohn und Strafe". Trotzdem geschah
hier kein Unrecht, wie der Gaon von Wilna erklärte ("Ewen
Schlema"). Es gibt noch eine zweite Art der göttlichen
Oberlenkung, neben der von Lohn und Strafe, die im Buche
"Da'at Tewunot" von Rabbiner Moscheh Chajim Luzatto
beschrieben wird: Die "Lenkung der Einheit" G~ttes [die
unabhängig vom Einfluß der menschlichen
Entscheidungsfreiheit die Welt ihrer Bestimmung zuführt, und
wer hierbei schuldlos "ins Getriebe" gerät, wird in der
kommenden Welt für seine Leiden kompensiert].
Wenn nun jemand "ohne Rechtsspruch umkommt", weil die
göttliche Gerechtigkeit es so bestimmte, warum sollen wir ihn
dann überhaupt beweinen? Weil uns dieser Mensch ans Herz
wuchs. Sicher steht die göttliche Gerechtigkeit hinter seinem
Aufstieg in den Himmel, doch wir liebten ihn und sind traurig,
weil er uns fehlt.
Nach all diesen Ausführungen wird sich der geneigte Leser
sicher fragen, wenn es nun für jedes Ziel eine Kugel gibt und
jede Kugel ein Ziel hat - warum sollen wir uns dann vorsehen?
Warum nicht wie Verrückte autofahren? Entweder - oder: Wenn
einem der Tod vorbestimmt ist, stirbt er, auch wenn er vorsichtig
fährt, und wenn die Zeit noch nicht gekommen ist, wird er auch
leben bleiben, wenn er wie ein Irrer fährt? Die Antwort liegt
im
Vers "Hütet sehr eure Seelen" (Dt. 4,15). Rabbiner Moscheh
Chajim Luzatto erklärte, daß der Herr der Welt uns gebot,
die
Naturgesetze zu berücksichtigen, und zu diesem Zwecke hat er
uns den Verstand zum Geschenk gemacht. G~tt behütet uns,
und einer seiner Hüter ist unser Verstand. Wer sich in Gefahr
begibt, verdient eine schwere Strafe, die darin bestehen kann,
daß er den Naturgesetzen ausgeliefert wird bis hin zur
Verkürzung des Lebens - als würde sich G~tt ganz heraushalten
("Messilat Jescharim", Ende des 9. Kapitels). In Wirklichkeit
verbirgt sich G~tt bloß, denn auch das Wechselspiel der
Naturgesetze erfolgt ganz und gar nach göttlicher Weisung.
Wer sündigt, läuft Gefahr der Lebensverkürzung: "aber
die
Jahre der Frevler werden verkürzt" (Sprüche 10,27).
Das Wissen darum, daß jede Kugel ihr Ziel hat, befreit nicht von
der Pflicht zur Vorsicht. Dieser Glauben hat keine praktischen
Konsequenzen. Überhaupt werden gesetzliche Fragen nicht
nach der religiösen Weltanschauung entschieden, sondern nach
den Richtlinien des Schulchan Aruch: In welche Gefahr darf
man sich nicht begeben, in welche darf man sich begeben,
in
welche muß man sich begeben. All dies wird durch halachische
Bestimmungen genau definiert.
Im Judentum gibt es allerdings neben dem Gesetz (Halacha)
auch Emuna ("Glauben"). Die Halacha sagt uns, was wir
tun
sollen. Die Emuna sagt uns, was wir denken, glauben, fühlen
und erstreben sollen, was nicht weniger wichtig ist. Im
Gegenteil, aus der Emuna schöpfen wir die Kraft und den
Mut
zur Erfüllung der Gebote G~ttes.
Mancher sagt, er wisse wohl, daß er nach der Halacha an
einem von der Tora gebotenen Krieg ("Milchemet Mitzwa")
teilnehmen muß, nur leider habe er Angst. Ihm sagen wir: Hab
keine Angst, jede Kugel hat ihr Ziel; die göttliche Vorsehung
gilt
auch für dich. Wenn deine Zeit um ist, findet dich der
Todesengel auch am Ende der Welt. Und wenn deine Zeit noch
nicht um ist, findet dich der Todesengel nirgendwo. Wo ein
göttliches Gebot besteht, sich für die Einwanderung ins Land,
den Aufbau des Landes und die Verteidigung des Landes in
Gefahr zu begeben, hast du nichts zu befürchten. Wenn
jemandem in Ausführung eines Gebotes trotzdem etwas
zustieß, dann ist das nur ein Zeichen dafür, daß seine
Zeit
sowieso um war. Dann wäre ihm auch in seinen eigenen vier
Wänden etwas passiert, denn dem Todesengel ist es egal, ob
hier oder dort (Baba mezia 36b), oder richtiger, er bringt den
Menschen schon zur rechten Zeit an den rechten Ort.
Eine Geschichte von König Schlomo ("Salomo") und seinen
Schreibern Elichoref und Achija, Söhne des Schischa; beiden
waren von schöner Gestalt. Als er eines Tages den Todesengel
traurig sah, fragte er ihn nach dem Grund. Dieser erwiderte: Ich
soll diese beiden Menschen holen. Da übergab sie Schlomo
schnellen Geistern, um sie nach Lus zu bringen, wo der
Todesengel keine Macht hat. Kurz vor Erreichen der Stadt
jedoch starben sie. Am nächsten Tag traf König Schlomo den
Todesengel in fröhlicher Stimmung an und fragte ihn warum.
Dieser antwortete: Ich durfte sie an keinem anderen Orte holen
als in der Gegend von Lus. Hierauf begann Schlomo und
sprach: Die Füße des Menschen sind seine Bürgen, wo
er
verlangt wird, da bringen sie ihn hin (Sukka 53a), d.h., wo dem
Menschen zu sterben vorbestimmt wurde, wird der Todesengel
hinbeordert, ihn von dort zu holen (Raschikommentar).
Nicht nur gibt es eine göttliche Vorsehung über jeden Einzelnen,
darüberhinaus "erneuert Er mit seiner Güte täglich beständig
das Schöpfungswerk" (aus dem Segensspruch vor dem
Morgen-Schma), erhält uns in jedem Augenblick, und erst
recht
wacht er über uns zu jeder Zeit.
Wer also gefährliche Dinge unternimmt, kann dafür bestraft
werden. Ein erlaubter Krieg ("Milchemet Reschut") ist gefährlich
und kein göttliches Gebot. Darum bleibe ein Frischverheirateter
lieber zuhause, weil er vielleicht umkommen könnte. In einen
Mitzwa-Krieg aber "ziehen alle, sogar der Bräutigam aus
seiner
Kammer und die Braut von unterm Baldachin" (Maimonides
"Mischne Tora", Gesetze von Königen und Kriegen, 7.Kap.,
Hal.4), "und jeder, der mit ganzem Herzen kämpft,... kann sicher
sein, daß ihm kein Schaden geschieht... und ihm wird ein
rechtes Haus in Israel erbaut werden" (ebda. 15).
Weitere Kommentare
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