DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL
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"Betrachtungen"
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den Rabbi"
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als die Machon-Meir-Seite
Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MISCHPATIM
Nr. 292
1. Adar 5761
AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was
ist TOLERANZ wirklich?
Über
die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das
Gebot der Einwanderung nach Israel
Der
Holocaust
DAS
VOLK ISRAEL
Politik
und Judentum
Die
Tora und der Mensch
oder
"Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die
Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion
"2000"-
Israel und das Christentum
- Briefe der Oberrabbiner
Israels
- Israelfreundliche
Christen?
Wie
man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Die
Sudeten von Palästina
König
Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der
Kampf um Israel
"Jerusalem
Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals
jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim
AUF HEBRÄISCH:
"Schall
und Ru'ach"
Kurze Vorträge von
Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten
Themen,
zum Zuhören
online;
desgleichen auf Französich
Diese Woche in
der Tora (Ex. 21,1 - 24,18):
Gesetze vom Umgang mit Sklaven, von den
Schädigungen
durch Mensch, Tier und Feuer, Diebstahl,
Leihe, Hütung, Leihe,
Wucher, Gerichtsbarkeit, Schabbat u.v.a.m.
G~tt verspricht
Segnungen und Hilfe bei der Eroberung
des Landes Israel,
wenn die Gebote eingehalten werden; das
Volk verspricht die
Einhaltung der Gebote, und sie zu erlernen;
Moscheh steigt auf
den Berg Sinai, um die Gesetzestafeln
zu erhalten.
| Am
Schabbes-Tisch...
"Dem Armen bei dir" (Ex. 22,24) Rav Asri'el Ari'el
|
"Wenn du Geld leihest meinem Volke" (ebda.) - gebietet uns der
Herr der Welt. Aus diesem Toravers lernen wir das Gebot
(Mitzwa), dem Armen Geld zu leihen. Warum sollen wir aber nur
"meinem Volke" leihen, und nicht auch den Armen der ganzen
Welt? Warum sagten die talmudischen Weisen: "[wenn die
Alternative lautet:] 'meinem Volke' oder einem Nichtjuden, dann
hat 'mein Volk' Vorrang" (Baba Mezia 71a)? Heißt es nicht
"Gütig ist der Ewige gegen alle, und sein Erbarmen ist
über all
seine Werke" (Psalm 145,9), und nicht nur über sein Volk
Israel?! Und selbst wenn wir schon verstehen, daß ein
Bundesgenosse (=Mitjude) Vorrang vor Anderen hat, warum soll
die Anleihe gerade "dem Armen mit dir" und nicht auch dem
Armen, der nicht "mit dir" ist, gegeben werden? Und warum
verfügten die Weisen: "die Armen deiner Stadt und die Armen
einer anderen Stadt - den Armen deiner Stadt zuerst" (Baba
Mezia ebda.)?
Um auf all diese Fragen antworten zu können, müssen wir uns
zunächst um die Differenzierungen in der allgemeinen Liebe
zu
den Geschöpfen klarwerden. Woher stammt sie, und auf was
stützt sie sich? Auf diese Frage gibt es zwei Antworten, und der
Unterschied zwischen diesen Antworten bestimmt die
religionsgesetzlichen, halachischen, und die praktischen
Konsequenzen.
Die erste Antwort beruht auf einer pessimistischen
Grundeinstellung. Mensch, der du auf dieser Welt lebst - dein
Leben hat keinen inneren Wert. Du hast kein Recht auf
Existenz in G~ttes Welt. Deine ganze Existenz auf dieser Erde
beruht allein auf der Gnade G~ttes, die über alle seine
Geschöpfe waltet. So wandle auch du in den Wegen deines
Schöpfers und zeige Erbarmen mit deinesgleichen. - In dieser
Art Liebe zu den Geschöpfen läßt sich eine Verneinung
der
eigenen Persönlichkeit erkennen. Nach dieser Weltanschauung
hat auch die Persönlichkeit des Nächsten keinen Wert an sich,
vielmehr ruht die Größe der Eigenschaft der Gnade einfach
auf
Allem. Dies ist der Weg "jenes Mannes" (talmudische
Umschreibung für Jesus), der das Verlassen von Volk und
Familie zugunsten einer Liebe zu Allem predigte, die in der
Bereitschaft, die andere Wange hinzuhalten, gipfelte...
