DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT MATTOT-MASS'EH
Nr. 313
1. Aw 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Num. 30,2-36,13)
Selbstauferlegte Verbote, Vernichtung der Midjaniter,
Landzuteilung an die Stämme Gad und Re'uwen, Liste aller
Reisestationen während der Wüstenwanderung, Gebot der
Austreibung der Ka'aniter, die 6 Levitenstädte, Gesetz von der
Zuflucht des Totschlägers, Bodenerbrecht für Frauen; Ende des
4. Buches Moscheh.
 
Am Schabbes-Tisch...

Das Erben des Landes

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Eine schwere Aufgabe stellte uns da die Tora: "So sollt ihr
austreiben alle Bewohner des Landes vor euch, und sollt
vernichten alle ihre Bildsäulen, und all ihre Bilder von Gußwerk
sollt ihr vernichten, und all ihre Höhen sollt ihr zerstören" (Num.
33,52). Damit war nicht jeder Mensch gemeint, der im Lande
lebte und nicht zum Volke Israel gehörte. Es ging vielmehr um
die sieben kana'anitischen Völker, deren Abscheulichkeiten in
Sachen Götzendienst und Sittenausschweifungen in der Tora
besonders hervorgehoben werden. Demgegenüber kann ein
gewöhnlicher im Lande ansässiger Nichtjude als Ger-Toschaw
("Beisaßproselyt") in Israel verbleiben, wenn er sich an die
Grundregeln menschlicher Moralität hält, wie sie in den sieben
noachidischen Geboten zum Ausdruck kommen, und die
Autorität des jüdischen Staates akzeptiert. Die Vertreibung der
kana'anitischen Völker entsprang demnach nicht politischen
Überlegungen, sondern moralisch-ethischen - ein göttlicher
Krieg gegen das Böse im Menschen. Gerade das Land Israel,
der "Palast des Königs aller Könige", kann nicht das Böse auf
seinem Boden dulden. Darum befahl G~tt seinem Volk, die
Inkarnation des Bösen aus dem Lande zu treiben.

Zu diesem Thema erklärte Rabbiner Awraham Jizchak Kuk
(erster Oberrabbiner Israels):

"Nur wegen des Überrestes der sieben Nationen, den wir aus
Dummheit bestehen ließen, verursachten wir uns selber alle
jene Leiden, materielle wie spirituelle, und wir erlernten all ihre
Abscheulichkeiten: Das Feueropfer von Söhnen und Töchtern
und alle abstoßenden Handlungen der Emoriter, und wir uns
heute, nachdem die göttliche Hand jene Wolken der Finsternis
in alle Winde zerstreut hat, nicht im Entferntesten die
Abgründigkeit des Bösen vorstellen können, das sich schon mit
allen Eigenschaften ihrer Seele vereinigt hatte, - Du, mein
Teurer, fragst: Warum sind wir ihnen mit Grausamkeit
begegnet? Wir können uns gar nicht vorstellen, wie finster und
gemein die Welt wäre ohne diese unsere Grausamkeit, so wie
wir uns nicht vorstellen können, wie schlecht und abscheulich
sie wäre ohne die reine Erleuchtung durch das Licht G~ttes und
seiner Wege, welches wir im Laufe unserer Geschichte auf sie
ausgestrahlt haben" (Ma'amarej Hara'aja II, S.508).

Doch nicht genug damit. Auch wenn das Volk Israel alle
Bösewichte aus dem Lande getrieben hätte, während alle
Häuser des Götzendienstes erhalten blieben, so hätte es damit
den Sinn des göttlichen Befehles ausgehöhlt. Mit welchem
moralischen Recht kann man Männer, Frauen und Kinder aus
dem Lande treiben - und die Stätten ihrer Verdorbenheit stehen
lassen, wo in allerkürzester Zeit das Volk Israel in genau
diegleiche Verdorbenheit verfallen wird?! Darum befahl die Tora
in einem Atemzug: "..und sollt vernichten alle ihre Bildsäulen,
und all ihre Bilder von Gußwerk sollt ihr vernichten, und all ihre
Höhen sollt ihr zerstören" (s.o.).

All dies legt eine schwere moralische Verantwortung auf das
jüdische Volk. Wer von G~tt auserwählt wurde, an den
Bösewichten ein hartes Urteil zu vollstrecken, kann selber als
Räuber und Mörder erachtet werden, wenn er die verdorbenen
Weisen jener Bösewichte annimmt. Nur wer sich von jedem
Schmutzfleck des Verbrechens rein hält, kann den Befehl
G~ttes allein im Namen der Erfüllung des göttlichen Willens
ausführen und nicht als Vorwand zur Befriedigung seiner
menschlichen Bedürfnisse, wenn er ein Land sucht, um dort zu
leben.

Wer weiß, vielleicht liegt hierin der tiefere Grund dafür, daß sich
das jüdische Volk schwertut, aus seiner Mitte Kraft und
Selbstbewußtsein zu schöpfen, um am Lande Israel
festzuhalten angesichts der Forderungen eines fremden
Volkes...
 
 
Frage und Antwort

Reines Lernen

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Ich stehe als Erziehungsberechtigte vor einer schweren
Entscheidung. Einerseits sähe ich es sehr gerne, wenn mein
Sohn, der jetzt die Mittelstufe (9. Klasse) erreicht, ausschließlich
Tora-orientierte Fächer lernen würde, so wie es Rabbiner
A.J.Kuk in seinem "Schreiben zu Themen der Erziehung" (Nr.
170) empfiehlt. Andererseits befürchte ich, daß ihm das nicht
liegt, und ihn ausschließlich jüdische Studien unter nervlichen
Druck bringen könnten. Woher weiß ich überhaupt, daß aus ihm
einmal ein Toragelehrter wird (obwohl ich mir nicht Schöneres
vorstellen kann)? Vielleicht ist er besser für einen weltlichen
Beruf geeignet, und ich verstelle ihm jetzt nur den Weg dazu.
Als Mutter habe ich einfach Angst, ihn in eine Jeschiwa für
Jugendliche zu schicken, wo er nur Tora lernt.

