DAS ZENTRUM FÜR JÜDISCHE STUDIEN IN ISRAEL

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Betrachtungen zum Wochenabschnitt
"Be'Ahawa ube'Emuna"
PARSCHAT KI-TAWO
Nr. 320
20. Elul 5761

AUSSERDEM AUF DEUTSCH:
Was ist TOLERANZ wirklich?
Über die Lebensnotwendigkeit unserer Verbindung zum Lande Israel
Das Gebot der Einwanderung nach Israel
Der Holocaust
DAS VOLK ISRAEL
Politik und Judentum
Die Tora und der Mensch
    oder "Wie wird ein Jude mit all den Geboten fertig?"
Die Konvertierung (Gijur) und das Tora-Judentum
Invasion "2000"- Israel und das Christentum
                          - Briefe der Oberrabbiner Israels
                          - Israelfreundliche Christen?
Die Sudeten von Palästina
König Sweeney, Bin Laden und der Friedensprozeß
Der Kampf um Israel
Wie man sein Haus in einem halben Tag für Pessach vorbereitet
Wenn Erew Pessach auf Schabbat fällt

"Jerusalem Reclamation Project"
Jüdische Besiedlung ehemals jüdischen Eigentums
in Jerusalem - Ateret Kohanim

AUF HEBRÄISCH:
"Schall und Ru'ach"
Kurze Vorträge von Rabbiner Schlomo Aviner
zu den verschiedensten Themen,
zum Zuhören online;
desgleichen auf Französich

Diese Woche in der Tora (Dt. 26,1-29,8)
Erstlingsfrüchte, Land von Milch und Honig, Torasteine am
Jordan, Fluch und Segen von den Bergen Ewal und Gerisim,
ausführliche Warnung zur Einhaltung der Gebote, Lohn und
Strafe, Erinnerung an Wunder und Bund mit G~tt.
 
 
Am Schabbes-Tisch...

Höre die Stimme!

Rav Asri'el Ari'el
Ortsrabbiner der Siedlung "Ateret"

Die Ausdrucksweise "höre auf die Stimme.." wird heutzutage als
Aufforderung verstanden, das Gehörte zu befolgen und
auszuführen (horchen - gehorchen). In diesem Sinne wird
meistens der Abschnitt des "Segens und des Fluches"
ausgelegt: "So gehorche der Stimme des Ewigen deines
G~ttes, und tue seine Gebote und seine Satzungen.." (Dt.
27,10). Ebenso "Und es wird geschehen, wenn du gehorchest
der Stimme des Ewigen deines G~ttes... und es werden all
diese Segnungen auf dich kommen und werden dich treffen"
(Dt. 28,1-2). Dagegen steht der Fluch "wenn du nicht
gehorchest der Stimme des Ewigen deines G~ttes" (Dt. 28,15).
Eine eingehendere Betrachtungsweise wird uns allerdings
offenbaren, daß dies nicht die Bedeutung dieses Ausdruckes in
der Sprache der Tora trifft.

In der "Deklaration der Zehntabgaben" hat ein jeder Jude
folgendes zu sprechen: "Ich habe gehorcht der Stimme des
Ewigen meines G~ttes, ich habe getan ganz, so wie du mir
geboten" (Dt. 26,14). Wenn der Mensch tat, wie ihm G~tt
geboten, wenn er brav den Befehl ausgeführt hat - wozu muß er
vorher noch bestätigen, daß er G~tt auch gehorcht hat? Im
folgenden Vers tritt diese Frage noch deutlicher hervor: "Den
Ewigen hast du heute anerkannt, daß er dir ein G~tt sei, und
auf daß du auf seinen Wegen wandelst und beobachtest seine
Satzungen und seine Gebote und seine Vorschriften, und seiner
Stimme gehorchest" (Dt. 26,17). Wenn der Mensch auf den
Wegen G~ttes wandelte, seine Gebote und Vorschriften
befolgte - damit hat er doch automatisch seiner Stimme
gehorcht! So verhält es sich an fast jeder Stelle, wo von "G~ttes
Stimme gehorchen" die Rede ist, es muß zusätzlich das
Befolgen des jeweiligen Gebotes miterwähnt werden, weil es
sich offenbar nicht mit dem Ausdruck "der Stimme gehorchen"
deckt. Was also bedeutet das "Hören auf die Stimme G~ttes"?