Es gibt aber einen zweiten Weg, den optimistischen Weg. Diese
Einstellung sieht den einzelnen Menschen als eine
Persönlichkeit mit eigenem Wert. Nicht die Gnade bildet die
Grundlage seiner Existenz in der Welt des Schöpfers, sondern
ein Naturrecht, in seiner Eigenschaft als untrennbarer
Bestandteil der Schöpfung, über die es heißt: "Und
G~tt sah
alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut" (Gen.
1,31). So eine Persönlichkeit kann gerade wegen ihres
Selbstwertbewußtseins weiter wachsen. Am Anfang beinhaltet
diese erweiterte Persönlichkeit den Kreis der Familie, den
Ehepartner und die Kinder. Danach wächst sie und umfaßt
auch
die weitere Familie und den Stamm, die Gemeinde und den
Wohnort. In ihrer weiteren Ausbreitung umfaßt diese
Persönlichkeit das ganze Volk, und auf der nächsten Stufe
die
gesamte Menschheit, und sogar die ganze Schöpfung. Der
Einsatz dieses Menschen für seine Familie, seine Stadt und
sein Volk erfolgt nicht unter Aufgabe seiner eigenen
Persönlichkeit. Im Gegenteil, er fühlt sich als untrennbarer
Bestandteil der jeweils größten Einheit, der er angehört.
Ihr
Fortschritt und ihr Wohlstand bedeuten gleichzeitig seinen
eigenen, persönlichen Fortschritt und Wohlstand. All diese
gehören zu seinem erweiterten "Ich". Und so gebietet uns die
Tora: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Lev. 19,18).
Aber liebe deinen Nächsten nicht anstelle deiner selbst.
Liebe
dich selbst! Erkenne deinen Wert! Und dann erkennst du, daß
dein Nächster untrennbar mit dir verbunden ist, wie dein eigen
Fleisch und Blut. Dann kannst du ihn auch leicht lieben "wie
dich selbst".
Dies ist der Weg der Tora Israels. "Dein Leben hat Vorrang"
(Baba Mezia 62a). Danach mußt du für deine Familie und deine
Eltern sorgen. In jedem Fall muß man den Nahen vorziehen:
"..von deinen Armen und den Armen deiner Stadt, gehen
deine
Armen vor; von den Armen deiner Stadt und den Armen einer
anderen Stadt gehen die Armen deiner Stadt vor" (Baba Mezia
71a), stufenweise erhöhte Reichweite der Liebe, die sich vom
Zentrum her zum Rand ausbreitet. Wer sich diese Richtlinien
vor Augen führt, vermag nicht mehr nur in seiner kleinen,
engumgrenzten Privatsphäre verbleiben, und es wird ihm sicher
vergönnt sein, seine Persönlichkeit so sehr auszuweiten,
bis er
sich der ganzen Welt zugehörig fühlt und allen Geschöpfen
des
Herrn der Welt, "der gütig ist gegen alle, und sein Erbarmen
über all seine Werke" (Psalm 145,9, s.o.).
| Frage
und Antwort
Rettung unter Beschuß Rav Schlomo Aviner
|
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Frage: Darf man zur Rettung eines verwundeten Soldaten das
Leben anderer Soldaten gefährden?
Antwort: Aber sicher. Das gehört zu den Halachot
der Armee.
Ohne das kann man keine Armee unterhalten.
Im bürgerlichen Leben kann man wirklich fragen, ob sich ein
Mensch in Gefahr bringen muß, um seinen Nächsten zu retten.
Nein - entschied Rabbiner David Ben-Simra ("RaDBaS"; vor
etwa 500 Jahren, Spanien/Israel), denn das eigene Leben geht
dem Leben Anderer voran. Ja - entschied "Sefer Me'irat
Ejnajim" (Rabbiner Jehoschua Walk, vor etwa 400 Jahren,
Polen), gestützt auf den Talmud Jeruschalmi - zwar geht dein
eigenes Leben dem Anderer voran, aber nicht im Falle von
möglicher Lebensgefahr für das eigene Leben bei sicherer
Lebensgefahr für den Anderen, d.h., wenn man nichts
unternimmt, wird der Andere mit Sicherheit sterben, und wenn
du ihn zu retten versuchst, kann es sein, daß du dabei
umkommst.