Antwort: Haben Sie keine Angst und machen Sie sich keine
Sorgen. Wenn es uns der Herr der Welt befohlen hat, dann ist
das ein sicheres Zeichen, daß es gut ist. Die Beschäftigung mit
der Tora ist nicht nur heilig und rein, sondern macht auch
glücklich. Sowohl  die "Mischne Tora", Gesetze vom
Torastudium (2. Kap.) des Maimonides als auch der "Schulchan
Aruch" erwähnen bezüglich der Jugendlichen nichts anderes als
Tora, ohne jegliche Beimischung weltlicher Studien.

Natürlich braucht unsere Nation sowohl Leute des Glaubens
und der Tora als auch Wissenschaftler und
Wirtschaftsfachleute, doch die entsprechende
Ausbildungsentscheidung kann schadlos zu einem späteren
Zeitpunkt erfolgen. Prinzipiell, schrieb Maimonides, liegt die
"Krone der Tora" in jedermanns Reichweite; wer will, kann sie
sich nehmen (ebda., 3. Kap.). Jeder kann ein Toragelehrter
werden, es hängt nur davon ab, ob er wirklich will. Natürlich gibt
es Schüler, die nicht wollen, aber das Ideal lautet "Und alle
deine Kinder sind Lehrlinge des Ewigen" (Jeschajahu 54,13).
Ein Teil von ihnen wird zu berufsmäßigen Toragelehrten
heranwachsen, d.h. Rabbiner, und ein anderer Teil wird zu
Toragelehrten, die sich mit weltlichen Dingen beschäftigen. Die
entsprechende Ausbildung werden sie durchlaufen, wenn die
Zeit gekommen ist. Doch Kinder und Jugendliche müssen sich
auf das Einatmen reiner und klarer Tora-Luft konzentrieren.

Keine Angst! So hielten wir es tausende von Jahren, und mit
G~ttes Hilfe hatten wir Erfolg damit. Was in der "Mischne Tora",
im Schulchan Aruch und im Schreiben von Rabbiner Kuk steht,
ist nicht als Ratschlag für wenige Auserlesene gedacht, sondern
Gesetz für Alle. Selbstverständlich muß jede Erziehung die
persönlichen Gegebenheiten eines jeden Kindes
berücksichtigen, und wenn ein Kind eben nicht Tag und Nacht
Tora lernen kann, darf man es nicht dazu zwingen. Doch
deswegen hört diese Methode nicht auf, für Alle zu gelten, für
Millionen jüdischer Kinder.

Nur dieser Weg führt zu Himmelsfurcht und guten
Charaktereigenschaften. Genau dafür befinden wir uns doch auf
der Welt. Würden Sie sich einmal die niedlichen und sanften
Jungen voll reiner G~ttesfurcht und jüdischen Eigenschaften
ansehen, käme kein Zweifel in Ihnen auf. Nicht selten treffe ich
diese Jugendlichen und bin jedesmal aufs Neue überwältigt, ich
fühle einen Stich im Herzen, wenn ich an all jene denke, die
diese liebliche Ausstrahlung verpassen, doch ich tröste mich
angesichts der immer häufiger getroffenen Entscheidung für
diesen Weg.

Diese Jugendlichen bringen nicht nur sich selbst Segen,
sondern der ganzen Nation, und gerade in dieser Generation
der Wiedererstehung wird diese Erziehung besonders
gebraucht. Der nationalen Wiedererstehung muß doch eine
Seele eingepflanzt werden. Früher einmal bestand der
israelische Pioniergeist in der Trockenlegung von Sümpfen und
der Urbarmachung der Wüste. Heute besteht der Pioniergeist in
der Trockenlegung von Sümpfen der Religionsfeindlichkeit und
in der Fruchtbarmachung Wüsten geistiger Leere. Der heutige
Sumpf ist ein tiefer und stinkender, und wir verstehen, warum
manche unserer Kinder darin versinken; vielmehr müssen wir
dafür sorgen, sie mit der Macht der Tora anzufüllen.

Sie haben Angst, ihren Sohn in eine Jeschiwa für Jugendliche
zu schicken, weil er dort vielleicht nicht vorankommt.
Umgekehrt! Er kommt nicht voran, weil Sie Angst haben! "Worin
besteht das Verdienst der Frauen? Indem sie ihre Söhne zum
Toralesen bringen" (Brachot 17a). Der "Hohe Rabbi Löw" aus
Prag schrieb in seinem Torakommentar, daß dieses Zitat nicht
nur in seinem praktischen Sinne zu verstehen sei, sondern
hauptsächlich unter dem spirituellen, pädagogischen Aspekt,
indem sie bei den Kindern große Lust zum Erlernen der Tora
erwecken. Darum erwähnte G~tt zuerst die Frauen bei der
Übergabe der Tora am Sinai: "Also sprich zum Hause Jakov"
(Ex. 19,3) - "damit sind die Frauen gemeint" (Raschikommentar).

Das ist die Revolution, zu der wir heute aufgerufen sind, eine
Revolution der Frauen, "ein kluges Weib baut ihr Haus"
(Sprüche 14,1).

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel

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