Wenn wir uns dazu einmal die Erklärungen des
Torakommentators Rabbiner Naftali Z.J. Berlin aus Woloschin
(Leiter der dortigen Jeschiwa vor etwa 120 Jahren) vornehmen,
wie er diesen Ausdruck an allen Stellen deutet, so sehen wir,
daß damit nicht nur einfach "gehorchen" gemeint ist. Die
"Stimme des Ewigen" ist ein viel umfangreicherer Begriff als nur
das Erlassen von detaillierten Geboten. Das "Gehorchen der
Stimme" bedeutet ein aufmerksames Horchen, das Erfassen
der Ober- und Untertöne, derer man beim einfachen Hören nicht
gewahr wird. Mancher wandelt auf allen Wegen G~ttes, befolgt
alle seine Satzungen, Gebote und Vorschriften, und doch "hört
er nicht auf seine Stimme". Das Befolgen der Gebote geht bei
ihm nicht über mechanische Disziplin hinaus, über ein lustloses
Ableisten seiner Pflicht. Das "Hören auf die Stimme G~ttes"
steht jedoch über dem Gehorchen und der trockenen, formalen
Erfüllung der Gebote. "Hören der Stimme" bedeutet Hinhören
und Verinnerlichen von Botschaft und Inhalten; etwas, was über
das Erfüllen der Gebote hinausgeht. Wem es vergönnt ist, "auf
die Stimme G~ttes zu hören", dem reicht nicht die formale und
trockene Ausführung religiöser Handlungen. Er möchte G~tt in
jedem einzelnen Gebot begegnen. Für ihn ist G~tt beim Lernen
gegenwärtig und bei jeder seiner Taten. In jeder Situation fragt
er sich: Was will mir G~tt mit diesem Gebot sagen? Welchen
Inhalt und welche Botschaft kann ich ihm entnehmen?

Ein Spruch der Kozker Chassidim veranschaulicht diese
Einstellung sehr schön: "Was ist der Unterschied zwischen
einem Chassid und einem Mitnaged [orthodoxer Gegner des
Chassidismus]? Der Chassid fürchtet G~tt, und der Mitnaged
fürchtet den Schulchan Aruch...".

Das obige Prinzip gilt auch für die Gegenrichtung. Manche
Leute glauben, wenn sie zu G~tt beten, sei er verpflichtet, ihre
Gebete zu erhören und alle ihre Bitten zu erfüllen. Nach unserer
Deutung ist dies jedoch nicht die richtige Einstellung. Wenn ein
jüdischer Mensch vor G~tt steht und betet: "Herr, erhöre meine
Stimme, möge dein Ohr aufhorchen bei meines Flehens
Stimme" (Psalm 130,2), so bezeichnet das nicht eine
Erwartungshaltung, daß G~tt die Weisungen und Richtlinien
dieser Person doch bitteschön befolgen möchte, sondern eine
Erwartungshaltung des Erhörens und der Aufnahme, der
Zuneigung und der Liebe, die dem Menschen die Kraft gibt, jede
Antwort zu akzeptieren.

Das ist die tiefere Bedeutung des Anhörens des
Schofarklanges. Der Schofarton vermittelt weder Worte noch
offensichtliche Inhalte. Man hört nur einen einfachen Ton. [Das
Gebot vom] "Anhören des Schofartones", d.h. das Hinhören auf
das Wort G~ttes noch vor dessen Spezifizierung in tätig zu
befolgende Gebote. Wer den Klang des Schofars zu hören
kommt und versucht, die verborgene, innere Botschaft zu
entschlüsseln, wird damit auch "auf die Stimme G~ttes hören"
können.
 
 
Frage und Antwort

Charedische Zionisten?

Rav Schlomo Aviner
Oberrabbiner von Bet El und Rosch Jeschiwa von "Ateret Kohanim" in der Jerusalemer Altstadt

Frage: Sie erwähnen immer wieder, daß man für das Land
Israel zu persönlichen Opfern bereit sein muß und bringen zum
Beweis eine Vielzahl von Quellenangaben. Die charedischen
[die sogenannten "streng-orthodoxen"] Rabbiner sind jedoch
anderer Ansicht und betonen das Gebot "Hütet sehr eure
Seelen". Wie soll ich nun wissen, wer recht hat und wie ich mich
verhalten muß?

Antwort: Ich habe noch nie eine verbindliche,
religionsgesetzliche Entscheidung eines charedischen
Rabbiners gesehen, die eine Selbstaufopferung für das Land
Israel verbietet. Darüberhinaus haben charedische Juden in
allen Generationen für das Recht, im Lande Israel zu leben,
Kopf und Kragen riskiert. Die Reise nach Israel war gefährlich,
das Wohnen im Lande war gefährlich, und das Gründen der
Siedlungen war gefährlich. Petach-Tikva wurde im Jahre 5635
(1875) von charedischen Juden aus Jerusalem gegründet, trotz
der Malariagefahr (es gibt sogar ein Lied darüber) und der
Bedrohung durch arabische Nachbarn.

Auch in Jerusalem war es nicht immer leicht. Man litt an
ansteckenden Krankheiten, tödlichen Epidemien,
Räuberüberfällen, Armut, Unterernährung und vor allem einen
Mangel an Trinkwasser. Kleine Kinder weinten Tag und Nacht
nach etwas Wasser. Viele Familien waren gezwungen, nach
Jaffo und Gasa umzuziehen. Aus lauter Verzweiflung trank man
aus stinkenden Brunnen. Im Jahre 5589 (1829) geschah den
Schülern des Rabbi Elijahu aus Wilna ein Wunder, als
außerhalb Jerusalems in anderthalb Stunden eine Quelle
hervorbrach, aus der im Laufe der folgenden acht Tage
Tausende Wasserschläuche gefüllt werden konnten.