Doch auch diejenigen, die dem RaDBaS folgen, wonach das
eigene Leben immer Vorrang hat und daß man sich nicht zur
Rettung anderer in Gefahr bringen muß, geben zu, daß man
dabei nicht übertreiben darf und durchaus, wenn nötig, ein
geringes Risiko eingehen darf (siehe "Mischna Brura", Anm.19
zu §329).
Von den heutigen halachischen Größen entschied zum
Beispiel
Rabbiner Elieser Waldenberg gegen das Spenden einer Niere,
weil dies für den Spender eine Gefahr bedeute, sowohl im Zuge
der Operation, als auch hinterher durch Komplikationen, oder
weil die verbliebene Niere alleine der Aufgabe nicht gewachsen
sei. Rabbiner Ovadia Josef entschied jedoch entgegengesetzt,
weil das Risiko relativ gering und die Mitzwa eine sehr große
ist,
und erlaubt demnach das Spenden einer Niere zu Lebzeiten.
Wie gesagt betrifft dies alles das Zivilleben. Beim Militär werden
jedoch ganz andere Maßstäbe angelegt: "Alle für Einen,
Einer
für Alle". Dieses Sprichwort stammt zwar nicht aus dem Talmud,
sondern aus den "Drei Musketieren" von Alexandre Dumas,
doch für die Armee stimmt es allemal.
In der Armee gefährdet man sich für eine nationale Aufgabe.
Natürlich versucht man, das Risiko so gering wie möglich
zu
halten, doch wenn es nötig ist, begibt man sich in Gefahr.
Verletzte werden nicht auf dem Schlachtfeld zurückgelassen,
auch nicht bei Gefahr für andere Soldaten.
Ein Soldat kämpft unter Einsatz seines Lebens und weiß, daß
er
dabei nicht alleine ist und daß ihn seine Kameraden nicht im
Stich lassen werden. Dieses Wissen gibt ihm zusätzliche Kraft.
Doch wenn man ihn an der Front alleine läßt, wird er einfach
nicht losgehen und sich auch niemals freiwillig zu einer
Kommandoeinheit melden. Dann kann man die ganze Armee
vergessen.
Im Zivilleben kommt man nur zufällig in Lebensgefahr, bei der
Armee gehört sie jedoch mit zum Job. Ein Feind ist gefährlich.
Man zieht in den Kampf, um zu töten, und in die Gefahr, getötet
zu werden. Diese Gefahr besteht nicht zufällig. Sie gehört
zum
Wesen des Krieges. Darum geht man auch ein Risiko ein, um
einen verletzten Kameraden zu retten.
Hier stehen nicht die Ereignisse der jüngsten Zeit zur Debatte,
wobei die Meinungen auseinandergehen, ob sich die israelische
Armee richtig verhalten hat. Es kann natürlich vorkommen, daß
auch Zahal (die israelischen Verteidigungsstreitkräfte)
mal einen
Fehler macht. Die grundsätzliche Einstellung der Armee, einen
verwundeten Soldaten nicht aufzugeben, hat sich jedoch nicht
geändert und wird immer bestehenbleiben.
Manche werden fragen, worin denn die Logik bestehe, mehrere
für einen zu gefährden - doch im Kriege gelten nicht die
üblichen Regeln des "schützet sehr eure Seelen" (Dt. 4,15).
Man muß sich vorsehen, so gut es geht, doch der Krieg hat
seine eigenen Gesetzlichkeiten. So schrieben Rabbiner Scha'ul
Israeli in seinem Werk "Amud Hajemini" und Rabbiner Naftali
Z.J. Berlin aus Woloschin in seinem Torakommentar zu Gen.
9,5.
Hier herrschen andere Voraussetzungen - wo nötig, begibt man
sich in Gefahr.
Möge es G~ttes Wille sein, uns Frieden zu schicken und all
unsere Soldaten immer wohlbehalten nach Hause
zurückzubringen.
Weitere Kommentare
von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch
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