Dazu eine original-charedische Geschichte: Im Jahr der großen
Unruhen 5689 (1929), am Freitag den 17. Aw, tobten die
arabischen Aufrührer im ganzen Lande, wüteten und mordeten
mit großer Grausamkeit. Gegen Mittag zogen Tausende Araber
aus der Omar-Moschee, nachdem sie durch die Predigt des
Mufti gründlich aufgehetzt worden waren, mit Messern und
Keulen bewaffnet in Richtung der jüdischen Viertel "Me'a
Sche'arim" und "Bet Israel", den Schlachtruf "itbach-al-Jahud"
[massakriert die Juden] auf den Lippen. An der Spitze der
aufgehetzten Menge marschierte ein arabischer Scheich, der
ein enormes Schwert schwenkte und die Aufrührer anheizte,
weder Frauen, Kinder noch Alte zu verschonen, da sie einen
heiligen Krieg - Dschihad - führten.

Als sich die tobende Menge dem italienischen Krankenhaus
näherte, traten aus dem Gebäude der Getreidemühle am
südlichen Ende von Me'a Sche'arim zwei charedische
Jugendliche hervor und gingen auf die Angreifer zu. Einer der
beiden, dessen Schläfenlocken unter seiner Mütze
herausragten, zog plötzlich eine Pistole hervor und schoß dem
Anführer direkt in den Mund. Dieser fiel auf der Stelle tot um.
Panik brach aus, und die Araber begannen, in Richtung des
Damaskustors davonzulaufen. Die beiden Jugendlichen
nahmen die Verfolgung auf und warfen eine Handgranate, die
drei weitere Aufrührer tötete. Mehr jedoch kamen um, wie sie
von ihren eigenen Kumpanen bei ihrer wilden Flucht zu Tode
getrampelt wurden.

Jener bärtige Jugendliche, der auf den Anführer schoß, war
niemand anderes als der Zadik, der spätere Rabbiner Aharon
Fischer, Vater von Rabbiner Israel Jakov Fischer, dem
Vorsitzenden des obersten Rabbinatsgerichtes der
charedischen Gemeinschaft in unseren Tagen.

Am nächsten Tage sollte der weise Rabbiner Josef Chajim
Sonnenfeld, der in der Altstadt wohnte, eine Beschneidung in
Me'a Sche'arim vornehmen. Verwandte und Bekannte sorgten
sich um ihn, flehten und baten ihn inständig, nicht zu gehen,
doch er bestand darauf, denn er wollte sich diese Mitzwa nicht
nehmen lassen.

Am Schabbat schritt der 80jährige Rabbiner, eingehüllt in seinen
Tallit, durch das selbst in "normalen" Zeiten berüchtigte
Damaskustor, und machte nicht den sichereren Umweg über
das Jaffator. Vollkommen seelenruhig ging er denselben Weg,
wo sich erst gestern Tausende Mörder zusammengerottet
hatten, um das Gebot der Beschneidung eines Neugeborenen
zu erfüllen. Auf dem Rückweg benutzte er das Jaffator.

Als man ihn fragte, warum er ausgerechnet durch das
Damaskustor gehen mußte, antwortete er: "Damit die Araber
gar nicht erst auf den Gedanken kommen, sie könnten auch nur
einen einzigen Juden aus irgendeiner Ecke oder irgendeiner
Straße Jerusalems vertreiben". Und warum ging er dann auf
dem Rückweg durch das Jaffator? "So halte ich es immer, um
zu erfüllen, wie es heißt: 'Umringet Zion und umkreiset es'
(Psalm 48,13)".

Bekanntlich stand Rabbiner Sonnenfeld nicht in dem Ruf,
Zionist zu sein, sondern war vielmehr ein ausgesprochener
Exponent des charedischen Flügels, der nicht selten eine
entgegengesetzte Ansicht wie Rabbiner Kuk vertrat.

Die Behauptung, die Charedim setzten nicht ihr Leben für das
Land ein, ist eine üble Verleumdung. Das Stadtviertel Me'a
Sche'arim wurde in einer Gegend gebaut, wo Angst vor
Räuberbanden herrschte.

Die Charedim opferten sich für das Land Israel auf, oder,
genauer gesagt, für den Spruch G~ttes, der gebot, das Land zu
besiedeln.

Weitere Kommentare von Rabbiner Schlomo Aviner zu aktuellen
Themen auf hebräisch im Internet (audio/online):
http://www.a7.org
- auch englischsprachige Sendungen und Nachrichten aus Israel
http://www.israelnn.org

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